Jahresrückblick 2014

karow3
In guter Tradition komplett verspätet und wahrscheinlich der letzte in der gesamten Blogosphäre, mein Jahresrückblick.
Das zweite Jahr Karow und jetzt kriegt mich erst recht keiner mehr in die Stadt zurück. Die Entscheidung hier raus zu ziehen stellt sich immer mehr als die richtige heraus. Man ist ja nicht weg, aber zu dem hysterischen innerstädtischen Trubel kommt neben dem geografischen auch die innere Distanz. Das kommt nicht nur der eigenen Produktivität zugute, sondern sorgt auch für eine Ausgeglichenheit die mir, zumindest in der Fülle der Großstadt, so nicht mehr gegeben war. Letztens erst fiel mir au wie sehr sich das geändert hat, war es früher so, das wenn ich zum Gig fuhr, ich durch fast leere Straßen gurkte und die Nähe des Clubs daran zu erkennen war, das dort ein Pulk Menschen und Autos im Nichts stand, wäre dass heute unmöglich weil sich überall Menschenmassen durch die Häuserschluchten quetschen. Die Parameter ändern sich, wichtiger als das Geschäft um die Ecke ist mir die Natur vor der Nase, nicht nur für meinen Sohn. Und so kam es das ich dieses Jahr endlich mal mehr oder weniger regelmäßig zum Laufen kam, was mir in der Stadt nie gelang, weil man immer erst durch Autoabgase entlang zu einer Strecke joggte, die man dann zig mal umrundete. Hier geht die Laufstrecke vor der Tür los und die Länge kann ich selbst bestimmen ohne irgendwas doppelt ablaufen zu müssen. Für schlechte Tage mit viel Matsch und Wasser von oben habe ich eine Rudermaschine von der aus ich in den Garten gucken kann, in einer Stadtwohnung wär’s wohl bestenfalls die Wand oder der TV gewesen.

Das Jahr 2014 wird wohl nicht nur bei mir als gesellschaftlich-politisches Jahr der total Confusion eingehen. Angefangen hat das spätestens mit diesen komischen Montagsdemos irgendwann im Frühling, die sich schon per Namen mit völlig spinnertem Kram auf die friedliche Revolution in der DDR bezog, womit sie gar nichts zu tun hatte. Auslöser war diese Ukrainekrise, die für sich genommen ja schon völlig bescheuert ablief, aber das dann noch ein homophober Putin als neuer Freiheitsheld daraus hervor ging, bloß weil die Amiseite genug Dreck am Stecken hat, das zeigt ja schon wie weit der Horizont dieser Bewegung reicht, einer muß ja der Gute sein. Und als ob das nicht schon genug zum Verzweifeln wäre kommt da im letzten Drittel des Jahres eine noch blödere Horde auf die Bildfläche, die meint mit trotzig mit dem Fuß aufstampfen, „Wir sind das Volk“ blöken und Dialog verweigern hätte man irgendwas revolutionäres angezettelt was Beachtung zu finden hätte. Dabei bedient man sich der Protestform von vor zwei Generationen und den Ressentiments von noch früher. Immer wenn man denkt es geht nicht mehr schlimmer kommt eine Horde Dumpfbacken daher und beweist einem mit Hinterherlaufen eines polizeibekannten Werbehonks, der sogar zu blöd zum Kokain verkaufen ist, das auf die deutsche Tradition der Gartenzwergspießer dann doch irgendwie Verlass ist.
Überhaupt, was haben die alle mit Deutschland? Deutschland soll bleiben wie es ist, obwohl es angeblich scheiße ist. Ein Türke will Deutschland wieder so wie es in den 60ern war, als er als Kind eingewandert ist, aber ohne die Ausländer und alle bedienen sich seines Duktus. Dabei gibt’s Deutschland gar nicht, weil es entweder kein souveräner Staat ist oder nur eine GmbH, kapier mir einer das und wieso das für einige das wichtigste im Leben zu sein scheint.

dj_tanith-703230834736564619_6471217
Musikalisch war es ein Jahr mehr oder minder ohne große Überraschungen, eher so ein auf der Stelle treten und weiter so mit, ohne Frage, hoher Qualität, aber eben auch ohne größere Innovationen oder Game Changer. Trotzdem hat das auch dieses Jahr wieder sehr viel Spaß gemacht, sei es mit meinen Residencies im Suicide oder Dangerous Drums/Tresor, aber auch bei den vielen Auswärtsspielen und Festivals im Sommer, von denen ich allerdings gerne noch mehr gemacht hätte, während ich die sonstige Gigsituation als genau richtig und wohltemperiert empfand. Lediglich für den Desastronauten hätte noch ein wenig mehr gehen können, aber vielleicht ist da ja 2015 mehr drin.
Hier nochmal alle 20 Mixe des vergangenen Jahres als Set gepackt

und die Desastronautsachen auch noch mal kompakt gepackt

Für die Studioarbeit habe ich mir zwar so gut wie keine neue Soft- oder Hardware geleistet, sondern lediglich geupdated, der Rekord Buddy sei hier aber noch erwähnt, der es mir ermöglicht ohne große Doppelarbeit meine Traktor Playlisten samt Grids und Cues in die Rekordbox und von da aus auf einen USB-Stick für die CDJs zu bringen, um für den Fall einer Havarie ein grundsolides Backup zu haben.
Hier noch eine Liste zu checkender Freeware Plugins, wovon ich einige bereits durch habe, für andere aber noch gar nicht die Zeit hatte sie kennen zu lernen. Außerhalb des Audiokosmos war es für mich aber mindestens genauso spannend und so habe ich per Day One wieder mit dem Tagebuch schreiben angefangen, per iA Writer zum ersten mal seit Jahren mal wieder mal einem anderen Texteditor als Textedit vertraut und bin nach einem kurzen Techtelmechtel mit Any.do zu Todoist als ToDo App gewechselt, eins der wenigen Programme für das ich sogar eine Jahresgebühr für die Premium Features zu zahlen bereit bin. Wichtig bei all diesen Apps ist mir das sie sowohl auf iOS, als auch auf OSX vorhanden sind und sich automatisch syncen. Das tun auch MindNode zum Ideensammeln und sortieren und Nuzzel wenn einem mal die Zeit fehlt auf Twitter und Facebook zu prokastinieren und man trotzdem up to date sein will, was im Followerkreis so Thema war.
Notable Mentions weiterer Programme die ich immer noch nutze, für die ich sehr dankbar bin und im Alltag nicht missen möchte: Evernote für fast alles zu speichernde, Pocket als Zwischenablage für nicht gelesenes, das dann nach Validierung unter Umständen im Blog oder Evernote landet und Feedly als RSS Reader.

dj_tanith-802713771810425686_6471217
Am Heilig Abend jährte sich dann auch mein drittes Jahr ohne Zigaretten. In Sachen E-Dampfen hatte sich ja Ende 2013 durch die Innokin VTR schon angedeutet das die längliche Rohrform Konkurrenz durch die Boxenform kriegen wüde, was sich mit Hana Boxen und dem Eleaf iStick dann auch bewahrheitete, soweit ich sehen kann wird sich das 2015 auch weiter fortsetzen, mit so krassen Sachen wie 50 Watt Boxen und 4400 mah Akkus drin. Mir soll’s echt sein, ich finde ja, je weniger so ein Ding einer Zigarette ähnelt, um so besser. Auch auffällig war der Trend zu Clonen, Fasttech und Fogalecig sei Dank, konnte man sich mit Billigkram für kleinstes Geld eindecken, oftmals ohne dafür Einbußen gegenüber den Originalen eingehen zu müssen, lediglich für etwas längere Wartezeit des Shipments aus Asien mußte man Geduld aufbringen. Es gab hitzige Diskussionen um das Für und Wider der chinesischen Klonkunst, bei der ich durchaus beide Seiten verstehen kann, aber mit deren Service habe ich persönliche bessere Erfahrungen gemacht als mit vielen deutschen Online Stores, wo mir nicht nur einmal völlig verpeilt der falsche Kram geschickt wurde, ich auf meine Kosten zurück senden durfte und eine Garantiesache sogar völlig im Sande verlief, während das Gerät schon wieder beim Händler war. Beim Chinesen gibt’s ein Ticket, man schickt auf deren Kosten zurück oder kann’s gleich ganz behalten und bekommt die versprochene Ware trotzdem zugeschickt.
So konnte ich mich zumindest mal ziemlich günstig in das Thema Pinoy, also Tröpfelverdampfer im Subohmbereich mit ungeregeltem, mechanischem Akkuträger, reinfühlen, um festzustellen, das es zwar imposante Nebelwolken macht, aber im Alltag für mich doch eher unpraktisch und daher nicht so wirklich mein Ding ist. Diese Erfahrung kostete mich so nur ca. 35€, während man bei den Originalen schonmal bei 150 anfängt.

dj_tanith-876857616910977447_6471217Gestorben wurde ja auch viel, nicht nur gefühlt viele Musiker, auch extrem viele von denen ich zu ihrem Tod zum ersten mal hörte, aber auch im engeren und weiteren Bekanntenkreis geht das schon los, dabei ist 40 doch kein Alter für sowas!

An komischen Massenereignissen fällt mir sonst noch lediglich gerade diese befremdliche Ice Bucket Challenge ein. Das ging ja soweit, das Leute förmlich darum bettelten da mitmachen zu dürfen „Nominiert mich! Nominiert mich!!!“ hab ich da nicht nur einmal lesen können. Menschen!

Bleibt noch die Aussicht auf 2015 und wenn ich so rekapituliere was ich von 2014 erwartete und was dann letztendlich passierte, halte ich mich da tunlichst zurück, ich hoffe nur das es nicht noch krasser kommt und nicht noch bescheuerter wird als das vergangene.
Meine guten Vorsätze soweit: mehr produzieren (wie immer), ein Sportstreak durch das ganze Jahr (wenn dieser tödliche Männerschnupfen erstmal vorbei ist) und weiterhin der beste Vater/Ehemann zu sein den mein Sohn/meine Frau sich wünschen kann.

Backstage Tristesse, ein Fotobuch von Modeselektor’s Szary


Glamourous Life of a DJ, eh? Der Backstage, mythenumrankter Ort der Begierde, da wo alle hinwollen um auf der sozialen Leiter des Abends ganz oben anzukommen. Hier fließt der Schampus in Strömen, die Drogen und die Chicks sind for free und alle sind Freunde. Die Realität sieht hingegen meist ganz anders aus, Putzlicht, schwabbelige Brötchen mit harten Käserändern, Aschenbecher die leben und vielleicht noch ein paar verpeilte übrig gebliebene, die gut mit dem Rest des Ambientes assimilieren.
Szary von Modeselektor hat während der diesjährigen Moderat Tour diese Tristesse fotografisch eingefangen und jetzt als Buch herausgebracht
Schöne Idee

Spotify & Co: Letting Off Stream


In den letzten Wochen bin ich vermehrt wieder über das Thema Streaming gestolpert, nicht weil Taylor Swift ihren Katalog aus Spotify entfernen ließ, oder Trent Reznor meinte das das Bezahlen von Musik einer vergangenen Ära angehört, sondern im Gespräch mit Musikern und Autoren und habe da z.B. mit mit der Aussage das es mir persönlich lieber ist wenn die Kids die Musik klauen, anstatt sie zu streamen, weil so wenigstens keiner reich wird anstatt die falschen, zugegebenermaßen etwas provoziert und polarisiert.
Aber kommen wir erstmal zu den Zahlen, der größte Dienst ist Spotify und hat ca. 50 Millionen User, von denen zahlen ca. 12,5 Millionen den Obulus von 10 €, seit der Dienst an den Start ging wurden 2 Milliarden Dollar an die LABELS gezahlt, sagt Spotify. Ich weiß nicht wieviel davon bei den Künstlern direkt ankam, aber wenn einer behaupten kann „My Song Was Played 168 Million Times on Pandora. I Received $4,000“ (Respekt an dieser Stelle übrigens für den ehrlichen und weitsichtigen Namen Pandora!) ist das eine verdammt mickrige Karotte die einem mit „Umso mehr Leute den Dienst nutzen, desto höher die Ausschüttung, ihr müßt nur durchhalten“ vor die Nase gehalten wird. Und mag ja sein das es nicht an Spotify selber liegt, sondern an den Deals zwischen Spotify, Label und Artist, zumindest berichten mir Labels durchaus, das Streaming in ihrer Kalkulation mittlerweile sehr wohl eine Rolle spielt, was ich mir gut vorstellen kann, wenn man sieht das die Majors allesamt Anteilseigner bei Spotify sind und wie die Deals somit aussehen könnten.
Das Kleinklein der Abrechnungen finde ich dabei auch gar nicht so interessant, ich sehe nur das offensichtlich mal wieder alle ihren Schnitt machen, bis auf die Ersteller dessen was da verhökert wird, too bad das es da keine GDL gibt, möchte man meinen.
Da frage mich schon, wo und wann mal die Schmerzgrenze der musizierenden Zunft überschritten ist.
Dabei kann ich wirklich gut nachvollziehen warum der Normaluser auf Streaming umsteigt. Musikkäufe sind mittels Streaming und Youtube für diesen, also für ca. 95% der Hörer, komplett überflüssig geworden. Die letzten die Musik noch kaufen, werden wahrscheinlich irgendwann die DJs sein, weil man sich auf das Wlan im Club lieber nicht verlassen möchte. Hinzu kommt, das mittels Spotify und Co wertvoller, weil knapper Platz auf Smartphone erhalten bleibt. Da kann man noch so sehr argumentieren, das Speicherplatz billig geworden wäre, wenn einem 200 Songs das Smartphone oder Tablet voll machen, ist das genauso wie vor 15 Jahren, als man mit dem iPod vor dem Plattenschrank stand und feststellen mußte, das all das und mehr was dort drin war, nun in dieses kleine Gerätchen paßte.
Man hat sich mittlerweile daran gewöhnt das man digitale Dinge nicht mehr besitzt und in den meisten Fällen hat das für den User so viele Vorteile, das er die kaum spürbaren Nachteile gern in Kauf nimmt. Ein Unrechtsbewußtsein bei der nachfolgenden Generation kann man da nicht verlangen, ich würde es sogar nachvollziehen können das die nicht versteht, wieso sie für etwas das sie bezahlen auch noch Speicherplatz opfern sollen, während die kostenlose Streamingversion ihnen den Speicher läßt und soziale Möglichkeiten wie Tagging, Playlisten Erstellung und Weiterreichung gibt, welche sie mit erworbenen Files nicht haben und dürfen. Gekaufte Musik wird sich für nachfolgende Generationen so clumsy und bräsig anfühlen, wie Tonträger vs. Files zu Zeiten als der iPod aufkam.
Streaming wird also wohl oder übel die Zukunft sein, von daher wäre es vielleicht für Contentersteller, vulgo Musiker, exakt jetzt an der Zeit die Notbremse zu ziehen um den Zug, bei dem man gar nicht groß gefragt wurde ob man mitfahren will, um im GDL-Bild zu bleiben, mal kurz anzuhalten, denn je mehr Fahrt dieser aufnimmt, desto schwieriger wird es werden ihn zu stoppen, bzw. darauf Aufmerksam zu machen, das da ein paar Weichen falsch geschaltet sind. Wenn es nicht eh schon zu spät ist, die ersten Musikverlage machen via Spotify schon mehr Geld als mit iTunes
Solange sich da nicht etwas zum Besseren für die Urheber ändert sollte man auch nicht den letzten verbliebenen Hebel, die Verweigerung, aus der Hand geben, Bewilligungskultur hin oder her

Tourbericht: Mayday Polen

10557531_746093688811613_7763751926639168562_o
Aufgrund einiger Anfragen möchte ich die alte Rubrik Tourtagebuch einmalig reaktivieren, die älteren unter uns werden sich erinnern, das ich zu Anfangszeiten dieses Blogs so ziemlich jeden Gig in einem Review rekapitulierte, genau das möchte ich jetzt mit meinem Auftritt bei der Mayday Polen wiederholen.
Schon im Vorfeld hatte ich mich lieber für die Flugoption entschieden, weil der Blick in den Bahnfahrplan eröffnete, das die knapp 550 km nach Kattowicz mindestens neun bis zehn Stunden brauchen würden. Also Flugzeug, was zwar auf anderer Ebene ebenfalls der absolute Wahnwitz ist, es gibt keine Direktflüge von Berlin, als hin über Frankfurt und weiter nach Krakau, dabei nochmal runter auf Berlin winken, das man vor kurzem erst verlassen hatte. Zurück über München, ökologisch ist das nicht. Aber auch aus anderem Grunde war ich froh nicht die Zugkarte gezogen zu haben, denn der GDL Streik hätte das ziemlich unmöglich gemacht, konnte man aber zur Zeit der Buchung nicht ahnen, Glück gehabt.

Nun hieß es also erstmal nach Tegel kommen, normalerweise nehme ich die S2 bis Gesundbrunnen und fahre bis Beusselstr mit der Ringbahn weiter um dann mit dem Airport Express die letzten Meter zu nehmen, ging aber nicht wegen des Streiks. Also doch mit dem Auto, zumindest bis zur Haltestelle des Airport Express, wo keine Parkgebühr anfällt. Pustekuchen, denn die Idee hatten ca. Tausend andere auch, nach zwei Runden von jeweils ca. 2 km Länge gab ich auf und biss in den sauren Apfel den Flughafen Parkplatz zu nehmen, mit der Gewissheit das allein das Abstellen dort mit ca. 60 € zu Buche schlagen würde.
Flug war nicht der Rede wert, normal wie immer, früher hatte ich mal ausgerechnet das ich mehr geflogen als U-Bahn gefahren bin, das ist einige Zeit her und dürfte sich mittlerweile wieder zugunsten der BVG verschoben haben. Ich saß bei Raphael Dincsoy, aka Rapha und seiner Bande und die knappe Stunde Flug verging wie in selbigem.

Angekommen in Krakau spuckte der Lufthansa Jet auch noch Talla und Taucher aus, die hatte ich beim Einsteigen gar nicht bemerkt. Bei unserem Shuttlebus sammelten sich dann noch ATB, Tommy Fourseven und irgendwelche mir nicht bekannten schlechtgelaunten, wahrscheinlich Trancehanseln, aus. Ca. eine Stunde braucht’s von Krakau nach Kattowicz, was leider im Dunklen passierte, so das man nur wenig vom Land mitkriegte, also unterhielt man sich. Erste Feststellung: so ziemlich jeder alternde DJ hat sich mehr oder weniger auf’s Land oder den Stadtrand zurück gezogen.

Untergekommen waren alle Artists im Best Western Hotel, guter Standard also und das Abendessen ging auf Maydaykosten, yay! So traf man sich im Restaurant wieder, Talla, ATB, Taucher und ich an einem Tisch, hat man auch nicht alle Tage. So wie andere bei Tisch nicht über Politik reden, ließen wir Gespräche über musikalische Vorlieben lieber außen vor, dann geht das schon. Stattdessen ging’s eher um Landleben und Musik in meta, also Business, bzw. wie anders alles geworden ist, da durfte natürlich Streaming nicht fehlen und ich düpierte die Runde, glaube ich, ein wenig mit der Aussage das es mir persönlich lieber ist wenn die Kids die Musik klauen, anstatt sie zu streamen, weil so wenigstens keiner reich wird anstatt die falschen. Beim Blick auf die Abrechnungen kam dann aber doch mehr oder weniger Zustimmung auf, aber dazu schreib ich nochmal gesondert was.
Danach verabschiedeten sich alle entweder zur Abfahrt zum Gig oder ins Bett, ich in letzteres, denn ich sollte mal wieder das Ende des Classic Floors bestreiten.
Für mich war das spannend, man sollte ja meinen Classics, das sind eh nur Hits, das geht immer, aber weit gefehlt. Mittlerweile sind schon einige Generationen durch Techno gegangen und jene die Anfang oder Mitte der 2000er erst reingekommen sind kennen viele der frühen Sachen gar nicht und stehen dann da wie der Ochs vor’m Berg, so richtige Veteranen finden alles nach 93 oder vielleicht 96 zu neu und werden mäkelig. Hier kam noch die Prämisse Polen dazu, was kennen die da? Wann wurden die musikalisch sozialisiert und wie alt ist der Durchschnitt da? Als ich kam war gerade ATB dran und die Leute schmissen sich bei dem Trancekram mächtig ins Zeug. Ich übernahm dann ab 5:30 und zog mehr ins Technofach rüber, klappte gut um nicht zu sagen super, keine Massenabwanderung whatsoever. Kein Unterschied zu den Classics hier, außer das man vielleicht nicht so sehr in die Nischen rein konnte, aber das ist bei anderthalb Stunden auch kaum möglich, ohne das man dann in einer Nische hängen bleibt und das Licht angeht bevor man wieder raus ist.

10731168_746093712144944_6080944711451658895_n
Das Licht ging um 7:00 an und ich mußte nach Standing Ovations noch für die unvermeindlichen Fotos mit Ravern bereit stehen. Hatte ich so nicht erwartet, weil wer bin ich schon in Polen? Aber viele kannten mich tatsächlich, erzählten mir wie oft sie in Berlin waren, im Tresor oder auch im Suicide. Eigentlich auch nicht verwunderlich, sind schließlich nur 550 km, das ist näher als München oder Frankfurt. Die Bilderarie gestaltete sich auch gar nicht unangenehm oder aufdringlich, das lief alles sehr freundlich und ungezwungen ab, aber dauerte. Am Ende war schon fast alles wieder abgebaut und kein Verantwortlicher mehr zu sehen. Die Suche nach dem Büro gestaltete sich dann etwas unübersichtlich, obwohl das Gebäude rund war, aber eben auch riesig, auch hier gab es mindestens vier Floors. Dann zurück ins Hotel, nun war es schon etwas heller und Kattowicz sah aus wie eine schnuckliges ostdeutsches Städtchen vor 10 Jahren, alt schmiegt sich an neu und es ist noch viel Patina vorhanden, die hierzulande längst übertüncht wurde.

Katowice_Spodek-_nowa_iluminacja
Jetzt hatte ich noch ca. zwei Stunden um meine 4 Stunden Schlaf auf 6 upzugraden, bevor der einstündige Rückweg nach Krakau anstand. Mit mir im Shuttle wieder die schlechtgelaunten, vermutlichen Trancer, nichtmal ein Verabschieden am Flughafen, stattdessen wortloses auseinander stieben, wahrscheinlich sieht man sich eh nie mehr im Leben, die zwei Mal haben wir ja jetzt hinter uns gebracht.

Rückflug also über München und zurück in Berlin fuhren die Bahnen zwar wieder, brachte mir aber nix, Auto wartete ja am Flughafen. Die Rückfahrt ins beschauliche Karow gestaltete sich dann aufgrund der 25 Jahre Mauerfall Feierlichkeiten natürlich etwas komplexer als gewohnt. Zum Beispiel war deshalb ausgerechnet die Böse Brücke an der Bornholmer Straße gesperrt, was eigentlich paradox ist, war doch das die erste Stelle die damals AUF ging. Nun ja. So kam ich in den unfreiwilligen Genuß Teile der Ballonmauer abzufahren, die zu den Festivitäten nochmal den Verlauf aufzeigen sollte. MENSCHENMASSEN! Es war tatsächlich so als würde die Mauer erneut aufgemacht werden. Gut das ich mich auskenne und Schleichwege nehmen konnte, die, wie es der Zufall so will, genau an den beiden Häusern vorbei führte in denen ich seit 95 im Prenzlberg wohnte, kein Kilometer von der Stelle entfernt wo damals der Schlagbaum zuerst aufging und wo heute ein Lidl mit lächerlichen Eigentumswohnungen drauf steht, was dem Ort so gar nicht gerecht wird, oder vielleicht doch, wenn man es als Symbol sieht. So dauerte die Strecke Tegel Karow satte anderthalb Stunden, ca. das dreifache was man sonst so braucht, aber sei’s drum, das Mitkriegen der Feierlichkeiten war’s dann doch wert.
Und hier noch der Mitschnitt:

Soundcloud:

Mixcloud mit Playlist:

Tanith @ Mayday Poland by Tanith on Mixcloud

Und ein kurzer Einblick ins Geschehen:

UPDATE: Mehr Bilder von Michal Nowotniak

(Bilder 1 und 2 via ?ukasz Mariusz F. SyntheticVision 3 via Wikipedia )

Testing, Testing, one, two: Neue Theme auf Tanithblog

Ich experimentiere hier gerade ein wenig mit einer neuen Theme rum, die zwar ebenfalls aus dem gleichen Labor kommt wie die letzte, nämlich von Elmastudio aber um einiges moderner ist, heißt also mehr Optionen bietet. Das Dunkle hab ich gerade wieder ein bisschen über, zudem ging mir ja die Typo der alten Theme von Anfang an auf die Nerven und die hier gefällt mir um einiges besser. Es ist ist alles noch mehr oder weniger Baustelle, aber es wäre hilfreich wenn ihr mir sagen könntet was nervt oder noch nicht funktioniert. So habe ich z.B. festgestellt das bei anderen Rechnern durchaus mal die Mobile Theme angezeigt wird, die auf Mobilgeräten super ist, aber auf Rechnermonitoren will ich die nicht sehen, da fehlt dann nämlich die wichtige rechte Spalte.Krieg ich auch noch irgendwie hin.
Oder habt ihr euch mittlerweile so an die dunkle Theme gewöhnt das ich wieder switchen soll? :D

Alexander Shulgin RIP und Danke für die Pillen


Das muß man auch erstmal schaffen, 88 werden obwohl man sicch als Versuchstier der eigenen Forschung verschrieben hat. Jetzt ist er wohl friedlich eingeschlafen und auch wenn wahrscheinlich in den meisten Nachrufen wahrscheinlich die Warnung vor MDMA dominiert und immer noch davon gefaselt wird das Langzeituntersuchungen bezüglich der Ungefährlichkeit von Exstacy noch ausstehen (wie lange eigentlich noch?) muß man den Pillen, in sauberem Zustand, immerhin zugestehen das sie vielen Menschen eine Musik näher gebracht haben, die sie sonst wahrscheinlich nie verstanden hätten, Menschen miteinander bekannt gemacht haben, die sich sonst nie etwas zu sagen gehabt hätten und dadurch eine Kultur geprägt haben, die bis heute anhält. Manche Dinge warten nur auf das Zeitfenster, bis sozusagen die Chemie stimmt und so war das auch mit MDMA, das bereits 1912 erfunden wurde, von Shulgin wiederentdeckt wurde, aber erst die Kombi aus elektronischer Musik und dem Wirkstoff in Pillenform hat so richtig gezündet, hier in Berlin kam noch die Wiedervereinigung als Faktor dazu. Wer weiß wie das alles ohne diese puddingbrumselige Wirkung der Es, die er gerne als “low-calorie Martini” bezeichnete abgelaufen wäre?
Auch wenn man schon lange aus der Sache raus ist, gilt mein Respekt für Shulgin’s Arbeit und für diese Momente und die Wechselwirkungen, die ohne seine Arbeit vielleicht nicht so möglich gewesen wären.

Survival Research Laboratories


Schön das es die noch gibt. Ich habe früher nach jedem Fitzelchen Information über die SRI gesucht, irgendwann aber den Faden verloren. Jetzt haben sie sich mit dem Proposal um eine Performance auf dem Google Campus gestellt und sich damit bei mir zurück ins Bewußtsein geschlichen.
Die machen das schon seit 1979, also schon ne Weile länger als Boston Dynamics, welche Google ja letztens gekauft hatte, würde also gut passen.
Aber viel lieber als auf einem Google Campus würde ich deren Performance mal auf einem hiesigen Festival sehen, ich meine, mehr Techno geht ja wohl kaum!

(via Boing Boing)

Eine Woche Strictly Old School… auf Ibiza…O_O


Krass! Von 28 Mai bis 4.Juni eine Woche Old School auf Ibiza, also da wo das alles mal angefangen hatte, mit vielem was Rang und Namen in England hatte, die Liste liest sich wie ein who is who der Raves damals, auch wenn einige Essentials wie Grooverider, Carl Cox, NJoy, Automation, Shades of Rhythm etc. sicher noch schöner gewesen wäre, aber:
Rat Pack
Slipmatt
Billy Daniel Bunter
Uncle Dugs
Baby D (LIVE PA)
SL2 (SLIPMATT & MC JAY J)
K Klass DJ SET & LIVE PA
Liquid
2 Bad Mice
Rachel Wallace (LIVE PA)
Mark Archer (Altern 8)
DJ Vibes
Stu Allan

Wie bei den Engländern üblich gibt’s natürlich zig Packets die man buchen kann.

(via Mark Archer)