The Tumblr you’ve all been waiting for!

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Releaseankündigungen, früher, in feststofflicher Zeit auch Waschzettel genannt, ich hab sie schon immer gehasst. Es soll ja Leute geben die mit diesem Geschreibsel Ihr Einkommen bestreiten und ich hab mich immer gefragt was das aus Menschen macht wenn man sich diese immer gleiche Grütze aus den Fingern saugen muß.
Jetzt gibt’s ein Tumblr dazu “Why I Deleted Your Band’s Promo Email
Mehr Stilblüten:

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(Via Canned Applause)

Zu dieser Ten Walls Geschichte

ist eigentlich alles schon gesagt worden, mir fehlte nur das passende Bild

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Seine Musik könnte mir egaler nicht sein, aber Deppen die 2015 noch nicht begriffen haben das es völlig egal ist wie Leute ausgerichtet sind, gerademal im Techno und House Kontext, der historisch schwer von Schwulen profitiert hat, geschieht es nicht besser. Von daher ein gutes Zeichen das die Reaktionen der Veranstalter so einstimmig ausfallen.

Der Sony Vertrag mit Spotify, oder wo das Geld bleibt (Hint: nicht beim Künstler)

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The Verge veröffentliche vor 2 Tagen einen Vertrag zwischen Sony und Spotify (der mittlerweile wg. Copyright offline genommen wurde) der zwischen 2011 und 2014 galt, also die Anfangszeit bis zu der Zeit als der Streamingdienst Fahrt aufnahm, dessen einzelne Paragraphen für mich als Laien allein schon wirkten wie bestes Mafiamaterial, so Klauseln wie, wenn ein anderer Partner mehr bekommt erhöht sich die eigene Vorauszahlungssumme um das selbige. Kann sein, das sowas durchaus branchenüblich ist, aber das allein wirft aber ein bezeichnendes Bild auf die Branche. Die Summen um die es da geht belaufen sich auf Vorauszahlungen von 42,5 Mio $, der Witz an der Sache ist das diese nie an Künstler ausgezahlt werden mußten, das gilt nämlich lediglich für Tantiemen.
Dazu kommen noch Gratiswerbung im Wert von 9 Mio. zum günstigsten Preis und die Hälfte der nicht verkauften Werbeplätze zur freien Verfügung.
Das weitere Vettragskauderwelsch ist mir böhmische Dörfer, aber Heise fasst zusammen:

Label Fees
Als eigentliche Tantiemen musste Spotify mindestens 60 Prozent seines Bruttoumsatzes an die Label ausschütten. Davon bekam Sony dann seinen “Marktanteil”. Doch Sony konnte auf einer alternativen Berechnung bestehen, falls diese mehr Geld einbrachte.

Dabei wurden 0,225 bis 0,25 Dollar-Cent je werbefinanziertem Stream, plus drei Dollar pro Monat und normalem Abonnenten, plus sechs Dollar und Monat je Premium-Abonnenten veranschlagt. Diese Sätze galten auch dann, wenn ein Abonnent Spotify in einem Monat überhaupt nicht genutzt hatte. Für länger im Voraus bezahlte Abos gibt es maximal 15 Prozent Rabatt.

Top-Up Fees
Spotify verpflichtete sich dazu, mindestens eine Million zahlender Abonnenten in Nordamerika zu gewinnen. Gleichzeitig mussten mindestens zehn Prozent aller User zahlende Abonnenten sein. Indirekte Abonnenten, die etwa über einen Mobilfunkvertrag zu Spotify kamen, wurden nur teilweise angerechnet. In jedem Monat, in dem Spotify diese Ziele nicht erreicht hat, wurden “Top-Up Fees” fällig. Sie waren zusätzlich zu den Vorauszahlungen und Tantiemen zu entrichten.

Richtig lustig werden die Summen wenn man bedenkt das Sony, wie alle anderen Majors, Teilhaber von Spotify ist und für diese Anteile damals 2935 € gezahlt hat. Nun sucht man schon länger einen Käufer, angepeilt ist ein Preis von 10 Milliarden Dollar, womit aus dem Verkauf für Sony eine halbe Milliarde raussprängen, während der vermutlich zu ihren Gunsten mittlerweile geupdatete Vertrag weiter läuft.
Und ihr fragt euch wo das Geld für die Künstler beim Zukunftsmodell Streaming bleibt?

Wie sich Musikverkäufe verändern und was für Musiker heute übrig bleibt in 2 Grafiken

Hier mal was zum erden. Ich glaube in ähnlicher Form hatten wir das schonmal, auf Vox gibt es diese animierte Grafik, wie sich der Musikkonsum und Kauf per Medium allein in den letzten 30 Jahren seit 1983 verändert hat:

Und beim Guardian gibt es die Grafik, wieviel ein Musiker verkaufen muß um die angenommene Mindestmenge von 1260 $ zu verdienen, die zum Überleben nötig sind

Auch wenn die Erhebungsmethoden nie 100% korrekt oder interpretierbar sind läßt die Tendenz schon mehrere Schlüsse zu: Einerseits, wer mit Musik wirklich Geld verdienen will sollte sie nicht machen sondern verkaufen (besonders neu ist das allerdings nicht). Andererseits bleiben dann auch nur jene übrig denen Musik machen eine Herzenangelegenheit ist, die, die es machen müssen (und somit die Gearschten sind).
Aber auch: Auch Streaming isn’t here to stay.
Nur: Das es verdienstmäßig für Musiker damit dann wieder besser wird, diese Annahme läßt die bisherige Entwicklung auch nicht gerade zu.

Gorny, nach Oettinger die zweite Kriegserklärung an Netz und Nerds


Dieter Gorny als “Beauftragter für kreative und digitale Ökonomie” ist jetzt nach Öttinger schon die zweite Kriegserklärung an die Kreativen und diejenigen die dieses Internet und alles was man darin anstellen kann voran gebracht haben. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Beauftragter für Kreative. Kein Kreativer käme auf die Idee Gorny zu beauftragen. Gorny, einige werden sich an ihn noch als Viva und PopKomm Chefchen erinnern, oder als denjenige der darauf pochte das die Loveparade in Duisburg stattfinden muß, das Ergebnis kennt man ja, es war die letzte. Heute ist Gorny Präsidiumsmitglied beim Deutschen Musikrat oder als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, also dem deutschen Teil der IFPI. Allesamt Organisationen die nicht gerade dafür bekannt sind, ein Interesse dafür zu haben das verkorkste und den Zeiten nicht mehr gerechte Urheberrecht in einen aktuellen Rahmen zu setzen. Warum auch, man ist ja schließlich so ziemlich der einzige der Nutznießer des Status Quo. Ein leuchtendes Beispiel für Lobbyismus und Mietmaul also. Und so redet man dann auch gar nicht groß um den heißen Brei rum, Die Bundesregierung habe “die großen Auswirkungen” des Internets auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur lange nicht gesehen, räumte der Sozialdemokrat ein und bedauerte, “die Digitalisierung zunächst den Netzpolitikern überlassen zu haben”. Die Bundesregierung habe “die großen Auswirkungen” des Internets auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur lange nicht gesehen, räumte der Sozialdemokrat ein und bedauerte, “die Digitalisierung zunächst den Netzpolitikern überlassen zu haben“. bzw. „Das Wohl und Wehe der Musikbranche dürfe nicht ein paar Nerds überlassen werden.“ Muß man dazu extra erwähnen das es das Internet, so wie man es heute kennt ohne Nerds und Musiknerds gar nicht gäbe?
Keinem Kreativen ist mit dieser Besetzung geholfen, sehr wohl aber den Verwertern derer Rechte. Und das klingt dann so: „die hiesige Antwort auf das Silicon Valley müsse sich aus europäischen Werten „wie geistigem Eigentum und Urheberrecht“ speisen. Mir deucht da reichen einem Die Loveparade Toten nicht, da muß noch mehr gehen oder da hat einer Death Valley mit Silicon Valley verwechselt und so lese ich auch den Satz “dass die Kreativen bekommen, was ihnen gebührt“ eher als Drohung. Auf Pendants zu Regelungen wie Fair Use und ähnlichem wird das nicht rauslaufen, klingt eher nach Vorratsdatenspeicherung auf für Copyrightverletzungen benutzen, wenn schon der Warner Chef dazu meint er mache „gute Ansätze aus, die aber nicht hinter der umstrittenen Rechtsprechung etwa des Bundesgerichtshofs zur Störerhaftung zurückbleiben dürften“.
Die Interessen der Bürger und Kreativen sind da wohl so das letzte was da auf der Digitalen Agenda steht. Aber mit Gabriel’s Befürwortung von VDS, TTIP und der Ablehnung der Telekom von Netzneutralität kann man durchaus schon einen roten Faden erkennen.
Klar kann man netzpolitische Realitäten ausblenden und das mit „ein paar Nerds“ wegwischen. Klar kann man die Netzzukunft eines Landes aus Angst vor Copyrightverstößen an die Wand fahren, anstatt sich die Mühe zu machen einen brauchbaren Urheberschutz für Kreative zu entwickeln und nicht nur für die Verwerter die man vom Sektempfang kennt. Man braucht sich dann aber auch nicht wundern wenn einen das gleiche Schicksal ereilt wie die Partei bei der man nur das S mit einem F tauschen muß, wenn man schon die gleiche Klientelpolitik betreibt.

In Chicago im Vorbeigehen mal 13 Vinylpressen gefunden


Factmag berichtet das der Besitzer von Quality Record Pressing, Chad Kassem, zu einem Lagerhaus geführt wurde in dem sich 13 alte Vinylpressen befanden, die zuletzt in den 90ern benutzt wurden “Though the presses, manufactured between 1968 and 1972 look dirty, rusty, old and useless (which is pretty much how vinyl haters describe vinyl buyers), Kassem says they are anything but”
sagt Analog Planet von denen die Info stammt. Die Dinger werden gerade verladen und nach Kansas zum neuen Besitzer gebracht, womit Quality Record Pressing zu einem der größten Vinyllieferanten der Staaten wird.

(Danke Ilona)

GEMA, Black Boxes und die Bredouille der Clubszene

Auf Netzpolitik gibt’s heute einen schönen Artikel der nochmal das Problem beleuchtet, wie das Black Box Tracking der GEMA funktioniert und welche Probleme sich daraus für Clubs und Produzenten aus dem Clubkontext ergeben. Kurz, die 120 Black Boxen stehen vornehmlich in Großraumndissen und zeichnen dort einmal die Woche eine Stunde Musik auf, diese Stichprobe gilt dann als statistisch sankrosankt um den ganzen Bereich Musik in Diskotheken bewerten zu können und die Gelder entsprechen zu verteilen. Klar, das dabei sowohl Clubs als auch dort gespielte Tracks komplett hinten runter fallen, was für beide mehr als ärgerlich ist, für die Clubs keine nicht geringe Mengen an die GEMA zahlen, obwohl der Großteil der Musik gemafrei ist und für die Produzenten, bei denen nichts davon ankommt. Hinzu kommt das die GEMA nur Pauschalen, nicht aber abgegebene Tracklisten des Abends akzeptiert. Auch ein Tracking über den ganzen Abend will man offensichtlich möglichst vermeiden, warum dürfte klar sein, die Wahrheit dürfte nicht allzu gut für die GEMA Vermutung ausfallen, also redet man sich, wenig überraschend, mit den Kosten raus:

Die Ein­nah­men im Dis­ko­the­ken– und Club­be­reich sind auf der einen Seite über­schau­bar gering, aber die Kos­ten für eine track­ge­naue Abrech­nung sind alles andere als gering. Das heißt: da muss sehr viel inves­tiert wer­den, wenn man wirk­lich auf eine auf den Track genaue Abrech­nung kom­men will. Hier muss man sehr genau hin­schauen, ob die Kos­ten am Schluss nicht höher sind, als das Geld, was zu Ver­tei­lung ansteht.

Nun existiert aber mit dem neuen GTI-System genau solch ein System und und ist dabei gar nicht so kostspielig wie kolportiert, wäre dabei viel gerechter und bietet noch einige weiter Vorteile nicht nur im Clubkontext, wie z.B. das Labels ihre Tracks für das Fingerprinting selbst einreichen können.
In ausführlich wie gesagt bei Netzpolitik
Ich bin gespannt wie das weitergeht und wenn die Testphase vorbei ist, wie lange der Gesetzgeber die jetzige Praktik der GEMA dann noch zulässt

Neues Streamingdebattenfutter: Abrechnung eines Grammy Nominierten

Ok, ist zwar schon etwas älter, hatte ich aber nicht auf dem Schirm und zeigt für mich erstmals eine Abrechnung Schwarz auf Weiß, Egebnis: I received a total of $30.89 from them – $11.50 for the artist; $19.39 for the label (I’m the label, TruArt Records).
Wohlgemerkt, für zigtausende Plays, würde ihm das Label nicht gehören wären es also nur grundgütige 11,50$

Er schließt mit den Worten:
Someone’s making money, and in true fashion with the music industry, it’s not the artists. Business practices like this are one of the reasons I jumped ship and only write for television now.

Es liest sich dann wie ein Hohn auf die Produzenten dessen was man da verkauft, wenn eine Credit Suisse über die Streaming Revolution berichtet und resümiert:
Ein Licht am Ende des Tunnels?
Die Künstler mögen das Nachsehen haben, doch für die Plattenfirmen sind mit dieser Entwicklung grosse Hoffnungen verbunden

Vinyl Comeback im Techno oder Geldverbrennung als soziale Distinktion am unteren Rand


Na also, passend zum Vinylcutter und den Relationen des Vinyl Comebacks letztens, nun der Text von Stefan Goldmann in der Groove: VINYLSTAU Wie sich das Vinyl-Comeback auf Techno auswirkt
Deshalb oben nochmal die Grafik, um daran zu erinnern um welche Zahlen es sich da handelt, wenn man davon spricht das man sich den Vinylherstellungszahlen von 1996 nähert. Da stellt sich zurecht die Frage:

Aber was die eigentlichen Spezialisten des Mediums – kleine Vinyl-only-Labels – veranlasst, immer wieder Geld zu verbrennen, bleibt rätselhaft. Wird der Glanz eines industriell hergestellten Produkts als Zeichen für Relevanz gebraucht? Bis heute konnte sich praktisch kein einziges reines Digitallabel einen Namen auf Augenhöhe mit den Auch-Vinyl-Labels machen. Umgekehrt müsste man vermuten, dass Produzenten von Unikaten unter Galerieverdacht stehen, denn konsequent Einzelstücke für einen noch kleineren Zirkel von Eingeweihten zu produzieren wird im Clubkontext kaum erwogen.

Clubrelevanz verlangt anscheinend nach wie vor nach dem symbolschweren Vinyl. Die Zahl der Willigen, diesen speziellen Opferritus jahrelang gegen die eigenen Finanzinteressen auszufechten, muss in die Tausende gehen. Soziale Distinktion am unteren Rand gegen das digitale Lumpenproletariat.