Nachbereitung zu der Anti-Gema Demo gestern

Ich war dann gestern, trotz meiner Vorbehalte ob der Organisatoren, doch mal schnell zu der Demo auf der Schönhauser am Frannz Club runtergeradelt, von der es heute in den Medien hieß das über 5000 Menschen teilnahmen. Nun, wie viele es waren will ich nicht schätzen müssen, so sah das zumindest in beide Richtungen gegen 19:30 aus

Gegen 20:00 mußten sich die Busse der GEMA VIPs ausgerechnet ihren Weg durch die aufgeheizte Antimenge bahnen um ihr Dinner im Frannz Club einnehmen zu können.

Was da verschüchtert hinter dem Busglas vorlinste war dickes Fleisch gewordenes Klischee auf zwei Beinen

Wie um das Klischee zu bestätigen mischten sich dann später auch noch tatsächlich solche Herren unter das Demovolk und postulierte Sachen wie “die sollen doch alle erstmal arbeiten gehen” (Bild und Aussage courtesy: Club Commission)

Was die Reden betrifft wurde ich nicht überrascht, die Phalanx aus Motte, Küpper, Reither und Cousteau, die bei jedem Thema, sei es Mauerpark, Tacheles oder jetzt halt GEMA, immer was zu sagen hat, tat das in der ihnen üblichen Art und Weise, die für mich immer mehr mit Selbstpromotion und Profilneurose zu tun hat, denn mit Anliegen, bzw. verschwindet dieses hinter Ersterem, but that’s just me.
Den unbeabsichtigten Vogel schoß Jan Kühn vom Berlin Mitte Institut ab, als ein Anwohner auf die Bühne stürmte und Rangelei verursachte, weil “ick sach ma ick will meine Ruhe hier”

Im Großen und Ganzen also schon ein recht lustiger Event im Gegensatz zum Ernst der Lage und allein von der Menge her (es war Montag!) eine respektable Leistung gegen diesen GEMA Blödsinn

Die Gemalügen

Ich weiß, dieser Flyer machte heute schon die Runde, trotzdem, ich hab dazu ja bislang viel zu wenig gepostet, weil es mich bestenfalls sprachlos macht, was da gerade passiert, schlimmstenfalls endet es in unflätig, von daher kommt so eine Beispielrechnung ganz genehm.
Und ich prophezeie mal üble Zeiten für Musik und alle Beteiligten wenn dieser Unfug so durchkommen sollte, seien es geschlossene Clubs, erhöhter Eintritt, Getränkepreise an der Wuchergrenze und nicht zuletzt schmälere Gagen, also so ziemlich das Gegenteil von dem für was eine GEMA eigentlich stehen sollte, zumal die meisten Artists sich lediglich durch Gigs finanzieren können

BTW: wer’s nicht glaubt kann es hier nachrechnen

Das Howto zum Thema Feinde machen perfekt und überall featuring GEMA

Die GEMA hat ihre neue Preisliste vorgestellt, ein besseres Benzin ins gerade schwelende Feuer kann man sich kaum ausdenken, sogar Veranstaltungen ohne Eintritt werden, entgegen der GEMAaussagen teurer und wie sich das für Clubs auswirkt lässt sich auch absehen.
Wenn man bedenkt, das dank Pauschalen tatsächlich nur ein Bruchteil des Geldes da wieder ankommt wo es eigentlich hingehört wünschte man sich das die Reform mal nicht beim Geld der Tarife anfängt, sondern bei der Gerechtigkeit der Ausschüttung:

“Discotheken, deren Veranstaltungen in der Regel von 22 bis 5 Uhr laufen, seien besonders betroffen. Ihnen drohten Erhöhungen von durchschnittlich 400 Prozent (sechs Euro Eintritt, 200 Quadratmeter Fläche) bis zu 1400 Prozent (15 Euro, 500 Quadrsatmeter Fläche)”

“Hinzu kommen, wie die Bundesvereinigung anmerkt, bei Tonträgerveranstaltungen weitere prozentuale Zuschläge wie Vervielfältigungszuschläge, wenn ein PC oder Laptop eingesetzt werden, sowie Zuschläge für die Verwertungsgesellschaft GVL. “Diese Zuschläge erhöhen sich ebenfalls gewaltig, da sie auf Grundlage des GEMA-Tarifs berechnet werden”

“Für eine Abendveranstaltung von 20 bis zwei Uhr ohne Eintritt mit Tonträgermusik mittels Laptop auf einer Fläche von 133 bis 200 Quadratmetern erhöhen sich die GEMA-Gebühren (inklusive aller Zuschläge) somit für Verbandsmitglieder von 50,54 Euro netto auf 80,96 Euro netto (plus 60 Prozent). Für eine Abendveranstaltung von 20 bis 2 Uhr mit Livemusik und 15 Euro Eintritt auf einer Fläche von 133 bis 200 Quadratmetern erhöhen sich die GEMA-Gebühren von 164,80 Euro netto auf 360 Euro netto (plus 118 Prozent). Bei durchschnittlich zehn Veranstaltungen pro Monat in einer mittelgroßen Discothek mit 2 Dancefloors von 410 und 310 Quadratmetern bei einem Eintrittsgeld von acht Euro erhöhen sich die GEMA-Abgaben (inklusive aller Zuschläge) demnach von 21.553 Euro netto im Jahr Jahr auf 147.916 Euro netto (plus 686 Prozent)”

(via das_kfmw)

Bleep Alert: D-Zone back in business

Wow, das ich das noch erleben darf, eins meiner liebsten Labels aus den frühen 90ern mit vielen Bleeps D-Zone:

2011 sees the entire D-Zone catalogue being re-mastered for digital release and the 20th anniversary compilation series along with new material (if we find anything that we love).

ich freue mich auf persönliche Klassiker wie:
Tekno Too – Feeel The Power by d-zone
oder
Easymo – Nightmare by d-zone
und auch
Bassix – Close Encounters by d-zone
#Hach

There goes your vinyl


Ich will mich gar nicht in die Debatte einschalten, wieso und weshalb es in UK gerade so abgeht wie es abgeht, dazu weiß ich viel zu wenig über die Hintergründe, allerdings kann ich mir schon vorstellen, das Menschen die sich nichts leisten können außer den ganzen Tag TV gucken irgendwann durchticken wenn in den Werbepausen immer gezeigt wird was man alles braucht um heute dabei zu sein und zu der Hoffnungslosigkeit sich das alles nie leisten zu können noch die Verzweiflung dazu kommt nie an diesen vorgestellten Lebensentwürfen teilhaben zu dürfen. Hartz IV ick hör dir trapsen.
Egal, jedenfalls ist es schon traurig genug anzusehen wie ganze Existenzen in einigen Nächten zerstört werden, dazu nichtmal in den poshen Gebieten, sondern genau da, wo das Elend eh schon am größten ist und das was die Leute sich dort aufgebaut haben mit Sicherheit die größte Plackerei war. Heute morgen kam dann noch die Meldung das eine Sony Lagerhalle abgebrannt ist, wo man noch voller Häme hätte sagen können “dieser Inhalt ist in deinem Land leider nicht mehr verfügbar”. Dummerweise ist dort aber auch das Lager von P.I.A.S untergebracht, einem der größten Indepenent Record Distributoren des Landes und somit ist der Bestand unzählig vieler Labels ebenso abgefackelt. Was das für Auswirkungen auf die Independant Szene haben wird ist im Moment noch gar nicht abzuschätzen und inwieweit da eine Versicherung zahlt auch nicht.
So zynisch es klingen mag, aber Quietus hat da mit dieser save the Vinyl, buy mp3 vielleicht noch die beste Idee.
Nennt mich naiv, aber am Ende kann sich die Independant Label Szene durch diesen Vorfall wirklich mal beweisen das sie anders ist als die Firma vom Lager nebenan. Im Grunde funktionieren nämlich beide genauso kapitalistisch und wer sich im Labelmarkt auskennt, weiß auch welcher Zynismus dort bezüglich der Mitbewerber herrscht. Es wäre ein Zeichen für einen besseren Markt wenn hier mal Independants zusammen stehen würden und den kleinen, die Aufgrund der jetzigen Vor- und damit einhergehenden Ausfälle helfen würden. Wie? I don’t know. Ich glaube jedenfalls wir haben da ein offensichtliches Ende der Fahnenstange erreicht und wenn Musik in diesem gesellschaftlichen Wandel, der einem da gerade an allen Ecken auf die Augen gedrückt wird, überhaupt noch eine Stimme haben will, und die braucht sie um relevant zu sein, dann sollte, nein muß, sich nicht lediglich mal ein Style ändern, sondern auch das Bizz und die Attitude.

Stefan Goldmann’s Musik in Zeiten des Web 2.0 now in english too

Der ziemlich gute Text von Stefan Goldmann Musik in Zeiten des Web 2.0 aus dem Silo Magazin ist jetzt auch über Little White Earbuds in Englisch unter dem Namen Everything popular is wrong: Making it in electronic music, despite democratization verfügbar. Erinnert mich daran, das ich ja ursprünglich was dazu schreiben wollte, ach ja Zeit, hat jemand welche über?

GEMA, vielleicht sind wir ja erst am Anfang der Debatte

Erstmal finde ich es ja toll und super das sich gerade die Debatte um das Urheberrecht erneut aufrollt und zwar diesmal tatsächlich auch im Hinblick auf das gebeutelte Wesen des Künstlers, jüngste Beispiele gibt’s auf Spreeblick, im Tagesspiegel und sogar der altehrwürdige Schockwellenreiter hat dazu etwas beigetragen, was ich gut und richtig finde. Dann kommt da aber so ein SpOn Artikel, der meines Erachtens in der Diskussion um die ziemlich erfolgreiche Petition zur GEMA Tansparenz nur so mit Nebelkerzen um sich schmeisst. Klar, werden die üblichen GEMAfälle erwähnt, bei denen Rechnungen für Dinge ins Haus flattern, die nie stattgefunden haben und erwähnt wird auch das untransparente Dickicht der Tarife, nur mit einer Antwort der Pressesprecherin die da lautet “Wir wissen, dass es da Probleme gibt” würde ich den Verein bei solchen Vorkommnissen nicht davon kommen lassen. Der Artikel trifft auch nicht den eigentlichen Kern warum, Veranstalter, Künstler und auch Publikum in Massen eine Petition unterschrieben haben. Jeder der selbst Musik produziert oder veranstaltet weiß doch um die Intransparenz der GEMA, die veraltete und ungerechte Art der Verteilungsschlüssel in ordentliche und nicht ordentliche Mitglieder, die dazu führt, das den kleinen zu Gunsten der Vielverdiener noch zusätzlich das Geld entzogen wird. Das Pauschalzahlungen der Clubs und Veranstalter in einem großen Topf landen, der zu großen Teilen an die ordentlichen Mitglieder ausgeschüttet wird, das die GEMA sich weigert genrespezifische Abrechnungsmodelle zuzulassen, so das z.B. Clubs die z.B. nur elektronische Musik featuren mit der Abgabenpauschale auch ihre Künstler unterstützen, anstatt in diesen Riesentopf einzuzahlen, von dem ihre Künstler wenig bis nichts erhalten. Kein Wort davon wie untransparent die Höhe der Bemessung der GEMApauschale ist und auch kein Wort davon das diese Pauschale im Gegensatz zur Einzelabrechnung der GEMA zu ihrem Vorteil bezüglich dieser Ausschüttungen benutzt wird. Kein Wort davon das Künstler die bei der GEMA unter Vertrag sind für ihre eigenen Werke zahlen müssen, wenn sie sie z.B auf ihrer Website streamen wollen und sich dadurch gegenüber Nichtmitgliedern in einem klaren Wettbewerbsnachteil befinden, was ja so eigentlich nicht sein sollte und überhaupt nichts für ihre Künstler tut um in der Gegenwart anzukommen.
Stattdessen wird die Erklärung durchgelassen, das “der Verteilungsplan höchst komplex ist” weil “auch an internationale Künstler ausgeschüttet wird, Verträge mit Verwertungsgesellschaften aus aller Herren Länder abgeschlossen wurden” und “das die Prozesse laufen”, aber man bäte da “um etwas Geduld. Wir können nicht von heute auf morgen alles ändern.” was wie ein Hohn für denjenigen klingt, der sich schon seit Jahren mit der GEMA beschäftigt und in dieser Zeit hat sie sich keinen Millimeter bewegt, höchstens zu ihren Gunsten.
Mit welchem Recht sich nun die GEMA in Zukunft auch noch an den Merchandisingeinnahmen der Künstler bereichern will, muß mir auch noch jemand erklären, das sowas “im europäischen Ausland längst gang und gäbe” ist will ich erstmal sehen und reicht mir beileibe nicht als Begründung.
Und da ist dann noch die Sache mit den einbehaltenen und nicht ausgeschütteten Millionen, da muß ich aber noch Recherchieren, das mußte jetzt einfach mal raus!

Noch ein Roundtable, diesmal die Zukunft des Musikvertriebs

Im Winter, nach der Neutonpleite, war es ja das große Thema, wie geht das nun weiter mit physischen Tonträgern und ihrem Vertrieb. Electronic Beats hatte dazu Daniel Rerat (Ex-Neuton), Jörg Heidemann (MDM), Ronny Krieger (Beatport) und mich zu einem Roundtable eingeladen. Das Ding ist nun endlich auch online und dauert satte 1,5 Stunden und beinhaltet ein Gueststaring meines Hundes Sy ;) :

Teil 1

Teil2

Teil 3