Alter Mix: Tanith@ DT64 Dancehall 1991

Update: Nachdem der Mix so gut ankam und sogar Das Filter ihn als Mix der Woche kürte, hab ich den mal von Youtube gerippt und auf Soundcloud hochgeladen um euch die Arbeit zu sparen. Hier also nochmal auf meiner Soundcloud

Und Danke nochmal an tekknobody bln und seinen Kanal, da lassen sich auch noch schöne andere Perlen finden!

DT64Tanith
Da hat doch tatsächlich einer diesen uralten Mix ausgegraben den ich mal in Marusha’s Dancehall damals ablieferte. Ich bin ganz froh den jetzt wieder zu haben, weil der so ziemlich der erste Radiomix ist den ich abgeliefert hatte. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich damals zu diesem ollen, riesigen Radiogebäude gefahren bin und ziemlich motiviert dort Scheibe an Scheibe gezimmert habe. Was dann rauskam war schon ähnlich wie das, was ich zu der Zeit im Tresor ablieferte, aber gleichzeitig vom Spannungsbogen her auch anders. Jedenfalls kann ich nach all den Jahren immer noch voll und ganz hinter dem Mix stehen, auch schön :D

(Via Toti)

Altraver und Frühblogger Rainald Goetz bekommt den diesjährigen Büchner-Preis

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Das freut mich insbesondere deswegen, weil es quasi einer von uns ist, ein altes Feierschwein aus dem Techno der ersten Generation. Dabei verfolge ich ihn schon viel länger, „Irre“ war für mich DAS Buch 1983, aber kennenlernen sollten wir uns erst 1991, auf der Leuchtmitteltraverse der Mayday, über der Bühne in der Halle Weissensee, auf die wir uns beide, unabhängig voneinander hochgehangelt hatten um mal aus der Masse rauszukommen und einen Blick von da oben auf diese zu wagen. Ich war nicht schlecht geflasht, als ich erkannte wer da gerade neben mir tanzt, zumal ich eigentlich erwartete das es ein Ordner ist, der mich gleich runterschmeisst. In Folge traf ich ihn in den 90ern ziemlich oft auf irgendwelchen Raves und Afterhours, weil er die akribisch verfolgte, was ja später auch in Buchform aufbereitet wurde. Meist in München, aber auch überall sonst wo was los war, immer in seinem Markenzeichen seinerzeit, der orangener Weste über einem Hoodie, weithin zu erkennen. Zu der Zeit hatte er mich literarisch aber schon ein bisschen verloren und auch sein alles toll Gefinde konnte ich nicht nachvollziehen, bzw. konnte mir in Gesprächen hart auf die Nerven gehen, kam mir immer etwas hilflos vor, aber nach den distinktionsreichen 80ern war das für ihn offensichtlich eine erfrischende Wohltat.
Ändern tat sich das erst wieder mit „Abfall für alle“, dafür gebührt ihm mein größter Respekt, noch mehr als für „Irre“, “Rave” Stirnschlitzen für den Bachmannpreis oder seine Stamina als radfahrender Raver. Als er so 1998 quasi den ersten Blog führte, war das für mich auch der finale Ansporn meine eigene Website zu konzipieren, dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Ich fragte ihn mal warum er da kein Kommentarfeld hat, weil das für mich eins der wichtigsten Dinge des Internets ist, der Rückkanal, er meinte er hätte Angst vor den Lesern. Wenn ich mir heute die Kommentare unter vielen Artikeln im Internet ansehe kann ich diese Angst nachträglich sehr gut nachvollziehen.
Literarisch hat er mich übrigens seit „Johann Holtrop“ auch wieder.

(Bild via Zeitmaschine)

Embrace The Contradictions, die Geschichte von KLF als Mixumentary

Mixumentary meint hier einen Mix aus Hörspiel und, nun ja, Mix eben. Eine passende Weise um die Geschichte von KLF nachzuerzählen von United States of Audio, die auch schon einen meiner anderen Favourites aus Pretechno Zeiten gefeatured haben, Tackhead

Via KFMW

Programmtip 16. Mai 2015: Doku The Sound of Belgium, Second Screening in Berlin @ Renate


Letztes Jahr hatte ich ja selbst das Vergnügen beim ersten Screening der Doku anwesend zu sein und danach u.a. mit Peter van Hoesen zu einer Podiumsdiskussion beizutragen, diesmal schaffe ich das leider nicht, da ich gar nicht in der Stadt bin. Nichtsdestotrotz sollte jeder interessierte dort hin rennen, nicht weil der Eintritt frei ist, sondern weil man diesen Underdog Pfeiler neben Chikago und Detroit im frühen Techno gar nicht genug Wert beimessen kann. Zudem ist die Doku durchaus unterhaltsam und hat mehr als ein paar lustige und selbstironische Momente, lohnt sich auf jeden Fall.
Das Ganze findet diesmal in der Renate statt und bei der anschließenden Podiumsdiskussion sind diesmal Eric Powa B und – Achtung: Sven Van Hees dabei!
Danach gibt’s noch Party mit den beiden Belgiern ebendort, die kost allerdings Eintritt, sollte aber auch keinen wundern.
Hier die Infos zur Party auf Resident Advisor

Über 10 Stunden UK Hardcore von 91-93 von DJ Warlock

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Warlock war mir bislang eher vom Label Rag & Bone bekannt, das er in den frühen 90ern anscheinend auch schon unterwegs war eher nicht. Wie dem auch sei, hier liefert er 7 seiner alten Mixtapes ab und dabei ist es schön zu beobachten wie sich das 1991 gar nicht mal so anders anhört als damals hier, sich aber zunehmend auseinander dividiert.
Die Soundqualität ist nicht besonders gut, alte Tapes halt, aber Spaß machen die Mixe allemal, zumal darin massig Tracks vorkommen die es gar nicht bis hierher geschafft haben. Oder in his own words:
There’s no tracklistings. Some are obvious bangers and anthems of the time which you’ll know, some are not, and some are obscure releases which even I’m struggling to remember what they were. The mixes echo what I was playing on Pulse 90.6FM as well as at raves such as Helter Skelter, Labrynth, Slimetime, Knowledge, VFM and Eurobeat 2000.
Things kick off in the heyday of Dutch and Belgian Euro, inter-spliced with the UK Breakbeats of the time – think CJ Bolland, Altern-8, Tim Taylor. Then there’s a slew of 92 mixes that capture the fast pace changes in Hardcore’s golden year with too many names to mention, but as an example there’s labels like Moving Shadow, Reinforced, Rising High and producers like Nebula II, Guy Called Gerald, Doc Scott and so on. As the mixes move towards the end of 92, Techno starts creeping in, so there’s early Underground Resistance, Aphex Twin and lots of breakbeat stuff that was picking up on this sea change. With the 93 mixes, it’s the darker hardcore that was increasing in tempo (and post ‘Sesame Street’ pitched up vocals) acting as the pre-cursor of what would then become Jungle. The last mixes are predominantly Hard Techno and Gabba but tinged with Rave and Breakbeat, possibly not to everyone’s liking at this point but nonetheless a representation of another very vibrant strand of what was happening on the underground by late 93.

(via dieser Gruppe da)

Nachschlag: Bravo Techno 1992

Gestern 91 und ein Jahr später gab’s dann auch schon den ersten Bravo Techno Sampler, oder das was dort dafür gehalten wurde. Nix mehr Tekkno mit zwei K, auch kein Vorsicht HIV mehr!, dafür Bekleidungsratschläge.
Und somit wird mir nach 23 Jahren klar, wo die Verkleidungswelle ab Mayday 92 plötzlich her kam, ich vermutete immer das hätte was mit Köln und der dortigen Karnevalsaffinität zu tun :D

(Danke Oliver Leydecker!)

Tekkno A-Z aus der Bravo 1991

Im Zuge meiner archäologischen Forschungsarbeit für diese Facebookgruppe da bin ich auf obiges Zeitdokument gestoßen und wollte es aus historischen Gründen und Amüsemang nicht vorenthalten. So war das, als der Techno damals in die Kinderzimmer Deutschland’s schwappte

Techno Berlin 88-92 Nachklapp

Sorry für meine Abwesenheit hier, aber diese Woche ging meine Hauptaufmerksamkeit in die schon erwähnte Facebookgruppe Techno&House 1988-1992, wo sich mittlerweile eine illustre Schar Veteranen aus ganz Deutschland getroffen hat und quasi die Oral History aus “Der Klang der Familie” weiterspinnt. Da werden lustig Tracks und Dokumente aus der Zeit gepostet und diskutiert und dabei doch unter anderem auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Regionen deutlich aufgedröselt. Auch ich habe noch ein paar Sachen aus meinem Fundus hervor gekramt, die ich hier nicht vorenthalten möchte:

Face91.jpgTilmanTanith91.jpgCamo Clubbing.jpgRaverthek DJS.jpgBreakcoreflyer.jpgBreakcore2.pngBeltram Flyer.pnglassdichbloßnichtblickenflyer_0001.jpg

Ab nächster Woche passiert dann hier auch wieder mehr, versprochen!

Review: Westbam – Die Macht der Nacht


Irgendwie ein trauriges Buch, nicht nur wie das alles endet, so mit dem Verlust von allem was einem mal wichtig war, sei es die Firma, Lupo und dann noch, ohne im Buch vorzukommen, aber letztens halt, punktgenau zum Release, William Röttger, sondern auch weil es so emotionslos gegenüber dem ist, was ihn ja so groß gemacht hat, der Musik. Das gipfelt dann im letzten Drittel in dem Satz „Musik ist ein unperfektes Werkzeug. Wenn du oben angekommen bist kannst du es wegschmeißen.“ Und so fühlt sich das auch die ganze Zeit beim lesen an. Das erste Drittel, als klein Max noch als Punk in Berlin ankommt liest sich noch ein bisschen anders, da hat einer noch Neugier und steckt voller Elan, das Leben, in diesem Falle halt Nachtleben, zu entdecken und man kann das durch die unterhaltsame Schreibe durchaus nachvollziehen. Aber dann reiht sich ein „Erster!“ an den nächsten, der erste Hippy Deutschlands mit 4, der erste Punk in Münster, die erste Houseparty in Deutschland (als wenn das im Ex und Pop damals wirklich jemanden interessiert hätte), der erste mit diesem oder jenem Preis, der erste in irgendwelchen Charts, erster whatever, irgendwann nimmt man das Erster! Gehechel einfach so hin und hat fast Mitleid mit diesem selbstauferlegten Hase und Igel Spiel, wo man doch seit Bowie weiß das es gar nicht darauf ankommt wer es als Erster macht, sondern wer es als Zweiter zu nutzen weiß.
Ansonsten glänzt das Buch mit Auslassungen, bzw. einer Oberflächlichkeit, die es Westbam möglich macht den distanzierten Beobachter zu geben. Mag ja sein das man im Nachhinein, in der Rekapitulation, diese Position einnimmt, wenn man die kurvige Geschichte jedoch quasi hautnah mitbekommen hat, dann ist das alles etwas unbefriedigend und verbogen in seiner Verkürzung. Wohlgemerkt, da stehen keine wirklich falschen Fakten, aber die vielen fehlenden Einzelheiten zeichnen m.E. ein sehr weichzeichnerisches Bild.
Ok, das ich zu UFO Zeiten eine Topffrisur hatte und auf dem Klo angeblich der Satz stand „Tanith kann nicht tanzen“ ist definitiv geflunkert, aber was tut man nicht alles für eine Pointe. Ich muß also meine ursprüngliche Befürchtung eines Dissens meinerseits zurück nehmen, dissen geht anders und auch mit den anderen Erwähnungen im Text kann ich leben, kann man so sehen wenn man will. Mit Wolle hat er es heftiger und trotzdem konnte ich mir bei mancher Beschreibung das Schmunzeln nicht verkneifen: „Es war schwer, nicht zu wissen, wie er über irgendwen oder irgendwas dachte….Wolle konnte allen was beibringen: den DJs über Musik, den Lightjockeys über das Licht und der PA-Firma über den Sound.“
Oder über den XDP Wagen anno 91 auf der Loveparade:
„Folgende Ideologie stand hinter Wolles »Bass Test«-Konzept: Die Leute tanzen bekanntlich zum Bass. Demnach sind Mitten und Höhen Kommerz. Daraus ergibt sich die Konsequenz: Ab jetzt nur noch Bass! Alles andere ist Verwässerung! Übrig blieb beim »Bass Test 1« ein amorphes, dumpfes Wabern, das natürlich keinen Spaß machte. Die ganze Idee war komplett irre.“
Hehe hehehe. Aber auch:
“Seine Kritik am Mayday- Konzept klang irgendwie hohl, weil er selbst das gleiche benutzt hatte. Nur mit weniger Erfolg. Zwei Wochen nach Mayday war Neugebauer mit seinem Tekknozid daher gekommen. In einer modifizierten Variante: Auch in der Halle Weißensee. Auch mit einem großen Line-Up. Auch mit nationaler Werbung. Und seine Inspiration war? Die offizielle Loveparade-Party. Bloß »ohne Love und ohne Parade«, wie er sich ausdrückte. Sein Motto: »The biggest rave ever.« Mayday fand er aber zu groß und zu kommerziell. Wir hätten alles kaputt gemacht. Er stellte seine Tekknozid-Serie sofort ein und ärgert sich noch heute.“
Und da fängt schon wieder so ein bisschen die Flunkerei bzw. Verkürzung an, das ist erstens auf vielen Ebenen so nicht richtig, unter anderem wußte jeder der den damaligen Fight zwischen Mayday und Tekknozid mitbekommen hatte, das da hinter den Kulissen seltsame Spielchen liefen, auch wenn das Ergebnis wahrscheinlich trotzdem nicht anders ausgefallen wäre und zweitens war die Mayday eigentlich, trotz früherem Termin, die spätere in der Planung die hektisch zusammen geschustert wurde nachdem der Termin für Tekknozid fest stand und auf dieser, in dieser weichenstellenden, sensiblen Zeit, keiner von den Low Spirit Acts vorgesehen war.
Die Beschreibungen von Wolle und anderen zeigen mir aber auch, das er den Osten nie wirklich verstanden hat, das bleibt durch das ganze Buch merkwürdig distanziert, so wie das beharren auf West Berlin in der Anschrift auf den Plattencovern von Low Spirit bis weit in die 90er hinein. Andererseits impliziert das ja schon der Name Westbam in gewisser Weise, nicht anders läßt sich vielleicht auch das Paradox erklären, das ausgerechnet einer aus Frankfurt, die Nemesis seiner 90er, nämlich Jürgen Laarmann, quasi die Verkörperung des westlichen Glücksritter Tschabo’s, bis heute sein bester Budddy ist. Das war nicht immer so und auch hier fehlen mir ein paar Fakten aus der Zeit als Frontpage pleite ging und Laarmann ziemlich gleichzeitig seine Anteile an Mayday und Loveparade verlor, ähem.
Auch in Bezug auf diese Beziehung bleiben also die Äußerungen nur vage, aber immerhin, so erfahre ich zum ersten Mal das es eine Override Summe für Bash gab, dem gemeinsamen Label von mir und JL damals, als der von mir dort untergebrachte Ströbel zu Low Spirit wechselte, so lief das damals, aha! Unnötig zu erwähnen das ich von unseren gemeinsamen Labelerfahrungen, weder von Releases, noch von Lizensierungen, noch von irgendwas irgendwann mal Geld sah.
Auf den ganzen Themenkomplex Kommerzialisierung und Ausverkauf war ich natürlich besonders gespannt und wurde in Sachen Relativierung natürlich nicht enttäuscht, ein wenig Distanzierung hier (Mark O) ein bisschen Unverständnis da (Musiknerd Reviewer bei Frontpage wie Bleed und Triple R), ein bisschen drüber Ablachen wie das diese von jeher realitätsscheuen Uraktivisten sehen, aber am Ende halt egal, weil die Zahlen sprechen ja für sich.
Diesbezüglich scheint die ihn prägendste Zeit wohl die „irren Jahre“ zwischen 1994 und 1996 gewesen zu sein, da rasselt es nur so die Zahlen der Abverkäufe, das ein Businessplan blaß vor Neid werden könnte. Dazwischen ein paar lustige Drogengeschichten zur Auflockerung und dann geht’s auch schon ins E-Werk, bei dem er sich allen Ernstes als Soundobermacker darstellt, was ich gegenüber denjenigen die wirklich für den E-Werk Sound standen etwas unfair finde, als da wären, Cle, Terri Belle, Disko, Woody, Hazel B und meinetwegen noch Motte, aber bei Westbam war doch der Running Gag das man nach einem Set, damals legte jeder DJ noch paarmal nacheinander mit dem jeweiligen anderen der Nacht auf, gehen könne, weil es käme nachher das gleiche wieder.
Auch seine Version des von ihm wiederentdeckten Electro dort, natürlich als Erster und vorläufig Einziger, zeugt von einer sehr solitären Sicht der Dinge, nachdem zu dieser Zeit Big Beat mit z.B. Chemical Brothers oder DJ Icey eigentlich schon überall angekommen waren.
Die Zäsur kommt dann schrittweise nach 9/11 bis 2006 als Low Spirit verkauft wird und er auf den Wechsel des Zeitgeists zu Minimal nicht klar kommt, was ja vielen so ging, aber mit dem Namen Max hat das natürlich eine besondere Ironie.
Das Ende der Spaßgesellschaft, markiert durch 9/11, postuliert von Scholl Latour, scheint da bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, ab da wirkt alles konzept und lustlos, man wurschtelt halt irgendwie weiter, natürlich auf relativ hohem Niveau, aber Geld ist halt nicht alles und das Ende des Buches liest sich mit dem Tod von Lupo fast wie der eigene Nachruf. Es wirkt als würde die Begrifflichkeit des Namens Low Spirit erst nach dem Verkauf seine persönliche Wirkung entfalten.

Jetzt für alle: [Doku] Party auf dem Todesstreifen (Der Klang der Familie)

Wendeklang
Ich weiß zwar nicht wie dauerhaft die Doku nun da auf Youtube bleibt, aber immerhin besteht nun erstmal die Möglichkeit für diejenigen die sie damals bei Arte und in der Mediathek verpaßt haben diese nachzuschauen

(Danke Sebastian)