Nachschlag: Bravo Techno 1992

Gestern 91 und ein Jahr später gab’s dann auch schon den ersten Bravo Techno Sampler, oder das was dort dafür gehalten wurde. Nix mehr Tekkno mit zwei K, auch kein Vorsicht HIV mehr!, dafür Bekleidungsratschläge.
Und somit wird mir nach 23 Jahren klar, wo die Verkleidungswelle ab Mayday 92 plötzlich her kam, ich vermutete immer das hätte was mit Köln und der dortigen Karnevalsaffinität zu tun :D

(Danke Oliver Leydecker!)

Tekkno A-Z aus der Bravo 1991

Im Zuge meiner archäologischen Forschungsarbeit für diese Facebookgruppe da bin ich auf obiges Zeitdokument gestoßen und wollte es aus historischen Gründen und Amüsemang nicht vorenthalten. So war das, als der Techno damals in die Kinderzimmer Deutschland’s schwappte

Release of the day: Project Allout Presents Krampus 4

Ist schon was älter, quasi ein verspätetes Weihnachtsgeschenk, und komplett an mir vorbei gegangen. Diese kostenlose Compilation geizt nicht mit ihrem ellenlangen Listing von 56 Tracks aller möglichen UK Bass Styles von Grime über Dubstep bis Garage. Für jeden Bassconaisseur dürfte da auf jeden Fall der ein oder andere brauchbare Track dabei sein, bietet sich aber auch als erster Einstieg in die Materie an


(Via T.R.O.)

Techno Berlin 88-92 Nachklapp

Sorry für meine Abwesenheit hier, aber diese Woche ging meine Hauptaufmerksamkeit in die schon erwähnte Facebookgruppe Techno&House 1988-1992, wo sich mittlerweile eine illustre Schar Veteranen aus ganz Deutschland getroffen hat und quasi die Oral History aus “Der Klang der Familie” weiterspinnt. Da werden lustig Tracks und Dokumente aus der Zeit gepostet und diskutiert und dabei doch unter anderem auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Regionen deutlich aufgedröselt. Auch ich habe noch ein paar Sachen aus meinem Fundus hervor gekramt, die ich hier nicht vorenthalten möchte:

Face91.jpgTilmanTanith91.jpgCamo Clubbing.jpgRaverthek DJS.jpgBreakcoreflyer.jpgBreakcore2.pngBeltram Flyer.pnglassdichbloßnichtblickenflyer_0001.jpg

Ab nächster Woche passiert dann hier auch wieder mehr, versprochen!

Wie sich Musikverkäufe verändern und was für Musiker heute übrig bleibt in 2 Grafiken

Hier mal was zum erden. Ich glaube in ähnlicher Form hatten wir das schonmal, auf Vox gibt es diese animierte Grafik, wie sich der Musikkonsum und Kauf per Medium allein in den letzten 30 Jahren seit 1983 verändert hat:

Und beim Guardian gibt es die Grafik, wieviel ein Musiker verkaufen muß um die angenommene Mindestmenge von 1260 $ zu verdienen, die zum Überleben nötig sind

Auch wenn die Erhebungsmethoden nie 100% korrekt oder interpretierbar sind läßt die Tendenz schon mehrere Schlüsse zu: Einerseits, wer mit Musik wirklich Geld verdienen will sollte sie nicht machen sondern verkaufen (besonders neu ist das allerdings nicht). Andererseits bleiben dann auch nur jene übrig denen Musik machen eine Herzenangelegenheit ist, die, die es machen müssen (und somit die Gearschten sind).
Aber auch: Auch Streaming isn’t here to stay.
Nur: Das es verdienstmäßig für Musiker damit dann wieder besser wird, diese Annahme läßt die bisherige Entwicklung auch nicht gerade zu.

An was Musiker sterben

Laut dieser Studie (und sehr verkürzt gesagt) machen Folk und Jazz Krebs, deckt sich mit meiner Aversion, Punk und Metal sind was für Pechvögel und Selbstmörder, Blues geht auf’s Herz, bei Rappern und Hiphoppern bleibt der Mord mit über 50% in der Familie. Elektronische Musik ist zum sterben eher ungeeignet.

(Via uvmann)

Track of the day: La Rolls – Fool Moon Roolz (ATA Remix) (1989)

Ich weiß nicht warum der mir heute wieder unter kam, aber wird schon seinen Grund haben und hört sich immer noch erstaunlich frisch an. Eigentlich fing das ja mit Sure Is 1988 an, aber Fool Moon Roolz war dann die Krönung, ich hatte beide ewig in meinen Sets, auch wenn die nur extrem schwierig reinzumixen waren in ihrer New Beat typischen Langsamkeit.
Ein schönes Beispiel um aufzuzeigen das die Anfänge von Techno musikalisch beileibe nicht nur Friede Freude und Eierkuchen waren und zu gut um in Vergessenheit zu geraten!
Die beiden waren BTW die einzigen Tracks von La Rolls ever, danach kam leider nie wieder was

Gorny, nach Oettinger die zweite Kriegserklärung an Netz und Nerds


Dieter Gorny als “Beauftragter für kreative und digitale Ökonomie” ist jetzt nach Öttinger schon die zweite Kriegserklärung an die Kreativen und diejenigen die dieses Internet und alles was man darin anstellen kann voran gebracht haben. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Beauftragter für Kreative. Kein Kreativer käme auf die Idee Gorny zu beauftragen. Gorny, einige werden sich an ihn noch als Viva und PopKomm Chefchen erinnern, oder als denjenige der darauf pochte das die Loveparade in Duisburg stattfinden muß, das Ergebnis kennt man ja, es war die letzte. Heute ist Gorny Präsidiumsmitglied beim Deutschen Musikrat oder als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, also dem deutschen Teil der IFPI. Allesamt Organisationen die nicht gerade dafür bekannt sind, ein Interesse dafür zu haben das verkorkste und den Zeiten nicht mehr gerechte Urheberrecht in einen aktuellen Rahmen zu setzen. Warum auch, man ist ja schließlich so ziemlich der einzige der Nutznießer des Status Quo. Ein leuchtendes Beispiel für Lobbyismus und Mietmaul also. Und so redet man dann auch gar nicht groß um den heißen Brei rum, Die Bundesregierung habe “die großen Auswirkungen” des Internets auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur lange nicht gesehen, räumte der Sozialdemokrat ein und bedauerte, “die Digitalisierung zunächst den Netzpolitikern überlassen zu haben”. Die Bundesregierung habe “die großen Auswirkungen” des Internets auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur lange nicht gesehen, räumte der Sozialdemokrat ein und bedauerte, “die Digitalisierung zunächst den Netzpolitikern überlassen zu haben“. bzw. „Das Wohl und Wehe der Musikbranche dürfe nicht ein paar Nerds überlassen werden.“ Muß man dazu extra erwähnen das es das Internet, so wie man es heute kennt ohne Nerds und Musiknerds gar nicht gäbe?
Keinem Kreativen ist mit dieser Besetzung geholfen, sehr wohl aber den Verwertern derer Rechte. Und das klingt dann so: „die hiesige Antwort auf das Silicon Valley müsse sich aus europäischen Werten „wie geistigem Eigentum und Urheberrecht“ speisen. Mir deucht da reichen einem Die Loveparade Toten nicht, da muß noch mehr gehen oder da hat einer Death Valley mit Silicon Valley verwechselt und so lese ich auch den Satz “dass die Kreativen bekommen, was ihnen gebührt“ eher als Drohung. Auf Pendants zu Regelungen wie Fair Use und ähnlichem wird das nicht rauslaufen, klingt eher nach Vorratsdatenspeicherung auf für Copyrightverletzungen benutzen, wenn schon der Warner Chef dazu meint er mache „gute Ansätze aus, die aber nicht hinter der umstrittenen Rechtsprechung etwa des Bundesgerichtshofs zur Störerhaftung zurückbleiben dürften“.
Die Interessen der Bürger und Kreativen sind da wohl so das letzte was da auf der Digitalen Agenda steht. Aber mit Gabriel’s Befürwortung von VDS, TTIP und der Ablehnung der Telekom von Netzneutralität kann man durchaus schon einen roten Faden erkennen.
Klar kann man netzpolitische Realitäten ausblenden und das mit „ein paar Nerds“ wegwischen. Klar kann man die Netzzukunft eines Landes aus Angst vor Copyrightverstößen an die Wand fahren, anstatt sich die Mühe zu machen einen brauchbaren Urheberschutz für Kreative zu entwickeln und nicht nur für die Verwerter die man vom Sektempfang kennt. Man braucht sich dann aber auch nicht wundern wenn einen das gleiche Schicksal ereilt wie die Partei bei der man nur das S mit einem F tauschen muß, wenn man schon die gleiche Klientelpolitik betreibt.

Noch ein Kink Feature

kink

Ich finde den Mann einfach sehr sympatisch, macht tolle Musik, ist vielleicht der beste Liveact den man momentan haben kann und ist bei allem Erfolg immer noch sehr geerdet, lebt nach wie vor immer noch in Sofia, das Studio steht immer noch bei Muttern und sehr reflektiert antwortet er auch noch

Review: Westbam – Die Macht der Nacht


Irgendwie ein trauriges Buch, nicht nur wie das alles endet, so mit dem Verlust von allem was einem mal wichtig war, sei es die Firma, Lupo und dann noch, ohne im Buch vorzukommen, aber letztens halt, punktgenau zum Release, William Röttger, sondern auch weil es so emotionslos gegenüber dem ist, was ihn ja so groß gemacht hat, der Musik. Das gipfelt dann im letzten Drittel in dem Satz „Musik ist ein unperfektes Werkzeug. Wenn du oben angekommen bist kannst du es wegschmeißen.“ Und so fühlt sich das auch die ganze Zeit beim lesen an. Das erste Drittel, als klein Max noch als Punk in Berlin ankommt liest sich noch ein bisschen anders, da hat einer noch Neugier und steckt voller Elan, das Leben, in diesem Falle halt Nachtleben, zu entdecken und man kann das durch die unterhaltsame Schreibe durchaus nachvollziehen. Aber dann reiht sich ein „Erster!“ an den nächsten, der erste Hippy Deutschlands mit 4, der erste Punk in Münster, die erste Houseparty in Deutschland (als wenn das im Ex und Pop damals wirklich jemanden interessiert hätte), der erste mit diesem oder jenem Preis, der erste in irgendwelchen Charts, erster whatever, irgendwann nimmt man das Erster! Gehechel einfach so hin und hat fast Mitleid mit diesem selbstauferlegten Hase und Igel Spiel, wo man doch seit Bowie weiß das es gar nicht darauf ankommt wer es als Erster macht, sondern wer es als Zweiter zu nutzen weiß.
Ansonsten glänzt das Buch mit Auslassungen, bzw. einer Oberflächlichkeit, die es Westbam möglich macht den distanzierten Beobachter zu geben. Mag ja sein das man im Nachhinein, in der Rekapitulation, diese Position einnimmt, wenn man die kurvige Geschichte jedoch quasi hautnah mitbekommen hat, dann ist das alles etwas unbefriedigend und verbogen in seiner Verkürzung. Wohlgemerkt, da stehen keine wirklich falschen Fakten, aber die vielen fehlenden Einzelheiten zeichnen m.E. ein sehr weichzeichnerisches Bild.
Ok, das ich zu UFO Zeiten eine Topffrisur hatte und auf dem Klo angeblich der Satz stand „Tanith kann nicht tanzen“ ist definitiv geflunkert, aber was tut man nicht alles für eine Pointe. Ich muß also meine ursprüngliche Befürchtung eines Dissens meinerseits zurück nehmen, dissen geht anders und auch mit den anderen Erwähnungen im Text kann ich leben, kann man so sehen wenn man will. Mit Wolle hat er es heftiger und trotzdem konnte ich mir bei mancher Beschreibung das Schmunzeln nicht verkneifen: „Es war schwer, nicht zu wissen, wie er über irgendwen oder irgendwas dachte….Wolle konnte allen was beibringen: den DJs über Musik, den Lightjockeys über das Licht und der PA-Firma über den Sound.“
Oder über den XDP Wagen anno 91 auf der Loveparade:
„Folgende Ideologie stand hinter Wolles »Bass Test«-Konzept: Die Leute tanzen bekanntlich zum Bass. Demnach sind Mitten und Höhen Kommerz. Daraus ergibt sich die Konsequenz: Ab jetzt nur noch Bass! Alles andere ist Verwässerung! Übrig blieb beim »Bass Test 1« ein amorphes, dumpfes Wabern, das natürlich keinen Spaß machte. Die ganze Idee war komplett irre.“
Hehe hehehe. Aber auch:
“Seine Kritik am Mayday- Konzept klang irgendwie hohl, weil er selbst das gleiche benutzt hatte. Nur mit weniger Erfolg. Zwei Wochen nach Mayday war Neugebauer mit seinem Tekknozid daher gekommen. In einer modifizierten Variante: Auch in der Halle Weißensee. Auch mit einem großen Line-Up. Auch mit nationaler Werbung. Und seine Inspiration war? Die offizielle Loveparade-Party. Bloß »ohne Love und ohne Parade«, wie er sich ausdrückte. Sein Motto: »The biggest rave ever.« Mayday fand er aber zu groß und zu kommerziell. Wir hätten alles kaputt gemacht. Er stellte seine Tekknozid-Serie sofort ein und ärgert sich noch heute.“
Und da fängt schon wieder so ein bisschen die Flunkerei bzw. Verkürzung an, das ist erstens auf vielen Ebenen so nicht richtig, unter anderem wußte jeder der den damaligen Fight zwischen Mayday und Tekknozid mitbekommen hatte, das da hinter den Kulissen seltsame Spielchen liefen, auch wenn das Ergebnis wahrscheinlich trotzdem nicht anders ausgefallen wäre und zweitens war die Mayday eigentlich, trotz früherem Termin, die spätere in der Planung die hektisch zusammen geschustert wurde nachdem der Termin für Tekknozid fest stand und auf dieser, in dieser weichenstellenden, sensiblen Zeit, keiner von den Low Spirit Acts vorgesehen war.
Die Beschreibungen von Wolle und anderen zeigen mir aber auch, das er den Osten nie wirklich verstanden hat, das bleibt durch das ganze Buch merkwürdig distanziert, so wie das beharren auf West Berlin in der Anschrift auf den Plattencovern von Low Spirit bis weit in die 90er hinein. Andererseits impliziert das ja schon der Name Westbam in gewisser Weise, nicht anders läßt sich vielleicht auch das Paradox erklären, das ausgerechnet einer aus Frankfurt, die Nemesis seiner 90er, nämlich Jürgen Laarmann, quasi die Verkörperung des westlichen Glücksritter Tschabo’s, bis heute sein bester Budddy ist. Das war nicht immer so und auch hier fehlen mir ein paar Fakten aus der Zeit als Frontpage pleite ging und Laarmann ziemlich gleichzeitig seine Anteile an Mayday und Loveparade verlor, ähem.
Auch in Bezug auf diese Beziehung bleiben also die Äußerungen nur vage, aber immerhin, so erfahre ich zum ersten Mal das es eine Override Summe für Bash gab, dem gemeinsamen Label von mir und JL damals, als der von mir dort untergebrachte Ströbel zu Low Spirit wechselte, so lief das damals, aha! Unnötig zu erwähnen das ich von unseren gemeinsamen Labelerfahrungen, weder von Releases, noch von Lizensierungen, noch von irgendwas irgendwann mal Geld sah.
Auf den ganzen Themenkomplex Kommerzialisierung und Ausverkauf war ich natürlich besonders gespannt und wurde in Sachen Relativierung natürlich nicht enttäuscht, ein wenig Distanzierung hier (Mark O) ein bisschen Unverständnis da (Musiknerd Reviewer bei Frontpage wie Bleed und Triple R), ein bisschen drüber Ablachen wie das diese von jeher realitätsscheuen Uraktivisten sehen, aber am Ende halt egal, weil die Zahlen sprechen ja für sich.
Diesbezüglich scheint die ihn prägendste Zeit wohl die „irren Jahre“ zwischen 1994 und 1996 gewesen zu sein, da rasselt es nur so die Zahlen der Abverkäufe, das ein Businessplan blaß vor Neid werden könnte. Dazwischen ein paar lustige Drogengeschichten zur Auflockerung und dann geht’s auch schon ins E-Werk, bei dem er sich allen Ernstes als Soundobermacker darstellt, was ich gegenüber denjenigen die wirklich für den E-Werk Sound standen etwas unfair finde, als da wären, Cle, Terri Belle, Disko, Woody, Hazel B und meinetwegen noch Motte, aber bei Westbam war doch der Running Gag das man nach einem Set, damals legte jeder DJ noch paarmal nacheinander mit dem jeweiligen anderen der Nacht auf, gehen könne, weil es käme nachher das gleiche wieder.
Auch seine Version des von ihm wiederentdeckten Electro dort, natürlich als Erster und vorläufig Einziger, zeugt von einer sehr solitären Sicht der Dinge, nachdem zu dieser Zeit Big Beat mit z.B. Chemical Brothers oder DJ Icey eigentlich schon überall angekommen waren.
Die Zäsur kommt dann schrittweise nach 9/11 bis 2006 als Low Spirit verkauft wird und er auf den Wechsel des Zeitgeists zu Minimal nicht klar kommt, was ja vielen so ging, aber mit dem Namen Max hat das natürlich eine besondere Ironie.
Das Ende der Spaßgesellschaft, markiert durch 9/11, postuliert von Scholl Latour, scheint da bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, ab da wirkt alles konzept und lustlos, man wurschtelt halt irgendwie weiter, natürlich auf relativ hohem Niveau, aber Geld ist halt nicht alles und das Ende des Buches liest sich mit dem Tod von Lupo fast wie der eigene Nachruf. Es wirkt als würde die Begrifflichkeit des Namens Low Spirit erst nach dem Verkauf seine persönliche Wirkung entfalten.