Warum dein Plattenhändler zum Arschloch wurde


Ich selbst war paarmal auf Anfrage kurz davor die Seite des Tresens zu wechseln und hatte mich doch immer dagegen entschieden, was nicht zuletzt auch an ähnlichen Begegnungen wie denen im nun folgenden beschriebenen geschuldet war. Vom klassischen Vorträllern in unverständlichem Englisch bis zum klassischen mit dem Mund geformten “UIUIUIUIhhhh”, das eine Acidline beschreiben soll, die man doch kennen müsse,reichten da die Beispiele bei denen sich meine Verwunderung ob der Situation und Mitleid mit dem Personal die Waage hielten. Oder Leute die stapelweise Platten kauften um sie am nächsten Tag wieder zurück zu bringen, weil “Sorry, ich war noch druff”, oder Kandidaten die völlig zerkratzte Platten nach 2 Wochen umtauschen wollen und behaupten die wäre von Anfang an so gewesen. Ganz zu schweigen von den Spezialisten die am Vorhördeck ihre Scratchingskills üben oder gar mitsingen als ob keiner sonst da wäre. Kurzum, 8-10 Stunden pro Tag in verantwortlicher Position da hätten mich einfach in den Wahnsinn getrieben.
Die Potenzierung davon waren diese Vorhörstationen bei WOM, wo ein Mitarbeiter nur damit beschäftigt war die Medien der Kunden zu wechseln, das waren allerdings sicher so um die 25 Plätze im Kreis und vor jedem lag ein Stapel Vinyls und CDs, es war wie ein nimmermüdes riesiges rundes Maul mit zig Mündern drin die zu stopfen waren.
Auf Dangerous Minds hat nun der Second Hand Plattenladen Angestellte Christopher Bickel Auszüge seiner,aus Verzweiflung, in einem Notizbuch festgehaltenen diesbezüglichen Dokumente veröffentlicht. Einige Beispiele:

Customer: “Why are there only 12 songs on this CD?”
Clerk: “Uh, that’s just how many songs are on it.”
Customer: “So, there’s six songs per side?”

(phone call)
Customer: “Is this the record place?”
Clerk: “Yes.”

Customer: “Could you tell me how to get a record deal? I do rap.”

(phone call)
Customer: “Hello. I bought this DVD from you guys and the price sticker has a date on it: 12/05… does that mean that I rented it and I need to bring it back? Or did I buy it?”

Clerk: “No I’m sorry I can’t buy any of these (caked in mildew and ratshit) records.”
Customer: “Well, how about you just give me $20 and throw them all away?” 
Clerk: “…”

Customer: “Do you just buy the vinyl or the music?”

Customer: “Do you have CDs for turntables?”

(via Boing Boing)

Amen Brother: Die Originators des Amen Breaks crowdfunden


Gestern hat die neue Pebble Watch innerhalb von Stunden 5 Mio. pere Kickstarter eingefahren, obwohl die Firma nicht gerade unflüssig ist. Wem ich das Geld noch viel mehr wünschen würde wäre diese Crowdfunding Kampagne, die den Erschaffern des Amen Breaks endlich die verdiente Kohle zuschanzen soll, schließlich handelt es sich wohl um den bekanntesten Break schlechthin, ohne den so manches Genre gar nicht existieren würde. Ganze Filme wurden über diesen Break gedreht, Devotionalien gebaut, aber die Erfinder haben, im Gegensatz zu vielen anderen, die sich diesem bemächtigt haben, bis heute noch keinen Cent dafür gesehen und das soll sich mit der Kampagne ändern, sehr schöne Aktion, die in den letzten 7 Tagen immerhin schon über 13:000 £ eingebracht hat

(Via Blogrebellen

Großartiges Longread über Manchester’s Rise and Fall of Punk


In letzter Zeit entdecke ich eh zunehmend Medium als erste Adresse für längere Artikel und könnte täglich meinen Kindle mit einigen davon befüttern, nur woher die Zeit nehmen das alles auch zu lesen?
Der hier hat es mir heute besonders angetan, nicht zuletzt auch weil Manchester’s Tradition ja auch für einiges nach Punk wichtig war das auch in die Elektronische Musikkultur einfloß, es sei nur mal die Hacienda genannt, von ebendiesen Mitbegründern des Manchester Punk betrieben.

Booze, Blood and Noise: The Violent Roots of Manchester Punk

Album of the day: Killawatt – Émigré

Killawatt verfolge ich nun auich schon eine Weile und finde seine Entwicklung vom ätmosphärischen Dubstep hin zz irgendwas zwischen den Stühlen von Post Dubstep, Techno und Abstrakt sehr interessant. Immer mit der richtigen Portion Agressivität und fein abgeschmeckt mit Düsternis und Weirdness. Jetzt sogar in Albumlänge, das sich anhört wie der Soundtrack zu einem noch nicht gemalten Frank Miller Comic

einmal als Album Mix:

und zum komplett durchhören:

Jung und naiv : Icke bei Raveline meets Frontpage, Kaue, Gelsenkirchen 1993

kaue93
Komisch, an einige Interviews erinnert man sich noch ganz genau und andere vergisst man wieder ganz schnell, dieses hier gehört in erstere Kategorie, frag mich keiner warum.
Vielleicht liegt’s daran das es mein erster Gig im Ruhrgebiet war, in der Kaue Gelsenkirchen, also so einem richtigen alten, stillgelegten Kohlebergwerk. Die Fahrt da hin, mit JL, war abenteuerlich, mit Taxi vom Flughafen Köln, und ich habe ein paar Menschen dort kennen gelernt die ich bis heute kenne.
However, ich wurde dort spontan interviewed und gab genau solche Antworten ohne viel nachzudenken

Danke Toci!

Ghost in the MP3

ghostmp3
Interessantes Ergebnis das entsteht wenn man das der Kompression geschuldete Rausgefilterte einer mp3 Datei hörbar macht:
The Ghost in the MP3 ist ein Projekt von Ryan Maguire, Doktorand für Komposition und Computerwissenschaften am „Virginia Center for Computer Music“ der „University of Virginia“. Er komprimierte den Popsong „Tom’s Diner“ von Suzanne Vega und machte aber nur jene Artefakte hörbar, die eigentlich herausgefiltert werden sollten. Quasi der Abfall der Musikkomprimierung. Das Gleiche gilt für das Video, hier handelt es sich um die Überreste einer MP4-Komprimierung. Die Wahl des Lieds war unterdessen nicht zufällig. Man sagt, dass im Fraunhofer Institut, dort wo seinerzeit die MP3 im Team des Forschers Karlheinz Brandenburg erfunden wurde, der Song (bzw. die Acapella-Version) als Referenztrack genutzt wurde. Tontechniker sprechen bei dem Hit aus 1987 auch von der „Mutter der MP3“.

So könnte sich auch ein Instant Burial Plugin anhören.

Das läßt sich natürlich auch mit Video anstellen und hat durchaus seinen komplementierenden Reiz:

(Via Das Filter)

GEMA, Black Boxes und die Bredouille der Clubszene

Auf Netzpolitik gibt’s heute einen schönen Artikel der nochmal das Problem beleuchtet, wie das Black Box Tracking der GEMA funktioniert und welche Probleme sich daraus für Clubs und Produzenten aus dem Clubkontext ergeben. Kurz, die 120 Black Boxen stehen vornehmlich in Großraumndissen und zeichnen dort einmal die Woche eine Stunde Musik auf, diese Stichprobe gilt dann als statistisch sankrosankt um den ganzen Bereich Musik in Diskotheken bewerten zu können und die Gelder entsprechen zu verteilen. Klar, das dabei sowohl Clubs als auch dort gespielte Tracks komplett hinten runter fallen, was für beide mehr als ärgerlich ist, für die Clubs keine nicht geringe Mengen an die GEMA zahlen, obwohl der Großteil der Musik gemafrei ist und für die Produzenten, bei denen nichts davon ankommt. Hinzu kommt das die GEMA nur Pauschalen, nicht aber abgegebene Tracklisten des Abends akzeptiert. Auch ein Tracking über den ganzen Abend will man offensichtlich möglichst vermeiden, warum dürfte klar sein, die Wahrheit dürfte nicht allzu gut für die GEMA Vermutung ausfallen, also redet man sich, wenig überraschend, mit den Kosten raus:

Die Ein­nah­men im Dis­ko­the­ken– und Club­be­reich sind auf der einen Seite über­schau­bar gering, aber die Kos­ten für eine track­ge­naue Abrech­nung sind alles andere als gering. Das heißt: da muss sehr viel inves­tiert wer­den, wenn man wirk­lich auf eine auf den Track genaue Abrech­nung kom­men will. Hier muss man sehr genau hin­schauen, ob die Kos­ten am Schluss nicht höher sind, als das Geld, was zu Ver­tei­lung ansteht.

Nun existiert aber mit dem neuen GTI-System genau solch ein System und und ist dabei gar nicht so kostspielig wie kolportiert, wäre dabei viel gerechter und bietet noch einige weiter Vorteile nicht nur im Clubkontext, wie z.B. das Labels ihre Tracks für das Fingerprinting selbst einreichen können.
In ausführlich wie gesagt bei Netzpolitik
Ich bin gespannt wie das weitergeht und wenn die Testphase vorbei ist, wie lange der Gesetzgeber die jetzige Praktik der GEMA dann noch zulässt

Neues Streamingdebattenfutter: Abrechnung eines Grammy Nominierten

Ok, ist zwar schon etwas älter, hatte ich aber nicht auf dem Schirm und zeigt für mich erstmals eine Abrechnung Schwarz auf Weiß, Egebnis: I received a total of $30.89 from them – $11.50 for the artist; $19.39 for the label (I’m the label, TruArt Records).
Wohlgemerkt, für zigtausende Plays, würde ihm das Label nicht gehören wären es also nur grundgütige 11,50$

Er schließt mit den Worten:
Someone’s making money, and in true fashion with the music industry, it’s not the artists. Business practices like this are one of the reasons I jumped ship and only write for television now.

Es liest sich dann wie ein Hohn auf die Produzenten dessen was man da verkauft, wenn eine Credit Suisse über die Streaming Revolution berichtet und resümiert:
Ein Licht am Ende des Tunnels?
Die Künstler mögen das Nachsehen haben, doch für die Plattenfirmen sind mit dieser Entwicklung grosse Hoffnungen verbunden

Aphex Twin gewinnt Grammy in der Kategorie Best Dance/Electronic Album

Es ist also passiert:
Aphex Grammy

Nicht das ich auf den Preis viel geben würde, noch das ich Syro das beste Album von Aphex Twin bezeichnen würde, aber Congrats und definitiv ein Wink wie weit es solche Musik dann heutzutage doch bringen kann. Da mögen jetzt einige vielleicht Sellout rufen oder Mainstreamisierung beklagen, ich denke aber wenn einer den Grammy verdient hat dann er und das es nach fast 30 Jahren Musikgrenzen überschreiten und neu ausloten ein weiteres Zeichen ist, das Techno seinen Platz in der Musikgeschichte sicher hat.
Nächstes Jahr gewinnt wieder ein Album das auf Pop schielt.