Da ist er also, der bereits zweite Versuch das Phänomen Tresor in einer Doku zu fassen. Nach Mike Andawis The Vault And The Electronic Frontier nun also SubBerlin – Underground United. Natürlich gelingt das weder dem ersten, noch dem zweiten Film, davon sollte man vielleicht auch gar nicht ausgehen, dazu hat jeder der dabei war einfach seine speziellen Erinnerungen an den Laden, bzw. seine prägenden Momente, die seinen Tresor ausmachten und die so flüchtig sind, das keine Kamera dieser Welt sie aufgenommen hat. Unter dieser Prämisse ist ein schönes Dokument Zeitgeschichte entstanden, dessen Material Timann Künzel hauptsächlich in den zwei Wochen Schliessungszeit des Tresors unermüdlich aufgenommen hat und mit historischen Aufnahmen aus dem Tresor verbindet. Typische und eher untypische Vertreter des Tresors sind zu sehen und dazu hört man einige Tracks, die those who know für immer mit diesem Loch von Technohölle verbinden werden. Der Beginn zeigt bereits das Ende, wie der Bagger den ehemaligen Eingang einreisst. Da vom Beginn des Tresors nur wenig auf Video dokumentiert wurde müssen wir uns wohl mit der Dokumentation des Endes begnügen, man sieht wie Stevie bei der letzten Platte weint, die Schlangen der letzten Tage und wie die letzten das Gebäude verlassen. Dazwischen erzählen so unterschiedliche Menschen wie Rok, Jeff Mills, Blake Baxter,Chris Liebing, Marc Reeder, Marusha, Motte, Sven Väth, Paul van Dyk, Johnny Stiehler, der Schreiber dieser Zeilen und natürlich Dimitri Hegemann mit glänzenden Augen Anekdoten von ihren persönlichen Tresorerfahrungen. Vieles davon ist sicherlich nicht zum ersten Mal zu hören, trotzdem war es mir ein Vergnügen all das mal gebündelt und fokussiert in Spielfilmlänge zu sehen. Klar, das in diesen 90 Minuten nicht alle aus 15 Jahren TresorgeschIchte befragt und erst recht nicht jeder Aspekt beleuchtet werden konnte, dennoch reicht es zu einem melancholisch, schönen Dokument über einen Club und sein Ende durch Investoren, die an dieser Stelle Bürogebäude, die bis heute leer stehen, als wertvolleres Gut und bessere Alternative sahen. Einer der Höhepunkte ist daher das Interview mit dem Münchner Investor, der mit seinen Aussagen als Münchner, der in seiner Jugend ja auch mal im P1 gefeiert habe, so dem Klischee der ignoranten Brutalität eines BWLers entspricht, das es einem ob der Kluft schon graust. Diese Aussagen aus dem Jahr 2005 sind auch gerade in aktueller Hinsicht interessant, denn der Tresor ist ja nicht der einzige kulturelle Ort, der im Investitionsfieber unterging, das E-Werk verSAPt, da wo die architektonische Schönheit Ahornblatt/Exit stand steht heute ein langweiliges Novotel das unsere Stadt nicht gerade schöner macht und die Liste liesse sich bis zum heutigen Mediaspree weiter fortsetzen. Von daher hat die Dokumentation vielleicht nicht nur für die damals dabei gewesenen oder Tresorinteressierte einen Wert, sondern dokumentiert auch, wie in dieser Zeit das zarte Pflänzchen (Sub)Kultur immer wieder unter der tumben Regentschaft der Anzugträger verdrängt wurde, ohne das diese Finanzarroganz, die von Kunst und Kultur entdeckten Räume auch nur im mindesten integriert, würdigt oder wenigstens respektiert und sich damit mindestens so ignorant zeigt wie die Mächte des Systems, das vorher an selber Stelle wirkte.
Ach ja, SubBerlin – Underground United soll es dann gegen Ende des Jahres auf DVD geben.