Review: Twitterlesung

Das war sie also, die vermutlich erste Twitterlesung der Welt und auch wenn es heißt “wenn man es nicht in 140 Zeichen sagen kann, dann kann man es auch lassen”, werden das hier vermutlich ein paar mehr, ist ja aber auch Blog und nicht Twitter.
Zuerstmal hat mich erstaunt, das trotz der sengenden Hitze solch eine Schlange vor dem nbi stand, für so ein Nischending wie Twitter! Erstmal drin, erfreut ein schwarzes Macbook auf der Bühne erblickt, bei mir gibt sowas ja gleich Bonuspunkte und iPhones galore im Publikum! Remember, wir sind hier im Prenzlberg, da verlangt alleine schon das Klischee danach ;)
Aufgrund der langen Schlange und Streampoblemen von Hobnox hatte sich das ganze Programm ein wenig nach hinten verschoben, was die Bar an diesem Tag sicherlich freute. Wie stand es in einem an die Wand projezierten Tweet: “Leute sitzen bei dem Wetter in einer stickigen Berliner Kneipe und machen Internetgedöhns” Das war überhaupt sowas von Meta, man saß in einem Raum voller Twitterer, die ihre Tweets absetzten, welche dann umgehend auf der projezierten Twitterlesungsseite erschienen, so kann man Programmverzögerungen durchaus verschmerzen und die Hobnoxfrickler lasen eifrig die Tweets über den fehlenden Stream oder Ton mit, um die Probleme in den Griff zu kriegen, was dann auch irgendwann gelöst schien.
Leuten Twitter außerhalb des Twitteruniversums zu erklären ist in etwa so wie Physikern etwas über Sex zu erzählen, insbesondere wenn man auf die Frage, ob das nicht totaler Quatsch sei, unumwunden mit Ja! antworten muß. Johnny vom Spreeblick versuchte sich trotzdem darin, wahrscheinlich für den Stream, für die Veranstaltung war es sowas wie predigen zu Bekehrten. Dabei war das Publikum überraschend bunt gewürfelt, den typischen Twitterer scheint es nicht zu geben, die Altersbandbreite reichte von Twen bis Renter und das Twittervolk reicht von ITaffirnen Lingonerds bis zu Werbern, denen die Limitierung und Denke nur in Überschriften beruflich ja bekannt sein dürfte.
Die ersten anderthalb Stunden bis zur Pause waren denn auch gefüllt mit gut gewählten Pointen aus dem Twitterversum, wobei mir auffiel, das das Twittergedächtnis eher ein kurzzeitiges zu sein scheint, kaum einer der Tweets war älter als 3 Monate. Youtube- und twitterverseucht, wie man es heute nunmal ist, reicht die Aufmerksamkeitsspanne allerdings nicht mehr zu wagnerspielesken Ausmaßen und so waren nach einer Stunde deutliche Konzentrationsschwächen im Publikum auszumachen.
Klar war das alles noch ein wenig beta, man hatte sich offensichtlich in den Zeiten der einzelnen Programmpunkte verschätzt und in der Pause das ganze Konzept ein wenig gestrafft, auf das es keine Lange Nacht der Tweets werden würde.
Trotzdem konnte man in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz an den Verve der ersten anschliessen, was aber auch auf allen Seiten an der brüllenden Hitze gelegen haben mag, im weiteren Verlauf allerdings auch dem Versuch geschuldet sein könnte, gegen diese mit Bier anzutrinken. Ich hatte das Gefühl es lief alles ein wenig aus dem Ruder, was in liebevolles Chaos mündete. Die gedünsteten Hirne hatten dann auch im Publikum bewirkt, das wohl nur 4 Offlinetweets, kleine Kärtchen mit 140 Kästchen, zum Abstimmen für den besten Offlinetweet abgegeben wurden.
Resume:

- 2 Stunden reichen dicke
- twitterarisches Quartett muß nicht sein, hat was von Abiabschlußfeier
- Menschen sollten nicht ihre eigenen Tweets vorlesen
- Jeder Tweet nur einmal, wenn innerhalb von 3 Stunden manche Tweets dreimal drankommen hat das was von Witze dreimal erzählen
- Die Selbstreferentialität einer gewissen Twittertruppe ist zwar verständlich, könnte aber mit
- etwas mehr Zeit in die Vorbereitung investieren
vermieden werden

Auch wenn mir Tweets im virtuellen Raum grundeigentlich besser aufgehoben erscheinen, einem Best of Tweets, auch in eine Erzähl- oder andere Form gebracht, würde ich durchaus Chancen auf weitere Male geben

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Epilog at Twitterlesung

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