Thema der Woche 59: Rigide/ undurchsichtige/ willkürliche Türpolitik in Berliner Clubs – ist das wirklich cool, so wie es ist?

Ach Leute, ich finde die Türpolitik in dieser Stadt gar nicht soooo rigide/undurchsichtig oder willkürlich, wie das oft behauptet wird. Nicht weil es für mich noch nie ein Problem war irgendwo reinzukommen, sondern weil ich über Jahre beobachten konnte was an den Türen so abgewiesen wird und ich in den meisten Fällen die Entscheidung schon nachvollziehen konnte. Lautstark schwäbelnde Männergruppen, divenhaftes Wichtiggetue, generelle Unfreundlichkeit, Drängeln vor der Tür, zu druff, es gibt viele Gründe weswegen man mal eine Nacht nicht in den präferierten Club kommt und im allgemeinen ist das Personal an der Tür hier schon sehr geübt und professionell in der Auswahl.

Das nunmal nicht jeder überall reinpasst ist ja nix neues und die Diskussion startete eigentlich schon zu Planetzeiten, wo so mancher Walfischbesucher nicht den Weg vorbei an Mac schaffte. Für den Abgewiesenen sicherlich nicht schön und nachvollziehbar, aber schliesslich steckt dieser auch nicht in der Haut und der Verantwortung des jeweiligen Türstehers, weswegen der Korb natürlich persönlich genommen wird, was sich aber vielleicht relativiert wenn man bedenkt das man vielleicht eins von 2000 Gesichtern an dem Abend war. Nun mag vielleicht die Häme kommen, das sich die Clubs das hier mit ihrer Fülle auch leisten können, während man woanders noch bei Einlaß aller Begehrenden um den Breakeven bangt, dazu muß dann aber auch erwähnt sein, das diese Fülle eben auch nicht von Ungefähr kommt, sondern zu einem nicht unbeträchtlichen Teil daran liegt, das sich die Besucher der jeweiligen Locations auch noch in den absonderlichsten Zuständen dort geborgen und sicher fühlen, was bei der Melange an unterschiedlichen Charakteren und eben Zuständen durchaus keine Selbstverständlichkeit darstellt und eben auch in der Selektion der Bouncer begründet liegt. So wie der DJ den Sound selected und mixt, so selected und mixt der Türsteher die Beiwohner des Abends und ist damit ein ebenso wichtiger Bestanteil wie DJ, VJ, Lichtmann, Barpersonal und auch Publikum, erst alle diese Ingredenzien ergeben eine gelungene Veranstaltung.
Anstatt danach in die Welt zu schreien, das man den Scheißladen ab sofort boykottiert und auf sein baldiges Ende hofft, wäre es manchmal angebrachter, einfach mal im ruhigen Ton nachzufragen was die Abweisung ausmacht, sich diese geduldig anhört und dann vielleicht seine Konsequenzen zieht, egal wie die dann ausfallen. Kein Türsteher weist aus Bosheit oder Willkür ab, sondern hat seine Gründe, die er auch mitteilt wenn der Ton stimmt und das ist nunmal der beste Rat den ich geben kann an um in Zukunft an der vermeindlich strengen Tür vorbeizukommen.

Kommentare (20) Schreibe einen Kommentar

  1. XS, NONTOX, meinetwegen auch “KiKaKatzenpub” hatten es doch lange richtig vorgemacht. naja, auch lange vorbei. jedenfalls mal wieder schoen auf den punkt gebracht. die beste tuer ist immer noch die nach draussen.

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  2. yep. ich bin bis heute auch immer überall reingekommen. berlin is derbe entspannt. da is hamburg, münchen oder sowas von nerviger. aber da will man ja auch nur seltenst feiern….

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  3. ich bin mal irgendwo nicht reingekommen, weil ich weisse turnschuhe an hatte. war aber auch besser so, glaub’ich.

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  4. als ich noch veranstaltete hatte ich ja mal die idee, das man sowas wie eine drehtür hat, hinter der sich 2 clubs befinden, so könnte man jeden reinlassen, es gäbe kein gemecker und alle hätten eine gute zeit. die guten auf der einen seite die anderen auf der anderen seite, keiner wußte vom jeweils anderen raum und alle, auch der veranstalter, wären zufrieden ;)

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  5. Seltsamerweise höre ich von nicht wenigen Leuten aus Berlin, dass es im Vergleich zu “früher” mittlerweile sehr unentspannt zugehen kann. Ins Berghain fahren mittlerweile nicht wenige nur noch dann, wenn sie vorher abklären konnten, dass sie reinkommen.

    Ich hatte zwar auxch noch nie Probleme, aber das ist mehr als abschreckend, wenn man von verschiedenen Seiten mitbekommt, wer alles nicht reinkgekommen ist. Und das sind keine Touries oder Druffies, sondern nicht selten Leute, die seit Jahren ausgehen.

    Und ähnliche Geschichten hört man vom Watergate, Weekend … an der Bar25 habe ich es selbst erlebt. und das sind jetzt einfach nur ein paar Beispiele.

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  6. die diskussionen sind aber beileibe nix neues, bei der bar ist es nunmal häufig so, das der läden einfach zu voll wäre würde nicht rigoros an der tür gesiebt, das hat nix mit angespannt zu tun, sondern damit die anspannung draußen zu halten. dasselbe mit den anderen läden, an manchen terminen ist so ein adrang das man nur mit ewigem anstehen oder manchmal eben auch gar nicht reinkommt, ist mir bei der ersten sub:stance im berghain auch passiert, aber deshalb gleich einen paradigmenwechsel an der tür auszurufen wäre mir da nicht in den sinn gekommen

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  7. Ach ich bin auch schon öfter irgendwo nicht reingekommen. Meistens war mir auch selber klar warum ;) Dann bin ich halt in meine stammlocation gegangen und durfte mir dann da anhören “Aber benimm Dich” oder ” “Erstmal aber nur Wasser” ;)

    Dafür hab ich nie jemand verteufelt. Heute hab ich keine Probleme mehr irgendwo reinzukommen und sollte es so sein, gibt es mind. noch 3 clubs in der Umgebung wo man blind hinfahren könnte. Bis jetzt ist mir nur die Tür am Weekend recht undurchsichtig aufgefallen. Da kriegt man auch mal nen Korb wenn man mit 2 tollen Mädels hingeht, was ja quasi ein “Free Ticket” is.

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  8. Hehe, das Problem kenne ich irgendwie hier aus Stuttgart. Da will man mit nem Kumpel in nen Club gehen und muss sich vom Türsteher anhören das man nicht reinkommt. Ne Woche später geht man mit der Freundin weg und der Türsteher ist die Freundlichkeit in Person. ;)

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  9. ich hatte bisher auch keine probleme an den berliner türen – toi, toi, toi.

    lustig finde ich oft die türsteher-sprüche, wenn jemand abgewiesen wird. da meinte doch glatt einmal der türsteher des alten cookies(!) zu ein paar mädels vor mir: “ihr bleibt draußen. münchen-style ist hier nicht.”

    ich denke, gerade bei den massen, die in berlin unterwegs sind, bleibt den clubbetreibern nichts anderes übrig, als eine strenge türpolitik zu fahren. was passieren kann, wenn man so ziemlich jeden reinlässt, konnte man in letzter zeit ja gut am tresor beobachten, der sich um seinen ruf jetzt auch nicht mehr sorgen muss…

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  10. Ach, ich denke lustige Türgeschichten kennt man genausoviele wie unangenehme. Ich stand so zu den frühen Cafe Moskau Zeiten mal in der Schlange und traf einen Kumpel, der ca. 10m vor mir abgewiesen wurde. Wir nahmen ihn sofort in unsere Mitte (3 Männer) er zog seine Jacke aus, band diese um die Hüfte und wir unterhielten uns an der Tür über den Changi Airport/ Singapore, sagten nebenbei feundlich Guten Abend und waren ALLE drin..
    Nee, mittlerweile bin ich es nur Leid, irgendwo Schlange zu stehen. Da freu ich mich, dass das Berghain auch mal VVK macht, wie z.B. bei AUTECHRE oder jetzt am Fr bei THE BUG. Da kommt man dann auch mit weissen Turnschuhen rein und darf oberwichtig an gefühlten 200m Schlange vorbeistolzieren! ;)

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  11. Aha… “lautstark schwäbelnd” ist also ein Ausschlusskriterium. Nur gut, dass Berlin so eine herzerfrischend offene Weltstadt ist, ne? Ich will euer Gesicht mal sehen wenn ihr in einen Club wegen eurem Dialekt nicht reinkommt. Große Klasse, Jungs.

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  12. @daMax2
    Das Problem ist leider, dass es am Ort des Geschehens (Berlin) gar nicht bemerkt wird, wie sich die Türpolitik so nach und nach ändert. Es ist schließlich alles toll in Berlin.

    Habe mir heute die aktuelle Ausgabe der de:bug zu Gemüte geführt und es stellt sich beim Lesen das Gefühl ein, man würde ein Berliner Stadtmagazin goutieren. Gleiches Bild bei der Groove. Auf jeder zweiten Seite feiert man sich und die eigene Erlebniswelt (Berghain, mehr gibts nicht) und das alles ist toll, weil man die Probleme des “ordinären Publikums” gar nicht mehr wahrnimmt. Ein paar gelegentliche Blicke über Tellerränder ständen einigen gut zu Gesicht, aber kocht lieber im eige3nen Sud.

    Ich selbst habe mir z.B. den Silvestertrip nach Berlin gespart, nachdem ich von vielen Leuten mitgeteilt bekommen habe, wie willkürlich und unberechenbar die Türpolitik in einigen Clubs mittlerweile ist. Das war früher definitiv anders, wesentlich lockerer, gerade in Berlin.

    Heute brauchst du nur einen Tick zu hetero kucken und schon hast du dein persönliches Ausschlußkriterium.

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  13. @lcf sind wohl die Krummsäbel schuld, was?
    und zeig mir mal ein lesenswertes Printmedium…
    Rave On

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  14. is doch quatsch, aus erzählungen und aus der ferne bemerkst du also einen wechsel in der türpolitik? hm. also alleine an diesem wochenende eröffnen hier 2 weitere große läden, das wmf und der neue dice hat preopening, 2000 qm plus dachterasse, wenn also all diese kapazitäten so eine strenge und willkürliche tür hätten, dann blieben die öde und leer, sind sie aber nicht, was mir eindeutig zeigt das dem gar nicht so sein kann. und wenn einige läden zu stoßzeiten keinen mehr reinlassen, oder es nur ehr schleppend vorangeht, dann ist das auch nix neues, sondern hat es auch schon bei bestimmten veranstaltungen immer gegeben. dasraus eine neue qualität der türpolitik zu machen erscheint mir übertrieben oder neuzugezogen. vor 00:00 oder nach 8 stehen die chancen reinzukommen, zumal ohne schlange, sowieso besser.

    das das musikgeschehen immer berlinzentrischer wird finde ich auch nicht gut, ist aber sicher nicht die schuld von berlin, sondern der städte die ihre talente so ziehen lässt oder ihnen keine perspektive bietet. oder warum siedeln sich so viele hier an?
    BTW: ich freue mich auf das buch von tobias rapp, das ja auch diese thematik beinhaltet und bald erscheint. die bisherigen auszüge in groove und de:bug fand ich sehr gut beschreibend und erklärend.

    @daMax2: wir können hier nichtmal zwischen badenern und schwaben unterscheiden. schwabe ist der oberbegriff für die gentrifizierende spezies die hierher zieht und im cafe bei latte machiato schwadronieret wie cool hier alles ist und das sie genau deswegen hierhergezogen sind und später der kneipe, gegenüber ihres überteuerten dachgeschosses, die polizei auf den hals hetzen, weil die leute nach 22:00 noch draußen stehen. oder mamis im 3erpack mit bugaboo kinderwagen nebeneinander hertrotten, so das man nicht an ihnen vorbeikommt, die sich aber aufregen, das der hund nicht an der leine ist etc, das passiert nunmal häufig in diesem süddeutschen dialekt ;)

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  15. Nix neu zugezogen, alles Leute die schon was länger da sind. Das ist auch so ein Totschlagargument. Alle, die was zu mokieren haben, sie die “Neuen”. ;)

    Zudem kenne ich Berlin auch ganz gut und wenn sich einem Auswärtigen dieser Eindruck vermittelt, dann sollte man vielleicht in Erwägung ziehen, dass dessen Perspektive eine andere und vielleicht etwas unbelecktere ist als die des “inner circle”.

    Das in Berlin viel geht in Sachen House & Techno ist ja bekannt, aber das die Redakteure der beiden einzigen relevanten Magazine anscheinend nicht mal mehr aus der Stadt rauskommen, um sich mal ihrem Auftrag entsprechend umzusehen, spricht Bände. Auf jeder Seite steht mindestens einmal “Berlin” und in jedem zweiten Abschnitt “Berghain’”. Sorry, aber daran merkt man doch, wie wenig Mühe sich gegeben wird, das Andere, Neue zu entdecken.

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  16. @tanith: mal ganz davon abgesehen, dass deine antipathie schwaben gegenüber nicht das geringste mit dem eigentlichen thema hier zu tun haben, hätte ich nicht gedacht, dass es deinem intelekt entspricht, permanent diese leidliche süddeutschen-debatte von neuem durchzukauen (ist doch wie “vinyl oder mp3??”-laaaaaaangweilig). damit verhält es sich vermutlich wie mit anderen menschen auch: der teil, der einem tierisch gegen den strich geht, ist vermutlich ein verschwindend geringer teil. genug süddeutsch- dialekt- sprecher finden freie kultur und friedliche, freilaufende struppies genau so toll wie du. vermutlich macht es dir aber einfach nur spass, zu diesem reizthema immer wieder ironische klopper rauszuhauen- man ärgert ja bestimmte kollegen so nett damit ;-)
    um nochmal was zur türpolitik zu sagen: ich denk schon, dass es securities gibt, die voreingenommen und willkürlich handeln (wenn man damit sein nicht vorhandenes ego aufpolieren kann, sind doch alle mittel recht, oder?), aber auch das sind ausnamhen. und wenn jemand an der tür berechtigter weise abgewiesen wird (völlig dicht, pöbelnd oder einfach weil die kapazität des ladens ausgereizt ist), dann ist es natürlich voll OK zu sagen “du kommst hier ned rein”! völlig banane ob in berlin, köln, würzburg, hamburg or wherever.

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  17. aus meiner berlin-zeit (2002 – 2005) habe ich, was türpolitik der clubs angeht, keine negativen erfahrungen gemacht. das mag jetzt natürlich subjektiv sein, aber für mich war die türpolitik der clubs auch immer nachvollziehbar (spätestens nach dem betreten des clubs). natürlich ist es für die im wahrsten sinne des wortes “außenstehenden” meist nicht nachvollziehbar.
    als unangenehm habe ich in einigen clubs allerdings auch das “touristenaufkommen” erlebt. die “nur-mal-gucken-fraktion” hat gerade in den “bekannteren” clubs eine durchaus unangenehme stärke gehabt. im vergleich zu manchem “provinzclub” fand ich die berliner türpolitik aber durchaus gut.

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  18. @lcf: ich möchte dir ja gerne glauben das da was mit der tür nicht stimmt, nur erlebe ich das nicht und ich kenne auch niemanden außer dir, der mir solches glaubhaft berichtet. alles was ich selber an abweisung erlebt und gesehen habe fand ich nachvollziehbar und, ich sagte es schon, manchmal geht’s halt nicht anders wenn der laden eh schon auseinander bricht. das hat nix mit inner circle und auch nix mit tendenziöser sichtweise zu tun, sondern mit dem feierstatus der stadt mittlerweile. in der bar 25 ist die tür bekanntermaßen komisch, das weiß man halt und lebt damit, daraus gleich einen stadtweiten trend und das ende der fahnenstange auszurufen halte ich für (vielleicht sogar gewollt?) übertrieben.
    der vermeindlich enge radius der redakteure: wo sollen die denn bitteschön hinfahren? ist ja nun nicht gerade so, das hamburg oder frankfurt totgeschwiegen werden, trotzdem tummelt sich halb hamburg und halb frankfurt mittlerweile in berlin und wenn schon labelbetreiber wie efdemin oder ehemalige berlinverächter wie thomas koch hier wohnen und neuerdings sogar ata eine residency hier im cookies annnehmen, wo besteht dann der grund für die sowieso finanziell nicht gerade prall dastehenden redaktionen, jemanden in andere städte abzukommandieren? wenn was relevantes passiert kommt’s auch hier an und es wird drüber berichtet, wie z.b. dieses rheinmainding (wenn auch ich das eher lässlich empfinde). wo sollten die sich denn deiner meinung nach mal umgucken?

    @UC: ach, laß mir doch meinen spaß: ich lasse das wort schwabe fallen und schon gehen die hüte hoch. wer sich davon provozieren lässt bzw. sich damit diskriminiert fühlt ist schon in die falle getappt ;)

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