Thema der Woche 67: Die Prodigy Tour mit Pics für alle Daheimgebliebenen

Tja, war eine aufregende Woche. Montags ging es hier in Berlin los. Rechtzeitig zur Tour mußte gleich mal meine Kamera den Dienst aufgeben und läßt mich mit klemmendem Objektiv im Stich. So müssen die iPhone Pics reichen, die ich zum größten Teil auch getwittert habe, denn gleichzeitig war das für mich eben auch mal interessant zu sehen wie man sowas wie eine Tour integrieren kann.
Zum Berliner Gig im Huxley’s begleitete mich Arzt, der dann auch die Aufgabe des Fotografen übernahm und den Wechsel von mir zu Prodigy im Video festhielt, dazu aber später ;)
Gegen 18:00 nahmen wir die U-Bahn, unschlagbar schnell mit 22 Minuten am Ziel, mit Auto braucht man um diese Zeit locker das Doppelte. Angekommen im Huxley’s dann schon die ersten vorsichtigen Andeutungen, das DJ-Pult soll nicht sehr opulent ausgefallen sein, was mich dann erwartete sah so aus:

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Das ich nicht der Hauptact sein würde war klar, aber was da wie an Equipment stand war irgendwie ernüchternd. Nicht genug, das die Aufstellung absolut unpraktisch ist, hat man auch noch so ein komisches Vextax Mischpult davor, das den Weg zu den Decks versperrt. Für das Laptop mußte noch ein leeres Equipmentcase hergerollt werden, weil dafür wäre nun nicht auch noch Platz gewesen. Die Systeme wollten Anfangs nicht so richtig und meine Nachfrage, ob meine Vermutung stimme, das die Dinger seit geraumer Zeit nicht mehr in Betrieb gewesen sind wurde von den zuständigen Tonmenschen sehr süffisant bejaht. Ich hatte für die Tour aber auf Serato und Control Vinyls gesetzt, weil ich ziemlich viel digitalisiertes Vinyl und gebrochene Beats bis Dubstep für das Set rausgesucht hatte und damit tut sich der Beatgrid von Traktor nach wie vor schwer. Korrekturen sind in vielen Fällen unmöglich, so das man die Tracks erst in Ableton glattziehen mußte und das so gewarpte File zurückkonvertiert um es dann in Traktor zu gridden. Hätte mich bei 120 von 255 Titeln, die so zu bearbeiten gewesen wären, eine halbe Ewigkeit gekostet und ist einfach den Aufwand nicht wert, da muß noch was passieren! Mit Serato und Contolvinyl ist man aber auf die Plattenspieler angewiesen und blöd wenn das Signal nicht kommt, die Tontechniker hatten auch schon vergessen wie die häufigsten Fehler an einem solchen, in ihren Augen wahrscheinlich hoffnungslos veralteten, Setup zu beheben sind, aber das klassische Kontakte der Systeme ablecken meinerseits, hat’s dann gerichtet.
Nachdem alles lief war noch Zeit die tolle alte Halle mal wieder in Augenschein zu nehmen und sich im Backstage den Magen vollzuhauen. Auch danach war immer noch Zeit übrig, denn eigentlich sollte ich erst eine Stunde nach Öffnung ca. eine Stunde lang spielen. Mein Vorschlag das ich auch gleich anfangen könne, wenn Türen öffnen wurde gerne angenommen und sollte auch bei den folgenden Gigs so gehandhabt, also so fing ich bereits kurz nach 20:00 an. Ich ging es erstmal locker an, ich hasse das ja, wenn man irgendwo reinkommt und es läuft schon Peaktimelärm, also gediegen mit her epischen Tracks gestartet und über 2 Stunden heftig angezogen, bis man bei Progigyerergiemasstäben angelangt ist und dabei von Breaks über Dubstep zu Bassline und Fidget kommt, bis man das Schlusscrescendo in modernem Rave gestaltet und die Meute auf einem Energielevel hat, das sie für Prodigy gut angeheizt ist. Wenn das mein Job war, dann würde ich sagen, habe ich ihn gut erledigt, bei Higher States Of Conciousness oder dem Deadmau5 Remix von Jump Around ging schon ordentlich was. Der Übergang von mir zu Prodigy verlief dann auch fast fliessend, ich blendete aus und Prodigy fadeten rein. Bevor die Jungs die Bühne betraten feuerten sie mich noch an und bedankten sie sich dann in der Ansage. Sehr nette Geste,wie hier im
Video von Arzt nachzusehen ist.
Was dann folgte war laut, kraftvoll, ravig und so richtig schön nach vorne. Man kann über die neuen Tracks sagen was man will, aber live entfaltet die Truppe immer noch ordentlich Mayhem. Da kommen auch die Tracks des neuen Albums erst richtig zur Geltung, was mir auf dem Album teilweise so vocallastig kommt, kommt mit der Wucht der Livebühne ganz anders zur Geltung und weiß wirklich zu überzeugen. Natürlich kommen auch Hits wie Firestarter, Voodoo People oder Breathe nicht zu kurz und Smack my Bitch up sah dann so aus:

Ich traf Dom von Ableton und schaute mir einen Teil der Show mit ihm bequem von hinter der Bühne an, verplapperte mit mindestens 3 Tracks Mof im gleissend hellen Backstage und nach ca. anderthalb Stunden war das Szenario zuenden. Ich traf noch Housemeister und Arzt war ja auch noch da, so war die Halle schon halbleer bevor Arzt und ich uns zur Feier des gelungenen Abends ein Taxi zurück in den Prenzlberg leisteten.

Am nächsten Tag um 12:00 ging auch schon mein Flieger nach Köln, wo mich Udo vom Flughafen abholte und mich erstmal gediegen zum Essen in die Innenstadt fuhr. Danach lieferte er mich im Hotel ab, ich schaute auf dem iPhone was in der Welt zwischenzeitlich so passiert war in und staunte nicht schlecht, das just in dem Moment wo ich in Köln war, ein paar Kilometer weiter das Stadtarchiv wegbröselt.
Gegen 18:00 holte mich Udo wieder ab und wir fuhren zum nicht weit entfernten E-Werk, ich war gespannt was mich heute an Arbeitsplatz erwarten würde, nachem mir am Vortag in Bezug auf Besserung nicht viel Hoffnung gemacht wurde. Von daher konnte ich also kaum negativ überrascht werden und war sogar schwer erleichtert, als mich diese Opulenz erwartete:
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Man erkennt es vielleicht nicht so gut, aber das war nicht nur genug Platz, sondern auch eine Privatloge zum späteren Genuß der Prodigybühnenshow. Nachteil: man ist total weit weg vom Publikum, so das es einen kaum bemerkt und stumpf Richtung Bühne schaut, weil da der Sound herkommt. Weiterer Nachteil, der mich auch schon in Berlin begrüßte: zu klein dimensionierter Monitorspeaker, der zudem auch noch unvorteilhaft stand, aber immer noch besser als am Vortag, wo er unter dem Tisch verschwand. Die Interaktion war also minimal, trotzdem gelang es mir Stimmung in den Laden zu bringen und sogar, schwer in so einem Kontext, ganze Gruppen zu Tänzchen zu bewegen. Die Show geniesst man bei solche einem Ausblick natürlich besonders gut und gerne:
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Was mich gleich zu Beginn der Show überraschte war der andere Einstig als am Tag zuvor und im Verlauf die geänderte Trackliste, man hätte ja denken können das die das Programm jedes mal stoisch durchziehen, aber da war Variation. Auch hier dauerte das Spektakel ca. anderthalb Stunden, mit kurz angedeuteter Pause nach ca. einer Stunde und dann keine Zugabe mehr, sondern Abgang und Licht an.Am nächsten Morgen brachte mich Udo auch wieder dankenswerter Weise an de Flughafen, wo auch noch genug Zeit für ein zweites Frühstück war.

Zwei Tage später, am Freitag, kam dann schon der letzte Gig der kleinen Tour, München’s Tonhalle sollte es da sein. Wieder um 12:00 ging mein Flieger und diesmal war ich sogar ins Hilton eingebucht, leider aber Nichtraucherzimmer, was die Freude ein wenig schmälerte. Auch wieder um18:00 war mein Aufbau anberaumt und da stellte ich erst fest, das die Tonhalle auf diesem Kunstghetto Ost steht. Mit dem Konzept, alles musikalischen Subkulturen der Stadt auf so einer Saufmeile unterzubringen, kann ich ja nach wie vor nix anfangen. Rock neben Techno, Konzerthalle neben Saufhalle, also meinem Begriff von Jugendkultur, Subkultur oder überhaupt Kultur kommt das überhaupt nicht nahe. Immerhin in der Halle war der Eindruck schnell weg, der bislang beste Arbeitsplatz erwartete mich:
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Während ich so aufbaute kam Keith aus dem Backstage und bedankte sich für die Sets und fragte nach einigen Titeln aus dem Set, die ich ihm natürlich gerne aufschrieb, insbesondere die Tracks direkt vor ihrem Auftritt hatten es ihm angetan. Auch hier fing ich gleich wieder bei Türöffnung um 19:00 mit eher chilligen Beats an, es füllte sich langsamer als in den Städten davor, dafür hatte ich aber eine richtige kleine Fanmeute vor dem Pult, die ordentlich Stimmung machte, welche sich langsam aber sicher über den Raum verteilte und da an Liams Keyboard noch ein paar Tasten ausgetauscht werden mussten, hatte ich sogar noch eine halbe Stunde länger Zeit! Das Material konnte mir kaum ausgehen, meine Playlists gehen jeweils ca. 24 Std lang und ich bediene mich gerade aus dreien!
Um 21:30 war mein letztes Set der Tour beendet und ich traf meinen Serveradmin Andreas und seine Freundin Jana, die extra angereist waren und mit denen ich mir das komplette Prodigyprogramm jetzt bereits zum dritten mal gab. Damit bin ich aber noch Waisenknabe gegen die Burschen die mich nach dem Konzert ansprachen, jedes meiner Sets auf der Tour kannten und auch noch diverse andere Prodigygigs in Europa mitgenommen hatten.
Mit Andreas und Jana verschwand ich dann auch nach dem Gig schleunigst von dem Gelände, mit soviel Suff komm ich nicht klar, wir wollten uns noch eine gemütliche Kneipe gönnen um zu Plauschen, ist aber in dieser Area nicht so einfach, wir landeten ganz profan im Burger King.
Am nächsten Tag ging’s dann zurück, in München schneeregnete es von links nach rechts, von daher war ich natürlich froh wieder im der Heimat zu sein, auch wenn die Witterung nicht wesentlich besser war.
Rekapitulieren wir mal die Sets, die waren ja so unterschiedlich nicht, trotzdem gab es bemerkenswete Unterschiede, in Berlin konnte ich z.B. herzhaft wobbligen Dubstep fahren, in Köln war dann eher der gerade Beat erfolgreicher, also mehr Niche, Bassline Fidget und in München kamen alte Raveanklänge am besten an. Trotzdem waren in jeder Stadt South Central’s Version von Higher States Of Conciousness, Far to Loud’s Play it Loud und der Deadmau5 Remix von Jump Around die Hits.Und zum Abschluß noch ein kleiner Bilderreigen:

Arzt’s Bilder vom Berliner Gig:
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Meine Pics:
Berlin:
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Köln:
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München:
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The End:
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Kommentare (12) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den toll geschriebenen Bericht und dein anheizen in Köln. Das war mal ein geiler Abend. Vorprogramm spitze (Ich wüsste keinen der musikalich da so gut da hingepasst hätte wie du) .und Prodigy wie du gesagt hast live total überzeugend.
    Merci.

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  2. HACH, herrlich. Vielen Dank für den Tourbericht und die Pics- auch an Arzt, versteht sich!
    Ps:”TOI TOI TOI” für die etwas aufgeriebene Beziehung zwischen Dir und Deinem bösen Server ;-)

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  3. Ja danke udo für die wirklich hervorragende bekümmerung, hat mich sehr gefreut und hoffentlich auf bald! :)

    @UC: gern geschehn und dem serverchen werden wir das schon noch austreiben, nur wann… und wie…ich hasse komplikationen!

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  4. jo, auch von mir ein herzliches dankeschön für den ausführlichen und gut geschriebenen bericht! ich finde es ja immer noch schade, dass du die tourberichte abgeschafft hast, aber der hier musste einfach sein :-)

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  5. Auch ich bedanke mich lfür diesen Tourbericht. Irgendwie will das dieses Jahr mit den Konzerten nicht klappen…alle wo ich hin will ausverkauft, für das nächste Ende Mai, habe ich die Karten jetzt schon….! Trotzdem Tanith,noch eine Frage: “aber das klassische Kontakte der Systeme ablecken meinerseits, hat’s dann gerichtet.” Wie darf man den das verstehen? Und genau das was du über das digitale Auflegen geschrieben hast, nervt erbärmlich (beatgrid)…es sind doch gerade die ungeraden die auf die Art auflegen Spass machen könnten und nicht der stotische 4er Fuss….oder das man Zeugs miteinander kombiniert, die eigentlich gar nicht passen…

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  6. Interessant, daß immer noch Altrocker-Stagehands solche unhaptischen und unergonomischen “2 Technics und ein Pult-Fiaskos” hinstellen….und das obwohl auch in Deutschland seit 20 Jahren so aufgelegt wird.Am besten noch mit eiernden Laufwerken und geplatzten Systemen…..
    ein Nervklassiker sind übrigens auch kratzende Fader und Monitore aus dem Elektronikbastlerkatalog….

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  7. @udo_cologne: auch hier nochmal danke auch für das nette kompliment und hoffentlich bald wieder, vielleicht ja sogar hier :) freut mich das der abend auch für dich getaugt hat

    @DoctorBenway: das darfst du genauso verstehen wie es da steht, man schraubt die systeme ab, leckt die kontakte zum tonarm an und danach funktionieret die übertragung. oxidierte kontakte oder festgesetzter dreck oder whatever, jedenfalls sc hlecht gewartetes analogequipment kriegt man mit solchen brutalotricks meistens wieder soweit hin, das es das set über tadelos funktioniert, wenn nicht, prozedur wiederholen. langfristig natürlich tödlich für das equipment, aber was willste machen?

    klar nervt das gridden, gerade bei besagtem material, deswegen schrob ich ja das da noch was passieren muß. ich nerve die ja schon ständig mit der idee eines editorfensters zum gridden. aber im endeffekt bleibt es sich doch egal ob ich während des sets manuel beatmatche oder das beatmatchen vorher per grid vorarbeite und mich im set auf andere dinge wie effekte oder lange übergänge konzentriere. kommt halt immer auf set und stil an und es wird die zeit kommen wo gridden so nebensächlich wie matchen wird.

    @wolke909: so altrockermäßig waren die gar nicht, aber sagen wir mal so, für tonmenschen war das dj-setup schon immer suspekt, sie haben’s nie geliebt und bedauern es keineswegs das es auf dem rückzug ist und so schliesst sich gerade der kreis, demnächst steht dann da wahrscheinlich wieder ein rodec pult ohne crossfader und ewig langen gainfadern. die sind erst zufrieden wenn sie die technicsphase vergessen können.

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  8. Netter Bericht, danke.
    Was ich nicht ganz verstehe: Warum haben denn “Tonmenschen” etwas gegen das Technics-Setup?

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  9. Weil Plattenspieler nur Ärger machen: Nadel kaputt, Kontakt im Arsch, Tonarm beschädigt, Rückkopplungen usw. Zudem kommen viele Tonleute eher aus dem R’n’R und wollen Gitarren.

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  10. ja, für die ist das kein richtiges Equipment, sondern gehört eher in die Kategorie nicht ernstzunehmendes, aber Ärger machendes Spielzeug

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  11. toller Bericht. Hab“ mich beim Lesen gefühlt, als wäre ich dabei gewesen. Danke.

    Was mich noch interessieren würde, haben denn die Besucherzahlen die Erwartungen erfüllt? Konnte die Alt-Techno-Rocker-Band die Hallen noch richtig gut füllen?

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  12. alle gigs aren schon weit vorher war komplett ausverkauft und die tour somit sogar etwas zu klein dimensioniert. die schwarzmarktpreise für karten waren bis zu 320 € hoch gegangen

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