Review: Airen – Strobo

strobo

Na, das ist doch mal ein Technoroman für die ganze Familie! Eltern werden in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt, was mit ihren Kindern im Technomoloch Berlin so passieren kann und die Kids kriegen brühwarm erzählt, was das da so mit dem Berghain und den Darkrooms so geht. Durch multitoxische Drogeninduktion springen die Schwänze nur so in die Münder und was für Kombinationen an legalen und illegalen Substanzen geht wird gleich mitüberliefert. Wer Airen’s Blog kennt, weiß in etwa was zu erwarten ist, dabei fängt sein Roman vor seiner Mexikoabreise an, mit der sein Blog vor ein paar Jahren startete.

Airen erzählt aus seinem Alltag, der geprägt ist von Techno und Drogenverwirrung, allerdings dankbarerweise mal nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern richtig in die Vollen, was in dieser Phase des Grenzerfahrungstrips bei einem vorgehen kann. Trotzdem empfinde ich das für mich nicht als Verherrlichung der Droge, sondern als sehr realistische und ungeschönte Darstellung, was in einem User so vorgeht und welche Irrungen und Wirrungen unter anderem des Sexualtriebs damit einhergehen. In der Mitte des Buches wird es einem fast zuviel mit den ganzen Schwänzen in Mündern auf dem Klo, wo man sich bemüht und doch nichts so recht klappen will, weil der Geist vielleicht willig sein mag, aber das Fleisch darnieder hängt, das Herz pocht wild, bringt das Blut aber nicht an die gewünschten Stellen, sondern sorgt für komische Zustände und so mühen sich die Protagonisten eben einen ab, ohne das da wirklich eine Erfüllung bei rüberkommt, Lust und Frust geben sich da ein feuchtgebietiges Stelldichein. Später dann rettet die selbstironische Betrachtung der Situationen des Icherzählers Airen die Chose noch. Irgendwie dachte ich mir beim Lesen immer das das die dunkle, schmutzige Seite der Kombination von Liebestänze und Berlin Calling in bisexuell sein könnte, ohne Blümchensex und Happy End. Das auch mal diese Perspektive beschrieben wird, dafür bin ich recht dankbar, diese Facette fehlte noch unter den ganzen Technodarstellungen der neueren Zeit.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. GRANDIOS!ich denke ich werde das Werk meinen Kollegen empfehlen, wenn Sie mich am Dienstag nach meiner Rückkehr hämisch fragen: “….und, wie wars wieder in Berlin..?”….das dürfte dann die beste Erklärung liefern :-D

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  2. Ich glaube Airen ist so druff gekommen ( und nun wohl gewesen) weil er die Vibes von diesem einzigartigen Place to Live abkriegte: Innsbrucker Platz, Berlin.
    Am Insi, halbe Strecke zwischen dem Grass´schen Friedenau und den Puffs an der Ecke Haupt/Domi – da hat es schon manchen zum Ruhm oder zum Verderben gefegt: Ellen A. kam da aus ihrer Verhuschtheit ans Licht, und nun Airen. Leider fällt mir sonst keiner ein. Aber massenhaft dort klebengebliebene Loser.
    Einer von diesen grüßt.

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