Thema der Woche 115: Cosmic Baby

Cosmic Baby aka Harald Blüchel gehörte mit zur Ursuppe der Berliner Szene die sich allwöchentlich im ersten UFO in der Köpenicker Straße traf. Eigentlich nach Berlin gekommen um Musik zu studieren, schließlich war er zu der Zeit schon ein Wunderkind am Klavier, wirbelte die Acideuphorie auch sein Leben ganz schön durcheinander. Er war dann auch der erste aus dem kleinen Häufchen Acidbegeisterter der einen eigenen Release vorweisen konnte, ich kann mich noch gut erinnern als er stolz wie Bolle seine Relaseparty im zweiten UFO abhielt, diese blaue Platte mit dem gelben E darauf. Von da an ging es steil bergauf für ihn und dankenswerter Weise hat er sich nie als DJ versucht, wie die meisten anderen Produzenten, bloß weil damit die schnelle Mark zu machen war, stattdessen verdingte er sich als Liveact und feierte damit große Erfolge, alleine auch schon deshalb weil es zu der Zeit davon noch nicht so viele gab. Mein schönstes Erlebis mit ihm war, als wir beiden zusammen mit Marcos Salon aka Outlander ins Stuttgarter OZ gebucht waren und sich spontan eine Jamsession zwischen mir und den beiden Musikern ergab, wobei ich quasi den Beat per Platte vorgab und die beiden dazu spielten, das funktionierte hervorragend, aber leider eben auch nur dieses eine mal.

Irgendwann danach ging’s dann los mit Trance und damit ging der Schlamasel, glaube ich, los. Angefangen von der Produktion Paul van Dyk’s, die trotz kommerziellem Erfolg wohl nicht so gut lief, man hat beide fortan nix Gutes übereinander mehr sagen hören, bis zu dem Punkt als sich Cosmic nach Frankfurt verkaufte und in Folge den Trancedelfin an Sven Väth verlor. So eine Künstlerseele ist ja ein sensibles Wesen und ich hatte das Gefühl, dieses Geschäftsgebahren raubte ihm die letzte Motivation mit der Szene noch etwas zu tun haben zu wollen, jedenfalls wurde es ab da stiller um ihn und abgesehen von zunehmend seltener werdenden Livegigs hörte man immer weniger von ihm.
Es gibt so Persönlichkeiten die, obwohl zu den Motoren einer Sache gehören, aus so einer Mischung von Unterforderung, angewidert sein und Sensibilität dann einfach irgendwann die Reissleine ziehen und das hat meinen vollsten Respekt, auch wenn die üblichen Sprüche wie man sei nicht hart genug für dieses Business gepaart mit Phrasendrescherei wie, Musik sein nunmal das härteste Business der Welt, kommen. Ich fand es schade, das Techno so ein Talent darüber verloren hat, auch wenn Harry’s Festlegung auf Trance und die dazugehörigen Platitüden da sicherlich auch sein Quentchen Aussichtslosigkeit zu beigetragen hat, da hat er sich m.E. ein wenig verrannt.
Obwohl wir beide zu der Zeit in Kreuzberg lebten kreuzten sich unsere Wege leider nicht mehr so oft und irgendwann verschwand er ganz nach New York. Ich hörte dann zunehmend aus den Medien von seinem weiteren Werdegang, der ja nun vornehmlich in Hörspielen und Theatern stattfindet. Es hat mich dann gefreut ihn in der Doku “We Call It Techno” wiederzusehen und fand seine Statements mit die stärksten. Zugute halte ich ihm ebenfalls, das er sich nicht auf seinen Lorbeeren von damals ausgeruht hat, sondern sich entgegen allen Bequemlichkeiten seiner inneren Stimme verpflichtet hat und seinen Weg gegangen ist, obwohl er es sich sicher hätte leinfacher machen können, ein richtige Künstlernatur eben.