Thema der Woche 121: Monika Dietel

Es war so Mitte 1988, als ich an einem Samstagabend in meiner Schöneberger Wohnung saß und aus Langweile in der Küche beim Essenmachen am Radio drehte bis irgendwann ein Gezirpe und Geschwurbel aus dem mickrigen Lautsprecher kam, von dem ich sofort wußte das es die Musik war, die ich schon immer hören wollte. Die weibliche Stimme mit dem fränkisch rollenden R erklärte dann irgendwann das sich das Acid nannte und der heißteste Scheiß wäre den es gerade gäbe. Klar hatte ich vorher schon Sachen wie “House Nation” oder Todd Terry gehört und für toll befunden, aber das es davon so viel gab, das man ganze Radiosendungen damit füllen konnte, das war mir neu. Fortan war der Samstagabend ab 20:00 für Moni D’s Sendung auf SFB4 reserviert und ich war wohl nicht der einzige, der jede Sendung auf Kasette aufnahm um sich unter der Woche nochmal diesen Soundflash zu holen. Von Baby Ford bis Frankie Bones und von NuGroove bis R&S lief hier alles was den neu entdeckten Kosmos ausmachte und bald fing man an sich anhand dieser groben Orientierung auch die entsprechenden Platten zu kaufen um den eigenen Geschmack weiter zu entwickeln. Aber auch in Sachen Kommunikation war Moni’s Sendung für Berlin enorm wichtig, die ersten Parties wurden hier durchgegeben, man hatte ja sonst nichts, es gab noch kein Internet, Szeneheftchen oder ähnliches und so war Big Beat, so der Name der Sendung, die Informationsstelle wo etwas ging. So traf sich das kleine Häufchen früher Enthusiasten an den damaligen Orten des Geschehens, der Turbine Rosenheim am Mittwoch, freitags und samstags UFO oder Locations wie dem Wrangelschösschen oder wo sonst noch versucht wurde den neuen Sound zu etablieren. Ganz die Journalistin nutze Monika dann auch die Gelegenheit Künstler die gerade in Berlin weilten zu interviewen, so das mit der Zeit ein Big Picture entstand, wie diese Musik entstand und verstanden wurde, eine enorm wichtige Aufbauarbeit für die Szene dieser Stadt.

Ich ging zwar nicht immer konform mit ihrer Auswahl, z.B. konnte ich die Beigeisterung für Blümchenhiphop a la De La Soul nie nachvollziehen, aber nixdestotrotz, die Sendung und die musikalische Auswahl waren richtig und wichtig. Nicht nur bei uns im Westen, sondern auch im Osten, wie man nach der Wende feststellen konnte. Auch dort wurden die Sendungen mitgeschnitten und aufgesogen wie von einem Schwamm. Lustig war dann, als man die ersten Parties im Osten besuchte und dort noch von Kassette aufgelegt wurde und man bei so manchem Track das Atemholen von Moni zur An- oder Abmoderation oder gar ganze Wortschnipsel mit drin hatte, die man sofort wiedererkannte, weil man ja selbst die Sendungen auswendig kannte.
So ging das alles gut bis irgendwann die Umstrukturierung der Berliner Senderlandschaft kam und einige Sender zusammengelegt wurden, bzw. wegfielen. Hinter den Kulissen ging dann ein unschöner Fight mit Schlammschlachten und Gedisse los, bei dem es darum ging, wer die Technosendung im zukünftigen Programm haben sollte, entweder Marusha, die sie vorher bei DT64 inne hatte, oder eben Monika Dietel, die sie auf dem bereits 1990 umstrukturierten Radio 4U hatte. Über das ganze Geschacher hatte Moni dann irgendwann keine Lust mehr und bewarb sich mit Christine Heise um eine eigene Frequenz, was leider nicht klappte und sie nach San Francisco verschlug um dort ihre Radioarbeit fortzusetzen.

Kommentare (14) Schreibe einen Kommentar

  1. nun ja die erste sendung von moni d. in der musikrichtung , lief samstags abends um 18 uhr auf sfb2 und hiess acide hour…..genau 1 stunde lang…..das jahr könnte hinhauen ….leider leider leider hab ich die tabs von damals alle mal weggeworfen

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  2. was ich auf der anderen seite nicht verstehe , warfum is moni d. eigentlcih nicht zu radio 100 gegangen da wär sie doch bestens aufgehoben……….vielleicht nicht gerade von der bezahlung her …..tja die antwort darauf weiss wohl nur monika d……..und das gerangel zwischen moika d. und marusha…..mmmmhhhh zwei völlig verschiedene auffassungen von musik ich sah da nie eine konkurenz drinn….ausserdem war zu der zeit die party-machinerie ja auch schon voll am laufen und die richtigen leute brauchten keine infos übers radio um zur richtigen party zu kommen…..ps. rave-satelite fand ich schon immer scheisse wie alles was aus dem hause low spirit (der name ist so treffend ) kommt ……in diesem sinne es war eine schöne zeit die ich nicht missen möchte auch wenn man mich damals noch schief ansah im freundeskreis wenn ich samstags abends am radio hing und acid hour hörte ……..

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  3. Hmm ich wurde mit den ganzen Clubnights auf HR3 sozialisiert. Anfangs noch im Bann von chilly t und Lady D wurde mir der ganze Electrokrams durch Heinz Felber und vor allen Dingen Karotte näher gebracht. Da ich kein radio mehr höre, weiss ich jetzt leider nicht ob zwischen Melsungen und Homberg Efze gerade stau oder stockender Verkehr ist :(

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  4. es war eine tolle zeit und ich werde mal im keller nachschauen, in welcher tüte die alten ost-kassetten verstauben. neben de la soul hat mir monika die größte hip hop-combo der welt nahe gebracht – public enemy! irgendwann 87/88 waren sie mit dem def jam-klan in berlin (tempodrom?) und ich saß im osten am radio, war total weggeflasht als sie den großteil des albums “yo! bum rush the show” in ihrer sendung vorstellte. ganz, ganz groß!
    moni ist ein grund, warum radio nicht aussterben darf…

    Bully & der harz

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  5. Ich bin auch mit HR3 elektronisch aufgewachsen. Am Anfang auch BFBS mit Steve Mason und als es mich dann in den Sueden verschlug zu Hithouse radio.

    Hithouse hatte die ganze Nacht Sound, oft mit den DJs die spaeter im Oz und Red Dog auflegten. Ich habe dann bevor ich losgezogen bin fuenf 100er Kassetten in einen Kassettenwechsler gelegt und als ich zurueck kam hatte ich top Mukke fuer die Woche.

    An ein paar von den Acid Tapes waere ich auch interessiert :-)

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  6. Pingback: Tanithblog » Message von Monika Dietl

  7. Btw: morgen von 10 bis 13 Uhr,Monika Dietl zurück im Studio on air,bei radio eins (rbb) im Rahmen der Radiolegenden-Serie.Ich bin gespannt…

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  8. jo jo jo ….1988 moni d auf SFB2 von 18-19 uhr acid-hour …..und nicht auf sfb4 und auch nicht um 20 uhr . tja warum ist moni d nicht zu radio 100 gegangen . ich hab dort des öffteren als gast von bea notnagel und ihrer sendung kerosin ,,gearbeitet,, ( bei radio 100 gabs kein geld da das ein privatsender war in der potsdamerstrasse in einem besetzten haus war und der links-alternativen-szene zugeschrieben wurde ) 1. mochte man dort nicht besonders acid bzw techno und 2. gabs da eben auch kein geld für die arbeit , denke mal das auch der grund war warum moni d nicht zu radio 100 gegangen ist . ausserdem wurde der sendebetrieb von radio 100 im februar 91 wegen zahlungsunfähigkeit eingestellt .weiterhin denke ich auch das die entscheidung für marusha ( schlechtester dj der welt und mieserabler radiomoderatorinn ) als radio -dj moni d schon wohl schon ahnte in welche richtung die radiolandschaft gehen wird ….lg

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