Thema der Woche 122: Jürgen Laarmann

Nun, das meiste was ich zu JL zu sagen hatte, habe ich schon im Thema der Woche 9: Die Frontpage. Ein ehemaliger Insider packt aus untergebracht, es bleibt nicht viel zu sagen. Der JL außerhalb der Frontpage existierte für mich kaum, wenn es ihn auch gab, also der Larmann der mit Low Spirit paktierte und der der dann irgendwann auch Love Parade Teilhaber wurde und somit zu dem Klüngel gehörte, der Techno in den 90ern unter sich aufteilen wollte. Diese Weltmachtfantasien waren natürlich auch gefördert von den Unmengen weißen Schnees der zu der Zeit in diesen Kreisen durch die Nasen ging, bezeichnenderweise hieß die vorletzte Platte der ersten Inkarnatiion von Bash! Records “White Sports”, die Jürgen damals mit irgendeinem Engländer zusammen produzierte und rausbrachte als ich schon nicht mehr dabei war. Sein nächster musikalischer Versuch kam dann erst einige Jahre später in 2001 und war auch wesentlich erfolgreicher, ob besser überlasse ich jedem selbst. Jedenfalls war es wieder mal eine typische JL Aktion, zig Leute zusammengetrommelt, Mark Reeder’s MFS Label und seine Connections sorgten dafür das man Pet Shop Boy’s “New York City Boy” covern durfte und die Märtini Brös Cle und Mike Vamp spielten den Song ein, aschliessend brutales Pressebuhei und so hatte man dann sogar einen kleinen veritablen Hit gelandet.

Diese Methode war typisch JL und hatte auch lange Zeit gut geklappt, so das er sich immer wieder an sowas versuchte. Die letzte Aktion, schon mit viel weniger schlagkraft, war vor ein paar Jahren, als er die überflüssige Idee hatte Techno und Hip Hop zu vereinen. Es war die Zeit als gerade K.I.Z hochgespült wurden und Hypemaschine JL hatte dazu noch einen Faible für die Band Die toten Crackhuren im Kofferraum, die sich 2007 tatsächlich noch mit Electroclash etablieren wollten, er dachte wohl da ginge was. Es gab dann dazu einen CD Sampler und ein Panel zu dem Thema, an dem ich auch teilnehmen durfte, wo sich aber beide Parteien nicht viel zu sagen hatten und die am Abend angesetzte Party auch noch ein leerer Flop wurde, so das von dem Thema nie wieder was zu hören und JL’s neuerlicher Berlinaufenthalt sehr schnell wieder beendet war.
Aus Berlin war er ja ein paarmal geflüchtet, das erste mal nach der Frontpage Pleite, die ja nicht nur Frontpage Pleite war, seltsamerweise wurde er auch genau zu dieser Zeit seine Loveparade Anteile los, erzählte aber nie etwas darüber, weil er sich dazu hatte zwingen lassen, nie über diese Geschichte etwas nach außen dringen zu lassen, es muß eine fiese Sache gewesen sein was ich so zwischen den Zeilen heraushörte, die mich von der Low Spirit Crew noch mehr Abstand nehmen ließ. Danach war er jedenfalls abgetaucht und nur ein paar Vertraute wußten wo er sich aufhielt. Nach seiner Rückkehr versuchte er dann wieder an alte Erfolge anzuknüpfen, was aber nicht so recht gelingen wollte, seine JL Frontpage gab es dann sogar 2 Ausgaben lang als Printmagazin, man merkte aber deutlich das der Zenit überschritten war. Das Ganze lebte dann noch kurz als Webseite weiter, bevor auch die sang und klanglos verschwand. Trotzdem gab es da noch seine Dr. Mitte Kollumne in der 030 und dann gab es da noch dieses Theaterstück “Canossa Club” von ihm das mal in Kassel aufgeführt wurde. Dann hörte ich persönlich nichts mehr von ihm, bis zu dieser Techno oben erwähnten meets Hiphop Geschichte, da wohnte er aber bereits wieder in Frankfurt. Es gab nur Gerüchte von Klapse und ähnlich horrende Stories, die ich aber nicht verifizieren konnte.
Ich weiß nicht was JL heute so treibt, auch wenn ich ihn in meinen Facebook Kontakten habe, wo er zur Zeit Youtube Videos mit Krachern aus den 90ern postet.

Kommentare (23) Schreibe einen Kommentar

  1. erste mal sah ich JL in der “heisse stuhl”…
    ich dachte mein gott was für ein abgeknallter..und sowas im tv
    dann..viele jahre später..arbeitete er im Vertrieb bei ELP udn hat Platten an diverse Plattenläden rausgehauen..
    die telefonate mit ihm waren imme tagesthema..wobei mir seine verraucht, zerfetzte stimem irgendwie sympathisch war..

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  2. oh…die erinnerung kommt zurück.
    witzig find ich ja, dass die crackhuren live so ziemlich das schlechste waren, was bei dieser techno/hip hop nummer dabei war. wenn man sich ihre myspace (kennt das noch wer) seite anschaut ist der kalender rappelvoll und ein gewisser archi alert (seines zeichens letztes und einziges mitglied der terrorgruppe) hat das managment übernommen.

    nich schlecht für so ne rüppelgruppe

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  3. Ich habe ihn auch mal kurz im Zusammenhang mit der Frontpage & techno.de kennengelernt.
    Damals habe ich eine mailing list names “DeRave” ( http://krass.com/wiki/DeRave ) im Stile von SfRaves betrieben die dann auch circa 94 eine erste Webseite bekam.
    Herr Laarmann hat mich dann nach Berlin einfliegen lassen und mir deren Setup gezeigt und einen Job angeboten bei techno.de (das hiess aber damals glaube ich noch nicht so). So richtig hatte mich das aber nicht ueberzeugt, vor allem kam die ganze Mannschaft etwas verpeilt rueber.
    Zur Loveparade habe ich dann noch einmal im FP Office reingeschaut wie die Angestellten von oben ihr Fußvolk auf dem Kudam beschauten, unterbrochen von Pausen fuer den “Weissen Sport”.
    Ich bin dann nach London zu einem Startup und habe meine Seite als Hobby weiter betrieben und sie lebt jetzt irgendwie noch als krass.com weiter.

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  4. Ich weiß nicht, ob es beabsichtigt war, aber diesmal ist dir deine Leichtigkeit irgendwie etwas abhanden gekommen, völlig ungeachtet des Inhalts.

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  5. das mit der fehlenden Leichtigkeit mag daran liegen, das ich mir echt aus den Fingern saugen mußte was ich da noch schreiben sollte, nachdem das für mich relevante im Thema 9 schon gesagt war. Vieles andere/spätere weiß ich nur über Dritte und was nicht verifizierbar ist oder zu sehr in die Privatspäre geht wollte ich nicht hier unterbringen

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  6. Also wir halten dann mal fest, dass hier die positiven Seiten etwas zu kurz gekommen sind. Ob jetzt das alte Konstantin Wecker Problem eine Geschichte wert ist weiss ich nicht mehr, da dies ja in allen Gesellschaftsbereichen real geworden ist. Die Berlin Mitte Boy Kolumne ist nun fast seit zehn Jahren am Start und die Crackhuren haben es sogar in die Charts geschafft und sind bei Universal gesigned. Auf sein Buch “Eternal Rules of Nightlife’, welches ich gelesen habe und immer noch nicht erschienen ist, werde ich regelmässig angesprochen. Tja, soll man jetzt sagen, wo gehobelt wird, fallen auch Spähne? Letztenendes haben sehr viele Menschen bis heute von der Frontpage und damit auch durch Laarmann profitiert. Ob Frau van Dyk, Alex Branczyk, Hawks etc. oder ich selbst, mir fallen da noch einige Namen ein, die durch diese Prägung viel gelernt haben und ihren Weg bis heute nicht unerfolgreich gegangen sind. Ich glaube, dass wird nicht Dein letzter Blog über JL gewesen sein.

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  7. Ganz klar, es schlagen 2 Herzen in der Brust, wenn ich an JL denke: Das “Überholspurleben” und alles, was nach unserer meinung damals dazugehörte, muss jeder für sich selbst klarmachen, auch du lieber Tanith, fändest die eine oder andere Leiche im keller, wenn du anfangen würdest zu suchen ;-) JL hat die 90er in unserer Szene entscheidend mitgeprägt, ob das dem einen oder anderen gegen den Strich ging, sei dahingestellt, mit “Raving Society” etc. konnte ich auch nicht viel anfangen,aber JL hat sich bewegt, gemacht, getan, und honestly: kannte man JL nicht, hat er schon recht merküwrdig gewirkt, teilweise, aber ich habe ihn nach wie vor als guten, verständigen und auch hilfsbereiten Menschen in Erinnerung..Klar, die Reibungspunkte waren da, und Tanith, du hattest deine guten und schlechten Erfahrungen mit JL, wie wir alle..abschliessend möchte ich sagen, das es in meinem Leben einige Personen gibt, die mich und meinen Werdegang entscheidend geprägt haben und dazu gehören unbedingt und in jedem fall JL und Tanith! :-)

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  8. hmm,
    das nächste mal einfach auf den ersten Artikel verweisen und sich ein paar schöne Tage machen….ich vermute ja mal, dass sich dieser Herr hier selber hochgevotetet hat, würde das nicht seinem Stil entsprechen und dem Platz an dem er hingehört?

    Promi Kategorie Z

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  9. Hey, schön meine beiden ehemaligen Mitstreiter hier zu lesen! :-)

    @Armin: echt die Kolummne gibt’s noch? Aber ob ein Signing bei einem Major wie heutzutage Universal so unbedingt ins Positivkonto fällt lass ich mal dahin gestellt.
    Ich bezweifele ja auch gar nicht das er gute Seiten hatte, bzw. das wir alle auch davon profitierten was JL da l, trotzdem weiß ich noch um unsere vielen und langen Diskussionen weil mir so oft der Stil und die Art und Weise nicht behagten.

    @Hawks: Erstmal: dein Schlußsatz ehrt mich natürlich sehr :-)
    Natürlich haben wir alle Leichen im Keller, welches Leben hätte das nicht?
    Ich weiß nur das ich mich schon sehr früh von der Frontpage und den Machenschaften dort distanziert hatte, mir war das alles zu politisch und eben auch zu oft für die m.E. falsche Seite, womit da paktiert wurde.
    Klar konnte man privat auch super mit ihm klarkommen, aber ich wollte beileibe nicht auf diese Art geprägt werden ;)

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  10. @ tanith: eine kleine sache hätte ich da noch: der gute jl hat mich natürlich nicht nur positiv geprägt, in vielen kleinen details hat mir sein werdegang auch gezeigt, wie man es tunlichst nicht machen sollte, in dieser beziehung hat er dann doch stark verändernd auf mich gewirkt…aber viele kleine, lustige episoden verdichten sich dann doch zu einem positiv unterwirktem, altersmildem gesamturteil…ich denke noch gern an die erste deutsche girli-band (octopussys) und deren erster und einziger Auftritt in Göttingen, auf dem Altstadtfest, kurz gesagt: engelchen und teufelchen halten sich bei JL eindeutig die waage…

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  11. ok, Altersmilde lass ich gelten ;) Aber so Aktionen wie die Octopussys oder das Ravehörnchen haben bei mir ja damals schon für Facepalmengärten gesorgt, das war halt genau das, wo ich mit Techno nicht hin wollte

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  12. Armin, die Aussage, Alexander Branczyk hätte von Jürgen Laarmann profitiert zieht einem die Schuhe aus.
    So wird ein Schuh draus: Jürgen Laarmann hat von – aber sowas von – Arne Ludorf (Grafikbüro ‘A’) > Frontpage Berlin #1, czyk > Frontpage Berlin #2 und xplicit & moniteurs > Frontpage Berlin #3 profitiert!
    Profitiert haben die ganzen Speichellecker im Fahrwasser aber ganz sicher nicht die fleißig ackernden externen Gestalter!

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  13. mit JL (bei entsprechender laune) konnte man sich wohl wirklich gut unterhalten, über politik, kunst, gesellschaft etc.
    brachte ich zu ungeeigneter stunde ein ernstes thema an, hieß es oft: sowas kannste dem JL erzählen, da hält er dir einen vortrag.
    als anrufe entgegen nehmende habe ich ihn als überaus höflichen menschen in erinnerung.
    der sich schon in frühen frontpage-artikeln abzeichnende größenwahn, die fahrige, zerstreute erscheinung: komisch-grotesk bis erschreckend.
    er ist wohl eher eine tragische figur (besser nicht weiter ausführen…)

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  14. So richtig hatte mich das aber nicht ueberzeugt, vor allem kam die ganze Mannschaft etwas verpeilt rueber.

    sternstunden im kommentarbereich , danke

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  15. Hm, das liest sich tatsächlich etwas unentspannt, nach all der Zeit. :-)
    Ich hätte mir von diesem Blogartikel ein paar witzige Anekdoten aus wilden Frontpage- und Bash-Zeiten erhofft…

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  16. naja in der wilden zeit muss es dutzende gegeben haben+

    stichwort verpeiltheit… kennt doch jeder das da die abgefahrensten dinge passieren…

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  17. Wäre JL nicht gewesen, hätte seinen Job jmd anderes gemacht. Die arrogante und überhebliche Art ging mir immer so was von auf den Sack….

    Um Ihn – wie auch um 90% der restlichen Typen – ist es nicht schade. Qualität hat sich eben nicht final festsetzen können…und Leute wie JL waren für mich immer nur ein abschreckendes Beispiel.

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  18. Habe 2000 mit Laarmann 6 Wochen zusammengearbeitet an der neuen JL Frontpage. Ich muss sagen, dass der Typ überhaupt nicht ging. Total zerkokstes Ego – also vollkommen überspannt. Da war er schon auf dem absteigenden Ast. Sehr dick und zerzottelt. Brachte mit den Martini Brös und Leuten aus seiner damaligen Stammkneipe Cibo Matto die Single “Berlin Mitte Boy” raus. Höhepunkt der Promo war eine Busfahrt durch Mitte. Dazu waren dann die Mitte Boys und unzählige Selbstdarsteller und Szenetsternchen nebst Journalisten geladen. Ich konnte das nur eine halbe Stunde aushalten so schlimm war das.

    Nach 6 Wochen war dann Schluss. Die krächzende überhaupt nicht zu dem voluminösen Mann passende Stimme war auch nicht mehr zum Aushalten. Werde es nie vergessen, wie er am Telefon jedem mit “Hello my friend…” ansprach. Der Begriff “Freund” wurde sowieso mehr als inflationär gebraucht. Ich durfte mir dann in dem kleinen Redaktionsbüro am Alex jede Story 10mal anhören, die er irgend nem “Friend” erzählte. Horror.

    Es gibt übrigens einen wunderbaren youtube-Film zu “Zu Heiß – der Film”, der die “Neue Deutsche Hitzewelle” die unglaubliche neue Fusion von Techno und Hiphop (Gab es nich 2 Jahre früher schon Deichkind??) promoten sollte. Der ist wirklich unfreiwillig komisch, weil die Schauspielleistungen unterirdisch sind:

    http://www.youtube.com/watch?v=iBkkmbtUoKA

    Die ganzen Internetseiten zu diesem Projekt “Too hot” und co. wurden dann nach kurzer Zeit vom Netz genommen. Wahrscheinlich hatte er mal wieder vergessen zu bezahlen…

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  19. Ja, dann will ich auch mal meinen Senf dazu geben. Ich lese nur so sporadisch mit…. War damals im Dunstkreis von JL als Frontpage Reporter. Auch mit Tanith hab ich mal Bekanntschaft machen können als Sylvie Marks und ich Ihn für Jens Maspfuhl und M. De Bellis in FFM vom Airport für Frankfurt Beat zu nem Karnevals Rave abgeholt haben.

    Ja.. Ja…. Was für Zeiten…. Und was für ein eine Gasdüse der JL…. Da passte der Tillmann ganz gut dazu :-)

    Cheers….

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