Thema der Woche 144: Tanith zeigt uns “seine” Stadt: Der alternative Reiseführer für Berlin

Ich war jetzt extra mal im Buchladen Reiseführer studieren, um zu sehen was man überhaupt als Alternativ anbieten kann, Fazit: Geht eigentlich kaum, es gibt für wirklich fast jeden Aspekt einen Reiseführer. Was an Sehenswürdigkeiten sehenswürdig ist, ist breit und lang wirklich überall schon aufgeführt und die paar verbliebenen Geheimecken die es gibt, sollen es dann auch bleiben. Ich beschränke mich daher auf mein Berlin und ein paar Dos und Donts für den geneigten Berlinreisenden.

Der erste folgt sogleich: kommt ab jetzt. Die Monate Dezember bis April sind nur für die Hartgesottenen und für jene die als ideales Reiseziel Sibirien angeben. Auch der Berliner geht da nur aus dem Haus wenn es sein muß, ab jetzt steht Berlin allerdings im Wettbewerb mit südländischen Städten wo mehr auf der Straße los ist, auch nachts

Eine Alternative zu den üblichen Reiseführern möchte ich allerdings gleich zu Anfang bringen und das wird dann auch das reiseführerischste des ganzen Artikels bleiben: ich habe mich schon immer gefragt, wieso ganze Busladungen durch die Hackeschen Höfe getrieben werden, da gibt es wirklich nichts zu sehen was das begründen würde. Ich empfehle stattdessen die Marthahöfe in der Schwedter Staße. Lasst die Busse dort halten und den Leuten erzählen was für Unsummen die Einwohner dafür gelatzt haben in solch einer Betonplatte zu wohnen um diese dann kolletiv pro Busladung auszulachen. Weiter könnte die Sightseeing Tour dann nach Kreuzberg ans Paul Linke Ufer zu den Carlofts gehen, wo Leute wohnen die aus Angst vor Kreuzberg mit ihrem Auto in der Wohnung leben. Beides sicher nicht das pittoreske Berlin, mit dem die Investoren auf ihren Bildern werben, aber ihr wolltet ja Alternativen.

Alternativ wäre auch, das für mich Berlin hauptsächlich aus seinen Grünflächen besteht, sei es der Mauerpark , wenn dort an sonnigen Sonntagen der Flohmarkt und die Mauerparkkaraoke passiert. Wer es etwas ruhiger mag, dem empfehle ich die Schönholzer Heide, die ja schon im alten Gassenhauer “Bolle reiste jüngst zu Pfingsten” besungen wurde. Vom einstigen Vergnügungspark ist nichts mehr zu erkennen, dafür langgestreckte Ruhe und ein monumentales Sowjet Denkmal in relativer Citynähe und verkehrstechnisch gut zu erreichen.
Man merkt schon, ich bin mehr so der Typ für den Berliner Norden und wer in der Sommerhitze mal schnell raus zum Abkühlen will, ohne 50 km bis zum nächsten halbwegs freien See fahren zu müssen, dem seien die Arkenberge empfohlen, wo man auch offiziell seinen Hund auf Grünflächen ohne Leine laufen lassen kann. Zwar gilt für den See eigentlich ein Badeverbot, hält sich aber keiner dran. Wer es weiter weg mag, dem empfehle ich den Liepnitzsee bei Wandlitz, ein wirklich einzigartiger See, auf dem man mit der Fähre auf die Insel in der Mitte schippern kann. Hätte ich früher als Geheimtip auch nicht verraten, aber der ist mittlerweile an warmen Tagen so überlaufen, das es auf ein paar mehr oder weniger auch nicht mehr ankommt. Noch ein paar Kilometer weiter, bei Ruhlsdorf, gibt es dann einen Baggersee mit Ostseestrandfeeling. Von der Straße aus ist nur der Bezahlteil für Familien mit Kindern zu sehen, kann man aber auch umgehen, indem man durch den Wald an das hintere Ende des Sees läuft, wo man auch an heißen Tagen noch einen Radius von 50 Metern bis zum nächsten Handtuch hat.
Zurück in der Stadt will der geneigte Leser dann sicherlich die Clubwelt erforschen und erwartet Tips von mir, was die besten Clubs sind, kann ich aber nicht, weil sich das hier eben nicht so verhält das es den besten Club gibt, sondern je nach Tag und Veranstalter ändert, wo heute gediegenes House läuft, kann morgen schon monolithischer Techno Programm sein, von daher müßten die Tips da schon tagesaktuell nachgeliefert werden und da verweise ich doch lieber an die üblichen Programmsites wie Resident Advisor, wo man eigentlich alles wichtige erfahren kann.
Auch die Eingrenzung der Ausgehgebiete auf die alten Konstanten wie Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte sind mittlerweile ins wanken geraten, auch in Neuköln und Wedding tun sich neuerdings Clubs auf, die durchaus das Potential in sich bergen, das dort in Zukunft mehr gehen könnte. Im Wedding wären das z.B. die Panke und das Stattbad.
Hier auch schon der nächste Tip:
Bitte nicht zum Ausgehen extra Ausstaffieren, das mag in München hilfreich sein, hier hat man damit lediglich beste Chancen von der Tür abgewiesen zu werden. Auch Wichtiggetue und Gedrängel in der Schlange führt bestenfalls dazu, das man sich vielleicht ein paar Stunden später nochmal hinten anstellen kann, in der Hoffnung darauf, das die Türsteher mittlerweile gewechselt haben.

Fritzmusictours bieten zwar eine Bustour durch die Berliner Musikgeschichte an, aber eine dezidierte Tour zu vergangenen Technotempeln fehlt da leider bislang, obwohl es mit Tresor, E-Werk, Planet, Walfisch, Exit, Suicide, Casino, Ostgut, den verschiedenen Stationen des WMF, Bar25 und zig weiteren ehemaligen Klein oder Kurzlocations sicherlich eine eigene Reise wert wäre. Alleine schon deshalb um zu sehen was an vielen Orten mal stand und was das Stadtbild statdessen dort hingespuckt bekommen hat und daher sicher nicht nur für Technomuseale interessant.

Ich bin jetzt nicht so der Bartyp und hatte auch kurzfristig nicht die Zeit einen Don auf dem Gebiet aus dem Freundeskreis um die coolsten, aktuellsten Tips auf dem Gebiet anzubetteln, aber ich sag mal Oranienburgerstraße und Simon Dach Straße kann man mittlerweile getrost auslassen, egal ob es um Essen oder Trinken geht. Stattdessen empfehle ich im Prenzlberg die Kopenhagener Straße und da besonders die Kohlenquelle, ein Stück alter Prenzlberg der erhalten geblieben ist, gutes Essen zu fairen Preisen und auch von der Location her so wie damals als ich vor über 15 Jahren hierher gezogen bin. Gleichsam empfehlenswert des Fleischmöbel in der Oderbergerstraße, gleich neben dem OYE Recordshop und vis a vis des alten Stadtbads. Nicht nur gut weil das Freunde von mir betreiben, sondern auch weil Speis und Trank dort exquisit sind.
Die Kastanienalle weiter runter bis zur Torstraße kann man sich dann mal das St. Oberholz anschauen, der Nerdtreffpunkt, der früher mal, als ich da mein Studio hatte, noch ein Burgerking war, der eingegangen ist. Umso erstaunlicher das freies Wlan dieses doppelstöckige Cafe seit Jahren so erfolgreich sein lässt.
Nimmt man den Weg vom Fleischmöbel in die Torstraße allerdings über die Schönhauser Allee sollte man auf keinen Fall die Pizzeria Due Forni auslassen, nicht nur weil es dort die beste Pizza der Stadt gibt, sondern auch weil man sich mal von sizilanischen Punks bedienen lassen sollte, danach relativiert sich die Ruppigkeit der Berliner Schnauze gehörig.
In Kreuzberg lohnt sich immer das Areal um die Arena mit dem Club der Visionäre und dem Freischwimmer, wenn’s nicht gerade zu voll ist lässt sich’s da herrlich am Wasser chillen und um die Ecke lassen sich sogar Boote zum auf der Spree schippern ausleihen. Zum Bade lädt die Spree zwar nicht, aber dafür gibt’s ja das Badeschiff, ein zum Schwimmbad umgebautes Tankschiff, das auch oft mit Musikbeschallung glänzt.
Ich habe ein wenig die Übersicht verloren, was es so an Lokalitäten die Skalitzer runter bis zum Spreewaldplatz gibt, aber zumindest die Bar und das Morena gibt es wohl immer noch und sind wahrscheinlich auch immer noch eine sichere Bank, der Rest wechselt recht häufig und es lohnt sich immer mal wieder zu testen, was an neuen Ideen da eingezogen ist.
Letzter Tip:
Kreuzberger sind in letzter Zeit etwas empfindlich gegenüber der Massen an Touristen geworden, also am besten schonmal nicht mit lauten Rollen am Koffertrolly outen

Kommentare (20) Schreibe einen Kommentar

  1. Letzter Tip:
    Die Linke SA ist in letzter Zeit etwas empfindlich gegenüber der Massen an Touristen geworden, also am besten schonmal nicht mit lauten Rollen am Koffertrolly outen

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  2. auf der einen seite sind sie gegen länder grenzen patriotismus und eigentum.
    auf der anderen seite tun die so als würde xberg nur ihnen gehören.

    als jude sollte man sich in xberg besser auch nicht outen.
    vor 2 jahren wurden schüler der jüdischen oberschule von punkern inkl köter durch die straße gejagt.

    unterlinken.de/

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  3. ja, aber eine Verallgemeinerung bringt uns da auch nicht weiter, ich kenne noch genügend Leute und bin oft genug in Kreuzberg um zu wissen das das Medientrara teilweise genauso überzeichnet wie bei Prenzlberg

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  4. naja wenn vor 2 jahren nen besoffener nen typen gejagd hat der auch noch jude war is das 3te reich ja nich weit weg…du hast auch eine zuviel geschmissen wa ^^

    wie sieht das n grade aus in x-berg, f-hain und prenzelberg… bekommt ihr die gentrifizierungskeule ordentlich ab aufa ecke ? wie sind da die durchschnitts mieten ? fliegen die alten läden raus und es gibt nur noch kaffe latte, schicki und micki, wie ne bananenrepublik ? ;-)

    hier in hh is die schanze und das karo4tel so gut wie tot und unbezahlbar geworden… daher regen gibt es hier auch zahlreiche demos und aktion (is wohl auch ne linke sa wa ?)

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  5. Im München bringt es auch nicht viel sich extra schick zu machen, außer man will ins P1, doch da will man eigentlich auch nicht hin.
    Ich sag es mal mit deinen Worten, verallgemeinerungen bringen uns da auch nicht weiter.

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  6. feindbild kaffe latte?
    warum ziehste nicht aufs land.. es gibt tausende alte bauernhöfe für paar tausend euro inkl ohne schiki micki.

    die jugendlichen wurden gejagt weil sie juden waren!!!
    und die waren nicht “auch noch zufällig juden”.
    dabei ist mir auch scheiß egal ob die punks besoffen waren.

    ein tradizionell gekleideter jude würde im dreieck hermannplatz, cottbuser tor und dem schlesischem tor keine 4h spazieren gehen können, ohne krass schellen zu kassieren.. von wem auch immer.

    ich find verallgemeinerungen auch scheiße, trozdem bin ich der erste der wehret den anfängen ruft.
    und den spruch mit der nächsten dritten reich hysterie kannste dir sparen.
    die echten nazis sind nämlich tot wie moshammer.
    dagegen sitzt der bauernfänger und stasimitarbeiter gregor gysie sogar noch im bundestag.
    guck dir lieber mal an wieviele tote und opfer der rote komunissmus gebracht hat lieber maximillian.

    schanze.. is das nicht die ecke wo dieser eisfeld lebt?
    der typ der jeden tag soviele boxfreshe nike schuhe und new era caps trägt das er dadurch mindestens 4 kindern in chinesischen sweatshops arbeit gibt…. der gute!

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  7. gutes thema, man merkt das du daran spaß hattest.
    aber bezüglich:

    “Die Monate Dezember bis April sind nur für die Hartgesottenen ”

    erhöhe ich um november bis april. ;)

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  8. vllt noch eine Anmerkung für diejenigen, die Ihren Kuchen gern an einem Strassencafé im freien geniessen:
    Die Berliner Spatzen sind ziemlich schmerzfrei und klauen Dir den Kuchen sogar von der Gabel, wenns sein muß ^^

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  9. Schön, dass “mein” Thema gewonnen hat.

    Danke für den schönen und informativen Bericht.

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  10. Da man in München tatsächlich nicht wie ein Penner in den Club rennt, kann ich aber aus eigener Erfahrung sagen dass man in Berlin so auch keine Probleme hat. Früher jedenfalls. Aber Jeans und T-Shirt ist völlig ok.

    Ich fand das immer das coole am Techno, das vom Jesus verschnitt bis zum Anzug-Schicki-Micki alles vereint gefeiert hat.

    Und im Palais in München ist das auch Heute noch so…..so ab 6 Uhr morgens

    Jetzt wo ich den idealen Reiseführer zur Verfügung habe, werde ich im Sommer vielleicht mal einen auf EasyJet machen. Und wehe die Pizza ist nix;-)

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  11. um das thema nich zu verfehlen nur kurz

    eißfeld wohnt in eimsbüttel und kokst einfach zuviel daher wohl auch seine eigenartigen äusserungen gegenüber kinderarbeit und schicken boSS anzügen^^

    was haben autonome mit gysi zu tun ? und was der und autonome mit millionen toten ?

    achso und bitte instrumentalisier keine jüdischen mitmenschen für deine bild schlagzeilen…gibt genug vorfälle die man nennen könnte..ob nun die überfälle auf menschen mit anderer herkunft, anderer sexuellen orientierung oda einfach nur weil sie auf der straße leben oda dumm aussehn… no go area kreuzberg ;-)
    oda sind juden in deinen augen andere menschen ? ;-)

    das mit den club geschichts touren… wär das nich was für dich tanith ? so nen berliner club rundgang damals und heude mit so ner menschen traube die du durch berlin schleifst ? :-D

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  12. Wenn man schon im Prenzl.Berg ist, kann man auch noch das Deck 5 besuchen. die höchste Strandbar Berlins, auf dem Parkdeck der Allee Arkarden. Dort trifft man sogar noch auf eigeborene wie mich :D

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  13. zu fragen was gysi und seine links partei mit der antifa zu tun hat ist ungefähr so dämlich ignorant als würde man fragen was nazi glatzen mit der npd und holger apfel zu tun haben.

    ich instrumenatisiere juden um zu argumentieren das mal wieder was
    massiv aus dem ruder läuft… so wie du latte kaffe instrumentalisierst um das handeln durchgeknallter antifa nazis zu rechtfertigen.

    klar sind juden andere menschen.. jeder mensch ist doch anders.
    oder nicht?
    es gibt gutmenschen und es gibt böse schicki micki untermenschen die es nicht wert sind an orten wie schanze oder xberg zu leben, und die man deshalb mit allen mitteln vertreiben sollte.

    und sorry, das ich keine schwule instrumentalisiert habe.
    aber wenn du mir versprichst mich nicht als nazi hinzustellen, erzähle ich dir noch was über die beiden lesben die von muslimischen jugendlichen ins krankenhaus geboxt wurden weil sie es gewagt haben in xberg händchen zu halten.

    oder über die aidshilfe, die aus berlin schöneberg wegziehen musste, weil derren homosexuelles klientel regelmäßig von schwarzhaarigen jugendlichen geknechtet wurde.
    aber über sowas darf man nicht reden oder?

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  14. naja du hast halt keine ahnung ;-) kannst ja mal versuchen mit nem linkspartei shirt in die flora zukommen ;-) die linkspartei is ne spass partei mehr nicht…

    über ne bunte mischung hat doch keiner was, nur komischerweise bekommt die kaffe latte fraktion es nicht hin sich mit einzugliedern, nein man verunstaltet den kiez komplett und vertreibt alles was nicht passt… da verwundert es dich das nun anwohner kein bock mehr drauf haben für den lifestyle irgendwelcher arbeitloser kaffe junkys immer mehr miete zu zahlen und aus ihren eigenen 4 wänden vertrieben werden ?
    da redest du von antifa nazis ? ^^
    ich steh ja sonst auch auf übertriebene bezeichnungen aba die bezeichnung würde eher zu der neuen schickeria passen die hier bei uns aufm kiez in gestapo manier ankommt,mit den bullen und leute aus ihren häusern holt denen erzählt das haus in dem sie seit jahrzehnten wohnen und arbeiten seie einsturzgefährdet… jeder drum rum weiss aber das das haus stört für die neuen eigentumswohnungen die dort hingeknallt werden sollen… is doch kla das dann die bagger brennen ;-)

    du hast dir ja einfach nur nen vorfall rausgepickt der am besten knallt…mit dem wort jude kann man ja noch am meisten aufmerksamkeit punkten und xberg dann als no go area für juden zu zubezeichnen is dann doch etwas verpeilt oda ?

    du kannst den ganzen tag über sowas reden aber mit hirn und verstanden und nich mit antifa nazis, links partei kommunismus millionen toten und der armen kaffe latte fraktion die total missverstanden wird…

    ich werd übrigens auch zum nazi werden wenn nen kaffe latte laden unten aufmacht…ich werd dann ne konstruktion baun das ich direkt ausm fenster kacken kann ;-)

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  15. Danke für die Anmerkungen zu Berlin. Wem die Marthahöfe und Carlofts nicht genügen, der möge sich die Rummelsburger Bucht auf der Rummelsburger Seite anschauen. Kann man gleich mit einem dann doch ganz schönen Spaziergang verknüpfen.

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  16. Hab das mit den Hackeschen Höfen auch nie verstanden. Da gibts ein paar nette Läden, aber touristisch ist doch da gar nichts herausragendes. Liegt vielleicht an der nähe zum Alex.

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  17. Pingback: Tanith zeigt uns “seine” Stadt: Der alternative Reiseführer für Berlin — Lumenlog

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