Thema der Woche 147: ausführliche Analyse und Kommentare zu jedem einzelnen Track der Ilsa Gold Playlist und der Message im Ganzen

IlsaGold-Live-at-MAYDAY2011 by IlsaGold
Ich habe das Set jetzt insgesamt 3x durchgehört, einmal live und zweimal die Aufzeichnung, ich gestehe, es fehlt sicher ein Drittel der Tracks die verwendet wurden, aber hier soweit das Ergebnis dieses Erkennen sie die Mefodie, bzw. das Sample:
Sperminator – No Women allowed: Natürlich ein Must Klassiker in einem Ilsa Gold Set, nicht weiter verwunderlich das das als Opener nach dem beatlosen Opener kam.

Euromasters – Alles nar ee Klote: Ebenfalls ein Gabberklassiker, der so richtig schön reinbolzt

Meng Sydicate – Sonar System: der Brachialbeat des Jahres 91, hätte auch gern mit dem Navigator gemixt werden können, so mach ich das zumindest immer mal wieder.

Moby – Feel So Real: Ah, hier kommen wir in melodiösere Gefilde, die im Kontrast zu den Vorgängern natürlich erst richtig seine cheesigigen Momente entwickelt

Blur – Song 2: So klang das damals wenn brritische Milchbuben die Rotzigkeit von Nirvana erreichen wollten. Zwar noch nie zuvor im Technokontext erlebt, aber sicherlich ein Stück nicht wegzuleugnender 90er Reminiszenz.

Prodigy – Out Of Space: Darf natürlich nicht fehlen und taucht dann auch an verschiedenen Stellen im Mix wieder auf

Circuit Breaker – Trac-X: auch so ein vergessenes Pseudonym von Richie Hawtin, damals als er noch auf die Pauke haute. Zurecht im Mix, da seinerzeit unglaublich brutal im Beat.

808 State – Cubik: Ah dieses Synthiegitarrenriff, so durcvhdringend das es damals mit dem Anasthasiachor kurz um die Vorherrschaft des meistgesampelten Sounds konkurrierte. Darf natürlich im 90er Mashup nicht fehlen!

X101 – Sonic Destroyer: Vielleicht der Technoklassiker schlechthin und sicherlich auch prägend für Ilsa Gold, man höre nur die ersten beiden Petra Platten an.

Ace of Space – 9mm Is A Classic: Einer der wenigen Frankfurthits die den Konsens auch bis Berlin und Wien schafften, deshalb mit Fug und Recht hier vertreten

Liquid – Sweet Harmony: Zurück zum Cheese und wie sweet der mit der Härte harmoniert ! Damals als sowas noch zusammen ging.

Marusha – Mayday: Ilsa Gold stehen ja auch für den schmalen Grad zwischen Bloßstellung und Genius, diese Nummer in dieser Weise dann hier zu verbraten ist der eigentlich gar nicht mehr zu erbringende Beweis dafür.

Digital Boy – This is Motherfucker: Auch so ein Polarisierungsding, aus heutiger Sicht sicher Trash, damals aber in fast jedem Set zu hören gewesen, auch wenn’s heute keiner gewesen sein will, danke für’s Finger in die Wunde legen auch hierfür.

Underworld – Born Slippy: Darf natürlich nicht fehlen, die Schunkelhymne o sich spätestens bei “Lager Lager Lager” trotz E-Präferenz immer alle in den Armen lagen

Ilsa Gold – Süchtig: und gleich weiter im Reigen der Drogenproblematik und der dazugehörigen Bedenken, die Ilsa Gold selbst hiermit kongenial auf den Punkt brachten. Nur mit weißem Nasenkränzchen richtig ironisch mitgesungen.

Prodigy – Fire: ja klar, noch einer von Prodigy muss sein, hätte aber auf “No Good” getippt, aber das Intro hat wohl mehr gefetzt.

DAF- Tanz den Mussolini: Prätechno mit der Sorte Sarkasmus und Provokation die Techno heute leider völlig abgeht, deswegen auch völlig zurecht eingebracht.

Run DMC – It’s Like That: Wenn schon Hiphop hätte ich ja eher Public Enemy oder Hijack eingebracht, aber man kann ja auch nicht auf allen Gebieten den Überblick haben, was dann schnell in Mainstream übergeht. Q.E.D.

Shannon – Let The Music Play: ganz groß das auch noch in den Gesamtrückblick einzuweben, mit sowas zeigt man Herz!

Real to Real – I Like To Move It: Jahaha und gleich wieder mit der Trashkanone den Vogel abgeschossen, sehr schön! Wer 90er sagt muß auch die Schattenseiten erwähnen.

Ilsa Gold – Silke: für mich ja der Überhit der Ilsas, dieses La Boum mit dem Zappelbeat auf 160 BpM, Naivität und Sarkasmus in Reinform, ein echter Just.

Altern 8 – Frequency: als bekennender Altern 8 Fan hätte meinetwegen noch viel mehr von denen verwurstet werden können, Armageddon z.B., aber Frequency ist definitiv keine schlechte Wahl in diesem Komplettpaket.

LFO – LFO: um die Einzigartigkeit der Blepphase bis heute aufzuzeigen sicherlich der richtige Track, kratzt aber nur die Oberfläche, was in diesem Kontext sicher unvermeidlich ist.

NRG – I Need Your Lovin: Oder war’s Baby D? Egal, eins der meistbenutzten Accapellas seinerzeit, als man sich auf Tanzflächen auch solchen Gefühlen hingegeben hat ohne die Ironietaste zu drücken.

Ilsa Gold Up: und noch der dritte Ilsahit, muß ja, ist ja das eigene Set.

Messiah – 20.000 Hardcore Members: Yeah, die Ansage! schweißt natürlich auch heute noch zusammen, gerne auch mit “There is no law”
Shut Up & Dance – Green Man: damals als Techno noch nicht nur 4tothefloor bedeutete!

Altern 8 – Move My Body: Ach herrlich und bis heute unvergessen, gerne auch mit Evapor-8 gleich hintendran.

Faithless – Insomnia Hihi, der Trash der die Pizzicatostrings hoffähig machte, darf man ja auch nicht verdrängen woher viel Schund bis heute seine Inspiration her bezog.

Technotronic – Pump Up The Jam: Ein Beweis dafür das der Traah von damals durchaus mit der Zeit reifen kann und wenn man hört was danach noch so in der Richtung verbrochen wurde geht das heute durchaus als Klassiker durch, doch doch

GTO – Elevation. eine ziemlich alleinstehende Hymne, wie gemacht für rosa Mitsubishis, wenn’s da nicht knallte hatte man was falsch gemacht. Schöne Reminiszenz.

Nomad – Devotion: Noch so ein Schmachtfetzen, der schwul und hetero vereinte.

Chantal – The Realm: war natürlich eine geniale Idee das Accapella mit auf die Platte zu pressen, seitdem tauchten Fetzen davon in unzähligen Tracks auf. Das Original war sowas wie die Blaupause für späteren Trance

101- Rock To The Beat: Oder war’s Kevin Saunderson? In beiden Tracks taucht jedenfalls diese etwas ungelenke Stimme von Jade 4U auf und macht somit die Brücke von New Beat zu Detroit.

Hypnotist – House Is Mine: Yes, dieser Sägezahnacid samt Pianoeinlage war natürlich Pate für viele viele Tracks in denen solche Gegensätze in Zukunft verbraten wurden, wobei diese Lärmsynphonie nie wieder erreicht werden sollte, was schade ist, denn erst dadurch wirkte ja der Sonnenaufgangseffekt des Pianos so richtig und somit völlig zurecht im Set.

Tyree – Acid Crash: Wer war eigentlich zuerst da dieser Banger oder Lil Louis Video Clash, der noch um einiger roher daher kommt? Jedenfalls beides Rhythmikklassiker par exellance.

Shut Up & Dance Raving I’m Raving: Vielleicht der erste Copyrightfall der einem Kleinlabel das Genick gebrochen hatte und daher nur begrenzt verfügbar und noch seltener zu hören, deshalb umso besser das es hier integriert wurde,

Phuture – Rise: Auf den Text hat irgendwie auch keiner gehört, oder? Sonst hätte man sich viel Leid ersparen können.

DAF- Als wär’s das letzte mal: Statement? Bitte nicht! Aber ein “Weiter so” haben die meines Wissens nicht produziert

Kommen wir also zu Analyse und Message, mir erscheint die Intention dieselbe wie bei Ilsa Gold Tracks, also die Verwendung von Found Objects als Statement im Rahmen des Sounddesigns um sowohl Euphoriker und Zyniker im gleichen Moment zufrieden zu stellen und anzusprechen. Wobei allein schon die Diskussion um die Einteilung in was ist oder was war Trash und was wertvoller Beitrag hier eine schier endlose Grundlage findet und eine weitere Ilsa Gold Qualität unterstreicht, dieser Tanz auf der Messerspitze namens Genius zu deren Seiten sich die gähnenden Schlünder von Schund und Peinlichkeit auftun, die nur durch perfekte Ausgewogenheit und Tarierung in der Waage gehalten werden, wodurch das Ganze erst mehr als die Summe seiner Teile wird. Der Nebeneffekt besteht darin, das Puristen und Humorbefreite ob der vermeindlichen Geschmacklosigkeiten so vor den Kopf gestoßen werden, das sie sich der Exegese automatisch entziehen und sich so doppelt des Spaßes berauben.
Die Message des Ganzen lautet für mich also: Es ist nur ein kleiner Schritt von Trash zu Kunst und umgekehrt.
Paradoxerweise können sowohl dieTrashseite als auch die Conaisseurseite darin durchaus ihre Erbauung finden, während eine zu ernste Betrachtung des Interchargierens dieses Rückblicks diese versagt. Kurz: freuen zwei sich, kotzt hier der Dritte.

Kommentare (72) Schreibe einen Kommentar

  1. Nach zwei Wochen Spass mit diesem Set befällt mich etwas Wehmut.
    Ich habe zwar die Joghurtmaschinenschow von IG in Berlin gesehen und bin mir fast sicher, dass es eine Liveübertragung der Mayday im Radio gab, finde aber kein Tape in meiner nicht unbedingt kleinen Sammlung. Gibt es irgendwo den Mitschnitt zum anhören und vergleichen?

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  2. Hab noch Daft punk-burnin,Felix dont you want me ,Fat boy slim -on the flor at the boutiqe entdeckt.
    Ich finds genial ist ein stück musikgeschichte.
    auch eurodance hörte man damals parallel mit mayday

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  3. @münze: Nicht Daft Punk sondern das Original: Sugarhill Gang – Rapper’s Delight

    @sdfkt: is natürlich das Original von Blake Baxter

    @Silvano: Das ist von einem Bootleg wo irgendwer Born Slippy mit Silke kombiniert hat.

    @aldex “Das Twin Peaks Sample ist m.E. aus Moby´s “Go”.” Das isses genau nicht, sondern die andere bekannte Melodie.

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  4. Diese ganze Vinyl vs MP3 Diskussion ist sowas von 2000 – Vinyl ist tot! Begreift das doch endlich. Und Vinyl Platten ineinander mischen ist jetzt also auch noch keine Kunst… Das hat etwas mit Talent und Taktgefühlt zu tun. Ein talentierter DJ kann nach 3 Monaten gut “beatmatchen”. Ich führ auch oft diese leidige Vinyl vs Digital Diskussion. Und ich bin gelangweilt. Wir leben im 2011 und es DJ’s die machen sensationelle Ableton Sets die 99% aller DJ Vinyl Sets in den Schatten stellen. Als gutes Ableton Beispiel sie hier mal Surkin aufgeführt, was der macht mit Ableton ist HOHE KUNST.

    Vinyl ist rein von den Möglichkeiten mittlerweile im Vergleich doch arg, arg begrenzt. Von dem Fakt, dass 90% aller Tracks die ich auflege nicht auf Vinyl gepresst werden fange ich gar nicht erst an. Und von der Umweltverpestung durch umweltschädliches Vinyl mag ich auch nicht diskutieren!

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  5. vinyl wäre tot wenns keine neuen release mehr geben würde…
    oder ist vinyl für dich nur tot weils deine mugge nicht mehr ins presswerk schafft ? vinyl ist sogar langlebiger als der ganze daten müll der dank ableton live ins netz gespühlt wird…

    wäre vinyl endlich tot könnte ich ja all die klassiker zusammen kaufen…ich warte aber vergebens das alle ihr ach so totes vinyl verkaufen…die realität sieht dann auch noch so aus das viele dj’s weiterhin vinyl für zuhause kaufen aber digital auflegen…

    und das umweltgelabber kommt sicherlich vonnem autofahrer ?
    schreibste grad auf nem laptop ? klingelt dein iphone ?

    bliblablub ;-)

    zum eigentlichen thema…

    wieviele tracks sind denn nun insgesamt im set drinne ?
    und bekommt man die beiden von Ilsa Gold nicht mal zu nem statement hierher ?

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  6. nichts gegen das Set oder gegen die Mayday…aber irgendwie ist doch diese ganze Nostagie zum Kotzen…irgenwie für ewig hängengebiebende…warum soll ich mir auf ner Party tracks von UR oder Mills anhören? kommt mir vor wie ne 80er Ü30 Party wo Marianne Rosenberg gespielt wird…man leute, sind wir soweit, dass wir nur in der vergangenheit leben?

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  7. sonicdestroyer -

    also auf einem classic floor sollte schon auch classic techno gespielt werden, sonst wärs ja kein classic floor. es sei denn es wäre so gemeint, dass nur die DJs “alt und grau” sein müssen… ;-)
    aber das wäre ja dann… das wäre ja fast “rassistisch”, wenn man die nur wegen des alters und der grauen haare nicht mehr aufm anderen floor “neue” musik auflegen lassen würde! LOL

    ich bin ja auch keiner, der sagt “nur alt ist gut”, aber ich finds nicht übel wenn aufm classic floor sowas läuft… da tummeln sich halt dann meist die leute der selben generation, was auch schön ist… weil man einfach gemeinsam zeiten erlebt hat und dann sozusagen wieder erlebt. muss ja nicht heissen, dass man da garkeine neue musik hören darf. mischung aus alt und neu ist ja auch ned übel.

    also ich hab mir jetzt das IG set kürzlich wieder gegeben und es ist im prinzip schon grossartig, dieses mashup-set – ich glaub da sind noch viel mehr titel verwurstet, als wir oben gepostet haben, man hört nur bruchstücke und es fällt einem nicht mehr ein woher man es kennt! eine UNMENGE an zeug das da verwurstet wurde.. und das mixing ist eigentlich auch sehr frei und deshalb einfach auch irgendwie geil, weils einfach so “frei schnautze” ist ! find ich grossartig… hält sich an keine norm an kein garnix das ding, wie früher! fast schon genial… auch wenns nicht live gemixt ist! irgendwie wird es immer besser, je öfter man es hört! ;)

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  8. @sonicdestroyer: Das lustige ist, dass manche DJs es sogar regelmässig schaffen, auf diversen Retroparties innerhalb weniger Trax von Jeff Mills auf Bronski Beat oder Santa Esmeralda zu kommen. Und es fühlt sich so überhaupt gar nicht falsch an ;)

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  9. Genialer Mix – wie früher …

    13:51 – Human Resource – Dominator
    … einer meiner all-time Favoriten

    14:00 – Da Hool – Meet her at the Loveparade
    … das war damals unser Bundesspaßbrigaden-Schlager :)

    14:00 – 2 Unlimited – No Limits
    … bei dem und beim nächsten Track kommen sehr gute Erinnerungen an die Hous Party – Compilations (hier v.a. Vol. 1) von Arcade hoch. Die Kassetten haben wir damals noch auf dem Schulhof getauscht, denn auf dem Dorf gabs sowas nicht zu kaufen und wir waren noch nicht mal 14.

    14:23 – DJPC – Insomniak

    14:45 – Ace the Space – 9mm s the classic
    … meine erste CD-Single (ausm Sonderangebot)

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  10. naja ich fand halt das ganze event damals ziemlich belanglos. Gerade Tanith war in den letzten Jahren ein DJ, der nicht in der Vergangenheit hängengeblieben ist und gerade in Sachen Bass Musik immer sehr up to date war und dann so ne komische Veranstaltung wo an Platten von Anfang der 90er spielt. naja finde ich halt nicht besonders spannend. und Ilsa Gold fand ich nie besonders prägend oder besonders. Das beste von denen war noch der Gabber mix vom Speedfreak von Silke, aber sonst fand ich da nie was besonders spannend.

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  11. passend zum Thema der Auftritt der Jungs auf der diesjährigen Nature One … warum nur muss ich da an Taniths Mayday-Set 1996 denken? ;)

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  12. Oh Mann, seit 2 Stunden google ich mich durch Ilsa Gold. “Silke” habe ich damals auch mitbekommen, aber viel mehr wusste ich nicht über die beiden Scherzkekse.

    Skurriler Österreichischer Humor: Aus dem 1991 er Gassenhauer “James Brown is dead” machten die beiden 2003 “Jörg Haider ist schwul.” (Ab 1:55 etwa geht es los) Das bringen nur Österreicher!

    http://www.youtube.com/watch?v=zIXqmt0zw3Y

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  13. also ich muss sagen ich hab mir gerade sonic empire nach jahren mal wieder eingehört und das Ding ist fett produziert. Ich sehe da musikalisch nicht so den unterschied zu manchen underground produktionen. Die kickdrum ist für ne Jahnkuhn produktion hart. ich bleib dabei aus einem anderen labelumfeld wäre das Ding heute ein Klassiker und wäre nicht verschriehen wegen Lenz/jahnkuhn als Urheber.

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  14. scheisse , ich muss sagen, dass ich den track mit dem langen abstand heute isoliert richtig geil finde.

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  15. und terminator klingt ja echt wie einer schreibt wie von front 242…heftig wenn man sich die sachen nach jahren nochmal anhört. knallt auch wie schwein…

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