Remote Forensic Software

Also allmählich kann ich diese Bundeslachnummer wirklich nicht mehr ernstnehmen. Ein paar Tage nachdem bekannt wird, das gewisse Ministerien von Trojanern befallen waren oder sind, freilich auch das Innenministerium, welches umgehend beteuert das eine Ungeheuerlichkeit, aber bestimmt nix passiert ist.
Abgesehen vom augenscheinliche fehlenden Sachverstand um Dinge wie, z.B. Powerpointdateien aus China ungeprüft zu öffnen, wirft das auch nicht gerade ein strahlendes Licht auf die IT-Abteilung des Ministeriums, die mit sowas selbst in Zukunft rumspionieren will.
Umso mehr muß man prusten, wenn man das Dokument, welches gestern per Netzpolitik.org das Licht der Öffentlichkeit erblickte, liest. Das strotzt nur so von Ungereimtheiten und unwahrscheinlichem Digitalvoodoo, das man sich fragt, ob sich da geballte Inkompetenz an verkoksten DAU-Träumen über die eigene Weltherrschaft delektiert, oder ob da der Verdacht greift, das hier absichtlich diffuser Unsinn erzählt wird. Wer sich die diversen Erklärungen, zu Gemüte führt kommt nicht umhin zu bemerken, das der Ansatz vorne und hinten nicht stimmig ist, weder kommt es hin, das der Ausgespähte nichts davon bemerken würde wenn gigabiteweise Saugaktionen sein DSL ausbremsen, noch sind die versprochenen Attribute dieser Software in ihrer Gesamtheit so möglich, mal ganz abgesehen davon das man damit wirklich nur DAUs erwischen kann. Und vielleicht auch will? Bei allen nebulösen Beschwichtigungsversuchen des Hernn Ziercke das die zu recht nun folgende Debatte eine “Angstmacher-Diskussion, die zu Verunsicherung führen soll” wäre und man an höchstens 5 bis 10 solcher Maßnahmen denke, das greift nach den Versicherungen bezüglich der Daten der Mautstationen und der zentral registrierten Passfotos nun nicht mehr wirklich. Dazu sind die Aussagen bezüglich “Unikat, das speziell auf die Rechner-Umgebung eines Verdächtigen zugeschnitten wird” zu unglaubwürdig, so viele unterschiedlichen Rechnerumgebungen gibt’s ja nun auch wieder nicht.
Weiterhin fragt man sich, wieso dann für höchstens 10 Onlinedurchsuchungen pro Jahr das Grundgesetz geändert werden muß und wie da um die Verhältnismäßigkeit bei dieser Sache steht, wobei noch gar nicht mal klar ist, ob die dadurch gewonnenen Daten überhaupt vor Gericht bestand haben und wenn sie es hätten, dann nicht für lange, nämlich lediglich bis zu dem Moment wo einer nachweist, das man damit auch Beweise unterschieben kann.
Und wenn man glaubt, das es abstruser und debiler nicht mehr geht, dann kommt eine Meldung, die besagt, das man sich auch vorstellen kann, den zu observierenden Subjekten den Trojaner auch per Fakemail einer Behörde oder eines Amtes unterzujubeln. Abgesehen davon, das man mittels solcher Aussagen das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und Onlinepläne zur Entbürokratisierung von Ämtern und Behörden um Jahre zurück wirft, scheint die anvisierte Zielgruppe wohl am ehesten bei den DAUs und AOL-Usern zu liegen, niemand sonst öffnet heute noch Mails vom Kriminalobermeister aus Wiesbaden oder anderen vermeindlichen Ämtern, Banken, etc und dann gar irgendwelche Attachements. Offensichtlich sitzen im Innenministerium aber genau solche, siehe oben, die chinesischen Trojaner. Man sollte aber nicht dem Irrglauben anheimfallen, der gemeine Internetnutzer verhielte sich so blöde, liebes Ministerium, das macht wirklich nur ihr so, hihi. So fängt man keine Terroristen, zumal man auch noch zugeben mußte, das man gegen Attentäter, die z.B Internetcafes für ihre Konspirationen benutzen, damit auch keine Handhabe hätte.
Klingt für mich alles sehr unausgegoren und inkompetent – auch wenn das Verschleierungstaktik bezüglich der eigentlichen langfristigen Ziele dienen soll, das hätte man durchaus besser kommunizieren können, aber in PR-Dingen hat diese Regierung in letzter Zeit eh kein so sonderlich glückliches Händchen

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.