Thema der Woche 214: Endstation Technostrich


Als Technostrich wird die Partymeile in Friedrichshain bezeichnet und in der Tat reihen sich die Clubs wie an einer Perlenkette auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks entlang der Revaler Straße, alle mit der Hausnummer 99. Angefangen hatte es irgendwann im letzten Jahrzent mit dem RAW Tempel, dazu kamen erst illegale Parties zu denen man noch durch die Hintertür des Dönerladens an der Warschauer auf das Geläne mußte, der damals noch Oktagon Döner hieß. Das Cassiopaia kam damals auch schon dazu, ist aber bis heute nicht wirklich ein Technoladen, sondern eher für Skater mit Konzerten und regelmäßigem Programm, das auch mal Techno beinhaltet. Überhaupt ist dem Areal mit dem Namen Technostrich im Grunde Unrecht getan, sind doch in den zig weiteren der alten Gebäude durchaus auch dem Tanzvergnügen gänzlich unverdächtige Unternehmen untergebracht, seien es Yogaschulen, Gallerien, Kneipen und dergleichen mehr. Nachts allerdings könnte man meinen es gäbe nichts anderes als Techno und seine Infrastruktur dort, die Menge schiebt sich parallel zur Revaler entlang und es erinnert eher an eine Durchgangs- denn Endstation. Mittlerweile gehören zu dem Technostrich auch Läden wie das Suicide, About Blank, Mikz, R19 und wahrscheinlich noch welche mehr, ich habe da den Überblick verloren.
Normalerweise sind mir solche Clubansammlungen eher ein Graus, die schlimmste Variante durfte ich schon paarmal in München erleben, dieser sogenannte Kunstpark Ost, auf dem ehemaligen Pfannigelände, wo einfach alles zusammengewürfelt wird und ein Clubghetto entsteht, bei dem es offensichtlich nur darum geht das möglichst ordentlich viel gesoffen wird.
Dieser Technostrich hier hat allerdings schon seinen Charme, insbesondere in den Sommermonaten, wo sich auch viel außerhalb der Clubs abspielt und die Mischung aus Technomeile und alten Gebäuden in schönster Manier zeigt. Das hat schon was von Parallelwelt und funktioniert erstaunlich gut, ohne das einer dem anderen das Wasser abgräbt, was mich immer wieder wundert. Gut, es gibt auch Ausnahmen, ausgefahrene Ellenbogen unter Clubbesitzern und zu sehr früher oder sehr später Stunde läuft da schon sehr zwielichtiges Gesocks rum. Trotzdem wäre es schade wenn diese Technooase mitten in der Stadt irgendwann wieder einmal von Townhouses und ähnlich originellen Investorentwürfen verdrängt würde, auch wenn von vorhrein klar war das die Party, wegen lediglich Zwischennutzung, irgendwann vorbei sein würde, wie es dem Lovelite und dem Morlox mittlerweile schon ergangen ist.
Aber auch wenn hier irgenwann alles platt gemacht und Friedrichshain nicht nur in Sachen Mietpreise prenzlbergisiert ein sollte, muß das noch lange nicht die Endstation für Techno in der Stadt sein. Technostriche lassen sich in der Stadt noch einige finden und aufziehen, vielleicht nicht ganz so zentral gelegen, aber das einzig Beständige hier ist doch sowieso der Wandel.

Kommentare (16) Schreibe einen Kommentar

  1. ahoi tanith!
    fast alles d’accord. aber angefangen hat es da 1996 mit der zweiten hirschbar hinter dem biergartengelände des cassiopeia. im cafe war der eingangsbereich und die beiden hallen dahinter waren der club.
    und dann gab es da ober auch mal den winzigen cube-club und im turm oben die treppe54, deren crew zu den stelzen mutierte.
    und vorne das cargo, und &&&

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  2. wie oft werden ihr dort wegen drogenankauf konsultiert? Wenn ich vom designierten pinkelwand an der warschauer die treppe heruntergehe und bis zum mikz laufe, sind es durchschnittlich drei leute. manchmal auch vier oder selten mal einer. interessanterweise sind die verkausagenten oft menschen, mit denen man im hellen nur ungern einen handel abschließen würde.
    als marktlücke böte es sich vielleicht an, dort einen adrett gekleideten menschen mit hochdeutscher aussprache hinzuschicken und von von einem professionallen marktstand aus die waren zu verbringen.

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  3. Das About Blank ist doch einige hundert Meter vom Technostrich entfernt – der endet auch bei allem Wohlwollen an der Matkowskystr. und liegt nördlich von den S-Bahn-Gleisen.

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    • Tragischkomische Geisterbahn. Eine Mischung aus Drogensumpf, Ballermann und Klassenfahrt. Du wirst da von latent aggressiven und torkelnden Russen angebettelt, von Springern aus Ecken und Büschen angesprochen “brauchst was?”. Wohnen möchte ich da nicht (mehr) und Kinder gehören da auch nicht hin.

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  4. hehe, ich habe im raw anfang januar 1997 einen rave gemacht. im heutigen astra und dem jetzt ausgebrannten kleineren gebäude daneben.

    1997 hiess die party.

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    • seminaranreise am mitwoch. treiben lassen, und sonntags wieder ablegen. wie freu ik mir schon wieder drauf, wenn da nicht so viel arbeit waere. ;-(
      kathy, ik bin im anflug.
      wo in drei teufels namen geht das noch in duitsland?

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  5. Hehe, den Kunstpark Ost in München kenne ich auch noch. Hab da 2x aufgelegt. Aber die beiden besten Locations waren ja zum Glück gleich nebeneinander. Natraj Temple und Ultraschall. Aber da war wirklich komisches Volk unterwegs. Gerade bei den komischen Kneipen. Da ist mir der Berliner Technostrich lieber. Was ist eigentlich mit dem RAW Temple? Ist der jetzt zu oder doch noch offen?

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  6. der hat ja erst die Location gewechselt und läuft jetzt unter anderem Namen, ist mein letzter Wissenstand. Ich sag ja, auf dem Gebiet up to date bleiben, ist nicht so ohne! ;D

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  7. mein technostrich geht zurzeit vom sissi zum so36, die revaler ist die dicke mitte, ohne weitläufige, das grünzeug & die vielfalt im raw wär das ding nicht so geil & so fett.

    die touristen, angeblichen dealerhorden, karateschüler, skater & akrobaten seh ich – zu technozeiten dort unterwegs – viel zu selten. aber das ist für mich auch techno wenn alles mit reinpaßt & sogar das konzept der zwischennutzung für alle ist.

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    • Bin ich dafür! :)

      Naja, wie Tanith richtig festgestellt hat, wird es den Techno-Strich irgendwann nicht mehr geben, dafür tun sich dann wieder neue Ecken auf. Alles immer schön im Fluß in einer großen Stadt. In 30-40 Jahren ist evtl. der Prenzlauer Berg ein ganz schäbige Ecke, so wie die ganzen Hipster-Idioten Anfang der 80er niemals einen Fuß in Kreuzberg gesetzt hätten…

      Prost! :)

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        • Nö ich weiß von einem heute bekannten Punkrocker, das er sich in den 80ern nicht nach Kreuzberg getraut hat. Zu gefährlich… ;)

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  8. blank gehört zum glück nicht wirklich dazu. ich war nach jahren wieder mal an der revaler und es ist ehrlich gesagt ein ziemlicher graus, sich da durchzubewegen. da ist das pfannigelände urlaub gewesen. und den natraj tempel dort in einem satz mit dem ultraschall als besten laden zu bezeichnen ist erm – mehr als nur gewagt. goa – schlimm von anfang bis immer.

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