Review: Eine Woche mit dem Mi Fitnessband

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Wearables, der heiße Scheiß gerade, jeder bringt mindestens einen raus, irgendwas wird davon schon an der Wand kleben bleiben. Problem dabei: meistens sind die Preise dafür, zumindest für mich, zu hoch, als das ich bezahlender Beteatester und am Ende auf einem teuren nicht weiter supportetem Stück Plastik mit transistoralem Innenleben sitzen bleiben möchte.
So um die Weihnachtszeit kam dann die Meldung das man sich in Asien das Mi Band vom ewigen Apple Plagiator Xiaomi für schlappe 15€ inklusive Versand kommen lassen kann. Ich bin Bestellungen aus Fernost durch meine Dampferei schon gewohnt und kann bislang noch keine schlechten Erfahrungen vorweisen. Entgegen den Gerüchten läuft das dort sehr professionell ab und bei Missgeschicken kann man das Fehlteil meist behalten und bekommt umgehend etwas neues zugeschickt, in deutschen Onlinestores mußte ich bislang immer auf meine Kosten zurück schicken und warten bis der Ersatz ankam. Das ist dann auch nicht viel schneller als der Versand aus Asien, der schonmal 2-4 Wochen dauern kann. Wer’s also eilig hat bestellt besser für paar Euro mehr bei Amazon oder ähnlichen.
Mir war es jetzt nicht so eilig, sparte dadurch ca. 20 € und nach ca. 2 Wochen traf das Mi Band ohne weiteres Zollgedöhns ein.

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Bekommen tut man dann ein weder besonders schickes, noch besonders häßliches Armband, das neben Schritten und Läufen auch Schlaf in tief und nicht so tief oder gar wach unterscheiden kann. Anstatt eines Displays gibt es 3 nicht dauerbeleuchtete Status LEDs, die einem in Blau den Fortschritt des Tagesziels anzeigen und sich in Rot bemerkbar machen falls die Akkuladung zur Neige geht. Auslesen kann man die Daten dann per App auf dem Smartphone, wobei es egal ist ob iOS oder Android, die Andoid App ist aber schon etwas ausgefeilter und bietet mit den Xiaomi Phones noch einige Features mehr, wie z.B. Entsperren per Band im Bluetoothbereich oder Vibrieren bei Anruf, das wecken mittels Vibration und Smartwecker hingegen, wenn das Band eine leichte Schlafphase erkennt, klappt auf beiden Plattformen. Die App für iOS liegt mittlerweile auch in Englisch vor, was gegenüber chinesisch hierzulande schon gewisse Vorteile hat.
Das Syncen von App mit Band geht natürlich auch per Bluetooth vonstatten und gebiert sich schnell und zuverlässig. Danach sieht man dann anhand eines Kreises und seiner Ausfüllung wie weit man dem Ziel seiner täglichen Wunschschrittlänge schon gekommen ist und in Balken sind die stündlichen,täglichen, wöchentlichen, monatlichen Unterschiede der Anzahl oder wie sich der Schlaf in der Nacht gestaltet hat zu sehen.
Das Schlaffeature hat sich dabei als mein geheimer Favorit entpuppt, den eigenen Schlaf zu tracken und vor allem ohne Eigenbeschiss zu sehen wie lang oder kurz der eigentlich ist, ist, zumindest für mich, ein Novum das sich als sehr interessant heraus gestellt hat und dafür sorgt das man seine Mindestschlafzeit besser einhalten will. Die Schritt und Laufzählung kannte ich ja schon durch Apps wie Moves, nur das diese den iPhone Akku natürlich über den Tag ordentlich leer saugen.
Das Mi Band ist diesbezüglich übrigens äußerst genügsam, kam hier mit 64% Akkuladung an, die 3 Wochen zuvor stattfand, also kurz vor Abschickung, und ist nun, nach einer Woche Benutzung und 31 Tage nach der Erstladung, bei 55% angelangt. Zum Aufladen liegt ein spezielles USB Kabel bei in das man den Tracker, nachdem man ihn aus dem Armband geploppt hat, steckt.
Lobend zu erwähnen wäre noch, das sich die Mi Band App auch mit dem iOS Health Kit gut versteht, also die Daten in dieses eingelesen werden können.
Natürlich bleiben bei dem Preis auch ein paar Nachteile zum höherpreisigen Segment, die Einträge sind nicht veränderbar, schnelles Gehen, das als Laufen registriert wird läßt sich im Nachhinein nicht mehr verändern. Die Unterscheidung in Laufen, Gehen und Schlaf ist etwas rudimentär, zumindest Fahrradfahren und Rudern würde ich gern noch sehen, größtes Manko für mich ist aber, Powernaps am Tage werden nicht getrackt. Der Verzicht auf eiun Display zugunsten von 3 Status LEDs hingegen ist Geschmacksache, ich kann gut damit leben, zumal es offensichtlich für lange Akkulaufzeiten sorgt, your mileage may vary.
Trotz dieser mehr oder minder kleinen Shortcommings finde ich das was man da für 15 € geboten bekommt doch durchaus brauchbar. Ich weiß jetzt nicht was davon noch per Update veränderbar ist oder wie sich das im Vergleich zu bis zu 10 mal so teueren Geräten wie Jawbone oder Fitbit verhält, aber als Einstieg in die Welt der Fitnesstracker finde ich das schon sehr gelungen. Ob man sowas braucht muß jeder für sich entscheiden, ich finde es als zusätzliche Motivation ganz brauchbar und bin überrascht das der eigentliche Zweck, das Schritttracking, vom favorisieren des Schlaftrackings in den Schatten gestellt wird.

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Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Man darf gespannt sein, wann diese Gadgets bei all den technikgläubigen Hipstern so weit im normalen Leben angekommen sind, dass der Spieß nach und nach umgedreht werden wird. Ich denke da z.B. an unterschiedliche Krankenkassenbeiträge für Menschen mit und ohne Komplettüberwachung der “Fitness” durch Kontrollgeräte. Der Schritt zu einem flächendeckenden “Muss” ist dann nicht mehr allzu weit.

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    • Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Und was ist daran technikgläubig wenn man mit Gadgets rumspielt? Auch wenn ich privat gerne mit so etwas rumspiele würde ich mich dagegen verwehren wenn meine Krankenkasse auf die Idee käme mich auf diese Weise zu vermessen und wenn es mit dem Lockangebot des niedrigeren Beitrags wäre. Nicht nur weil meine Vermessung meine Privatsache ist, sondern auch weil man Gesundheit nicht normieren kann, das geht beim Schlaf los, wo der eine 5 und der andere 8 Stunden braucht und geht weiter über Ernährung, bei der es genauso große Unterschiede gibt, was für den Einzelnen gesund ist.
      Dennoch bin ich der Meinung das solche Gerätchen ganz gut dafür geignet sind Eigenwahrnehmung, Intuition und der Fähigkeit die Signale des eigenen Körpers und Geistes richtig zu einzuordnen. Und wenn eine Krankenkasse Achtsamkeit auf den eigenen Körper lehren würde, würde sie mehr Geld sparen als mit Zwangsmaßnahmen via Tracker, egal wie da Freiwilligkeit vorgegaukelt wird.
      Wenn aus der Existenz der Geräte ein Muss erwachsen müßte, müßte aus der Existenz von Smartphones ja auch ein Überwachungszwang erwachsen.

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  2. Zitat: “Und was ist daran technikgläubig wenn man mit Gadgets rumspielt?”

    Zunächst einmal gar nichts. Wenn ich mir aber die jungen Leute in meinem Umfeld betrachte, sind die schon recht unkritisch, was die eigenen Daten angeht. Und wenn es en vogue ist, ein Fitnessarmbändchen zu tragen, dann wird das möglicherweise Begehrlichkeiten wecken.

    Die jungen Leute wachsen doch mit all den Spielzeugen und Tools auf. Für die wäre das möglicherweise irgendwann der Normalfall, wenn die Krankenversicherung nur noch MIT solchen Trackern abgeschlossen werden kann. Sieht man ja, wie schnell das z.B. mit der PKW-Maut gehen kann. Da wird es sicher auch nicht mehr lange dauern, bis Neu-PKW zwangsweise mit onBoard-Units ausgestattet werden, ohne dass man sich dagegen wehren kann. Aber egal: Soll jeder machen was er will. Deshalb nix für ungut.

    P.S. Ich frage mich jetzt schon, wie ich früher ohne all die Spielzeuge meine Marathons geschafft habe. ;-)

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  3. Vielen Dank für diesen Bericht. Er hat mir sehr geholfen!

    Zaziki, bist Du bei Facebook ? Hast Du deine Kameras deines Smartphones angeklebt ? Nutzt Du whatsapp ? Hast Du deine Google Einstellungen angepasst oder hast Du iPhone oder WP bei welchen Du das Tracking nicht mal abstellen kannst ? Nein ? Dann tue es und pauschalisiere bitte nicht eine Generation als naiv und leichtsinnig!!! Danke!

    Aber ja es gibt viele Leute die Datenschutz nicht sehr kritisch betrachten. Allerdings nicht alle.

    Ich wünsche euch eine gute Zeit!

    Liebe Grüße aus Berlin
    Smicerge

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