Doku über den Klunkerkranich: Du mußt dein Ändern leben


Klangsucht kenne ich seit ihren legendären “Reclaim the Park” Open Airs, die die Welle der Park Open Airs in Berlin einleiteten und wurde auch des öfteren zu Parties wie z.B. im Golden Gate gebucht. Seit ca. 2 Jahren ist deren vornehmliches Projekt allerdings der Klunkerkranich, auf dem Parkdeck eines Neuköllner Einkaufszentrums.Das Werden des Klunkerkranichs wurde in diesen 2 Jahren von einem Filmteam begleitet und daraus entstand die Doku “Du mußt dein Ändern leben”, die jetzt in ausgewählten Kinos anläuft und bald als DVD erscheinen wird:

Das Gefühl hier irgendetwas starten zu müssen.“ Dieser Drang und das ungenutzte Parkdeck eines Shoppingcenters in Neukölln sind der Anfang einer Vision. Diese Vision entsprang dem Freundeskreis um das Liebespaar Yosh und Dorle. Um ihren Traum von nicht-kommerziellen Räumen der Begegnung, Kunst und Lebenslust wahr werden zu lassen, gründeten sie, was sie bis heute ihr „Wahlfamilien-Unternehmen“ nennen. Dafür haben sie ihre gesicherten Lebensentwürfe aufgegeben, ob als hochbezahlter Headhunter wie Yosh oder als arrivierte Schulleiterin wie Dorle. Mit Hingabe wollen sie nur noch das schaffen, was sie und eine ganze Stadt wirklich bewegt: den Kulturdachgarten Klunkerkranich.

Der Klunkerkranich ist ihre neue Utopie. Die asphaltierten Parkbuchten sollen sich in einen prächtigen Garten verwandeln. Über den Dächern der Stadt soll ein Freiraum geschaffen werden für Do-It-Yourself, Begegnungen oder auch zur Erholung vom Stress der Großstadt. Offen für alle: Künstler, Phantasten oder einfach die Nachbarn.

Doch bevor das Dach-Paradies entstehen kann, muss nicht nur die Finanzierung gelingen und Dekors gebaut werden, es müssen auch die Berliner Ämter zufriedengestellt werden. Das monetäre Risiko ist für alle enorm und die Nächte im Angesicht der nahenden Eröffnung zunehmend schlaflos. Um die vielfältigen Aufgaben zu meistern, hat sich die Crew über die Jahre spezialisiert, mit Selfmade-Experten fürs Bauen, Gärtnern oder Rechnungswesen. Trotz aller Hindernisse hält die Wahl-Familie zusammen und in der geteilten Opferbereitschaft zeigt sich schon vor der Vollendung der Geist des Klunkerkranichs: Da hilft der Nachbar und pensionierte Müllmann genauso wie der auf Urban Gardening spezialisierte Physik-Student. „In den letzten drei Monaten habe ich mehr gelernt als in den ganzen Jahren davor.“ Das schafft Gemeinschaft.

DU MUSST DEIN ÄNDERN LEBEN ist ein lokaler Film mit einer global gültigen Geschichte. Er erzählt von Individualität und Zusammenarbeit, von den Chancen und Fallen neuer Arbeitsweisen, von einem großen Erfolg, der dennoch von Prekarisierung bedroht bleibt. Der Klunkerkranich wird ein Schatz für Neukölln, Yosh und Dorle trennen sich und versprechen trotzdem mit ihrer Wahl-Familie weiterzumachen. Ihre Visionen sind größer als sie.

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Überzeugt micht nicht so richtig, also der Film. Der Klunkerkranich ist ein großartiger Ort in Berlin, keine Frage. Aber eine Doku (für “ausgewählte Kinos”) über sich selbst und die eigene Vision, einen Kulturort bzw. Bar-Garten-im-weitesten-Sinne-Club im DIY-Stil zu bauen, erinnert mich eher an die Querelen und das Marketing (und den Abschiedsmythos und den Film) der Bar25 und ähnlicher Konsorten. Ich will auf keinen Fall “Ha! Die machens doch auch nur fürs Geld!” schreien, das möchte ich betonen. Aber der Beigeschmack einer etwas gewollten “Doku” bleibt. Oder?

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  2. Ja, das war “Wir sind Park”. “Reclaim the park” gab es schon früher, aber das fand sehr viel seltener statt. Es gab auch noch andere Crews, die ab und zu Open Airs organisierten, wie z.B. “Barfuss” oder den “Karneval der Verpeilten” . Aber man kann schon sagen, dass Dorian und Toni mit “Wir sind Park” eine neue Ära der Park Open Airs eingeleitet hatten.

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  3. Fehlt eigentlich mal der faire Hinweis, dass 2-3 Jahre bevor das “Liebespaar Y&D”
    sich ins bereits gemachte Nest gesetzt haben, Dorian & Freunde mit den Ämtern, der
    Centerverwaltung, den Statikern und div. anderen Stellen die eigentliche Vorarbeit geleistet haben.

    Als og. Crew hinzukamen um den Aufbau zu leisten, (und den Sie auch toll gemacht haben!) waren die meisten Grabenkämpfe schon ausgefochten. Weiß gar nicht, ob ich mir den Film anschauen will, denn ich würde eine größere Summe darauf setzen, dass og. Fakt bei der Geschichtschreibung dieses Ortes unter den Tisch gefallen lassen wird.

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    • finde ich auch merkwürdig. eigentlich ist es eher ein film über die gruppe aus neukölln, als über den klunkerkranich. um dem projekt gerecht zu werden hätte die storyline schon anders gestaltet werden müssen.

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  4. Habe endlich den Film angeschaut (https://vimeo.com/ondemand/dmdlae). Der Film hält sich zu lange beim F&E auf und könnte direkte mit der Planung des Klunkerkranichs beginnen. Der Film ist deutlich kein Werbefilm für den Klunkerkranich – könnte aber neutraler beobachten. Dann wäre der Film vielleicht zur Erkenntnis gekommen, dass sich an diesem Ort vielleicht keine Ideale verwirklichen lassen, denn um die muss es ja dem Filmemacher gegangen sein ( DU MUSST DEIN ÄNDERN LEBEN). Dieser Ort wird immer kommerziell bleiben – mit oder ohne Konzept. Er ist die Touristenattraktion schlecht hin. Im Film sind die Konflikte in der Gruppe nur am Rande zu spüren – Dennoch ein Film der ein Bauprojekt mit viel Liebe und Sorgfalt begleitet hat. Schade das der Film in die aktuellen Streitigkeiten immer wieder mit aufgenommen wird – denn er ist durchaus sehenswert und zeigt ein Stück Neuköllner Zeitgeschichte, aber nicht den Fall “Klunkerkranich”.

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