Review: Karl Ove Knausgård – Träumen

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Ich habe den norwegischen Schriftsteller Knausgård eigentlich relativ spät entdeckt, nämlich erst bei Band 5 „Träumen“ seines autobiografischen Romanzyklus, der, verständlicherweise außer im deutschen, mit „Mein Kampf“ betitelt ist. Die anderen Bände heißen Sterben, Lieben, Spielen und Leben, die habe ich noch nicht gelesen, es läßt sich aber auch gut bei Band 5 einsteigen, soviel sei vorweg gesagt.
Knausgård wird, insbesondere in seiner Heimat, als literarische Sensation und Faszinosum wahrgenommen, er schildert Alltagsdinge und Banalitäten in einer skandinavisch, knorrigen Tagebuchgenauigkeit, die aber erst diesen Fluß ergibt, auf den man sich halt einlassen muß um durch die immerhin ca. 800 Seiten zu kommen und, ich weiß nicht ob es am Alter liegt und der gleichen durchlebten Epoche, man findet sich gerade dadurch, oft darin wieder.
Träumen behandelt die Zeit von den frühen 80ern bis ca. 9/11, die Zeit als Knausgård mit 19 auf einer Schreibakademie verzweifelt, Schriftsteller werden will und nichts gelingt, sich als Krankenpfleger über Wasser hält und die Einsicht der fehlenden Fantasie für die Berufung und das Eingeständnis des Scheiterns im Suff und auf Parties ertränkt. Wobei Alkohol ihm definitiv nicht gut tut, daran zerbrechen nicht nur zwei Beziehungen. Er ist einer dieser Typen, die jeder kennt, kaum ist Alk im Spiel wird es maßlos und zuweilen aggressiv. Ob da eine Präposition von seinem Vater, der Alkoholiker war und daran in Buch stirbt, vorliegt, weiß man nicht, man ahnt es aber. Geraucht wird auch viel in dem Buch, quasi auf jeder Seite, aber so war das nunmal seinerzeit, als auch noch Raucherabteile in Flugzeugen und Bahnen gab.
Später dann gelingt ihm dann, nach den üblichen Literaturzeitschriftbeitrag Geplänkel tatsächlich ein Roman, aber glücklicher macht ihn das auch nicht, Selbstzweifel und ewiges Nichtgelingen eines Nachfolgers lassen das nicht zu. Als das dann doch endlich gelingt, geht darüber die Ehe kaputt. Man möchte danach das Los der Einsamkeit eines Schriftstellers nicht unbedingt teilen.
Das Buch ist fast brutal in seiner Genauigkeit, Reflexion und Offenheit der inneren Vorgänge des Protagonisten. Je tiefer man in der Geschichte drin ist, desto empathischer wird man für ihn, der sich hier erbarmungslos für die Icherzählform entschieden hat und gerade Menschen, die sich nicht unbedingt den üblichen Karriereweg entschieden haben dürften einige Facetten von sich darin wieder erkennen.
Ich bin jedenfalls nach diesem Band schon sehr auf die anderen gespannt, die keineswegs kürzer ausfallen.

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