Roland 909 Day Celebration vs. NI Maschine Jam

jamvsroland

Den Tag der Neuvorstellungen beider Firmen letzte Woche fand ich ein denkwürdiges Ereignis, an ein und demselben Tag ging die Schere der beiden Produktionswelten um einiges weiter auf. Auf der einen Seite Roland, sich auf Legenden zurück besinnend, die sie selber 30 Jahre lang nicht verstanden haben und eine virtuell analoge 303 und eine ebensolche 909 ohne Einzelausgänge im Schokoladentafel Format zum 909 Tag rausbringend, dazu noch einen weiteren Hardware Synth, der den Jupiter beerben soll und dessen Bedienfeld an einen JD 800 erinnert. Den unerwarteten DJ Tinnef, der da mitkam, möchte ich lieber mal außen vor lassen.
Auf der anderen Seite Native Instruments Maschine Jam, ein neuer Controller, der Maschine nun plötzlich Fähigkeiten wie Ableton verleiht und vom dazugehörigen Push definitiv inspiriert ist, ebenso hat man sich die Rosinen aus der APC gepickt, aber mit den 8 Touchstrips, oder sollte man Kaosspads dazu sagen?, den entscheidenden Schritt weiter geht, um als eigenständig durchzugehen.
Interessant an dieser Gegenüberstellung finde ich, wie weit sich die Prozesse des Musikmachens mittlerweile auseinander dividiert haben. Da Roland, mit „The Future Redefined“, was impliziert das die Klänge von z.B. Cybotron’s Clear heute noch die Zukunft weisen würden. Dort eine Groovebox, die mittels eines neuen Controllers vom Sampleinstrument und zur modernen Daw mit Scenes und Sessionview aufgebohrt wird, wie man es von Ableton und Bitwig kennt. Auch schön: Templates, um den Machine Jam Controller mit den beiden anderen Berliner Platzhirschen nutzen zu können, sollen mitgeliefert werden.
Sicherlich mögen die beiden Anwendungsgebiete schon immer unterschiedlich gewesen sein, aber die Synchronität der Ankündigungen fand ich bemerkenswert, weil sie mir ähnlich weit auseinander liegt, wie anno 1996 Analogtechno, mit eben diesen Rolandgeräten, und dem damals neuen Drum & Bass. Es ist genau dieselbe Geschichte der Unterschiede der Produktionsmittel und was damit möglich ist. Roland vs Akai 20 Jahre später. Ich erwarte nicht das mit der Neuauflage von Klassikern unbedingt neues entsteht. Auf der anderen Seite Maschine Jam, die aufzeigt, was mit dem Sampler in 20 Jahren passiert ist, ein Hybrid aus Sampler und Sequencer, mit Möglichkeiten an die man vor 20 Jahren nichtmal gedacht hat, geschweige denn in einem Gerät. Wer’s nicht glaubt sollte sich diese Videos ansehen, oder in kurz:

zum Vergleich:

Interessanterweise gibt es beides zum etwa gleichen Preis, für jeweils ca. 400 € ist man dabei. Ob NI das bewußt zum 909 Day gelaunched hat entzieht sich meiner Kenntnis, wäre aber ein schöner Punkmove, besser hätte man Tradition vs. Zukunft nicht aufzeigen können.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. schön gegenüber gestellt! ich bin ein bisschen zu jung um dem reinen analog mitte-90er techno allzuviel abzugewinnen, ich bin da rein gekommen als die sampler schon im straighten 4/4 den sound beherrschten daher kann ich dem roland ansatz nichts abgewinnen bzw interessierts mich einfach gar nicht. aber das so gegenüber gestellt zu bekommen ist schon krass: die einen denken nach vorne, die anderen rückwärts.

    und es ist beides irgendwie nicht der weisheit letzter schluss

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  2. Vielleicht sollte man die Geräte von Roland wie andere Instrumente (Gitarre, Schlagzeug, Blockflöte) betrachten, d.h. für einen bestimmten Zweck ausgerichtet. Finde ich legitim, die Geräte neu rauszubringen.
    Mit analogen Synths ist noch längst nicht alles gesagt.

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  3. Ich glaube, ich habe das richtige Alter, um beides ziemlich cool zu finden!! :D
    Der groovige, fette alte Sound auf der einen Seite und die hammermäßigen neuen Möglichkeiten auf der anderen.

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