Thema der Woche 18: Leben mit Tinnitus

Wie man weiß ist Tinnitus ein recht verbreitetes Phänomen, dessen Gründe weit verstreut liegen, von psychosomatisch bis zu Folgen von Knalltraumata ist da alles drin. Jeder Betroffene wird’s wohl anders empfinden, diesen ständigen Begleiter im Ohr, der einem ständig ein Liedchen trällert. Ich hab mich mittlerweile mit dem pfeifenden Mann im Ohr arrangiert, ich tröstete mich damit das Fliesenleger Hämorrhoiden bekommen, Manager Herz- oder Hirnschlag und Musiker bzw. DJs eben Tinnitus, aber das war natürlich erstmal kein leichter Weg.
Überhaupt sich die Sache einzugestehen war ja erstmal das Ding, denn wohl dem, der seinen Tinnitus von jetzt auf gleich bekommt, da hat man wenigstens etwas um sofort darauf zu reagieren. Bei mir schlich sich das, wie bei vielen Kollegen, eher schleichend ein. So wie man öfters mal nach einem Konzert klingelnde Ohren hat, hat man das nach nach langen Gignächten eben auch, gerademal wenn man sich, wie ich Anfang der 90er, eigentlich 3 Tage komplett in Clubs auf Achse durchgehend den hohen Phonzahlen aussetzt und dabei noch hin und wieder auflegt und die Phondosis auf erschöpfte Ohren nochmals erhöht. Irgendwann ging das Klingeln eben nicht mehr nach ein bis zwei Tagen weg, sondern es blieb. Hätte ich damals um Tinnitus gewußt hätte ich mich vielleicht vorgesehen, ich wußte aber erst von der Existenz des Phänomens als ich es hatte. Bezüglich der Aufklärung darum ist ja mittlerweile einiges passiert, aber wenn’s einen mal erwischt hat ist es bis heute immer noch Glückssache ob man den Tinnitus auch wieder weg bekommt.
Ich hätte auch wissen können, das meine Ohren nicht unbedingt für so hohe Lautstärken auf Dauer geeignet sind, ich hatte schon Probleme mit den Kopfhörern meines ersten Walkman’s, auch da drehte ich mit der Zeit so laut, das es pfiff wenn ich die Ohrhörer rausnahm. Bei mir war es irgendwann in 94, als ich merkte das das Pfeifen nicht mehr wegging und mal einen Arzt konsultierte. Danach kamen die üblichen Infusionen, die nichts bringen, ein paar Wochen absolute Ruhe hätten wahrscheinlich mehr gebracht. Ich setzte 2 Wochen mit dem Auflegen aus, was aber auch keine Besserung brachte. Eine Homöopathin konnte auch nichts richten und so fing ich an mich an den Gedanken zu gewöhnen, wohl oder übel damit leben zu müssen. Anfangs natürlich keine leichte Übung, weil man ja ständig auf den Ton hört und ihn mal leiser und mal lauter interpretiert, meist je nach Verfassung. Dann packt einen die Befürchtung, das das mit der Zeit immer lauter wird und bis zu was für einem Level man das aushalten wird, man hörte ja so Gruselstories das sich Leute deswegen umbringen oder den Hörnerv kappen liessen, nur um dann festzustellen, das das den Nervton nicht beseitigt. Natürlich ist das Gepfeif und Geklingel dabei relativ konstant, nur die Empfindung spielt einem, wie gewöhnlich, Streiche, je nach Verfassung und Gemütslage lärmt das oder ist gar fast verschwunden. Ich hatte den Tinnitus also schon fast assimiliert, da kam das Internet und dort gab es natürlich von Anfang an massig Informationen über Tinnitus bis zu Newsgroups mit Betroffenen. Man sollte meinen das hilft, bei mir schlug das jedoch ins Gegenteil um, je mehr ich mich damit beschäftigte, desto präsenter war er und desto mehr hörte man auf ihn. Ich liess das dann auch bald wieder bleiben, holte mir jedoch die für mich nützliche Information heraus, das Ginkotabletten helfen können. Klappt nicht bei jedem, ich hatte jedoch das Glück, das es bei mir anschlägt und dem Tinnitus in Extremzeiten seine Spitzen nahm. Weg ging es damit auch nicht, aber es machte erträglicher.
Mit der Zeit lernt man seinen pfeifenden Mann im Ohr einzuschätzen, natürlich war es nach den Wochenenden am schlimmsten, ich legte ja immer noch bis zu 3 Tagen die Woche auf. Aber ich achtete jetzt definitiv besser auf Lautstärken und wie lange ich mich diesen aussetzte und so blieb der Tinnitus recht gleichbleibend. Jedoch gibt es bis heute Momente wo er lauter wird, die Erfahrungswerte der Vergangenheit sagen mir da mittlerweile auch was dann kommt, Erkältung oder Wetterwechsel z.B. und was dann zu vermeiden wäre, Stress und schlechte Laune z.B. und somit kann man den Tinnitus auch zum Balancehalten missbrauchen. Hat man diese nicht, wird der Warnton eben lauter und macht einen darauf aufmerksam, das etwas nicht im Lot ist. Gesundheit oder Wohlbefinden eben, und man horcht in sich hinein, um zu sehen wie man den Alarm wieder klein kriegt. Über die Jahre läßt sich das extrem perfektionieren, so das der Tinnitus sowas wie den Gradmesser der Balance darstellt. Pfeift es leise oder stört einen nicht, ist man im Lot, pfeift es laut und nervt, ist was erkältungsmäßiges im Busch oder man ist aufgrund von Schlafmangel oder Stress unausgeglichen und empfindlich – und weiß dann auch darum.
Das Hoffen auf Abhilfe habe ich mir über die Jahre abgewöhnt, anfangs gab man noch etwas auf Ankündigungen wie das das US Militär kurz vor dem Durchbruch eines Medikaments steht, um dann nie wieder was davon zu hören. Sicherlich sind in den letzten Jahren Behandlungen und Wege gefunden oder optimiert worden um dem Tinnitus Paroli zu bieten, von Masking bis Retraining Therapie reicht das Angebot, aber ich habe mich fürerst dafür entschieden, mit dem Pfeifer zu leben. Hat man sich erstmal daran gewöhnt und es vollends akzeptiert ist es auch nicht so störend wie viele denken, denen man davon erzählt und die das als wahre Hölle interpretieren. Die Kunst dabei ist wirklich das völlige Assimilieren des Tinnitus, ich mache mir sogar manchmal den Spaß und höre ganz bewußt auf das Geräusch um es zu lokalisieren oder die Klangcharakteristik zu analysieren. Das ist nämlich gar nicht so einfach wie man vielleicht denken mag, der Tinnitus lebt! Und je nach Tageskondition färbt sich das Klangbild und auch wo man das Geräusch lokalisiert, von mitten im Hirn bis zu Gehörgang gehen da die Varianten und wenn man lustig ist, dann kann man sich das auch visualisieren. Klingt, wie ich aus Unterhaltungen weiß, für viele schrecklich, aber für mich ist der selbstverständliche und spielerische Umgang mit dem Unumgänglichen eher erleichternd.
Vielleicht gibt es ja in Zukunft wirklich mal sowas wie Viagra für die Ohren, ein Riesenmarkt wäre ja da und ich bezeifle das der jemals wieder kleiner wird, von daher wäre das schon interessant für die Pfitzners und Bayers dieser Welt. Für mich stellt sich dann die Frage, wie das dann so ist, so einschlafen ohne Geklingel im Kopp. Ob man dann nach all den Jahren was vermisst?

Kommentare (32) Schreibe einen Kommentar

  1. Wusste nicht, dass du da von betroffen bist.
    Ist das nicht störend beim Auflegen oder übertönt die Lautstärke den Tinitus? Wie ist das im alltag, wenn man mit mehren Leuten gleichzeitig redet? Ist der Tinitus auch mit ein Grund (neben anderen hier verlautbarten Gründen) , deine Dj-Job langsam “ausbremsen” zu lassen?
    Leidet der Musikgenuss unter dem Tinitus? Tät mich sehr intressieren.
    Was mir nur ein bischen Schleierhaft ist:Ich höre auch sehr gerne sehr laut musik aber ich merk es auf konzerten und in clubs wenn es anfängt weh zu tun mach ich mir was in das ohr und sei es nur taschentuch…wie konntest du bis zur schmerzgrenze mit deinem Walkman hören? Wie gesagt ich mag es auch laut, aber so laut, dass es weh tut? Bitte um Erklärung….Drogen? Unwissenheit (schon angeklungen)? Selbstzerstörungsdrang? mehr Bass?

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  2. also mein tinnitus ist so beschaffen, das ich der von anderen geräuschen so überlagert wird, das ich den eigentlich nicht höre, nur wenn ich mich drauf konzentriere oder wenn’s eben ganz still ist, er stört mich also auch nicht beim musikgenuss. es ist eher so das man dann eben musik hört um den tinnitus nicht zu hören.
    weh tun meine ohren ja nie, mit schmerz hat das mal gar nix zu tun. vielleicht gehörst du zu den glücklichen, die da eine schmerzschwelle haben, meine ohren gewöhnen sich sehr schnell an lautstärke und ich merke erst nach einer stillepause was für einem phondruck ich mich da aussetze. ich habe daher nie bis zu irgendwelchen schmerzgrenzen gehört, sondern unmerklich immer lauer gedreht um z.b., den bass richtig bollern zu hören.
    in gesprächen ist mir aber aufgefallen, das es leute gibt, denen lautstärke schmerz bereitet und andere die diesbezüglich gar nix merken. kann auch z.b. mit früheren mittelohrentzündungen zu tun haben, hatte ich als kind öfters und da ist wohl die schmerztoleranz bei flöten gegangen. nur so ne theorie.

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  3. Als Gesunder kann ich dazu nur sagen, dass es so ist, dass die Ohren pfeifen wenn mal so richtig gedonnert hat auf Partys oder so, aber das ist dann halt am nächsten Morgen oder nach dem erholungsschlaf weg.(tut auch nicht weh auf der Veranstaltung) Aber es gibt Veranstaltungen da ist es so laut, dass es wehtut…und man dann man mit oropax wirklich besser die musik hört, kopfschüttel…Ich könnte mir vorstellen, dass das schmerzempfinden unterschidlich ist, es gibt wirklich empfindliche Ohren da drausen…
    Bassmasagen sind aber schon mal notwendig. :-)
    Da gibt es ja diese eine Geschichte aus dem Buch DJ Culture wo da ein Auto mit extremen BassVolumen durch die Strassen fährt. An der Ampel hält es und dann zerbrechen die Scheiben des Autos von der Basswucht. Das Auto kann man angeblich im Polizeimuseum in NewYork besichtigen. Was wohl mit denen ihren Ohren abgegangen ist?
    Schön, dass du versuchst den Tinitus kreativ zu nutzen schon mal dran gedacht auf der Ebene ein Stück zu machen, quasi tinitus vertont?

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  4. du kannst dich wirklich glücklich schätzen, dass du damit so umgehen kannst und wie DoctorBenway schon sagte dein “leiden” kreativ zu nutzen weißt.

    von der betroffenen, die ich kenne (arbeitskollegin), nimmt der tinnitus angeblich solch großen einfluss aufs leben, dass sie tageweise krank wird- durch den seelischen stress dann wohl auch körperlich. da erschleicht einen das gefühl, dass sie es vielleicht zu ernst nimmt!? es würde allerdigs ihre stimmungsschwankungen erlären…

    mir ist der hergang dieser erkrankung nicht ganz klar….
    ich bekomme ja schon panik, wenn mir von einer lauten veranstaltung mal die ohren taub sind und ich ein leichtes pfeifen verspüre- ist das der schleichende anfang oder ist es nur eine vorrübergehende überstrapazierung meines gehörs?!

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  5. Besonders ätzend ist es, wenn man immer mit Gehörschutz unterwegs ist und an dem Abend, wenn er zu Hause geblieben ist, die Ohren “gebrochen” bekommt. Ich fand es stets unbegreiflich, warum in Clubs die meisten ohne Gehörschutz unterwegs sind. Verantwortungsloser Umgang mit der Gesundheit, obwohl die Technik sehr gute Schutzsysteme entwickelt hat.

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  6. “…wird der Warnton eben lauter und macht einen darauf aufmerksam…”

    We proudly present: DJ Spiderman
    the artist formaly known as Tanith
    ;)

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  7. bei mir ist der tinitus ploetzlich aufgetreten und wenn ich deine erfahrungen lese tanith, dann muss ich doch sagen das im gegensatz zu deiner vermutung der impakt auf die psyche auf diese weise eindeutig krasser ist. darueber hinaus kaempfe ich auch noch mit einer hyperacusis (geraeuschsueberempfindlichkeit), was mich in eine schreckliche zwickmühle gebracht hatte. ich konnte keine musik hoeren um den tinitus zu uebertoenen und hatte in der stille zwar erleichterung von der hyperacusis, war aber dann dem tinitus voll ausgesetzt. eine tiefe depression war die folge, eindeutig die schlimmste zeit meines lebens und nur langsam kaempfe ich mich da wieder raus. die hyperacusis ist am ende nicht real, sondern nur eine fehlerhafte interpretation von lautstaerke der synapsen im gehirn und an den tinitus kann man sich anscheinend wirklich sowas wie gewoehnen. dein text tanith, wird mir dabei auf jeden fall auch ein stueck weiterhelfen, danke!

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    • Muss ein Tinnitus über die Jahre schlimmer werden oder kann er auch ein Leben lang gleich bleiben…

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      • die Angst hat wohl jeder am Anfang, aber meiner ist z.B. ziemlich gleichbleibend, es gibt Zeiten da ist er mal stärker (Erkältung, Stress, Wetter) und dann gibt es Tage da nehme ich ihn gar nicht wahr. Je mehr man auf ihn hört desto stärker kommt er einem vor, also am besten gar nicht beachten :D

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  8. @DoctorBenway: Tinnitus vertonen? Ha, da würde ich meinem nick “herr der fiesen töne” aber wirklich alle ehre machen! :D

    @AnYanka: das was du hast ist eine vörübergehende überstrapazierung und gleichzeitig ein anzeichen dafür das du ein tinnituspatient werden könntest – wenn du bei zu hohen lautstärken eben nicht aufpasst. es gibt leute die sind da völlig unempfänglich, die können ihre ohren malträtieren und werden höchtens taub. da es aber bei dir klingelt, könntest du tinnitus kriegen.
    deine kollegin nimmt die sache in der tat zu ernst, ist ein teufelskreis, der alles nur noch schlimmer macht. die sollte mal ein paar wochen ans meer, das meeresrauschen ist die beste therapie die es dafür m.E. gibt, übertönt den tinnitus und die sich einstellende innere ruhe hilft dabei, sich mit dem tinnitus kommod zu machen. der alleine ist ja nur lästig und schränkt nicht ein, das kommt erst wenn man aus dem tinnitus ein thema macht, das dann in folge schon bis zu depressionen und psychosomatischen erkrankungen führen kann. um den tinnitus zu relativieren ist es ganz hilfreich zu sehen wie der auf einer tabelle der handicaps gelagert ist, was ist z.b. tinnitus im gegensatz zu einer amputation oder dem verlust eines sinnes? nüscht! nervig wenn man sich drauf konzentriert, aber fast unmerkbar wenn man ihn erstmal als begleiter akzeptiert hat

    @spacetramp: bei hyperacusis kann ich leider-oder besser zum glück- nicht mitreden, aber als ich den tinnitus realisierte war ich auch aus angst das er schlimmer wird verdammt empfindlich auf laute geräusche. mit der zeit merkte ich aber das das nur übervorsicht war.
    freut mich wenn der text dir hilft da rauszukommen, mehr kann man sich als schreiber ja gar nicht wünschen, ich drück die daumen! :)

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  9. Vielen Dank dass du dich dieses Themas angenommen hast. Auch ich lebe seit nun gut 2,5 Jahren mit dem kleinen Mann im Ohr. Bei mir fing das ganze nach einem Überseeflug an und begleitet mich seither. Ich hatte es bei einer Heilpraktikerin versucht von der mir wahre Wunderdinge berichtet wurden aber außer meinem Geldbeutel wurde nix erleichtert.

    Ich habe mich also zwangsweise damit arrangiert. Nervig ist es eigentlich nur wenn’s mal wirklich leise ist aber ich sehe das Ganze als Übung im Lockerbleiben. Ansonsten kann man ja nur durchdrehen und damit ist einem auch nicht geholfen. Ach ja und ich habe auch festgestellt, dass einem der Tinnitus eher zu schaffen macht wenn man Alkohol trinkt und dann in einer lauten Umgebung ist. Da wird’s mir manchmal tatsächlich “zu viel”, also so richtig mit körperlichem Unbehagen (hauptsächlich habe ich das Gefühl, die Lautstärke würde “weh tun”). Dagegen hilft dann eben nur ein frühzeitiges Nach-Hause-Gehen, aber irgendwann weiß man auch, dass man in einem Club nicht wirklich etwas verpasst wenn man nicht da ist ;)

    Was ich jedem nur dringend raten kann (ob du schon Tinnitus hast oder nicht): besorgt euch GUTE Ohrstöpsel. Ich will hier keine Werbung machen, aber es gibt eine Firma namens “elacin” die sich auf Musikerohrschutz spezialisiert hat. Die Dinger kosten einen Batzen Geld aber das lohnt sich. Damit hat man immer noch einen prima Sound (aber 25 dB weniger), die Teile sind so gut wie unsichtbar und somit kommt man sich nicht wie ein Depp vor. Und man muss wirklich auf nix verzichten, weil die Teile das gesamte Klangspektrum durchlassen, nur eben etwas leiser. Ich möchte die auf jedem Fall nicht mehr missen.

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  10. Letzte Woche gab es bei mir in der Nacht einen Riesenknall, als wäre grad meine Nachbarin explodiert und hätte die Wohnung in Schutt und Asche gelegt. Danach war alles normal, aber als ich 2 Stunden später wieder aufwachte, hörte ich auf der dem Knall zugewandten Seite wie durch Watte, wie unter Wasser, und im anderen Ohr machte sich ein Pfeifen breit. Am nächsten Morgen war zum Glück alles wieder normal, aber eine leichte Panik kam da schon auf.

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  11. Wirklich sehr gutes Thema und auch sehr gut darüber geschrieben. Ich hab zum Glück keinen Tinnitus. Ich muss nur so einmal im Jahr zum Ohrenarzt ausspülen lassen. Weiss aber nich ob das unbedingt mit lauter Musik zutun hat.
    MIr ist bisher aufgefallen, das Rockkonzerte meinen Ohren nicht so gut tun. Bei Techno ists ja oft eher der Bass der Drückt aber gerade die Gitarren oder vorallem die Hihats oder Becken beim Schlagzeug lassen meine Ohren wirklich manchmal ganz schön zirpen.

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  12. jo, gerichtete und ungerichtete frequenzen. höhen pieken wie nadeln in die ohren, der druck vom bass ist eher physisch und ruiniert die ohren eher weniger

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  13. @Tanith
    Ja, also versuch ein Track auf der Ebene, wir brauchen wieder mehr fiese Töne in dieser Welt. Etwas was einem den Vogel raushaut. Dafür ist elektronische Musik doch da !

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  14. Sehr schöner beitrag :) Wie immer ein vergnügen deine texte zu lesen.

    Im besonderen fühle ich mich angesprochen (da oft gewünscht) und auch als leid (wenn man von leid überhaupt sprechen kann) genosse find ich es toll, dass anderen dieses thema nahe gebracht wird. Ich selbst hab es auch, und wie im text auch geschrieben wurde, kann man die intensität fast an jahreszeiten und körperlicher verfassung fest machen. Daher freue ich mich schon auf dem sommer, da wird er erfahrungsgemäß leiser ;) Aber in den min. 20 jahren in denen ich das nun habe (bin selbst 26, also quasi mein leben lang) ich ihn akzeptiert als einen teil, evtl. ein vorteil den ich habe gegenüber den leuten die ihn erst spät “erwerben”.

    Was interessantes noch, mein tönchen im ohr klingt wie das fiepen eines eingeschalteten röhren TVs, wer so ein ding noch sein eigen nennt, der möchte es doch gerne mal testen. Überzeugte auf jedenfall den ein oder anderen meiner bekannten sein gehör zu schützen :)

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  15. die sollte mal ein paar wochen ans meer

    @tanith- witzig, dass du das sagst. wir wohnen hier direkt am meer:D

    bin auch schon vorsichtig geworden. hab die ohrenstöpsel eigentlich immer am “mann”, wenn ich weiß, dass es nachts lauter wird. aber es tut meinem bewegungsdrang doch einen abtrag, wenns nicht eindringend genug wummert- je weiter aus der tiefe und mit druck, desto besser. ab und zu muss mein hörgang da durch!
    ach und übrigens du “herr der fiesen töne”- tu` dir keinen zwang an! schräge tinnitus-simultan-mixe sind (bei mir jedenfalls) IMMER gefragt….

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  16. Nach mehreren kleineren Hörstürzen und Ohrengeräuschen, habe ich vor 10 Jahren angefangen, ganz bewusst und gesund zu konsumieren. Ich liebe Musik über alles und will auch im Alter noch gut hören. Ausserdem stehe ich mehr auf feine Details (höre mehr mit Kopfhörern, kaum Lautsprecher). Ohne Gehörschutz gehe ich nicht mehr auf Konzerte oder in Clubs. In-Ear Kopfhörer werden mit der geringst möglichen Lautstärke betrieben (beim ipod unterster 1/3 Lautstärkebalken). Jegliche laute Geräuschquelle versuche ich zu meiden (Verkehr, Silvester, etc.) Einen leichten Tinitus habe ich ab und an immer mal aber darauf reagiere ich sehr sensibel. Das ist wie so ein kleiner Kobold, der mir leise mitteilt: Hey, es reicht mal wieder! ;) Wer natürlich darauf nicht hört, muss fühlen. Es ist immer wieder toll, wenn man aus einem lauten Konzert kommt, macht die Stöpsel raus und hört alles ganz präzise. Früher hörte ich nur noch dumpf irgendwas und Gefiepe.

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  17. @flashfrog:

    Das mit dem Knall kenne ich :( Ab und an wache ich auch Nachts auf, weil ich denke das draussen ein Auto gegen ne Mauer geknallt ist aber es war nur in meinem Kopf. Danach habe ich dann so ein ganz leichtes hochfrequentes Pfeifen :( obwohl ich wochenlang nicht im Club war.

    Traurig ist, dass soviel noch unerforscht ist. Wenn ich schon immer lese: “man nimmt an…vermutlich…womöglich…wir vermuten…amerikanische wissenschaftler haben herausgefunden…”.

    Aber danke nochmal für Deine Ausführungen und das Thema, Tanith.

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  18. Hmmm… hab das Ding nun auch schon locker 10 Jahre. Der Witz war, dass ich Idiot bis ich mir wirklich nen Tinnitus holte, immer Ohrstöpsel dabei hatte. Das war dann an Silvester als ich 8h neben ner Box tanzte.

    Die ersten zwei Jahre waren ab-und-zu die Hölle (dachte „keine Stille mehr empfinden können!“), dann hab ich gelernt mich daran zu gewöhnen. Seitdem ist er „anders“ geworden (evtl. ein bischen zurück gegangen), und ab-und-zu gibt’s 2-3mal die Woche ein Lauten Fiepen für etwa 20-40sec das aber wieder vorbeigeht. Früher hatte ich da noch ‘n extremes „runtergehen“, wie wenn der Bass ganz tief runtergeht. Das gibt’s aber nicht mehr („Mini-Ohrsturz“?!). Beste Methode: einfach ignorieren.

    Das mit dem Knall hatte ich noch nie. Da bin ich mal froh. Bei mir ist es auch eher so wie ein TV-Gerät Oberton. Trotzdem fängt bei mir das Pfeifen schnell an. Bin seit dem Tinnitus empfindlicher auf den Ohren geworden. Ist aber wohl noch im „normalen“ Bereich.

    Noch ne kleine Story: Vor 4 Monaten dachte ich dass ich mir das Trommelfell oder was anderes zerstört hatte, als ich auf einer Seite praktisch Taub am nächsten Tag aufwachte (war vorher in einem etwas lauterem Café, im Club hatte ich Stöpsel drin).

    Wie sich nach dem Wochenende rausstellte, hatte ich es geschafft mit nem Ohrstöpsel Ohrenschmalz so reinzudrücken, dass es nicht mehr mit Wasser rausging. Der Doc kam dann mit nem Ohrenstaubsager an, und ich war praktisch ein neuer Mensch, da es von einem Moment auf den anderen weg war und vorher dachte: Ok, das war’s dann mit der Musik. Weiterleben will ich aber trotzdem, wenn auch auf ner Seite taub.

    Was lernt man daraus? Immer Ohren sauber halten, gut Ohrstöpsel verwenden (bei dem man mit Einsätzen die dB-Dämpfung regulieren kann und auch Hihats noch mitgkriegt). Und das beste an Ohrenstöpsel?

    Man kann auch vor ner 20kW Box stehen und sich einfach wohlfühlen :) Oder in nem schönen Ledersofa bei 130dB :)

    Aber mal schön hier so nen kleinen Erfahrungsaustausch zu haben.

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  19. Hallo! Hab mich gefreut, dass dieses Thema gewählt wurde. Bei mir ist es ähnlich wie bei Dir, ich hab keine Lust, im Internet nach Infos zum Thema Tinnitus zu suchen, da es mich nur noch mehr beunruhigen würde. Es wäre eher abschreckend. Aber in Deinem Bericht finde ich viele Ähnlichkeiten zu meinem Fall. Ich hab das seit 2 Jahren und ich bin glaube ich noch in der Phase, in der man sich dran gewöhnen muss. Aber inzwischen benutze ich das Geräusch auch als Pegel ob es mir gut geht oder nicht. Ich hab den Tinnitus nicht als Folge von Lärm, sondern bei mir kam das durch einen Hörsturz als Folge von Stress- soweit ich das beurteilen kann, einen anderen Grund habe ich noch nicht gefunden. Und ich merke, dass, wenn ich wieder viel Stress habe, mich das Geräusch viel mehr nervt und ich mehr dran verzweifle als sonst. Und wenn es mir gut geht, nehme ich es kaum war. Ausserdem messe ich, wenn ich wieder mal einen schwachen Moment habe, mein “Leiden” an anderen richtig schlimmen Leiden und kann mir dann sagen, dass es mich auch härter hätte treffen können.
    Was mich allerdings immer nervt ist die Reaktion anderer Menschen, wenn die hören, dass ich einen Tinnitus habe. Dieses “oh nein, wie schlimm” und “ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen als einen ständigen nervenden Ton im Ohr” mit dieser mitfühlenden Stimme ist für mich ziemlich taktlos. Man muss mir nicht noch unter die Nase reiben, wie ätzend das ist, auch wenn´s Anteilnahme ausdrücken soll.
    Ich hab die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben! Vielleicht kommt ja doch irgendwann die Rettung und jemand erfindet ein Mittel dagegen. Ich würde viel Geld dafür bezahlen (auch wenn ich´s nicht hab).
    Bei mir ist es übrigens ein polyphones Geräusch, was manchmal auf beiden Seiten zu sein scheint, was mir in den Momenten Angst macht. Weißt Du übrigens, ob man Hörstürze auf beiden Seiten bekommen kann oder ob immer nur eine Seite anfällig ist? Ein betroffenes Ohr reicht mir nämlich. Mein Arzt meinte, es wär im Normalfall immer nur die eine Seite, aber ich weiss nicht, ob er mich damit beruhigen wollte.
    Wind on und Kölle Alaaf!!!

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  20. HI. Aus aktuellem Anlass wollte ich mal fragen, hat sich von euch einer mal den Tinnitus messen lassen? Also wie hoch bzw wie laut er ist? Ich habs mittlerweile auch (mich störts aber nicht). Aber es geht um jemand anderes, und ihr gehts grade extrem schlecht.

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  21. Tinnitus messen lassen ist soweit ich weiß nicht möglich.
    Es wird eher der Frequenzgang des Hörapparats gemessen, Resultat ist eine freqzenzabhängiges Schwerhörigkeitsprofil, das bei den Frequenzen, die den individuellen Tinnitus bzw. dessen Geräusch ausmachen, entsprechend stark vermindert ausfällt.
    Typisch ist eine sog. Hochtonschwerhörigkeit, die sich bei z.B. S-Lauten (so ab ein paar Kilohertz) bemerkbar macht.

    Info mag nicht mehr aktuell sein, meine Messung ist ca. 15 Jahre her. Keine Ahnung, ob die Diagnostik da weiterentwickelt wurde.
    Die Therapiemöglichkeiten haben sich jedenfalls nicht signifikant verbessert.

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  22. ich denke man kann mit Masking schon recht nah rankommen an den eigentlichen Tinnituston, aber ob das eine richtige Messung ergibt? Und was hat man davon? Die Lautstärke ist doch sehr subjektiv, je leiser die Umwelt ist, desto lauter erscheint er einem

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  23. Naja, bei besagter Person wurde der Tinnitus wohl mit 45db gemessen. Einfach einen Ton solange laut machen, bis das Ohrgeräusch übertönt wurde.

    Und das mit den Therapiemöglichkeiten ist auch so eine Sache. Ich hab mir mal ein Buch gekuaft, wo einiges geschrieben wurde, was man machen machen kann, um vorallem selber damit klarzukommen. Aber wenn ich dann die Ärtzte hier sehe, wie die einen einfach abwickeln und alles auf die Psyche schieben. Das frustriert dann ja noch mehr.

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  24. ja, Ärzte, außer es sind Tinnitusspezialisten, haben da meist, als Nichtbetroffene, nur sehr theoretischen Kram drauf und das auf Psyche schieben macht’s natürlich vordergründig einfach, es aber dem Betroffenen nur noch schwieriger, bis zur Verzweiflung.

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  25. Ich hab meiner Freundin jetzt mal für nächste Woche mal nen Akupunkturtermin klargemacht. Da solls wohl gute Ergebnisse geben. Bei einigen Patienten ist er wohl ganz weggegangen und als er ein Jahr später nochmal wiederkam, sindse einfach nochmal hin für ein paar Sitzungen. Mal sehen was es bringt. Ich kann euch ja auf dem laufenden halten. Für alle die hier auch betroffen sind.

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  26. ja klar, und gute Besserung gewünscht! Noch ein Tip, möglichst viel raus in die Natur, hat mir immer am besten geholfen, zuhause wo man auf jedes Geräusch hört war die Hölle

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  27. @elekrtosandy:

    Also Ohrenschmalz kommt definitiv NICHT von Lautstärke o.ä., sondern ist eine normale Sache, allerdings produzieren die Leute unterschiedliche Mengen davon, je nach Veranlagung. Richtig, man hört irgendwann ziemlich schlecht, wenn es zuviel wird, oder weiter nach innen wandert (z.B. von Haare waschen). Deshalb richtig Ohrenarzt, ausspülen, fertig, völlig harmlos.

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