Das Booking aus der Hölle

Eigentlich hätte ich gestern im Schwäbischen auflegen sollen…eigentlich. Wieso es dann letztendlich nicht dazu kam und das man nach 20 Jahren im Business immer noch vor Überraschungen nicht gefeit ist,darum soll an dieser Stelle gehen.
Das Booking kam über eine Agentur mit der ich vorher noch nie gearbeitet hatte. Per Mail las sich die Kommunikation mit dem Booker auch ganz ordentlich. Die Gage war keine allzugroße aber auch nichts wo man nein sagen würde, plus Reisekosten stand da noch und ich gab zu verstehen, das er das gerne in die Wege leiten könne. Das war irgendwann im Dezember, im Januar kam dann die Nachricht, das der Vertrag unter Dach und Fach sei und man sich melde, wenn die Vorkasse angekommen sei. Alles schön soweit, dann hörte ich eine Weile nichts mehr und Anfang letzter Woche dachte ich dann wäre es soweit, das mal ein sogenannter Rider kommen könne, also so ein Schrieb mit allen relevanten Daten und, besonders wichtig, Reisedetails. Meine Erfahrung besagt, das wenn man so spät noch nix von diesen Reisedetails gehört hat, das da was vergessen wurde oder sonstwie hakt. Also rief ich an und fragte ob noch alles spruchreif wäre. Ja war die Antwort, alles sei im grünen Bereich die Vorkasse käme jetzt auch die Tage. Fein, sagte ich und fragte vorsichtshalber nach den besagten Reisedetails. Das wäre ja meine Aufgabe kam es da zurück, man hätte ja ein Bruttokomplettpaket für den Veranstalter geschnürt und da wären auch die Reisekosten drin. Dummerweise hatte dieses Bruttokomplettpaket ziemlich genau die Höhe der vorher genannten Gage, nur das jetzt die Mehrwertsteuer und die Reisekosten mit drin waren. Ich bemerkte dem Booker, das wenn das schon so der Fall sei, man mir das schon hätte sagen müsen, gerade auch im Hinblick auf die Reisekosten, Flüge so kurz vor dem Termin buchen ist schliesslich teuer, vor einem Monat hätte ich da vielleicht noch ja gesagt, weil es Flüge gegeben hätte, die nicht gleich meine Gage im Brottokomplettpaket um die Hälfte reduzieren. Ja wir müssen jetzt aufpassen das was von deiner Gage übrig bleibt, kam es aus dem Telefon zurück. Ich war prplex ob dieser Antwort und fragte vorsichtig nach, ob er tatsächlich glaube, das ich für ohne Geld da runterfliege? Ja, nein, das dürfe natürlich nicht passieren, er versuche mal ob er da noch was machen könne.
Am nächsten Tag war klar, er konnte nicht, das Paket war geschnürt, die Vorkasse aber noch nicht auf meinem Konto, ich hätte jetzt auch noch in finanzielle Vorlage gehen sollen um ein mittlerweile sauteures Flugticket nach Stuttgart zu erstehen. Plötzlich ging aber Fliegen sowieso nicht mehr, ich solle doch mit dem Zug fahren, der Veranstalter hätte leider keinen Abholer und das käme ja vielleicht billiger. Obwohl es mir da schon reichte (eigentlich reichte es mir schon seit der Aussage das man aufpassen müsse das etwas von der Gage übrig bleibt), recherchierte ich den Preis, der etwa 100 Euro billiger als der Flug gewesen wäre- nur das ich über 7 Stunden im Zug gesessen hätte und auch noch in Stuttgart hätte umsteigen müssen, wohlgemerkt für fast keine Gage! Ich erklärte der Type, das er das jetzt wohl vergessen könne, unter den Konditionen wäre ich nicht bereit das auf mich zu nehmen. Er bot an seine Bookinggebühr dazuzulegen, die aber den Kohl nun auch nicht gerade fetter machte. Am nächsten Tag dann ein erneuter Anruf von ihm, ob ich mir das jetzt überlegt hätte. Ich sagte ja vorher schon, zu diesen Konditionen sei das nicht möglich.
Ich dachte mir es wäre nun mal an der Zeit den Veranstalter persönlich zu kontaktieren, denn irgendwo war da der Wurm drin und ich wollte ihm mitteilen, das ich unter diesen Voraussetzungen nicht gewillt wäre zu kommen. Am Telefon erreichte ich ihn nicht, also schrieb ich ihm eine Mail.
Einen Tag später dann wieder der Booker, der war nun völlig aus dem Häuschen, so ein Geschäftsgebahren sei ihm noch nie untergekommen und was ich mir von dieser Mail verspräche, mehr Geld am Ende? Ich erklärte ihm, das es für mich völlig selbstverständlich sei, wenn mir etwas nach Kommunikationschaos vorkäme, auch persönlich mit der dritten Partei in dem Deal Kontakt aufzunehmen. Das sei doch von vornherein alles klar gewesen, genauso hätte er mir das in den Mails beschrieben und ich rechnete ihm nochmal vor wie sich der Deal in meinen Augen verschoben hätte. Er rechnete dagegen, das wenn er seine paar Bookingkröten dazuwerfe doch alles cool sei und zumindest die Mindestgage gewährleistet sei. Ich machte ihn darauf aufmerksam das das eben bei den nun exorbitanten Reisekosten nicht hinhauen wird und er da die Mehrwertsteuer auch noch vergessen habe. Nun wurde es gänzlich schräg, er könne doch nichts für meine Steuer und auch nichts zu meiner Emailsortierung, denn da stünde doch genau dieser Deal drin. Nochmals: würde der so da drin stehen, wären wir gar nicht an dieser Stelle, denn ich hätte von vornherein abgelehnt.. An solche Bruttokomplettpakte hätte ich mich zu gewöhnen, das würden jetzt immer mehr so machen und ich sei ja kein Stardj mehr, bekam ich nun zu hören. Ich sagte ihm noch, das ich schon gut verstehe, das man als Booker zwischen den Stühlen sitzt, wenn ich aber das Gefühl habe, das dem Booker der DJ scheißegal ist und man mir weißmachen wolle das irgendwelche Bruttokomplettpakete der neue Deal seien, bei denen ich am Ende der Depp bin, dann kämen wir da definitiv nicht zusammen und dies wäre das erste und letzte mal einer Zusammenarbeit gewesen. So ein Diletantismus war mir seit mindestens 10 Jahren nicht mehr passiert, aber er verstand immer noch nicht, oder wie darf ich sonst die neuerliche Frage verstehen, die ich tags zuvor schon beantwortet hatte: ob ich jetzt endlich mal definitiv sagen könne, ob ich das Booking wahrnehme oder nicht. Natürlich nicht!
Kurz darauf rief der Veranstalter an und ich erklärte ihm den ganzen Schlamassel. Er verstand und wir versuchten noch gemeinsam zu retten was zu retten ist, nur dummerweise war es mittlerweile Freitag und abgesehen davon das nur noch Flüge zu völlig irrwitzigen Zeiten wie 8:00 morgens hin und Sonntag ab 18:00 zurück zu kriegen waren, waren die Kosten nun nochmal gestiegen, unter 450 Euro ging nichts mehr. Beide mußten wir feststellen, das da offensichtlich nichts mehr zu machen ist und cancelten den Gig schweren Herzens endgültig. Blöd halt nur was ich sinnloser an Zeit und Energie für einen Gig verschwendet habe, der dann letztendlich doch nicht klappte. Aber noch ärgerlicher ist es, das nun ein Veranstalter bereits Geld für Plakate und Plakatierung gelatzt hat, ohne das der DJ am fraglichen Abend da ist.

Kommentare (14) Schreibe einen Kommentar

  1. Respekt! Ich hätte in dieser Situation sicher nicht so lange Geduld gehabt, sondern dieses Ding schon wesentlich früher in die Tonne getreten.

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  2. “…So ein Diletantismus war mir seit mindestens 10 Jahren nicht mehr passiert..”

    was ich so mitbekommen habe: die seite der veranstalter schlägt sich ziemlich oft damit rum, zumindest was die “(vor)verhandlungen” betrifft. da werden termine durcheinandergebracht. da wurden auch schon mal emails mit gagen-infos an den falschen verschickt. usw.

    nette anekdote die diesen diletantismus unterstreicht:
    veranstalter x möchte künstler y buchen; agentur sagt nein (eher unbegründet, termine waren frei ect.), bietet aber einen anderen künstler z an, der beim veranstalter auch ins konzept passt. vertrag wird geschlossen usw. ein paar tage später anruf bei veranstalter x von der agentur: künstler y geht auf tour, ob er den nicht buchen möchte….

    solche und ähnliche geschichten passieren dauernd.

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  3. @Black Rain: definitiv inkompetenz muß ich nach all meinen Recherchen konstatieren und ich glaube alles nahm seinen anfang damit, der der knabe die reisekosten vergessen hatte. jedenfalls meinte er zum veranstalter, ohne vorherige rückfrage mit mir, das ich wohl mit dem auto käme oder den zug nehme. aber auch dann wäre dieses omiöse bruttokomplettpaket viel zu klein geschnürt gewesen.

    @M: übr die jahre lernt man in diesem bizz geduld zu wahren und auch die abstrusesten dinge mit stoischer ruhe zu ertragen, sonst dreht man durch ;)

    @quinto: ist das tatsächlich immer noch so? ich dachte da hätte mittlerweile eine bereinigung auf dem markt stattgefunden. es gibt ja wirklich sehr professionell arbeitende agenturen, dafür aber auch mindestens ebensoviele wo irgendwelche kumpels und exfreundinnen von djs arbeiten und für die ein booking hauptsächlich das einstreichen der bookinggebühr bedeutet. ach, ich könnte da auch ellenlang geschichten erzählen….

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  4. Wieder mal eine lustige wenn auch nervenaufreibende Geschichte. Da kann ein ja das Partyvolk leid tun, die kommen dann und kein Tanith legt auf. Also ick wäre janz schön sauer. Mein Fazit “Stümperei”

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  5. @PrinzMike: das wäre in spaichingen gewesen, leider ein offenbar sehr guter club, nach allem was mir kollegen darüber erzählten und auch der veranstalter schien mir kompetent und freundlich.

    @Maff: jo, irgendwie auch lustig, aber halt auch ärgerlich wegen der verplemperten zeit und der verlorenen kohle des veranstalters, aber die argumentationskette des möchtegernbookers war’s auf jeden fall wert der nachwelt erhalten zu bleiben :lol:

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  6. ne, wenn du “star” wärst, dann hättest du einen unverschämten bookingvertrag aufgesetzt, der, mit verlaub, lächerliche brutto- komplettpakete bei W E I T E M in den schatten stellt:
    zur (er)klärung: die künstler sollten als “duo” kommen….

    -komplettes wellness- programm, inklusive verpfelgungs-pauschale (im Wert von 35EYPO p.P.).
    sollte das essen nicht genehm sein (stör- eier und canadischer wildlachs, sowie seranoschinken sollten`s schon sein-((witz)) ), dann jibbet die kohle cash uff tatze- SIIIIIIIISCHA!

    - doppelzimmer (nicht ungewöhnlich, aber sicherheitshalber mal erwähnt- idioten wie wir hätten sicher auch alle zusammen in die besenkammer gepfropft ;-) ) (Hotel: mindestens 4Sterne, besser 5)

    -10 GL- Plätze PRO DJ wären ja wohl drin!!??(sollten ja zu zweit kommen)

    -ach ja, und den abend über würden wir uns natürlich freuen, wenn wir noch die andere wange hin halten dürften und dem “DJ- Team” (plus bagage) die getränke komplett erstatten.

    -bei nicht einhaltung einer JEDEN der vertragsbedingungen wird eine straf- summe von satten 1000 Euro fällig

    als mir genau diese stelle vorgelesen wurde hats mir die schuhe komplett ausgezogen. HA HAHA!

    DAS sind anscheinend die neuen geschäftsgebarden- so erst kürzlich erlebt…mir fällt selten die kinnlade runter, aber diese agentur hats geschafft. und wir sprechen hier nicht von künstlern wie jeff mills, sven väth, kalle cox oder sont welchen schicko-macko- mokels!!

    Ps: UND ICH BEKENNE MICH HIERMIT SCHULDIG- ich habe einen (oder zwei oder drei) Fluch (Flüche) auf diesen Freak ausgesprochen, der sich diesen dünnpfiff ausgedacht hat….erklärt so einiges!!

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  7. Harter tobak, habs bei uns mal rumgereicht (chef sagt, pflichtlektüre *gg), ziemlich unverständlich sowas.

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  8. meiner persönlichen erfahrung nach haben viele booker keine ahnung von ihrem job. ich bin aber vielleicht auch zu anspruchsvoll.

    es gibt booking agenturen, von denen ich definitiv nichts mehr buche, schließlich bezahle ich mit der booking fee denen geld für einen service, leider wird man von der anderen seite gerne lieber als bittsteller gesehen, der erstmal demut zu zeigen hat. schade ist, daß die agenturen zum teil gute künstler vertreten. aber alles hat seine grenzen.

    wie mal eine bookerin zu mir sagte: “auf emails antworte ich nicht und zum telefonieren habe ich auch keine zeit! melde dich irgendwann noch mal.” ich wollte schon eine postkarte schreiben und frage mich bis heute, wie andere veranstalter den betreuten dj gebucht haben, vielleicht per einschreiben oder singendes telegramm, wäre zumindest mal originell, aber als ich sie dann doch noch mal ans telefon bekommen habe, war sie ihren job auch schon wieder los.

    auch schön, wenn einem der booker sagt, er hat keine zeit, sich um dates für den künstler zu kümmern, den er vertritt. erkennt hier noch jemand einen widerspruch?

    gerne gesehen auch deutsche verträge für internationale künstler und umgekehrt. ich scheine oft der einzige zu sein, den es interessiert, wenn er sachen unterschreiben soll, die einfach unsinn sind (als stichwort hier mal die umgangsprachlich so genannte “ausländersteuer”).

    ja, booking ist ein geschäft, und ja, man darf trotzdem noch höflich und freundlich zueinander sein, auch wenn man nun plötzlich booker geworden ist.

    aber es ist schön zu wissen, daß es auch anders geht. am schönsten ist es auf einer vertrauensbais anzukommen, wo ein telefonat reicht, das date ist klar und ein schriftlicher vertrag wird nicht gebraucht.

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  9. @dipol: wenn es die bookerin ist, wo ich denke das sie es ist – und es kann da eigentlich auch nur eine geben: da hat sich wohl jeder schon drüber aufgeregt, der aus diesem rooster buchen wollte… viele habens dann einfach seingelassen. aber die haben sich ja aufglöst, oder heißen jetzt anders, oder so.

    aber es gibt auch positive beispiele, wo das alles richtig gut funktioniert. muss man auch mal ganz klar sagen.

    nur, irgendwie hört man vermehrt – gerade bei den “(ganz) großen” namen – davon, dass der veranstalter rübergeben soll, wieviel er für dj xy ausgeben will. was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht. dadurch entsteht nämlich der eindruck: wer am meisten zahlt, bekommt den act… was ja irgendwo legitim ist, aber auf der anderen seite einen faden beigeschmack erzeugt.

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  10. Ich bin da gewesen, weil ich zufällig in der Gegend war… überall im Soho (kannte ich bis dahin noch nicht) hingen weiße DIN A4 Blätter mit einer Mail, dass Tanith nicht kommt.
    Ziemlich frustriert an der Bar (da ich weitere 5 Leute mit reingezogen hatte) habe ich dann einen Flyer “mißhandelt”. Die Tussi hinter der Bar hat mich dann gefragt, was das denn soll, woraufhin ich meinem Unmut kund tat…”die Flyer seien nicht aktuell!!!” :(
    Sie wußte selbst am entsprechenden Abend nicht dass der Deal geplatzt war…

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf demnächst mal wieder einen Gig in meiner Nähe miterleben zu dürfen… (München wäre nicht schlecht *zwinker* *zwinker* ;o)

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