Denon SC 5000 CDJs und X1800 Mixer

DenonSetup
Der Hingucker der diesjährigen NAMM war sicherlich der Denon DJ Prime 4, welcher nochmals verdeutlicht, welchen Vorsprung Denon mittlerweile vor dem Marktführer hat. 4 Decks, ein Multitouchdisplay das diesen Namen auch verdient in einem Gerät und von den Funktionen her fast identisch mit einem Setup aus zwei SC 5000 CDJs plus dem X1800 Mixer. Dieses Setup habe ich seit geraumer Zeit hier zuhause zu stehen und ziehe es den Pioneers um Längen vor, das hat Gründe. Was ich z.B. gar nicht ab kann ist dieses ewige Gescrolle am Drehpoti bei langen Playlists, das hat mich schon immer genervt und mich dann doch lieber Traktor nehmen lassen. Bei den Denons mit dem zudem größeren und helleren echten Multitouchdisplay reicht ein Fingerschnipp um vom einen zum anderen Ende der Playlist zu gelangen, Schnipp nach rechts befördert den Track in den Player, Schnipp nach links in die Preparationlist, eigentlich genau so wie man das 2019 erwartet. Dennoch können sich auch Nexusgewohnte sehr schnell zuhause fühlen, den der Scrollbutton und die dazugehörigen Buttons zum laden und in den Playlists zu navigieren sind dennoch da und zwar an der gleichen Stelle. Aber dem nicht genug, erhält man für den Preis eines halben Nexus Players gleich zwei Player, da man zwischen zwei Layern umschalten kann, die jeweils auch eigene Ausgänge zum Mixer haben, so das man theoretisch auch mit einem Player schon zwei Decks parat hat. Erkennbar welches Deck gerade im Vordergrund und somit bedienbar ist, zeigt sich in der Farbe des Jogwheels. Auch die Farben sind dabei frei wählbar. Apropos Jogwheels, der Unterschied zwischen den Jogwheels von Pioneer und Denon ist wie Trabi vs. Mercedes. Auf der einen Seite ein klappriges Plasteding, das zwar seinen Zweck erfüllt aber mehr auch nicht, gegen ein smooth drehendes schweres Rad, das, nicht nur wegen der Vinyloberfläche, an den guten alten 1210er erinnert und in der Mitte noch ein Display für Coverart und die wichtigsten Infos, wie Looplänge, parat hält. Damit hören die Designfeinheiten aber nicht auf, wobei angenehmerweise die Form der Funktion folgt.
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So ist z.B. der Einschub für den USB Stick an der Vorderseite angebracht, so das ihn Witzbolde nicht im laufenden Betrieb abziehen können. Der ein oder andere mag nun vielleicht ungläubig lachen, aber passiert. Wäre hier aber auch weniger tragisch, weil der Buffer den kompletten Track speichert, so das bei Verlust nicht gleich Havarie angesagt ist. Ich ziehe auch gerne mal zur Verwunderung im laufenden Betrieb den Stecker, das Ding läuft dann nämlich erstmal 20 Sekunden weiter, bis alles runter gefahren wird, was dafür sorgt das der Stick das überlebt. Zuerst muß man sich wohl an das viele Gelichter der SCs gewöhnen, dürfte aber schnell passieren, denn gerade in der meist dunklen DJ Booth sind so sämtliche Bedienelemente schnell gefunden, ein CDJ daneben wirkt da schnell schal und funzelig.
Ich bin jemand, der neben Loops sehr auf seine Cuepoints angewiesen ist, von daher bin ich bei den Denons ziemlich schnell zuhause gewesen, denn die 8 Cuepoint Pads vom Traktor finden sich dort wieder, im Gegensatz zu den 3 stiefmütterlich untergebrachten der Pioneers. Diese fungieren ebenso als Loop-, Roll- und Slicetrigger, also ebenso wie man das von modernen Controllern gewohnt ist.
Wenn wir schon bei Controllern sind: Wer mit der Native Instruments S4 MK III unterwegs ist wird sich sofort heimisch fühlen, die zusätzliche neue Effektsektion bei den Filtern findet sich nämlich in ähnlicher Form auch auf dem X1800 Mixer wieder und nennt sich hier Sweep FX. Dazu kommt die übliche, synchronisierbare, Effektsektion mit kleinem Kniff. Die Effekte lassen sich via Touchstrip beleben und das Schmankerl an der Sache ist, der FX Frequency Button, mit dem man das Frequenzband bestimmen kann, auf welchem der Effekt wirkt, sehr passend für Delays und Reverbs.
IMG_4515Mein Favorite ist da der Beatbreak Effekt, bei dem man mit dem FX Time Button darüber die Patterns des Gates einstellt, auch die Patterns lassen sich editieren, aber schon die Presets bieten gute Standards. Der X1800 ist sicher kein Model One Killer, aber ein gutes Workhorse das perfekt mit den SCs harmoniert und auch Allen & Heath oder Pioneer User zufrieden stellt, was Auswahl an Effekten, Bediengewohnheiten und Ergonomie betrifft. Einziges Manko das ich sehe ist, es gibt zwar 2 USB Schächte aber keiner davon eignet sich um einen einfachen Stereomix auszugeben. Die eingebaute Audiokarte kann zwar Serato und die Ausgabe des Audiosignals in Spur pro Deck, die man dann im Audioeditor der Wahl zu einem Stereomix zusammen setzen kann, aber eben nicht den Master rausgeben, dazu benötigt es einen Recorder an einem Out des Mixers. Das hingegen kann wiederum der Prime 4 und ansonsten sind beide Systeme nahezu identisch, so das man mit dem ca. 1600 € teuren System für zuhause locker auch mit dem Club Setup, das ich hier stehen habe ,zurecht kommt, well done Denon!
Aber so eine Software getriebene Maschine steht und fällt natürlich mit der ihr zuliefernden Engine und die heißt passenderweise Engine Prime. Hiermit kann man, ähnlich wie in Rekordbox, die Tracks mit Grids und Cues, Metadaten usw. bearbeiten um sie dann auf einem Medium der Wahl in den Player zu füttern. Engine Prime liest sowohl Traktor, Serato und Rekordbox Playlisten samt Cues ein, ein Alleinstellungsmerkmal das ich sehr begrüße, sind doch die Wege z.B. Traktor Playlisten in Rekordbox zu kriegen nur über Drittanbieter mehr oder weniger klobig zu realisieren. Heißt also, egal auf welchem System man sonst zuhause ist, Engine Prime liest es ein und macht es sich zu eigen. Sogar ohne vorherige Konversion liest ein SC5000 allerdings auch Rekordbox Sticks ein, lediglich auf die Cues und vorherige Analyse muß man in dem Fall verzichten, aber Playlisten werden erkannt, lassen sich selektieren und abspielen.
Noch zu erwähnen sei, das die Denon’s sich mit diverser VJ Software sehr gut verstehen, so das man mittels der Controls die Visuals auch kontrollieren kann, ich hefte dazu noch unten ein Video dazu. Ich selber habe mich da noch nicht rein getan, ist aber durchaus etwas was ich gerne mal austesten würde.
Meine Begeisterung für die Denons reicht soweit, das ich sie fortan auf meinen Techrider schreibe und zumindest in Berlin sollte in naher Zukunft in fast jedem Club ein System stehen. Ich empfehle wirklich die Dinger mal auszuprobieren. Ich prophezeie, nach kürzester Einarbeitung will man nicht mehr zurück.

Hier nochmal das Multitouch Display in all seiner Schönheit:

Denonscreen

und was man mit Video so machen kann:

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Top! Kann ich genau so unterschreiben.
    Noch ein Punkt: Auch klanglich trennen X1800 und Pio Nxs Welten! Denon klingt erheblich differenzierter und hat merklich mehr Headroom. Ganz deutlich vor Pioneer.

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    • Hallo Ihr zwei Denon Liebhaber,

      schön zu hören, dass Ihr mit dem günstigen Nischenprodukt so zufrieden seid. Andere Tester die wohl keine Provision erhalten bemängeln allerdings das Jogwheel:

      “Äußerlich gut aussehend muss man sagen sind die Geräusche und die Bewegung etwas befremdlich. Es knirscht und quietscht, man spürt, dass mechanisch Plastik in Bewegung gesetzt wird, um die Einstellung zu tätigen. So richtig vertrauenerweckend ist das nicht.”
      Quelle: https://www.amazona.de/test-denon-dj-sc5000-prime-dj-player/2/

      Außerdem stellt sich die Frage wie der CD Player mehr Headroom erzeugt. Dieser ist beim produzieren relevant, der Player kann diesen aber nicht beeinflussen lieber Harry.

      Der Frequenzbereich beim Pioneer CDJ 2000 Nexus 2 ist deutlich größer
      4Hz- 40000Hz hat Nexus und Denon 22Hz – 22000Hz. Da kommt man schon ins grübeln weshalb der Sound hier differenzierter ist.

      Nunja, die 50 prozentige Preissenkung in den USA lässt bereits erahnen wie DJs und Clubs weltweit denken… Auf eine Preissenkung beim Nexus warten wir bislang vergeblich.

      Den CDJ 2000 gibt es fast 10 Jahre, so lange kennen und nutzen DJs weltweit diese Player. Ein wechsel im Club scheint hier so unnötig wie der Tausch eines Technics MK5 gegen den Reloop Turntable mit stärkerem Motor.

      Meinungen gehen auseinander, ich hoffe ihr erhaltet eine Provision die es wert ist 99% aller DJs vor den Kopf zu stoßen.

      Würde ja gerne ma ein Set von Tanith sehen das er auf nur einem Denon Player spielt. Dj Legenden haben auf 4 Turnies gespielt, Tanith braucht nur noch einen Denon.

      Grüsse
      Peter

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      • die Jogwheels sind im Vergleich zu den Pioneers wie Mercedes (Denon) vs. Trabi (Pioneer), da steh ick zu. Dieser schabende Plaktik Frisbee ist wirklich kein Vergleich zu den Jogwheels des Denon’s. Bevor ich da irgendwelchen Test Glauben schenke probiere ich das lieber selber aus. Die beiden Sets aus dem Suicide hier letztens sind übrigens komplett auf den Denons gemixt

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        • BTW werden in dem Test nicht die Jogwheels bemängelt, sondern die Potis zur Widerstandseinstellung:
          “Das Jog-Wheel überrascht tatsächlich zusätzlich sehr positiv, hier wackelt nichts, es läuft einwandfrei und fühlt sich gut an – auch aufgrund der Aluminium-Oberfläche. Good job!
          Nicht so schön finde ich allerdings das Poti zur Einstellung der mechanischen Sensibilität. Äußerlich gut aussehend muss man sagen sind die Geräusche und die Bewegung etwas befremdlich. Es knirscht und quietscht, man spürt, dass mechanisch Plastik in Bewegung gesetzt wird, um die Einstellung zu tätigen. So richtig vertrauenerweckend ist das nicht.”

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  2. Wem oder Was nützen 40kHz? Allenfalls Fledermäusen.
    Alles, was ich geschrieben habe, würde ich heute immernoch genau so unterschreiben.
    Ich persönlich hatte bis heute noch nie irgendwelche Probleme, weder mit den Jogwheels, noch mit sonst etwas.
    Ich weiß, es fällt Pioneer-Jüngern echt schwer aber ich persönlich (!) halte den SC5000 für das qualitativ und klanglich erheblich bessere Produkt.

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