Thema der Woche 33: Tanith und die Mayday

Zur Mayday kam ich damals wie von selbst, ich hatte mit Frontpagemacher JL das Label Bash am Start und JL bandelte zu der Zeit schon intensivst mit Low Spirit, dem Veranstalter der Mayday an. Damals führte aber auch kein Weg an mir vorbei, wenn die Sache amtlich sein sollte und zudem noch in Berlin stattfand, dann wäre es ohne mich nicht authentisch gewesen, ohne mich da jetzt überhöhen zu wollen. Man bedenke, es war Ende 91, so viele von uns gab es da noch nicht und wir befinden uns in einem ziemlich ereignisreichen und weichenstellenden Jahr für Techno, Berlin und auch beidem zusammen. In diesem Jahr hatte der Tresor aufgemacht, der Planet, der Walfisch, die Loveparade hatte erstmals echten überegionalen Charakter und auch medienmäßig voll reingeschlagen. Techno war gerade auf allen Kanälen und für die vielen Veränderungen in Berlin war Techno der Soundtrack der Stadt geworden. Mit der Loveparade und den Tekknozidraves von Wolle war auch schon die Marschrichtung vorgegeben, was für Dimensionen das annehmen könnte.
Mit den Tekknozidraves hatten wir bereits seit Anfang 90 zunehmend einen Rave installiert, der anfänglich im Haus der jungen Talente stattfand und innrhalb von 3 Veranstaltungen zu klein wurde, wir waren von ca. 500 auf 1500 Besucher angeschwollen, wechselten in den Prater und dann in die Elektrokohle Lichtenberg um den Ansturm aufnehmen zu können. Ich weiß nicht wieviele es am Ende dort waren, aber über 2000 dürften es sicher gewesen sein. Sowas weckt natürlich Begehrlichkeiten an anderer Stelle und es dauerte nicht lange bis ein gewisser Westbam Wolle fragte ob er nicht auch mal auflegen könne. Wollten wir damals aber alle nicht, weil schon damals zwei völlig unterschiedliche Konzepte, Ansätze und Denkweisen. Als ich mit dem Cyberspace im UFO anfing hatten die mich noch mitleidig angelächelt als ich mein Konzept einer Mischung aus Acid, EBM, Industrial und New Beat erklärte und mit auf den Weg gegeben, das ich damit keine 200 Leute in Berlin hinter dem Ofen vorlocke. Deren Prinzip war die Masse zu wollen, diese aber nicht zu überfordern und mittels einer Mischung aus eher mainstreamigem mit House und auch Techno aufgelockert allmählich an Techno zu gewöhnen. Bestes Beispiel dafür war ein früher Flyer von Low Spirit zu einer ihrer Parties mit dem Hinweis “100 Liter Freibier!” Meine Maxime war war da eher”Bin ich zu hart, bist du zu weich”. Ich hatte nix gegen Polarisierung und wer mit meinem Kram nix anzufangen wußte hatte eben Pech gehabt, war mir egal. Umso schöner dann halt, wenn das eigene Konzept die Leute zieht und die Profitgeier plötzlich begehrlich um einen kreisen.
Natürlich bleibt so eine Absage nicht auf sich beruhen, Low Spirit strickte fortan an einem Gegenkonzept, damit ihr Aushängeschild Westbam auch so eine Bühne hat, schliesslich sollte er ja die Nr.1 in dem Zirkus sein und bleiben. JL erzählte mir, das man zur Rettung des Senders DT64, wo Marusha eine Sendung moderierte und der gerade abgewickelt wurde, sowas wie eine Soliparty steigen lassen wollte, die Ravecharakter haben solle, mit vielen Internationalen Gästen und- in der Halle Weißensee. Da war unsere nächste Tekknozid auch anberaumt und die Mayday sollte in der Woche darauf stattfinden. Fand ich zwar komisch riechend, aber die Halle Weißensee war ja in diesem Jahr auch schon Austragungsort der Loveparade und von daher keine Technojungfrau mehr. Im Strudel der Ereignisse dieses Jahres erschien es mir auch nicht abwegig, das zwei Raves nacheinander funktionieren könnten. Im Gegensatz zu Wolle, der aus allen Wolken fiel als er davon Wind bekam und insbesondere das ich auf dem Lineup stand. Wolle’s Konzept für diese Tekknozid war es zig Liveacts aus Deutschland mit uns Resident DJs zu mischen unter anderm war Thomas P Heckmann mit Exit 100 am Start. Das Lineup der Mayday wurde aufgrund der geballten Kontakte von Frontage und Low Spirit immer dicker, alles mit Rang und Namen war vertreten und jeder wollte dahin. Dagegen stank die Tekknozid nun nicht mehr an und entsprechend gefloppt war dann die Veranstaltung selber, es war nicht leer, aber bei weitem nicht das was man von den Malen zuvor erwartet hätte. Wolle danach natürlich total geknickt und Tekknozid Geschichte.
Die Mayday in der Woche darauf war legendär, zwar noch ziemlich desorganisiert hinter den Kulisen und an der Tür, aber ein voller Erfolg. In einer aus den Näthen platzende Halle Weißensee pläsentierte die Creme de la Creme der damals angesagtesten und bekanntesten Acts wie Sven Väth, Frank de Wulf, Mate, Rok, Speedy J und Hypnotist spielten auf und entsprechend euphorisch ging’s zur Sache. Ich lernte sogar Rainald Götz auf der Traverse über der Bühne kennen, also da wo die Lichter angebracht waren, weil wir beide druff waren und mal kurz aus der brodelnden Masse rauswollten, die sich mittlerweile auch hinter die Absperrungen breit gemacht hatte. Der einzige Weg da raus war eben nach oben und wir beide hatten da wohl zur gleichen Zeit die gleiche Idee und ch fand’s total toll den von mir so geschätzten Schriftsteller da oben genauso druff wie ich zu treffen und kennenzulernen. Auch wenn mir das Desaster von Wolle nach wie vor Leid tat war ich doch froh bei der Mayday dabeigewesen zu sein, es war ein ziemlich geiles einschneidendes Erlebis.
Nicht minder erlebnisreich verlief die zweite Mayday in Köln für mich, ich reiste total vergrippt dort an und konnte mich nur mit totalen Überdosen von Grippemittel kommunikationsfähig halten. Ich kam recht früh an und vertrödelte meine Zeit in der noch leeren Halle wo auch noch andere Berliner, Künstler und Anhang die Zeit verbrachten. Wen man nicht kannte lernte man kennen und neben GTO lernte ich weite Teile der Frankfurtfraktion kennen, die mir dann sogar noch eine streng limitierte Delirium Frankfurt Jacke zu dem Ereignis überliessen, so dicke konnte man da mit Leuten werden. Das Lineup war im Gegensatz zur ersten Mayday nochmal ziemlich gewachsen, sogar ein Aphex Twin war für ein Liveset gekommen. Sein Equipment schwer bewacht, weil es ja hieß das er nur customised Equipment benutzt, veränderte Synthesizer und selbstgebastelte Sampler, so’n Kram. Um so spannender fand ich es dann in einem unbesichtigten Augenblick mal das darübergelegte Laken zu lüpfen und umso enttäuschter war ich als ich da einen Juno mit lediglich zwei oder drei nachträglich eingebauten Kippschaltern sah.
Mein Set ging runter wie nix, die Halle tobte und ein Sven Väth nach mir hatte dazu noch den Vorteil des Sonnenaufgangs für sich. Von meiner Grippe merkte ich zu dem Zeitpunkt gar nix mehr, das kam erst wieder in den Folgetagen, als ich noch auf der Frankfurter Omni und in Wiesbaden auflegen sollte und danach der Fluglotsenstreik dafür sorgte das meine Heimreise nochmal einen Tag auf sich warten liess, aber das ist eine andere Geschichte.
Die nächte Mayday war dann wieder im Dezember und man hatte beschlossen die Wintermayday immer in Berlin abzuhalten und die Frühjahrsmayday sollte ursprünglich durch die Städte wandern, blieb dann aber doch in Dortmund. Die folgenden Maydays waren für mich zwar immer noch toll und ich war nach wie vor gerne dabei, beinhalteten aber nicht mehr solch historische Momente wie die ersten beiden. Irritierend für mich wurde es erst so ab 94, es gab meiner Meinung nach inzwischen blöde hierarchische Aufteilungen bei der Verteilung der DJs auf die Floors, zudem vergrätze mich persönlich der Umgang mit mir, ich kam mir zunehmend wie ein Blinddarm im Gefüge dort vor. Zwar noch gut dazu als Undergound- und damit Authentizitätsmaskottchen zu dienen, aber ansonsten behandelt wie der letzte Depp. Man fragte mich nie nach Beiträgen für die jeweilige Compilation, womit die meisten Artists mehr Kohle machten als mit der eigentlichen Gage, die gar nicht so riesenravelike war, wie man vielleicht denken mag. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, das damals eine Compilation für Minigagen kompensiert hat! Weiterhin rückte meine Playtime von mal zu mal weiter nach hinten, aufällig oft nach 6:00 wenn nicht mehr in TV und Radio übertragen wurde. Eigentlich der Platz für Experimente, Rausschmeisser und Newcomer, aber nicht für jemanden er als Resident geführt wird. Meine Unmutsbekundungen diesbezüglich wurden mit einer Zynik erwidert, die ich aus dem Hause leider jetzt schon lange gewohnt war. Mir ging der ganze Zinnober irgendwann gehörig auf die Nerven und die Webung dafür erreichte eine Dämlichkeit, die der für die Loveparade in nichts nachstand. Auf dem Flug zur meiner vorletzten Mayday fand ich dann noch einen völlig überflüssigen Flyer in dem der Koksgrößenwahn dann in seiner ganzen Peinlichkeit herausschrie das die Dortmunder Westfalenhalle in Zukunft zu klein sein könne, der Konsument aber keine Angst haben brauche, man plane dann den Bau des Mayday Doms. Die Postulierung der Raving Society zur gleichen Zeit und der Auftritt von Westbam und JL beim Heißen Stuhl hatten ja schon traurige Meilensteine der Entropie gesetzt, aber da wurde mir das alles wirklich zu dämlich, ich wollte damit nichts mehr zu tun haben, geschweige denn damit indentifiziert werden.
95 war’s dann soweit, ich beschloss der Farce ein Ende zu bereiten indem ich mein Abschiedsset auf der Mayday spielte und nicht ohne Grund “Haus der Lüge von den Einstürzenden Neubauten spielte, gefolgt von Ministry. Der Anblick der Tanzfläche dazu war natürlich ein Effekt den ich genüsslich einsog. Ich polarisierte wie vielleicht nie zuvor, mindestens ein Drittel des Publikums flüchtete stantepede in einen der anderen Floors, vom den verbliebenen zwei Dritteln stand die Hälfte ziemlich verdattert rum und der anderen Hälfte dämmerte was, aber innerhalb von 5 Minuten war klar wer verstand und wer nur noch das übliche Geseier von Low Spirit und Konsorten hören wollte. Das ich das im Nachhinein erklären mußte war mir klar und das ich das nicht in der Frontpage machen konnte war auch klar, also schrieb ich einen offenen Brief dazu, der dann in der Groove abgedruckt wurde und einen ziemlichen Wirbel verursachte. Der Originalbrief las sich so:

Hallo, hier TANITH.

Dieser Brief wurde notwendig, weil einige Sachen der Erklärung bedürfen bevor die Ge-
rüchteküche mal wieder brodelt. Es dürfte mittlerweile durchgedrungen sein, daß ich
nicht mehr bei der MAYDAY auflege, das hat mehrere Gründe,die ich im folgenden
erläutern will, wobei die Reihenfolge nichts mit Prioritäten zu tun hat, ich fange einfach
mal an.

Die Entscheidung nicht mehr an der MAYDAY teilzunehmenfiel im Grunde schon vor
der letzten MAYDAY in Dortmund, wurde dort aber noch verstärkt,als ich nämlich noch
nicht mal meine eigenen T-Shirts verkaufen durfte. Wenn man auf den Plakaten als
MAYDAY-DJ angekündigt wird, hat man schon ein wenig das Gefühl hinter der Veran-
staltung stehen zu müssen. Wenn einem aber noch nicht mal die Interviewtermine aus-
gerichtet werden, fühlt man sich, gelinde gesagt, verarscht. Gerade wenn man im
gleichen Raum wie z.B. Marc Oh auflegt (wobei ich hier nicht s gegen den Menschen
Marc Oh sagen will, den kenne ich nicht, ich rede jetzt vom Artist, das ist ein Unterschied,
den auch einige meiner Kollegen noch realisieren sollten!) und da doch einige erklären-
de Worte nötig gewesen wären.

Spätestens da waren meine Befürchtungen zur Gewissheit geworden, das ich lediglich
als Undergroundalibidepp der Maydayquadriga herhalten soll. Hinzu kam noch das
ich meinen Vertrag erst eine Woche vor der Veranstaltung bekam plus Beipackzettel
in dem stand, das ich mit der Unterschrift genehmige das mein vom TV aufgezeichnetes
Set im nachhinein mit anderer Musik untermalt werden kann und an Drittnutzer zur kom-
merziellen Weiterverwertung abgegeben werden kann,also Tanith wie er zu “Somewhere
over the Rainbow “abfegt, in der Werbung für irgendwelche Bausparverträge oder wat?!
Soweit darf`s dann doch nicht gehen. Insgesamt hatte ich bei den letzten MAYDAYs
das ungute Gefühl das alle Artists lediglich als Vehikel brenutzt wurden den Low Spirit Stern
noch heller scheinen zu lassen, sämtliche Low Spirit Artists mit ausgiebigen Features und
Interviews in VIVA ,der Rest wird mit drei Allerweltsfragen abgespeist. In dieses Bild passt
auch meine Auftrittszeit ,exakt zu dem Zeitpunkt als VIVA mit seiner Übertragung aufhörte,
und das als MAYDAYDJ! Vor meinem Auftritt hatte ich dann Zeit zur Genüge mir die groß
angekündigte “Reformation“ anzuhören, aber außer der Ankündigung war nix im Sinne
einer Reformation zu bemerken, same Procedure as last Year. Der Titel der kommenden
MAYDAY erscheint mir noch abstruser,“The Great Coalition“,zu deutsch die große Koalition
ist ja eigentlich ein Begriff aus der Politik und wie Wahlversprechen erscheinen mir die
Mottos der letzten und der kommenden Mayday,Wahlversprechen werden bekanntlich
Makulatur. Das war der Grund warum ich in Dortmund den Prolog zu “Haus der Lüge“ (* s. u.)
der Einstürzenden Neubauten als Intro zu meinem Set und gleichzeitig als Abschiedsstate-
ment auswählte, er trifft meine Einstellung zu dem ganzen sehr genau.

Was mich schon im Vorfeld der MAYDAY ankotzte war der Mangel an Understatement,
der besonders krass in einem Flyer zutage trat, der kurz vor der Mayday von deren Betrei-
bern rausgehauen wurde, also zu einem Zeitpunkt wo schon lange klar war, das die
MAYDAY ausverkauft ist (die Karten mein ich) und wo wieder mal damit rumgeprahlt
wurde was man wieder alles an Technik aufgefahren hat und wie toll man doch sei, ich
meine muß man denn wenn man eh schon ein brillant laufendes Business am laufen hat
noch so damit rumprotzen, was will man damit erreichen? Die Antwort kam ein paar Sätze
später, wo bemängelt wurde das in Deutschland leider keine größeren Hallen zur Verfü-
gung stehen, sonst wäre man noch bigger, aber MAYDAY plane bis zum Jahre 2000, jetzt
aufgepasst, den MAYDAYDOM zu bauen. Na also Heil kann ich da nur sagen, diese Art
Größenwahnkennen wir in Deutschland schon zur Genüge, das braucht kein Mensch. Als
ich das gelesen habe hab ich erst mal geschluckt und Freunden denen ich es zum lesen
gab ging’s nicht anders,auch wenn’s vielleicht ein Witz sein sollte,so war er nicht gut.

Was mir noch übel aufstiess war der von allen hochgelobte zweite Floor,der mir vorkam
wie das “Undergroundghetto “(Ich weiss das das Worte sind die böse klingen ,aber so hab
ich’s empfunden)all die Leute die seit Jahren so viel für den Techno getan haben und dafür
gesorgt haben das er sowohl musikalisch wie auch geistig ein gesundes Fundament hat,
Leute wie Carl Cox, Trevor Rockliffe, Hell, Jeff Mills, Laurent Garnier usw. sind plötzlich auf
dem kleinen Floor, während sich das Chartprogramm in der großen Halle abfeiert, das ist
eine gefährliche Tendenz, mit der sich kurzfristig viel verdienen lässt,auf lange Sicht aber
alles was man in Jahren Arbeit aufgebaut hat vernichtet.
TECHNO WURDE NICHT DAFÜR SO GROSS UM IRGENDWELCHEN KONZERNEN ALS VERKAUFS-
VEHIKEL ZU DIENEN!WENN DIESE KONZERNE WAS VON TECHNO WOLLEN ,DANN BITTE ZU DEN
BEDINGUNGEN VON TECHNO UND NICHT ANDERSRUM.
Sätze wie “Underground ist heute Overground und Overground ist Underground“ sind nicht
mehr lustig wenn sie dazu dienen eine gute Idee zu filettiern und in mundgerechten Happen
denen zuzuführen die dann meinen sie hätten das ganze komplexe Ding called DANCE-
CULTURE gecheckt. Das führt dazu das Spasten die nix gecheckt haben auf unseren Par-
ties auftauchen und dick aufsprechen. Wie oft ist es mir schon passiert das Dummbeutel
die mir früher mal auf’s maul gehauen hätten ,bloß weil ich anders aussehe/denke hündisch
Anerkennung heucheln, nicht weil sie was gecheckt hätten,nee weil ich DJ Tanith bin.
They’ve got to learn, wenn ich den Satz mal bei unseren HipHop Brüdern ausleihen darf.

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären, das Maydaykonzept hat sich denke
ich auch erledigt, der zweite Floor ist da auch glaube ich ein stilles wenn auch inkonse-
quentes Ja zu folgender Betrachtung: Das Maydaykonzept stammt aus der Zeit als
Techno der aufregendste und innovativste Sector Musik war, den es zu dem Zeitpunkt
gab, das ist seit geraumer Zeit nicht mehr so.Als House aufholte war’s noch O.k.,da es zu
den diversen Technospielarten kompatibel war,da spielte man halt House zu Beginn und
Ende der Veranstaltung oder machte noch einen extra Housefloor auf. 95 sieht’s aller-
dings n’bisschen anders aus,da gibt’s auch noch Jungle ,Trip Hop , New Electronics usw
usw, die sind aber nicht unbedingt Technokompatibel, also funktionieren nicht zusam-
men auf einem Floor und schon gar nicht bei so einem Riesenevent wie MAYDAY,wo’s
halt Techno sein soll. Viel mehr Innovation passiert aber im Moment in den Bereichen
Jungle und Trip Hop, egal wie man nun dazu steht und das kann nun MAYDAY in seiner
jetzigen Form nicht bieten, also müsste ein neues Konzept her, das sehe ich allerdings
nicht,das haben nämlich andere schon lange in Deutschland namentlich Ravecity und
(ich pack’s mal dazu weil’s auch in München gastiert) Tribal Gathering, welche mehr
oder minder Gleichberechtigt die diversen inkompatiblen Styles nebeneinander prä-
sentieren, für mich sieht ,zumindest im Moment, die Zukunft eines Riesenevents so aus,
wenn die Styles schon existieren warum nicht mal reinschnuppern, was hab ich schon
in Junglezelten und rooms einen Spaß gehabt, open your mind!

Noch eine Überlegung zum Schluß, vielleicht sollte man sich auch endlich mal von dem
Gedanken trennen möglichst alle in Techno zu vereinigen,insbesondere wenn’s um den
Preis der ewigen Verwässerung ist, wer hat denn je behauptet das unser Spaß öffentlich-
rechtliche Richtlinien erfüllen muß? Es ist UNSERE Kultur, WIR haben das ausgeheckt, er-
schaffen, aufgebaut, auf vieles kann man Stolz sein einiges gilt es zu verbessern, call it
“Raving Society“ or whatever, aber es ging niemals darum sich dem allgemeinen Langwei-
lerkonsens anzubiedern ,Techno ohne Ecken und Kanten wäre kein Techno, an dieser An-
biederung sind schon andere Kulturen verendet, THOSE WHO DON’T REMEMBER THE PAST
ARE CONDEMNED TO REPEAT IT.

Und ganz zum Schluß noch ein Wort direkt an MAYDAY, bzw. eine Ergänzung zum Loca-
lizer 1.0: Credits where Credits Due, Ihr wart nicht die ersten die in Deutschland Techorie-
senveranstaltungen gemacht haben,Ihr wie ich wißt das Wolle Neugebauer mit TEKKNOZID
der erste war der ,der angefangen im H.d.j.T bis zur Elektrokohle Lichtenberg Großveran-
staltungen machte, die bis zu 3500 Leute anzogen,ich weiß es ,schließlich war ich dort mit
Roland 138BPM der Stammdj. Er wäre auch der erste ,außer Loveparade, in der Halle
Weissensee gewesen, wenn nicht irgendwie plötzlich MAYDAY eine Woche(!) vor
TEKKNOZID datiert worden wäre. Ich meine ich will nicht kleinlich sein, aber man muß nicht
immer der Erste sein ,besonders wenn man^s selber besser weiß. Diese Art Geschichts-
klitterung kennt man schon aus anderen Bereichen und die steht einem als Erfinder und so-
mit Aushängeschild der “Raving Society“ nicht gut.

Mit kollegialen Grüßen, PEACE

TANITH

* Prolog zu Haus der Lüge:
Meint Ihr Nicht:
Wir könnten Unterschreiben
auf das uns ein bis zwei prozent gehören
und tausende uns hörig sind
meint ihr nicht:
wir könnten uns in äther braten lassen
und bis zum letzten tropfen
im verpackungshandel fronen

wir könnten, aber-

meint ihr nicht:
wir könnten unsre züge
zigtausendfach,in falschen farben
weltbewegend scheinen lassen
meint ihr nicht:
wir könnten uns vergolden
aufvierzig sprossen
fuer unters volk gebrachte massen
viele monde thronen

wir könnten, aber -

meint ihr nicht:
wir könnten es signieren
vielleicht sogar auch resignieren
und dieses land
gleich eintagsfliegen
nur noch auf und ab und ab und auf bespielen
um später dann zurückzukehren
ganz aufgedunsen
längst vergessen
nur noch kleine kreise ziehen

wir könnten, aber -

Die Veranstalter hatten meinen Abschiedscoup gar nicht so mitbekommen, aber der Brief ging an ihnen definitiv nicht vorbei. Ich hörte von Überlegungen mich mit einer Rufmordanzeige zu belegen und derer Erfreulichkeiten mehr. Interessant waren auch die Reaktionen, die damals noch ausschliesslich per Fax im Büro eintrafen und in der Bandbreite von “Yeah, richtig, endlich sagt’s einer!” bis zu “Wie kann er nur?” reichten. Ganz brisant war daraufhin die folgende Rave & Cruise wo Dick und Marusha an Bord waren, als auch ich. Ich durfte ständig Interviews zu meinem Austritt geben, während Dick grün anlief wenn er mich nur sah und so groß war das Schiff nicht.
Ich war gespannt wie sich das anfühlen würde nicht mehr dabei zu sein und während der nächsten Wintermayday saß ich irgendwo im Hotel und schaltete die Übertragung ein. Was ich sah lies mich nichts vermissen, es fühlte sich gut und richtig an nicht mehr dabei zu sein. Ich sah auch Leute die mir vorher auf die Schulter geklopft hatten für meinen Mut und meine Entscheidung und die nun kumpelhaft mit Westbam auf der Bühne zu Members Of Mayday standen und peinlichst darauf achteten ja im Bild zu sein und das möglichst in der Nähe von Westbam und wenn das schon nicht, dann wenigstens mit jemand anderem Berühmten, auch sowas lernt man einzuordnen. Ich bereue auch nachträglich nicht die Reissleine gezogen zu haben, zu dem Zeitpunkt war das das richtigste was ich tun konnte um heute noch in den Spiegel gucken zu können und um weiter glaubhaft agieren zu können. Danach hat mich eine Mayday nie wieder interessiert und ich habe die auch nicht weiter verfolgt. Amüsant fand ich später noch als mit The Dome im Popbereich das eingeführt wurde, wo Low Spirit vielleicht immer hinwollte, sich aber im Genre vertan hatte, zudem noch mit Dome, dem Wort das bei mir den letzten Ausschlag gegeben hatte, es damit gut sein zu lassen.

12. Mai 2008 von Tanith
Kategorien: Thema der Woche | 68 Kommentare

Kommentare (68)

  1. ne kinners,
    das bringt doch nix…

    irgendwie geht’s hier nicht mehr um die wahrheit
    (und die kennt ihr ja nunmal beide)
    sondern nur noch ums rechthaben

    die dackel von LS werden sich beim lesen wahrscheinlich “diebisch” freuen^^

    ph0

  2. @ph0: sehe ich nicht ganz so. ich werde hier mit anschuldigungen bonbardiert, die ich so einfach nicht stehen lassen kann

  3. @ Wolle
    Daumen hoch für dich und dafür, dass du direkt auf der beleidigend-persönlichen Schiene daherkommst, wenn man die Dinge richtig stellt, die du aufgrund deines Inseldaseins anscheinend nicht mitgekriegt hast bzw. gar nicht mitbekommen wolltest. Naja, zumindest erlaubst dir ein Urteil drüber …

    dieses Beharren darauf, im Besitz der einzig gültigen Wahrheit und des “guten Techno” zu sein, hat was sehr Diktatorisches, mir fällt da gerade das böse Wort “Techno-Stalin” ein. Als ob die Leute nicht selbst entscheiden konnten und können, wo sie hingehen und was sie gut finden … nee, dafür brauchts immer ´ne Geschmackspolizei und die “Garde der erhobenen Zeigefinger”.

  4. Diese Over-/Underground Diskussion ist doch sowas von 90er. Hatte als Teenie da auch mit gemacht und rückblickend war es doch scheissegal. Damals hörte ich ganz selbstverständlich Torsten Fenslau – der in FFM ebenfalls Vorwürfe bekam – und Warp, Labworks, Force Inc. & Harthouse. Warum auch nicht!?
    Entweder bilde ich einen elitären Zirkel und schließe alle, die nicht “korrekt” sind, aus – was immer faschistisch ist – oder ich mach mein Ding und lasse die anderen ebenso machen.
    Was Techno für jemand ist, sollte derjenige selbst entscheiden und was authentisch ist, ist die Sache des Rezipienten und nicht des Produzenten oder Kultur-Vermittlers. Der Produzent kann zwar Authentisierungsstrategien machen, wenn sie jedoch keiner anerkennt bringt dies auch nichts. Wenn den “Kids” Westbam als authentisch erschien, dann ist er es auch für sie gewesen, auch wenn wir vielleicht andere Meinungen haben.
    Im ganzen erinnert mich diese Diskussion weiter an Teile “der Linken” in Göttingen – oder generell. Anstatt tolerant zu sein, wird ein schwarz-weiß-denken an den Tag gelegt und alle zu Feinden erklärt die nicht den eigen Standpunkt übernehmen und dann noch wahlweise 68 oder 77 hinterhergetrauert, als ob damals alles zu Bruch ging und danach war das Leben vorbei.
    Macht doch alle euer Ding und stellt euch nicht so an. Es geht um eine von vielen Musikarten und nicht um mehr.
    Sind doch keine Alt68er oder?
    Techno ist ein System und Politik ein anderes. Beide funktionieren nach Regeln, die sich nur bewusst in das andere übertragen lassen und ein System wenig Einfluss auf das andere haben kann.

    BTW:
    - Den Technoclub gab es in FFM schon seit 1984
    - Wieso soll ausgerechnet Berlin der Vorreiter und das Kontrollzentrum von Techno sein? Gab auch noch andere Städte.
    - Was ist mit OFF und Snap? Waren aus diese S/W-Sichtweise genauso kriminell. (mag beides trotzdem)

  5. @lacasa: sorry und nein, es war nicht meine absicht, dich persöhnlich zu beleidigen. ich wollte dich lediglich darauf hingeweisen, dass du mein post nochmal richtig lesen solltst. nochmal: ich habe nirgendwo behauptet, dass es ausserhalb von berlin vor 92 keine richtigen technopartys gegeben hat.
    mein augenzwinkender hinweis mit den “(minderwertigkeits-)komplexen” war dahingehend, dass die frankfurter dafür berühmt sind, ihre bedeutung als technoerfinder mit ihrem trallalla2xlc als ganz besonders wichtig zu erachten und deshalb jedes mal losschreien, wenn das jemand in frage stellt…;)

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  7. ich finds schön, daß ihr nicht kapitalismustauglich wart!!

  8. Pingback: Tanithblog » Thema der Woche 143: Arrangement: Tanith + Mayday [2011] – Nostalgie oder Profit ?

  9. Maximilian L. hat sich den alten Brief vom Tanith noch mal durchgelesen, sich ein Herz gefasst und auch mal einen geschrieben ………. :

    http://www.westbam.de/dt/2014/02/members-of-mayday-und-westbam-steigen-bei-mayday-aus-offizielles-statement-von-westbam/

  10. die ‘rebels of mayday’ sollen wohl paul van dyk und mark medlock sein – kann das jemand bestätigen ?!

  11. hahahaha… rausgeschmissen werden sie ihn haben. oder er ist dem zuvor gekommen. egal. die brauchen ihn nicht mehr, denn er ist nicht einmal mehr das, was ihm immer das wichtigste war: massenkompatibel. doch nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil er selbst das nicht mehr hinbekommt.

    das wäre ja fast schon ein grund, die mayday gut zu finden.

  12. Pingback: Westbam steigt bei der Mayday aus, weil die von SFX-Entertainment gekauft wurde | Berlin Mitte Institut - House & Techno Party Blog, Soziologie elektronischer Tanzmusik, Electronic Dance Music

  13. hihihihihihihihihi ………………………… :D

    gestern noch mit dem Tanithsche drüber geschnackt, dass auch dies ein Grund sein könnte:

    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/mayday-veranstalter-i-motion-hat-westbam-nicht-mehr-gebucht-id8958519.html

  14. hahahaha. hahahaha. hahahaha.

  15. lasst doch bitte die haehme sein. jede(r) bekommt was er verdient. frueher oder spaeter bekommen alle mal ne’ quittung. das ist im leben nun mal so vorgesehen. immer schon! bleibt wach und vernetzt, mit allem, was ihr erreichen koennt.

  16. diese ganzen 90iger jahre techno heinis braucht sowieso keiner heutzutage.

    • die ganzen dummen 2014er kiddies mit ableton aber auch niemand.

      • WORD! …sowas von…

        das interview in der westen scheint eh fürn arsch zu sein…auf fazemag.de gibs da so grob die zusammenfassung…

        naja es gibt ja nu das thema der woche nächste woche über westbams ausstieg…da darf dann ordentlich diskutiert werden :-)

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