Neuer Mix: Tanith @ Double Impact, Suicide Circus 24.07.2015

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Der diesmalige Double Impact war ja eigentlich ein Triple Impact weil den Anfang das Vater und Sohn Duo Luettringhouse bestritten. Nicht vom Namen täuschen lassen, das war feinster Techno der bestens ins Konzept paßt.
Danach kam ich von 2:00 bis ca. 4:30, dann Wolle. Stimmung und Fülle ließen nichts zu wünschen übrig, ich glaube jeder der da war wird das bestätigen können, eine tolle Nacht mal wieder.
Mein Set klang so:

Mixcloud mit Playlist:

My Set @ Double Impact, Suicide Circus 24.07.2015 by Tanith on Mixcloud

Der Traum vom kabellosen Studio wieder mal ein Stück näher gerückt: Zivix Puc+


Zumindest was die Midiverkabelung von Controllern angeht dürfte das ein Segen sein und ich schätze in nicht allzuferner Zukunft wird man sich fragen, warum so etwas nicht schon längst serienmäßiger Standard war.
Zivix Puc+ befindet sich gerade in der Crowdfunding Phase und soll OSX und IOS Geräte via Bluetooth mit den Controllern verbinden, soweit sie Yosemite oder iOS 8.1 beherrschen. Denn nur ab dort ist Apple’s Bluetooth Midi gegeben, das Latenzen von unter 15 ms und Verbindung von mehreren Controllern gleichzeitig zulässt.
Der Puc+ glänzt dabei sowohl mit althergebrachter 5 Pin Midi, als auch mit USB Midi Schnittstelle. Logischerweise braucht es dann noch das, möglichst kurze, Kabel zum Puc+ und zwar für jeden Controller eins, aber die Wege zum Tablet, Phone oder Rechner sind kabelfrei und man hat die zunehmend raren Schnittstellen für andere Sachen wieder frei.
Läuft per Batterie ca 7 Stunden und kostet pro Puc zum Einführungspreis 89 $, später 130

(Via Engadget

Review: Philips BT6000 Bluetooth Speaker

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Ich war schon länger „in the market“, wie man so schön sagt, um endlich mal die Musik vom iPod (eigentlich ein aufgebrauchtes iPhone 4, das diesen Zweck übernimmt) überall und zwar komplett kabellos geniessen zu können. Gerade im Sommer gibt es ja mannigfache Möglichkeiten die draußen zu genießen. Meine bisherigen Suchen waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt, entweder klanglich zu schwach auf der Brust oder zu teuer oder designtechnisch völlig daneben, gern auch in Kombination und dachte mir daher, laß das Thema noch ein bisschen ruhen, wird schon noch. Als das Thema dann quasi völlig in Vergessenheit geraten war stieß ich mehr aus Zufall als aus Absicht auf diese Philips BT6000 Speaker, deren Design mich sofort ansprach und preislich mit 99 € ebenfalls in einer Kategorie spielen wo man sich sagt, joah, wenn der Rest stimmt. Bluetooth Speaker, die man für draußen nutzen will, drinnen testen ist ja immer so eine Sache und sowieso immer subjektiv. Im direkten Vergleich kamen mir die JBL Charge 2 und die Bose Soundlink vielleicht etwas kräftiger im Bass vor, wenn man bei der Baugröße überhaupt von Bass sprechen mag, in Sachen Klarheit lag für mich jedoch der Philips vorne und vom Design her sowieso. Nicht nur das diese 360° Brüllpille komplett aus Alu gefertigt ist, auch das das Format so gewählt wurde das in jeden Getränkehalter paßt, hat draußen durchaus seine Vorteile.FullSizeRender

Clever finde ich diese Schlaufe oben, die gleichzeitig den großen silbernen Lautstärkeregler schützt und es ermöglicht den Speaker auch aufzuhängen, ob der vertikal oder horizontal betrieben wird bleibt sich ja gleich. Dazu ist der BT 6000 noch spritzwassergeschützt, kann man also auch mal bei kleinerem Regen noch draußen nutzen oder mal vergessen, daß hebt ihn für mich positiv vom Charge 2 ab, diese offen daliegenden Membranen schrecken mich zumindest als Vater eines kleinen Sohnes gehörig ab. Die Bauform ist sicherlich insbesondere an Beats Pill angelegt, kostet aber gerade mal die Hälfte. Letzteren konnte ich leider nicht mit in den Hörvergleich nehmen, da nicht vorrätig gewesen.
Die Bluetooth Verbindung klappt tadellos bis auf über 10 Meter, NFR konnte ich mangels Gerät dafür nicht testen. Der eingebaute Akku reicht laut Angaben für 8 Stunden, da bin ich nun aber schon bisschen drüber. Natürlich kann man seine Geräte auch über Miniklinke damit verbinden, spart im Gegensatz zu Bluetooth auch ordentlich Strom und ein Netzteil um diesen dort wieder rein zu bringen liegt ebenfalls bei.
Andere Geräte bieten zugleich eine Aufladefunktion für über USB angeschlossene Geräte, das ist hier nicht gegeben, auch auf eine Kopplungsfunktion mit weiteren Boxen muß man verzichten. Was jedoch Standard ist, ist eine Freisprechfunktion für das angeschlossene Smartphone, so das die Musik abschaltet und man über das eingebaute Mikrofon sprechen kann.

Für mich ist diese Balance aus Featureset und Preis ausreichend, bzw. ideal, your mileage may vary. Jedenfalls um die Hütte, oder besser Datsche, komplett kabellos zu rocken reicht es allemal.

Ach ja, im Moment läuft noch eine Aktion, bei der man sich eine Tasche für den BT6000 selbst designen kann, die dann von Philips kostenlos hergestellt und geliefert wird. Das Procerere ist etwas kompliziert und umständlich und ich warte noch auf meine, aber halte auf dem laufenden was da kommen wird.

Arte Doku: Bob Marley

Excerpt from an interview of Bob Marley, when asked if he is a rich man, this is his response… as HD as I could make this gif since the footage is from the 70s.

In der Arte Mediathek gibt es gerade die Doku Marley zu sehen, welche genau das richtige für so eine laue Sommernacht war, geht mir weg mit eurem Tatort!
Zu sehen gibt es den Werdegang von Bob Marley, zu einer Zeit als Musik noch richtig was bewegen konnte, was heute in dieser Wirkung schon fast anachronistisch wirkt. Außerdem einen Musiker der alles gibt und dessen Musik mich in meiner heißen Punkphase als einzigste neben Punk begeistern konnte. Ein Phänomen dabei war, das kaum lief Marley ich jedes Spiel am Kicker gewonnen hatte. Und ich möchte sogar behaupten das Reggae und Ska der Urvater von Breakbeat und all seinen Derivaten bis hin zu Drum & Bass und 2Step und ihren Nachfolgern ist.
Auf jeden Fall eine sehenswerte Doku über einen wichtigen Menschen und seine Musik, die durchaus dazu taugt einem das Verständnis für diese näher zu bringen und Marley’s One Love Message ist heute auch noch oder wieder wichtiger denn je.

(Gif via Das Kraftfuttermischwerk)

Herzlichsten 20sten .mp3!

happy Birthday mp3

Es ist ja immer etwas schwierig bei solchen Dingen wie Formaten oder Software von Geburt zu sprechen, aber der heutige Tag gilt nunmal als der 20. Geburtstag von .mp3. Hoch soll es leben, (mp)3 mal hoch! Mp3 ist also schon erwachsen und man kann sagen, we’ve come a long way, Baby! Als ich das Format so um 1997 zum ersten Mal mitkriegte gab es kaum Software für meinen Mac um damit umzugehen, ich registrierte es, ließ aber erstmal links liegen. Trotzdem war es natürlich schon Thema, zumindest bei den Verhandlungen um mein Album bei Motor zu der Zeit. Also Thema für mich, für die Industrie, in der Person von Tim Renner damals noch nicht. Als ich bei den Vertragsverhandlungen fragte wie es denn um die Internetrechte bestellt wäre, kriegte ich so ein typisches spöttisches Rennerlächeln, Internetrechte? Was man denn damit soll, als ob das ein Zukunftsmodell sei, seine Musik künftig per ISDN zu holen und auf dem Rechner zu hören. Dann kam allerdings ziemlich schnell DSL und Napster und von derselben Industrie, die mir zum Albumsvertrag noch ein generöses „Internetrechte? Die schenk ich dir!“ schmetterte, wechselte jetzt auf das Logo „Copy Kills Music“. Mein Einstieg zu mp3 hätte nicht aufschlußreicher verlaufen können.
Mit Napster und Tauschbörsen bin ich trotzdem nie warm geworden, das war mir alles zu mainstream, die Qualität damals mit 128 kb Files zu grottig, das Prozedere zu langwierig und auf dem Mac auch von den Programmen her zu eingeschränkt bis nicht möglich. Das änderte sich erst viel später kurzzeitig mal mit Soulseek, da waren die Musiknerds unterwegs und man fand tatsächlich sehr gut gerippte Files von denen man nie gedacht hätte das sich jemals jemand die Mühe machen würde diese zu rippen und hochzuladen. Dabei ging es weniger um aktuelle Sachen, sondern eher darum, verpaßte Industrialsachen oder seltene UK Hardcore Sachen ausfindig zu machen. Woraus sich auch gleich eine soziale Komponente ergab, denn meist waren die Downloadraten begrenzt, so das man per Chat darum bitten mußte den Kanal für einen persönlich aufzudrehen, man bot seinen eigenen Fundus an und da man es mit geschmacklich gleichgesinnten zu tun hatte, entwickelte sich daraus so etwas wie das erste Social Media Erlebnis vor Myspace.
Wenn man diese Tracks heute anhört stellt man auch fest, das die mp3 Endoder ebenfalls einen weiten Weg gegangen sind um bei heutiger Qualität anzukommen.
Mit iTunes und iPod fing ich an akribisch meine Plattensammlung zu digitalisieren. Zuerst nur für den iPod Gebrauch, aber als dann mit Final Scatch auch noch die erste Auflegesoftware auf dem Markt erschien, war klar wohin die Reise gehen wird und die Motivation mit der Digitalisierung voran zu kommen nahm zeitweise manische Züge an. Jeden Tag mindestens 10 Platten war mein eigenes Benchmark um da voran zu kommen und Neuerwerbe wurden ebenfalls sofort digitalisiert.
Mit Final Scratch konnte ich mich noch nicht anfreunden, das war mir alles noch zu rudimentär und jedesmal wenn mir einer demonstrierte wie cool das ist ging irgendwas schief. Sowas auf großer Bühne wollte ich lieber nicht erleben.
Das änderte sich erst als mir jemand vor genau 10 Jahren Serato Scratch demonstrierte. Das Teil war von nichts aus der Ruhe zu bringen und lief superstabil, plötzlich machten all die Jahre Digitalisierung der Plattenbestände auch noch Sinn! Ich hab’s natürlich sofort gekauft.
Die Nachteile des Systems sollten sich erst mit der Zeit herausstellen, Hotplugging von zig Kabeln im laufenden Abend und eine Brückentechnologie die immer noch auf Vinylsimulation setzt mag am Anfang als Einstieg seine Berechtigung haben, aber auf Dauer doch eher nervig und fehleranfällig. Da kam aber auch schon Traktor und insbesondere die Verbindung mit dem Vestax VCI 100 Controller um die Ecke. Nix mehr Vinyl, komplett digital, mit all seinen Vorteilen. Und seit Anbeginn natürlich hochemotional geführte Vinyl vs. mp3 Diskussionen, die bis heute immer noch ganz gerne mal aufflammen, wobei die glühendsten Vinylverfechter von einst mittlerweile mehr oder weniger leise die Fronten gewechselt haben und gar nicht gerne an die Argumente von einst erinnert werden. Wobei es lustig zu beobachten war, wie das einstige Nogo CD Player durch den neuen Rivalen zwischenzeitlich sanktioniert wurde, der Computer auf der Bühne war dann die Unterschicht. Heute kräht fast kein Hahn mehr danach, wer was benutzt um Musik zu präsentieren, lediglich ein paar Fundis, die zu faul sind etwas neues zu lernen und die eigene Präferenz für alle durchdrücken wollen, gibt’s wie überall noch, der Rest lebt glücklich mit Formatvielfalt.
Was mich in dieser turbulenten Zeit nie verlassen hat ist der iPod, der immer an meiner Seite war, angefangen vom ersten mit 5 Gb bis zum letzten Modell mit 160 Gb, der mir beim Umzug leider verlustig ging.
Zur Feier des Geburtstages ziehe ich gleich los und lasse mein betagtes, ungenutztes iPhone 4 reparieren um es zum Ersatz iPod mit immerhin 32 Gb umzuwidmen. Da läuft dann auch Rekordbox drauf und man kann ihn als Speichermedium an die Nexus CDJs anschließen.
Mp3 und ich, die Geschichte ist noch nicht zuende und ich bin zuversichtlich das es nicht der letzte Geburtstag ist, den wir zusammen feiern

Alter Mix: Tanith@ DT64 Dancehall 1991

Update: Nachdem der Mix so gut ankam und sogar Das Filter ihn als Mix der Woche kürte, hab ich den mal von Youtube gerippt und auf Soundcloud hochgeladen um euch die Arbeit zu sparen. Hier also nochmal auf meiner Soundcloud

Und Danke nochmal an tekknobody bln und seinen Kanal, da lassen sich auch noch schöne andere Perlen finden!

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Da hat doch tatsächlich einer diesen uralten Mix ausgegraben den ich mal in Marusha’s Dancehall damals ablieferte. Ich bin ganz froh den jetzt wieder zu haben, weil der so ziemlich der erste Radiomix ist den ich abgeliefert hatte. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich damals zu diesem ollen, riesigen Radiogebäude gefahren bin und ziemlich motiviert dort Scheibe an Scheibe gezimmert habe. Was dann rauskam war schon ähnlich wie das, was ich zu der Zeit im Tresor ablieferte, aber gleichzeitig vom Spannungsbogen her auch anders. Jedenfalls kann ich nach all den Jahren immer noch voll und ganz hinter dem Mix stehen, auch schön :D

(Via Toti)

Record of the day: Zomby – Where Were U in ’92?


Ist das jetzt schon alt oder gilt ein Release von 2008 noch als neu? Egal, mehr retro geht jedenfalls kaum, klingt genau so wie es der Name verspricht, Uk Hardcore wie aus dieser Zeitschleife. Was habe ich die Platte damals gefeiert, obwohl damals so einen Sound kaum einer hören wollte. Würde man die heute rereleasen würde das, glaube ich, ganz anders aussehen, wenn ich mir den Erfolg von z.B. Special Request ansehe. Ach was rede ich, er soll gleich einen Nachfolger hinterher schmeissen!
Ist mir heute mal wieder per Zufallsgenerator in die Playlist gerutscht und ich feiere das Ding immer noch. Eigentlich jetzt schon ein Klassiker, schade das es um Zomby so ruhig geworden ist:

Altraver und Frühblogger Rainald Goetz bekommt den diesjährigen Büchner-Preis

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Das freut mich insbesondere deswegen, weil es quasi einer von uns ist, ein altes Feierschwein aus dem Techno der ersten Generation. Dabei verfolge ich ihn schon viel länger, „Irre“ war für mich DAS Buch 1983, aber kennenlernen sollten wir uns erst 1991, auf der Leuchtmitteltraverse der Mayday, über der Bühne in der Halle Weissensee, auf die wir uns beide, unabhängig voneinander hochgehangelt hatten um mal aus der Masse rauszukommen und einen Blick von da oben auf diese zu wagen. Ich war nicht schlecht geflasht, als ich erkannte wer da gerade neben mir tanzt, zumal ich eigentlich erwartete das es ein Ordner ist, der mich gleich runterschmeisst. In Folge traf ich ihn in den 90ern ziemlich oft auf irgendwelchen Raves und Afterhours, weil er die akribisch verfolgte, was ja später auch in Buchform aufbereitet wurde. Meist in München, aber auch überall sonst wo was los war, immer in seinem Markenzeichen seinerzeit, der orangener Weste über einem Hoodie, weithin zu erkennen. Zu der Zeit hatte er mich literarisch aber schon ein bisschen verloren und auch sein alles toll Gefinde konnte ich nicht nachvollziehen, bzw. konnte mir in Gesprächen hart auf die Nerven gehen, kam mir immer etwas hilflos vor, aber nach den distinktionsreichen 80ern war das für ihn offensichtlich eine erfrischende Wohltat.
Ändern tat sich das erst wieder mit „Abfall für alle“, dafür gebührt ihm mein größter Respekt, noch mehr als für „Irre“, “Rave” Stirnschlitzen für den Bachmannpreis oder seine Stamina als radfahrender Raver. Als er so 1998 quasi den ersten Blog führte, war das für mich auch der finale Ansporn meine eigene Website zu konzipieren, dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Ich fragte ihn mal warum er da kein Kommentarfeld hat, weil das für mich eins der wichtigsten Dinge des Internets ist, der Rückkanal, er meinte er hätte Angst vor den Lesern. Wenn ich mir heute die Kommentare unter vielen Artikeln im Internet ansehe kann ich diese Angst nachträglich sehr gut nachvollziehen.
Literarisch hat er mich übrigens seit „Johann Holtrop“ auch wieder.

(Bild via Zeitmaschine)

Slices Feature: Gabriel Ananda

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Ok, mit seiner Musik kann ich jetzt nicht sooo viel anfangen, ist mir persönlich zu melodisch und melancholisch, aber nichtsdestotrotz eine sehr sympathische Type und ich finde es ja immer interessant wenn sich Kollegen auch von der Stadt verabschieden und mehr ins ländliche ziehen. Ich meine bei solchen Leuten immer mehr Ausgeglichenheit, Reflektion und generelle Entspanntheit feststellen zu können. Eigentlich ein faszinierendes Phänomen, das Leute die Musik, die hauptsächlich aus urbanen Räumen kommt, zunehmend die Ruhe der Natur suchen um diese zu produzieren. Ich möchte da noch nicht von einem Trend sprechen, aber auffällig finde ich das in letzter Zeit schon. Wäre vielleicht auch mal ein Thema das man tiefer erörtern sollte

Buch Review: Jürgen Teipel – Mehr Als Laut


Wieso Suhrkamp dieses Buch so stiefmütterlich behandelt entzieht sich meiner Kenntnis, schließlich ist es schon etwas länger draußen und ich wurde eigentlich erst darauf aufmerksam, weil Wolle XDP bei der dazugehörigen Lesetour aufgelegte – anderthalb Jahre nach Release. Zumal Jürgen Teipel’s „Verschwende Deine Jugend“ damals ja wirklich ein Meilenstein für das Format Oral History und Verarbeitung der deutschen Punkbewegung darstellte. Nun gut, das es nicht ganz so grandios wie der Vorgänger werden würde, das bremst Teipel ja schon selbst im Vorwort aus, zwar ist die Form ähnlich, Oral History, aber die Perspektive auf das Thema ist offensichtlich eine andere, weniger involviert und so beschränkt es sich hauptsächlich auf Befindlichkeitsbekundungen von nichtsdestotrotz interessanten Persönlichkeiten des Technorummels wie Acid Maria, Dirk Mantei, dem damaligen Macher des Milk! in Mannheim, Richie Hawtin, Andi Teichmann, Hell, Koze, Hans Nieswand, Mark Reeder, Micheal Mayer, Miss Kittin, Pacou, oder Kristian Beyer von Innervisions/Ame. Regional also wenig eingegrenzt und trotzdem bleibt die Sache überraschend homogen.
Zwar erfährt man z.B. im Falle von Mantei, Anki und Beyer auch viel über deren eigene Geschichte, aber das mündet dann größtenteils eben auch in Befindlichkeiten, sei es die ungerechte Geschlechterverteilung und den Kampf dagegen bei Acid Maria oder das Technoleben in Form eines Plattenladens mehr oder minder in der Provinz von Karlsruhe. Dazu noch ein bisschen Techno Jetset in Mexiko und Erzählungen von anderen Orten der Welt wo es einen als DJ halt so hinverschlagen kann.
Im Grunde ist das Buch sogar veraltet, denn die meisten Gespräche fanden so um 2003 statt, das tut dem Buch jedoch keinen Abbruch, sondern macht es, zumindest für mich, interessanter. Das ist ja jetzt schon, im Nachhinein besehen, eine nicht nur musikalisch, längst vergangene Ära, als man noch Plattenkoffer durch die Geografie wuchtete, die Digitalisierung noch nicht so durchhaute und die Gagen auch noch andere waren, so das man Fimmel entwickeln konnte, wie z.B. in Duty Free Shops Kosmetik zu kaufen. Es war die Zeit als Hell mit Electroclash gerade seinen Höhenflug hatte und das merkt man seinen Aussagen auch deutlich an. Andererseits kennt man Kristian Beyer heute eher eher als Teil von Ame, denn als Plattenladen Betreiber und Andi Teichmann’s Werdegang vom allseits gebookten DJ zum Goethe Institut Networker ist auch interessant nachzuvollziehen. Was in so relativ kurzer Zeit alles anders werden kann.
Dankenswerterweise befragt das Buch am Ende die Protagonisten nach ca. 10 Jahren zu ihren Werdegängen und wie sie über den Weg und ihre Aussagen von damals heute denken, was für mich das Buch erst rund macht. Kaum einer ist noch in derselben Position wie damals und die Wege sind schon sehr unterschiedlich.
Ein schönes Buch zum lockeren Weglesen, machmal vielleicht zu sehr in DJ Befindlichkeiten verheddert, nicht wirklich essentiell, aber allemal dazu geeignet aufzuzeigen, das bei Karrieren in der Branche, wenn man davon überhaupt sprechen mag, meist kein Stein auf dem anderen bleibt, die Wege in viele Richtungen gehen und unergründlich sind. Also die klassische Frage „Und wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“ wird nach diesem Buch zumindest nicht einfacher zu beantworten sein.