11 Jahre Weisser Hase, mein Closing Set

Letzte Woche feierte der Weisse Hase von Dienstag bis Montag 11 Jahre Bestehen und ich hatte die Ehre am Montagmorgen meinen Teil beizusteuern, zwar erschöpft vom Abenteuer vom Freitag auf Samstag und Kindergeburtstag, aber als ich dort gegen 23:00 ankam, wusste ich mich nicht allein in dem Zustand, sondern die Folgen der Festivitäten waren den meisten verbliebenen anzumerken. Hatte ich mir schon gedacht und deshalb quasi ein Club The Rest 2026 Set abgeliefert, also so wie ich denke das die Sonntagsafterhour im Globus seinerzeit heute klingen würde.
Eigentlich war mein Set gar nicht als Closing gedacht, aber nach mir war Ende auf dem Floor und es ging vorne AnneBar noch weiter.
Gleichzeitig möchte ich damit darauf hinweisen, das nicht nur dem Weissen Hasen nach 11 Jahren das Aus droht, sondern dem gesamten rhizomischen Kulturstandort dort, weil Investor und BVV im Krieg sind und natürlich wieder die Kultur das erste Opfer darstellen muss, deswegen auch das „ICH BIN RAW“ im Cover Hier noch ein paasr Links zur Causa:
Über das langsame Verschwinden einer Stadt

What if… RAW? Wie wir planen, während die Welt an die Sterne baut

Räumungsbedrohtes RAW-GeländeInvestor kündigt Frieden auf

Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn dieser Standort und vielleicht noch der Humboldhain demnächst wegfallen gibt es fast keine kleineren Clubs mehr innerhalb des Stadtrings und damit wäre Berlin kulturell um einiges ärmer, zugunsten der Investoren mit ihren leerstehenden Funktions- Hotel- und Bürobauten.
Jetzt aber viel Spaß mit dem Mix, Playlist ist auf Soundcloud

Ich habe die modernisierte Berlin-Hamburg Strecke getestet, damit ihr es nicht müsst

Am Freitag hatte ich mit meinen Freunden vom Hexenwerk Festival einen Gig im Hamburger Club 25, direkt auf der Reeperbahn. Da der Rest vornehmlich aus dem Harz anreiste, dachte ich es wäre eine gute Idee, die eine Woche zuvor wieder freigegebene Bahnstrecke Berlin-Hamburg zu testen, nachdem sie für Milliarden modernisiert wurde. Schon während der Woche kamen da aber zaghafte Zweifel auf, ob das tatsächlich so eine gute Idee wäre. In den Medien und aus dem Bekanntenkreis häuften sich Berichte, das da Verspätungen an der Tagesordnung wären und auch der Hinweis bereits auf dem Online Ticket „Rechnen Sie mit ca. 15 Minuten Verspätung“ sorgt nicht gerade für Entkräftigung dieser Zweifel. Aber ok, 15 Minuten, das ist man als Bahnfahrer ja durchaus gewohnt, man hat da schon Warteschwielen entwickelt, damit kommt man klar.
Meine Tochter hatte an diesem Tag Geburtstag, also nahm ich einen ICE um 20:00 und würde dann so gegen 22:00 in Hamburg sein, genug Zeit also um noch vor dem Gig bei einem Essen den ein oder anderen Plausch mit den Mitstreitern zu haben, es sollte natürlich anders kommen. Der Zug hatte eine Stunde Verspätung und das Gleis änderte sich währenddessen 3 mal, der letzte Wechsel knapp vor Abfahrt, woraufhin sich eine Menschenmenge schnellen Schrittes durch den Bahnhof malmte um den verdammten Zug noch zu erreichen. Während der Fahrt verloren wir nochmal Zeit, so das man gegen 23:45 im Hamburger Hauptbahnhof ankam, mein Gig sollte um 1:00 beginnen.

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Der lief auch gut, auch wenn die tropische Hitze dafür sorgte, das wohl nicht so viele die Veranstaltung besuchten wie sonst üblich, verständlich, und es war auch sehr hot in der Bude. Mein Gig ging bis 3:00 und ich nahm den ersten Zug zurück nach Berlin, der um 4:59 abfahren sollte. Sollte! Ich ging fälschlich von der Vermutung aus, das neuer Tag, neues Glück, morgens die Verspätungen sich noch nicht so hochschaukeln, wie das über den Tag üblich ist, aber weit gefehlt!
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Schon während der Fahrt zum Bahnhof wurde mir die erste Verspätung angezeigt, um 6:02 statt eben 4:59 und das ging fröhlich so weiter, die Zugbindung war bereits aufgehoben, also schaute ich in der App welche anderen ICEs ich stattdessen nehmen könnte, das ah aber alles nicht besser aus, Baum auf der Strecke hier, verspätetes Personal da, alles in allem nahm sich das alles nix. Mittlerweile war ich 24 Stunden wach und lief auf dem Bahnhof rum um nicht müde zu werden, jetzt kam noch Hunger dazu und ich hatte ja genug Zeit und suchte mir eine Stärkung bei den allmählich öffnenden Läden. Dabei lief ich zufällig an einer Anzeigentafel vorbei, auf der ein ICE über Berlin angezeigt wurde, der nicht in der App stand, 5:39 mit nur 5 Minuten Verspätung, es war gerade 5:39! Also Stärkung links liegen lassen, ab ans Gleis, rein in den Zug. Auch der hatte am Ende natürlich die obligatorischen 15 Minuten Verspätung, was aber nichts im Vergleich zu dem Zug ist, den ich ursprünglich gebucht hatte und den ich natürlich weiterhin in der App verfolgte, der verspätete sich nämlich immer weiter bis der rote Anzeiger am Ende bei 8:09 stand um dann endgültig mit den lapidaren Worten „Aufgrund von aktuellen Ereignissen ist die erbindung nicht mehr fahrbar, Bitte suchen Sie sich eine neue Verbindung für Ihre Reise“auszufallen. Was mögen davon die Reisenden aus Kopenhagen auf dem Weg nach Prag wohl davon gehalten haben?

Natürlich habe ich sofort die entsprechenden Entschädigungen in der Bahnapp beantragt, frage mich aber wie die Bahn jemals bessere Zahlen und Zeiten sehen will, wenn sie quasi bei jedem Ticket 20-50% zurückzahlen muss?
Nach 27 Stunden wach war ich dann endlich wieder zuhause, einerseits liebe ich ja solche Challenges bzw. bin froh das ich die noch bewältige, aber andererseits, muss nicht wirklich sein

Tanith Tape Archiv #15: Tanithmix Vol.III #3 (10.02.1992)

Mal wieder ein Mix von 1992, also ziemlich genau die Zeit als ich „der härteste DJ der Welt“ oder „Herr der fiesen Töne“ genannt wurde, dem dieser Mix aber mal so gar nicht entspricht und auch dokumentiert, was für eine Spannbreite damals so möglich und nötig war, es passierte ja an allen Ecken was.
Die Playlist hab ich mal so gelassen, so war das halt mit Whitelabels, da stand sonst weiter nix drauf 😄

Sinee Track Feedback mit Robert Babicz und Tanith

Gestern hatte ich das Vergnügen mit Robert Babicz das Sinee Track Feedback zu gestalten. Das heißt, Host Robert kredenzt 8 vorher ausgewählte Tracks und wir beide beurteilen diese dann aus unserer Perspektive, das hieß Robert mehr aus Produzentensicht, ich mehr so aus der DJ Sicht, obwohl sich das ja auch oft überschneidet. Am Ende waren es fast 3 Stunden, die wir da palavert haben, denn natürlich geht es nicht nur um die Analyse der Tracks, sondern kommt darüber vom Hölzchen zu Stöckchen. Für mich war das eine Premiere und zwar eine sehr kurzweilige und unterhaltsame, die Zeit ging rum wie im Flug und ich hoffe natürlich das dies den Zuschauern ebenso erging. Gibt’s zum Nachschauen hier:

Tanith Tape Archiv #14: Barry Graves-Radio 4U – DJ Tanith – DJ Zappa – Wolle XDP – Mijk van Dijk 5.7.91

Nach etwas Hiatus geht’s nun weiter und zwar wieder mit einer denkwürdigen Radiosendung. Kurz vor der Loveparade 91 hatte Barry Graves (RIP) Wolle, Zappa, Mijk van Dijk und mich in seine Sendung auf, damals noch, Radio 4U eingeladen. Wer also die jungen Stimmen und wie wir damals, ganz am Anfang von Techno, so dachten hören will, ist hier gut aufgehoben.
Besonderer Dank geht nochmal raus an Rene Meier, der sich neben dem Digitalisieren auch richtig viel Mühe gegeben hat das Ganze optisch aufzubereiten.

Neuer Mix: Krachgarten #24

Musste mal wieder sein, weil sich doch einiges angesammelt hat, eine D&B Edition again. Fängt aber fast technoid an, schraubt sich hoch und auch wieder runter. Anderthalb Stunden feinstes rinsing.
Playlist:
Alyness – Fragmented Reality
Mike Parker – Positronic Tentacles
Sully – The Still
Agro – Allow It
FX909 – Rollzilla
Amoss, Minor Forms – Slow Turbo
Tomoyoshi – That Side
Noctem – What You Sayin
Nichenka Zoryana – Kapitochka
Nichenka Zoryana – Skreper X
Doom Poets, Technical Itch – Menecer
HLZ – All My Life
Drum Cypha – Blindfold
Technical Itch & Voyage & Brakken – Bad Like Fire VIP
HLZ – Roadblock
HLZ – Detroiting
Drumskull – Emergence
HLZ – Control
FX909 – Whatever
Bojcot, Mc Multiplex – Ruff Ting
Intergalactic Alliance Of The Blessed – Take it Off
HLZ – Matter Of Time
Intergalactic Alliance Of The Blessed – Sorry
Conrad Subs – Abstrakt Souls
Subtle Element – Medelin
Ruhige Cru – Virgil (Seba & Paradox Remix)
Quells – Claster

500 Words 12: The Future Of DJing

Ich habe mir die Tage mal ein paar Gedanken um die Zukunft des Djing gemacht und, soviel sei gespoilert, ich denke das wird vielen nicht gefgallen, aber sei’s drum. Es muss ja auch nicht so kommen, aber ich schmeisse das mal in die Runde, vielleicht kommt’s ja auch ganz anders, nur für mich sieht der Weg dahin gerade so aus.
Am Anfang von Techno legte ich mal im Tresor auf und ein Freund aus der alten Heimat war zu Besuch und kam mit. Der kannte mich noch aus den Zeiten, als ich im Dschungel in Wiesbaden (Heute Basement) auf 2 riemenangetriebenen Plattenspielern Platten aneinander hängte, entweder mittels Intro und Outro überblendend oder mit schnellem Cut von einem Track zum anderen wechselnd. Zu der Zeit war der Wiedererkennungswert noch wichtig und als er da nun im Tresor stand war sein erstes Erstaunen, das er nicht einen Track kannte und auch über Stunden kein Gesang zur Orientierung da war, geschweige denn das er wusste wo ein Track aufhörte und der nächste anfing und die tanzende Meute wollte das auch noch so, darüber war er offensichtlich schwer irritiert.
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T35: Mein Closing Set zum 35 Jahre Tresor Weekender

35 Jahre schon, puh! und ich erinnere mich noch gut an die Anfangstage. Hier ein Exzerpt aus dem damaligen Thema der Woche im hiesigen Blog dazu:
Anfang 1991 befanden wir uns in Berlin in einer schwierigen Situation, 1988 hatten wir das UFO in der Köpenicker Straße, 89-90 gab es das zweite UFO am Kleistpark in Schöneberg, das aber von Anfang an Probleme bereitete, was bei einem ehemaligen Pennymarkt in einem Hochaus nicht weiter verwundern sollte . Richtig laut und bassig durfte es dort nie werden, das gab sofort Beschwerden von den Bewohnern, denen das Geboller durch die Lüftungsrohre direkt in die Wohnung geliefert wurde. Zudem hatte sich der anfängliche Charm der Location ziemlich schnell verflüchtigt und die neue Situation nach dem Mauerfall tat ihr übriges um den Laden zunehmend unpassend zu empfinden. Die Maueröffnung hatte alles verändert und schon bald gab es die ersten illegalen Parties im Osten. 1990 war das Jahr in dem man sich im Osten umschaute und 1991 explodierte dann alles, der Tresor war praktisch zwangsläufig, nur wußte eben noch keiner das er passieren würde. Möglich wurde das durch Johnny, der ursprünglich mit Wolle Tekknozid veranstaltete, sich aber bald mit Achim und Dimitri vom Fischlabor befreundete. Zu der Zeit war es für Westler nicht so ohne weiteres möglich an Immobilien, auch mietweise, im Osten ranzukommen, man brauchte quasi einen Strohmann: here comes Johnny! Von der Locationsuche hatte ich nicht viel mitbekommen, irgendwann hieß es einfach”komm mal mit, wir müssen dir was zeigen”.
Mein erster Eindruck war nicht spektakulär, eine geschlossene Fensterfront eines ehemaligen Ladens in einem Gebäude, das seinem Provisorium nach typisch Osten aussah, aber was dann folgen sollte ließ die Vorfreude schon bald hochköcheln. Zuerst zeigten mir Dimitri und Johnny den ehemaligen Laden, das sollte in der Tradition des Fischlabors ein Cafe werden. Aha dachte ich mir, während ich die dort rumliegenden Reiseposter mit kyrillischer Schrift inspizierte, dann ging es weiter in das, was später der Globus wurde, das sah schon eher nach Technoladen aus. Dann führten die beiden mich über abenteuerliche Treppen und Leitern auf’s Dach und allein die Möglichkeiten die sich bis dahin aufgetan hatten, liessen das UFO wie ein Überbleibsel aus grauer, langweiliger Vorzeit erscheinen, das hier war ein Abenteuerspielplatz bester Güte und vom Dach sah man auch noch auf den verwilderten Garten. Erst dann bekam ich in einer Manier, die Steve Jobs mit “oh, just one more thing” erst Jahre später kultivieren sollte, den eigentlichen, damals noch namenlosen, Tresor zu sehen. Obwohl, sehen ist eigentlich zuviel gesagt, bestückt mit einer Funzel ging es hinab in den Keller und was sich auftat war ein Raum im Raum mit abenteuerlichem Rundumgang, man mußte mir erstmal zeigen, was der eigentliche Raum war, ich ertastete und erahnte nur was da für ein Schatz verborgen lag und ab da war’s eigentlich nur noch ein Warten, das der Laden endlich aufmachen würde, was allerdings noch ein Weilchen dauerte. Ich riss weiter wöchentlich mittwochs meinen Cyberspace im UFO ab, dann gab es eine kurze Pause als das UFO schloss, aber der Tresor noch nicht fertig war und endlich im März 1991 war es dann soweit und der Tresor öffnete seine Pforten. Natürlich durfte das nicht offensiv beworben werden, das Ding war ja illegal, trotzdem strömten die Massen schon bald nach Beginn, einfach durch Mundpropaganda, wie es seit dem ersten UFO eigentlich Brauch war. Von Woche zu Woche sprach es sich mehr rum und alsbald hatte man eine lustige Mischung von Völkchen beisammen. Neben der Ursuppe von Berlin Techno traf man hier auf Raver aus Ost und West, zunehmend auch englische Soldaten, die heilfroh waren auf ihr Raven aus England hier nicht verzichten zu müssen und bald mußte jeder mit Rang und Namen aus Berlin, der was auf sich hielt, mal im Tresor gewesen sein, zumindest um ihn mal gesehen zu haben, denn alles und jeder sprach ja darüber. Immer wieder kam es zu amüsanten Szenen, wenn Leute meinten den tollen Tresor entdeckt zu haben und man sie dann erstmal durch die Stahltür in den Keller leitete, damit sie das eigentliche Prachtstück sahen und erfahren konnten. Was da unten im Keller abging war natürlich nochmal zwei Schippen doller als das doch eher zahme und normale Gewese im Globus. Ich glaube es gibt kaum jemanden, der aus dem Keller nicht irgendwie verändert rauskam. Und ich kenne Leute, die erst nach Wochen entdeckt hatten was ihnen zuvor entgangen war.

Das ist jetzt also schon 35 Jahre her und ich hätte nie gedacht, das nach der Schliessung ein weiterer Tresor existieren würde, allein die Einzigartigkeit der Räumlichkeit ließ das für mich unmöglich erscheinen, but here we are, es sollte anders kommen und ich bin heilfroh darüber! Nirgendwo anders kann ich so frei im Set sein wie da, siehe auch dieses Set, das mit 170 BpM startet und nach fast 5 Stunden bei 135 Bpm endet, mit immer mal wieder eingesprenkelten Tresorklassikern darin. Es war das Abschlußset der 35 Jahre Festivitäten und ich bedanke mich, als letzter verbliebener DJ aus der ersten Riege, das mir diese Ehre zuteil und das Vertrauen in all den Jahren entgegengebracht wurde.
Auf die nächsten 35 Jahre Tresor!