500 Words 13: Wann ist das eigentlich passiert?

Zwei Sätze zur WM die ich gerade gelesen habe (ich gucke die nich) und die so untereinander auch für das Land stehen könnten:

„Deutschland lebt von seiner Vergangenheit.“

und

„Vom alten Deutschland ist nichts übrig“

Beidem würde ich zustimmen, ersterem leider, letzterem eher freudig.
Mal so im Rückblick, aus der eigenen Perspektive: 1994 war hier in Karow das größte Neubaugebiet Europas, ein Stück weiter drüben in Brandenburg konnte man bis ca. 2006 enorme Fortschritte sehen, was Gebäude, Straßen und Rerstrukturierung der kleinen, alten Ortschaften hier anging. Aber gefühlt ab da verlangsamte sich das bis heute eigentlich fast nur, bis zum Stillstand. Vielleicht ist man einfach an einem Punkt angelangt, wo man zufrieden sein könnte und die Geschichte ist einfach auserzählt. Was aber fehlt ist eine Vision, wohin die Reise weiter gehen soll. Stattdessen regnet es Excel-Tabellen mit dem was alles nicht, oder finanziell nicht mehr geht, und sowieso eh alles Katastrophe ist. Gleichzeitig wird so ziemlich alles nieder gemacht, was einen aus der Misere rausholen könnte. Im Kleinen: „Keine Windräder in unserer intakten Landschaft!“ (Felder und Kieferplantagen). Im Großen: Katharina Reiche, Merz.
Aber wann und wie ist das passiert? Ist es die „Schwarze Null? Oder die deutsche „Wir machen nur Premium“ Arroganz, dieses Überlegenheitsgefühl wir sind eh die besten, alle gucken auf unsere Präzision, das gerade einen unsanften Bauchklatscher macht? Spätestens offensichtlich wenn man mit der Bahn fährt, oftmals eben auch leider schon der erste Eindruck, wenn man in ein Land kommt. Apropos Land: Wer so seit der Jahrtausendwende mal andere, fernere Länder besucht hat, konnte sich eh nur innerlich kopfschüttelnd über die angebliche deutsche Überlegenheit wundern.
Man hat oft das Gefühl, viele wollen zurück in eine vermeindlich bessere Zeit (als die Nationalelf noch rein hellhäutig war, im Fernsehn geraucht wurde und der Stammtisch noch in der Kneipe stattfand, anstatt auf Social Media), aber das Handy wollen’se dann schon mitnehmen! Damit man auch weiterhin einen Kanal für seinen Hass und zum Meckern hat und natürlich ChatGPT.
Das alte Deutschland wiederhaben wollen, während die Welt voran schreitet, aber bitte mit den Vorteilen des Heute, aber bloß nicht mit den Mitteln der Zukunft, ich glaube so wird das nix, das ist keine Vision das ist bestenfalls fantasielos und verwalterisch, ich denke so kommen wir nicht weiter.

Pic by Nano Banana

11 Jahre Weisser Hase, mein Closing Set

Letzte Woche feierte der Weisse Hase von Dienstag bis Montag 11 Jahre Bestehen und ich hatte die Ehre am Montagmorgen meinen Teil beizusteuern, zwar erschöpft vom Abenteuer vom Freitag auf Samstag und Kindergeburtstag, aber als ich dort gegen 23:00 ankam, wusste ich mich nicht allein in dem Zustand, sondern die Folgen der Festivitäten waren den meisten verbliebenen anzumerken. Hatte ich mir schon gedacht und deshalb quasi ein Club The Rest 2026 Set abgeliefert, also so wie ich denke das die Sonntagsafterhour im Globus seinerzeit heute klingen würde.
Eigentlich war mein Set gar nicht als Closing gedacht, aber nach mir war Ende auf dem Floor und es ging vorne AnneBar noch weiter.
Gleichzeitig möchte ich damit darauf hinweisen, das nicht nur dem Weissen Hasen nach 11 Jahren das Aus droht, sondern dem gesamten rhizomischen Kulturstandort dort, weil Investor und BVV im Krieg sind und natürlich wieder die Kultur das erste Opfer darstellen muss, deswegen auch das „ICH BIN RAW“ im Cover Hier noch ein paasr Links zur Causa:
Über das langsame Verschwinden einer Stadt

What if… RAW? Wie wir planen, während die Welt an die Sterne baut

Räumungsbedrohtes RAW-GeländeInvestor kündigt Frieden auf

Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn dieser Standort und vielleicht noch der Humboldhain demnächst wegfallen gibt es fast keine kleineren Clubs mehr innerhalb des Stadtrings und damit wäre Berlin kulturell um einiges ärmer, zugunsten der Investoren mit ihren leerstehenden Funktions- Hotel- und Bürobauten.
Jetzt aber viel Spaß mit dem Mix, Playlist ist auf Soundcloud

Ich habe die modernisierte Berlin-Hamburg Strecke getestet, damit ihr es nicht müsst

Am Freitag hatte ich mit meinen Freunden vom Hexenwerk Festival einen Gig im Hamburger Club 25, direkt auf der Reeperbahn. Da der Rest vornehmlich aus dem Harz anreiste, dachte ich es wäre eine gute Idee, die eine Woche zuvor wieder freigegebene Bahnstrecke Berlin-Hamburg zu testen, nachdem sie für Milliarden modernisiert wurde. Schon während der Woche kamen da aber zaghafte Zweifel auf, ob das tatsächlich so eine gute Idee wäre. In den Medien und aus dem Bekanntenkreis häuften sich Berichte, das da Verspätungen an der Tagesordnung wären und auch der Hinweis bereits auf dem Online Ticket „Rechnen Sie mit ca. 15 Minuten Verspätung“ sorgt nicht gerade für Entkräftigung dieser Zweifel. Aber ok, 15 Minuten, das ist man als Bahnfahrer ja durchaus gewohnt, man hat da schon Warteschwielen entwickelt, damit kommt man klar.
Meine Tochter hatte an diesem Tag Geburtstag, also nahm ich einen ICE um 20:00 und würde dann so gegen 22:00 in Hamburg sein, genug Zeit also um noch vor dem Gig bei einem Essen den ein oder anderen Plausch mit den Mitstreitern zu haben, es sollte natürlich anders kommen. Der Zug hatte eine Stunde Verspätung und das Gleis änderte sich währenddessen 3 mal, der letzte Wechsel knapp vor Abfahrt, woraufhin sich eine Menschenmenge schnellen Schrittes durch den Bahnhof malmte um den verdammten Zug noch zu erreichen. Während der Fahrt verloren wir nochmal Zeit, so das man gegen 23:45 im Hamburger Hauptbahnhof ankam, mein Gig sollte um 1:00 beginnen.

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Der lief auch gut, auch wenn die tropische Hitze dafür sorgte, das wohl nicht so viele die Veranstaltung besuchten wie sonst üblich, verständlich, und es war auch sehr hot in der Bude. Mein Gig ging bis 3:00 und ich nahm den ersten Zug zurück nach Berlin, der um 4:59 abfahren sollte. Sollte! Ich ging fälschlich von der Vermutung aus, das neuer Tag, neues Glück, morgens die Verspätungen sich noch nicht so hochschaukeln, wie das über den Tag üblich ist, aber weit gefehlt!
Screenshot

Schon während der Fahrt zum Bahnhof wurde mir die erste Verspätung angezeigt, um 6:02 statt eben 4:59 und das ging fröhlich so weiter, die Zugbindung war bereits aufgehoben, also schaute ich in der App welche anderen ICEs ich stattdessen nehmen könnte, das ah aber alles nicht besser aus, Baum auf der Strecke hier, verspätetes Personal da, alles in allem nahm sich das alles nix. Mittlerweile war ich 24 Stunden wach und lief auf dem Bahnhof rum um nicht müde zu werden, jetzt kam noch Hunger dazu und ich hatte ja genug Zeit und suchte mir eine Stärkung bei den allmählich öffnenden Läden. Dabei lief ich zufällig an einer Anzeigentafel vorbei, auf der ein ICE über Berlin angezeigt wurde, der nicht in der App stand, 5:39 mit nur 5 Minuten Verspätung, es war gerade 5:39! Also Stärkung links liegen lassen, ab ans Gleis, rein in den Zug. Auch der hatte am Ende natürlich die obligatorischen 15 Minuten Verspätung, was aber nichts im Vergleich zu dem Zug ist, den ich ursprünglich gebucht hatte und den ich natürlich weiterhin in der App verfolgte, der verspätete sich nämlich immer weiter bis der rote Anzeiger am Ende bei 8:09 stand um dann endgültig mit den lapidaren Worten „Aufgrund von aktuellen Ereignissen ist die erbindung nicht mehr fahrbar, Bitte suchen Sie sich eine neue Verbindung für Ihre Reise“auszufallen. Was mögen davon die Reisenden aus Kopenhagen auf dem Weg nach Prag wohl davon gehalten haben?

Natürlich habe ich sofort die entsprechenden Entschädigungen in der Bahnapp beantragt, frage mich aber wie die Bahn jemals bessere Zahlen und Zeiten sehen will, wenn sie quasi bei jedem Ticket 20-50% zurückzahlen muss?
Nach 27 Stunden wach war ich dann endlich wieder zuhause, einerseits liebe ich ja solche Challenges bzw. bin froh das ich die noch bewältige, aber andererseits, muss nicht wirklich sein

Tanith Tape Archiv #15: Tanithmix Vol.III #3 (10.02.1992)

Mal wieder ein Mix von 1992, also ziemlich genau die Zeit als ich „der härteste DJ der Welt“ oder „Herr der fiesen Töne“ genannt wurde, dem dieser Mix aber mal so gar nicht entspricht und auch dokumentiert, was für eine Spannbreite damals so möglich und nötig war, es passierte ja an allen Ecken was.
Die Playlist hab ich mal so gelassen, so war das halt mit Whitelabels, da stand sonst weiter nix drauf 😄

Sinee Track Feedback mit Robert Babicz und Tanith

Gestern hatte ich das Vergnügen mit Robert Babicz das Sinee Track Feedback zu gestalten. Das heißt, Host Robert kredenzt 8 vorher ausgewählte Tracks und wir beide beurteilen diese dann aus unserer Perspektive, das hieß Robert mehr aus Produzentensicht, ich mehr so aus der DJ Sicht, obwohl sich das ja auch oft überschneidet. Am Ende waren es fast 3 Stunden, die wir da palavert haben, denn natürlich geht es nicht nur um die Analyse der Tracks, sondern kommt darüber vom Hölzchen zu Stöckchen. Für mich war das eine Premiere und zwar eine sehr kurzweilige und unterhaltsame, die Zeit ging rum wie im Flug und ich hoffe natürlich das dies den Zuschauern ebenso erging. Gibt’s zum Nachschauen hier:

Tanith Tape Archiv #14: Barry Graves-Radio 4U – DJ Tanith – DJ Zappa – Wolle XDP – Mijk van Dijk 5.7.91

Nach etwas Hiatus geht’s nun weiter und zwar wieder mit einer denkwürdigen Radiosendung. Kurz vor der Loveparade 91 hatte Barry Graves (RIP) Wolle, Zappa, Mijk van Dijk und mich in seine Sendung auf, damals noch, Radio 4U eingeladen. Wer also die jungen Stimmen und wie wir damals, ganz am Anfang von Techno, so dachten hören will, ist hier gut aufgehoben.
Besonderer Dank geht nochmal raus an Rene Meier, der sich neben dem Digitalisieren auch richtig viel Mühe gegeben hat das Ganze optisch aufzubereiten.

Neuer Mix: Krachgarten #24

Musste mal wieder sein, weil sich doch einiges angesammelt hat, eine D&B Edition again. Fängt aber fast technoid an, schraubt sich hoch und auch wieder runter. Anderthalb Stunden feinstes rinsing.
Playlist:
Alyness – Fragmented Reality
Mike Parker – Positronic Tentacles
Sully – The Still
Agro – Allow It
FX909 – Rollzilla
Amoss, Minor Forms – Slow Turbo
Tomoyoshi – That Side
Noctem – What You Sayin
Nichenka Zoryana – Kapitochka
Nichenka Zoryana – Skreper X
Doom Poets, Technical Itch – Menecer
HLZ – All My Life
Drum Cypha – Blindfold
Technical Itch & Voyage & Brakken – Bad Like Fire VIP
HLZ – Roadblock
HLZ – Detroiting
Drumskull – Emergence
HLZ – Control
FX909 – Whatever
Bojcot, Mc Multiplex – Ruff Ting
Intergalactic Alliance Of The Blessed – Take it Off
HLZ – Matter Of Time
Intergalactic Alliance Of The Blessed – Sorry
Conrad Subs – Abstrakt Souls
Subtle Element – Medelin
Ruhige Cru – Virgil (Seba & Paradox Remix)
Quells – Claster

500 Words 12: The Future Of DJing

Ich habe mir die Tage mal ein paar Gedanken um die Zukunft des Djing gemacht und, soviel sei gespoilert, ich denke das wird vielen nicht gefgallen, aber sei’s drum. Es muss ja auch nicht so kommen, aber ich schmeisse das mal in die Runde, vielleicht kommt’s ja auch ganz anders, nur für mich sieht der Weg dahin gerade so aus.
Am Anfang von Techno legte ich mal im Tresor auf und ein Freund aus der alten Heimat war zu Besuch und kam mit. Der kannte mich noch aus den Zeiten, als ich im Dschungel in Wiesbaden (Heute Basement) auf 2 riemenangetriebenen Plattenspielern Platten aneinander hängte, entweder mittels Intro und Outro überblendend oder mit schnellem Cut von einem Track zum anderen wechselnd. Zu der Zeit war der Wiedererkennungswert noch wichtig und als er da nun im Tresor stand war sein erstes Erstaunen, das er nicht einen Track kannte und auch über Stunden kein Gesang zur Orientierung da war, geschweige denn das er wusste wo ein Track aufhörte und der nächste anfing und die tanzende Meute wollte das auch noch so, darüber war er offensichtlich schwer irritiert.
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