Thema der Woche 178 Gastbeitrag von Wolle XDP zum Thema: Elektronische Musik in der DDR

wenn man dieses Stück Zeitgeschichte rückblickend erklären möchte, muss man zwangsläufig etwas ausführlicher die Lebensumstände in der DDR erklären. Anders als in den vielen Büchern beschrieben, bestand dieses Leben nämlich nicht nur aus Stasi und Mauer, es war auch nicht grau in grau, sondern es war vor allem anders. Die Lebensumstände unterschieden sich sehr grundlegend. Das ist für dieses Thema insofern wichtig, als dass man für das Musikhören zuerst einmal etwas braucht, was Musik abspielt. Und damit sind wir mitten drin im DDR-Alltag.

Meine erste eigene Ein-Raum-Wohnung (im Osten hießen Zimmer eben Räume) kostete im Monat 24,00 Mark. Dagegen bekam ich als Lehrling nur etwa 110,00 Mark im Monat und als Facharbeiter immerhin 700,00 Mark. Ein Brötchen kostete 5 Pfennig, ein Brot 50, das S-Bahnticket 10 Pfennig… kurzum, man konnte in der DDR mit etwa 300 Mark im Monat durchkommen. ABER Luxuskonsumgüter (und dazu zählte alles, was man nicht zum unmittelbaren Surviving benötigte), insbesondere technische Geräte zum Hören von Musik oder zum Fernsehen, kosteten dagegen ein wahres Vermögen. Darauf musste man lange Sparen. Zudem gab es im Osten eigentlich auch nur maximal die Auswahl zwischen den Produkten eines Herstellers. Für tragbare Radios war das der VEB* Stern Radio (*Volkseigene Betrieb). Ein tragbarer Kassettenrecorder kostete (nach meinen Erinnerungen) etwa Eintausend Mark. Hier ein paar Beispiele.
Diese Dinger hatte weder Bass, noch waren sie stereo. Sie waren regelrechter Schrott und jeder, der irgendwie die Möglichkeit besaß, versuchte sich was Brauchbares aus dem Westen zu besorgen. Dafür brauchte man entweder eine gönnerhafte Verwandtschaft im Westen oder musste sich die D-Mark auf dem Schwarzmarkt besorgen. Der Preis einer D-Mark lag zwischen 4 und 8 Mark der DDR. Dementsprechend musste man für einen passablen Stereokassettenrecorder aus dem Westen etwa 2000 bis 3000 DDR-Mark aufbringen (sowas kostete im Westen damals etwa 300-600 DM). Brauchbare Stereo-Kopfhörer gab es in der DDR überhaupt nicht. Die CD war im Osten vor der Maueröffnung ohne Bedeutung.

Genauso schwierig war es, überhaupt an Musik heranzukommen. Es gab in der DDR genau ein Plattenlabel: Amiga mit seinen Unterlabeln Eterna (Klassik) und Litera (Hörspiele). Amiga lizenzierte gefühlte 5 Platten von “Westkünstlern” im Jahr in einer so geringen Auflage, dass es jeden Donnerstag mehrere Stunden vor der Öffnung einiger Plattenläden bereits endlose Schlangen gab. Die Leute stellten sich an, ohne zu wissen, ob und welche Platten es an diesem Tag zu kaufen geben würde. Interessanterweise lizenzierte Amiga bereits in den 80ern einige elektronische Musiker. Unter anderem gab es Tangerine Dreams, Klaus Schulze, Vangelis, Jean Michel Jarre, Tomita… Ebenso interessant ist, dass diese Platten im Gegensatz zu allen anderen Lizenzplatten vergleichsweise wie Blei in der Regalen lagen. Ob es am Geschmack der Ostler oder an den fehlenden Stero-Abspielgeräten lag? Ich bzw. meine Mutter besaßen alle diese Platten. Meine Mutter und ich waren begeisterte Fans davon. Überhaupt muss ich zugeben, dass meine Mutter mich musikalisch stark geprägt hat. In meiner Kindheit wurde kein Radio gehört. Wir hörten Platten. Meine Mutter sammelte Jazzplatten (und auf Amiga wurden nahezu alle Klassiker des Jazz veröffentlicht! Ich kenne Nate King Cole, Armstrong, Goodmen, Herbie Hangkock usw seit ich Ohren habe) und Klassik.

Mein Schlüsselerlebnis jedoch, welches mich für immer zum Fan von elektronischer Musik machen sollte, war mein erstes Mal Musikhören mit einem Stereo-Kopfhörer. Es war die Pink Floyds “Darkside of the moon”. Den Hubschrauber am Anfangs des Stückes werde ich wohl nie in meinem Leben vergessen. Ich konnte einfach nicht fassen, dass der Hubschrauber nicht real vorhanden war. Ich musste das immer wieder hören und schaute mich jedes mal ängstlich um, ob da wirklich kein Hubschrauber wäre. Ich war vielleicht 7 oder 8 Jahre jung. An diesem Abend (bei einer Freundin meiner Mutter) hörte ich auch zum ersten mal Klaus Schulze und Tangerine Dream. Der Irrsinn – addicted for ever!

1981 verstarb meine wohlhabende Westtante. Ich erbte soviel Westkohle, dass ich stolzer Besitzer eines gigantischen Sharp-Stero-Ghettoblasters und ein paar geiler Kopfhörer wurde. Ab da lebte ich zeitweise in einer anderen Welt: “Unter meinen Kopfhörern”. Das Riesending schleppte ich solange mit mir rum, bis ich endlich einen Walkmen hatte. Die Vorzüge meines Ghettoblasters eröffneten sich erst viel später, als ich anfing, auf der Straße zu tanzen. Das war so 1983 und klar lebte ich darin meine Liebe zu elektronischer Musik aus. Mein Dancetracks waren CODs “Message in the Bottle”, Planet Patrol “Play at your own risk”, “Planet Rock” und von der “Jonzun Crew”…

Um an solche elektronische Musik heranzukommen, musste man Radio hören und “Mitschneiden” oder “Tapen”. Genauer gesagt machte man das übers’ Westradio. Dort besorgte man sich gefühlte 99% seiner Musik. Um an Musik außerhalb des Mainstreamgeschmackes heranzukommen, musste man viel Zeit vor dem Radio zu bringen. Im Berlin hatte man es da noch gut. Denn hier gab es den SFB4 (später Radio4U), der uns nicht nur durch die Radiolegenden Barry Graves und Monika Dietl versorgte, sondern auch andere Spezialsendungen, meistens spätnachts.

Mit Musikern in DDR hatte ich erst viel später und dann auch nur beruflich bedingt Kontakt. Sie interessierten mich nicht. Sie ekelten mich regelrecht an. Für mich waren das alte Männer, die zuviel Rauchten, Alkohol tranken und schreckliche Musik machten. Es waren Rocker. Genau wie gefühlte 99% aller Ossi-Jungendlichen. Man trug Jeans, lange Haare, trank Bier, interessierte sich für Fussball und hörte Rockmusik. Udo Lindenberg, ACDC, Peter Maffey… und Mann verprügelte gern gemeinsam Außenseiter. Jugendliche, die Musik machten, spielten Gitarre und Schlagzeug und das in Bands, die Rockmusik machten. Elektronische Freaks kannte ich keine.

Wegen meiner Begeisterung für elektronische Breakdancesounds ist es auch zu einem der vielleicht wichtigsten Irrtümer für das technomusikalische Geschehen Berlins gekommen. Es war noch im Dezember 1989 und ich hatte im Ufo-Club beim Flyerverteilen für meine Housepartys diesen komischen Vogel in Tarnklamotten kennengelernt. Der gab mir einen Flyer für die Eröffnung seines Mittwochsclubs im Ufo, mit dem Namen Cyberspace. Ich weiß noch wie gestern, wie ich auf dem Nachhauseweg mit Johnnie den Text dieses Flyers diskutierte. Da stand was von “elektronik beats” und “industrial hiphop” – das konnte doch nur eine Art Elektrofunk, also meine alte Breakdancemucke a la Bambaataa und Co sein (?). Johnnie meinte “nö, das ist was anderes”. Aber ich wollte es ihm nicht glauben. Ich wollte das Hören. Denn diese Musik verschwand ca 1985 fast vollkommen aus den Bereich meiner musikalischen Bezugsquellen. Housemusik war ja ok, aber mir eigentlich nicht elektronisch genug. Ich musste deshalb dahin. Als ich Tanith das erste mal hörte, wusste ich sofort, dass ich angekommen bin. Die Musik an den Freitagen und Samstagen im Ufo war ok, aber gegenüber dem, was es Mittwochs bei Tanith gab, war das Lichtjahre entfernt gestrig. Da war so gut wie niemand, aber Johnnie und waren uns einig, dass wir genau mit dieser Musik was richtig richtig Großes machen müssen. Was richtig Großes… :)

Thema der Woche 177: B-Parade

B-Parade also, naja, wenigstens steckt da die Wahrheit schon im Namen. Zum wievielten mal wird die jetzt eigentlich angekündigt? Wenn ich mich nicht verzählt habe ist dieses Jahr das 6. Mal in Folge, ohne das sie je stattgefunden hätte. Und es ist ja nun auch nicht so, das ausgerechnet Berlin noch eine Technoparade, die sich nur vordergründig an die Loveparade anlehnt, nötig hätte. Wir haben hier den CSD und den Karneval der Kulturen, Techno ist sowohl dort, als auch in der Gesellschaft angekommen und braucht, zumindest hier, kein separates Spektakel mehr, das von denen die es eigentlich angeht, sowieso nicht angenommen wird. Berlin hat mittlerweile jedes Wochenende mehr Technotouristen als bei der dritten Loveparade in die Stadt kamen. Eigentlich wollen das nur irgendwelche Veranstaltungshanseln die mit der Technokultur sonst eher wenig, bis gar nichts zu tun haben, wohin das führt konnte man ja eindringlich beim Ende der Loveparade mitansehen, plus ein paar Gesellen, denen es eh nie genug Präsentationsfläche sein kann und die sich sogar mit einer 24/7 Präsens unterrepräsentiert vorkämen. Das mit der Aufmerksamkeit verhält sich da nämlich so ähnlich wie mit der Macht, jene die am lautesten danach schreien sind genau die welche am wenigsten damit umgehen können. Und so kommt es das solche Naturen auch dann noch das Ding begrüßen wenn schon feststeht das das Konzept bis auf Strecke, Trucks und Halligalli so gut wie gar nix mit der einstigen Demo für Friede, Freude und Eierkuchen mit Technotopping zu tun hat, oder hätte damals auch nur einer Einzäunung mit Einlaßkontrollen durch Sicherheitspersonal gut geheißen? Eben. Aber klar, man muß heutzutage eben auf seine Kosten kommen, die eine Cateringfirma ohne Webpräsens wohl vorschiesst und da stört mitgebrachter Proviant halt nur, weil die zwei Millionen wollen eben auch wieder eingefahren werden. Und damit schliesst diese B-Parade nahtlos an das an, was in Duisburg schiefgegangen ist, das war auch nur der erste Versuchsballon wie man die Sache monetarisieren kann, oder wie kommt man sonst auf die Idee eine Parade einzuzäunen?
Ansonsten verhalten sich die Verlautbarungen auf der B-Parade Seite immer noch recht blumig und vage, ich kenne bislang niemand der die unterstützt, obwohl dort von vielen Unterstützern gesprochen wird, andererseits redet man dort nach der Pressekonferenz immer noch davon das man “Finanzierung sicherstellen, das Team neu aufstellen, Mitstreiter ins Boot holen” müsse. Klingt jetzt nicht unbedingt nach einem so sicheren Plan. Von daher glaube ich auch erst an eine Durchführung wenn ich die gesehen habe und denke mit einer Wette auf eine nächstjährige Ankündigung mit Nichtausführung läge man durchaus besser.

Thema der Woche 176: Hardcore und Gabber, früher und Entwicklung bis heute

Als Techno noch jung und unschuldig war, wollte er, wie alle unschuldigen Jungs natürlich seine Grenzen ausloten und was bot sich da näher an als die BpMs. Das war so ab 1992 und wir waren damals von heute aus besehen eh schon schnell unterwegs, 135 – 150 BpM waren keine Seltenheit, aber da mußte doch noch mehr gehen! Das Ergebnis war unter anderem Gabber, wo schon mal an der 160 gekratzt wurde, dazu noch Bassdrums wie Atombombenabwürfe und Snares aus dem Maschinengewehr, fertig ist die Gabberlaube. Ich weiß nicht mehr wer damit eigentlich angefangen hatte, aber Rotterdam Records mit Poing war so ein Startsignal, das sich dann von Release zu Release höher schraubte und anfangs wirklich noch kabarettistische Züge trug, wie z.B. Euromaster’s Alles Naar De Klote

von dem es dann folgerichtig auch den 250 BpM Remix gab

Die Sache wurde 1993 zum Selbstläufer und zig Produzenten überboten sich darin aberwitzig schnelle Tracks mit noch zerstörteren Bassdrums zu zimmern, Labels wie Mokum und Knor kamen dazu, in Deutschland spezialisierte sich unter anderem Marc Arcadipane’s PCP in Frankfurt darauf, deren Liveacts dazu wirklich sehenswertes Tschabo Theater bot. In Berlin hatten wir die Gabba Nation und Gabber Front Berlin, die sich vornehmlich im Bunker austobte. Ansonsten bot Gabber durchaus unterschiedliche subkulturelle Bilder, während es hier in Berlin und im Osten eher linksgeprägt schien, war bei Gabber im Westen und insbesondere an der holländischen Grenze immer wieder von Rechtstendenzen zu hören. Im Ursprungsland Holland ebenso, aber bei dem Hellraiser Rave für den ich mal gebucht war, war davon nichts zu merken, da waren eher die Christen vor dem Eingang auffällig, die Flyer verteilten das dies die Musik des Teufels sei und Schwangere nach Besuch exorziert werden müßten damit dabei nicht Rosemary’s Baby rauskommt.
Wie das mit dem Grenzen ausloten so ist, ist die halt irgendwann Ende im Gelände und jegliches weitere Gelote hat dann etwas verzweifeltes und so entwickelte sich Gabber einerseits mit Mental Theo & Charlie Lownoise, Thunderdome Compilations, Mixen und Raves zur Karikatur seiner selbst, andererseits musikalisch und ästhetisch zur Technoantwort auf Deathmetal. Diese Entwicklung ging ziemlich flott und bis 1996 war eigentlich alles gesagt was man mit Gabber mitteilen konnte. Interessant waren dann höchstens noch Offshots wie Breakcore, welcher sich mit dem BpMgleichen Drum&Bass verband, Rettungsversuche wie Intelligent Gabber sollten aber lediglich amüsante Fußnoten am Rande bleiben. Manche verorten noch Schranz als Nachfolger von Gabber, welcher ja so um die Jahrtausendwende blühte, was sicherlich in einigen Punkten seine Berechtigung hat, ich persönlich möchte allerdings nicht so weit gehen.
Interessant am Gabberphänomen ist, das zumindest bei mir, lediglich die Tracks in Erinnerung blieben die dem Gabberklischee gerade nicht entsprachen, wie z.B.

das oben schon erwähnte Alles Naar De Klote
?Rotterdam Termination Source – Poing?

Sperminator – No Women Allowed

Hocus Pocus – Here’s Johnny

Controller – Regulator

Glitch – War Path

Holy Noise – Nightmare (Powermix)

Hier noch eins das ich damals ganz schlimm fand, über die Jahre aber wie ein guter Wein gereift ist
?Technohead – I Wanna Be A Hippy ?

Sicherlich gibt es Gabber auch heute noch, aber ich habe da nicht weiter geforscht, meine letzten Begegnungen damit waren auf der Nature One und der Mayday die Gabberfloors die ich kreuzte und wo dann Jumpstyle und Scooter liefen, weiß jetzt nicht ob das symptomatisch ist.

Mit Hardcore verhält sich die Sache nun wieder ganz anders, nicht nur weil da jeder so seine eigene Definition für hat, sondern weil dadurch auch der Pool viel größer ist aus dem man schöpfen kann. Unsere Berliner Definition spann sich von hartem Techno über Gabber bis zu dem was in UK den Namen trug und mit klassischem Techno, bis auf die gleichen Wurzeln, eher wenig zu tun hat. In UK war Hardcore das was z.B. Altern 8 und Force Mass Motion anstellten, um mal die vielleicht bekanntesten Acts zu nennen, aber darunter existierte ein ganzer Kosmos aus Kleinst- und Whitelabels dessen Epoche von ca. 91- 93 schon längst mindestens eine eigene Doku verdient hätte. Die Sache splittete sich dann auf in Jungle, später Drum & Bass und auf der anderen Seite diese Vermischung von Eurogabber mit UK Hardcore, wie sie z.B. Scott Brown mit dem Label Shoop und Twisted Vinyl zelebrierte, das auch seine Momente hatte, aber auf Dauer dann doch eher immer auf der gleichen Klaviatur rumklimperte, was zur Ermüdung des Genres führte.
Dennoch spricht man vom Hardcore Continuum, das vornehmlich in den englischen Nachfolgern immer unterschwellig noch vorhanden ist, sei es im Breaksgarage, dem Evil Twin des 2Steps der Jahrtausendwende oder im frühen Dubstep von 2004 bis ca 2007, wenn man sich mal Sachen von z.B. Vex’d, Search & Destroy oder Toasty zu Gemüte führt. Und es ist bis heute nicht tot zu kriegen, letztens erst legte ich mir die neue EP von Dexplicit zu, welche unter anderem diese beiden Tracks beinhaltet, die eindeutig Hardcore schreien:

Thema der Woche 175: Berlin vs. Frankfurt: Der ewige Clinch gestern und heute

Wenn es diesen Clinch tatsächlich mal außerhalb diverser Szenemedien gegeben hat, dann ist er doch längst entschieden, schliesslich wohnen nicht wenige der Protagonisten des einstigen Gerangels um die Techno Hauptstadt mittlerweile in Berlin.
Ursprünglich ging es ja mal darum das Frankfurt dachte sie hätten Techno, wenn schon nicht erfunden, so doch wenigstens als erste gehabt und von daher per se das Anrecht auf den Titel der Techno Hauptstadt, dann verdichteten sich aber die internationalen Berichte darüber wie Techno Berlin sei, wobei gerne und oft aus Gründen mit dem Titel Hauptstadt kokettiert wurde, worauf Frankfurt’s fast schon schwäbische Antwort war, das in Berlin gefeiert, in Frankfurt aber gearbeitet würde. In Folge griff das ein frisch zugezogener Frankfurter auf um daraus in seinem Blatt Frontpage weiter zu polarisieren, was man in Frankfurt’s Technokreisen nur zu gerne aufnahm. Es gab dann die Überlegung ob man den Diss nicht noch Richtung Alter der DJs in Berlin biegen könnte, allerdings stellte man dann mit Blick auf z.B. Dag fest das das auch nicht hinhauen würde. Klingt jetzt alles viel drastischer als ich es empfunden habe, das lief eigentlich alles im Rahmen einer ziemlich fairen und sportlichen Kebbelei mit Augenzwinkern ab, zumindest ist mir nicht bekannt das es Stadt- oder Auflegeverbote von der einen oder anderen Seite gegeben hätte und spätestens zur Loveparade waren dann doch wieder alle vereint am feiern.
Nun, alle Arbeit hat da bekanntlich nix genutzt, mittlerweile läßt sich allein schon an der Club, Label und Artistdichte wenig dran rumdeuten wer den Titel langfristig ergattert hat. Was natürlich nicht bestreiten will und kann, das man sicherlich auch in Frankfurt nach wie vor ordentlich feiern und leben möglich ist, nur eben halt in kleinerem Rahmen, da hilt auch kein Verweis auf kleinere Größen und Prozentrechnung.
Wo der Clinch heute liegen soll erschliesst sich mir daher nicht so recht, soweit ich das beurteilen kann leben beide Städte doch in harmonischer Symbiose, zumindest was den Austausch angeht und die hierher gezogenen Frankfurter fungieren ja auch als vermittelnde Botschafter. Natürlich gibt es gewachsene Unterschiede, die aber weit weniger gravierend sind als es vielleicht noch in den 90ern der Fall gewesen sein mag. Ich kann da also keinen Clinch mehr erkennen, denn auch die Fehde von damals war ja eher eine spielerische, was natürlich einige FANatiker nicht davon abhielt die Sache verdammt ernst zu nehmen, aber wer keinen Spaß versteht hat halt auch keinen, mein Mitleid hält sich da in Grenzen.

Thema der Woche 174: Cyberpunk. Tanith´s Buchempfehlungen von Klassik bis Moderne

Cyberpunk als Literaturgenre ist eigentlich recht überschaubar, im Grunde reicht die Epoche von Mitte der 80er bis Anfang der 90er. Wo es genau anfängt ist schwer zu eruieren, zählt William Burroughs als Wegbereiter schon dazu? Bei Philip K Dick sieht das schon eindeutiger aus, so kann man “Do Androids Dream Of Electric Sheep”, das dann als “Blade Runner” verfilmt wurde, durchaus als Cyberpunk bevor es Cyberpunk als Genre gab durchgehen lassen. Überhaupt sehe ich Filme wie “Blade Runner” oder “Die Klapperschlange” als die eigentlichen Vorläufer der Cyberpunk Literatur, die so richtig erst mit der Neuromancer Trilogie von William Gibson und Bruce Sterling’s “Schismatrix” losging. Natürlich gab es auch klare Vorläufer die man dann erst später dem Genre zuordnen konnte “Software” von Rudy Rucker erschien schon 1980, John Brunner’s Schockwellenreiter gar 1975, aber erst mit dem Aufkommen des Genres wußte man diese Ausreisser auch einzuordnen.
Ab ca. 1985 wurde es dann ziemlich bunt, da Cyberpunk die komplette Science Fiction wach rüttelte. War vorher alles Raumschiff, weite Welten, cleane totalitäre Zukunft und Fantasy, waren nun plötzlich Outcast, Dreck und Planet Erde viel spannender. Ich habe von 1986 bis ca. 1989 so ziemlich alles verschlungen was den Stempel Cyberpunk aufgedrückt bekam, in positiver Erinnerung ist nur wenig geblieben und die Bücher habe ich auch noch da:
Greg Bear’s Blood Music
John Shirley’s Elipse und Eclipse Penumbra
Marc Laidlaw’s Neon Lotus und Dad’s Nuke
und die Kurzgeschichtensammlung Mirrorshades
der letzte Cyberpunkroman den ich so betiteln würde und las kam 1992 von Neal Stephenson heraus, Snow Crash markiert für mich mit tollem Furioso des Ende der Epoche, danach kamen Filme wie Terminator oder Matrix, die Cyberpunk auf anderer Ebene zwar weiterführten, aber als Literaturgattung war es irgendwie durch, was vielleicht auch mit der Verbreitung des Internet zu tun hatte. Plötzlich waren diese Zukunftsverheissungen in gewisser Weise Realität geworden, man brauchte sich das alles gar nicht mehr imaginieren, sondern hatte es physisch vor sich und konnte ahnen wie nah dran an den Fantasien von vor ein paar Jahren man war.