Thema der Woche 173: Elektronische Musik als Lebensstil

Ich bin ja richtig dankbar das das Thema endlich mal gewonnen hat. Endlich mal aufräumen mit den Irrglauben Elektronische Musik wäre ein Ding das nur im Club ge- und erlebt werden könnte, weit gefehlt. Das mag zwar bei vielen in vorwiegend urbanem Umfeld und in einem Alter von 16 bis, sagen wir mal, bei manchen vielleicht sogar in die Vierziger hinein hauptsächlich dort stattfinden, aber Elektronische Musik als Lebensstil kann ja noch soviel mehr und zwar immer und überall und das schönste dabei: es gibt weit und breit keine Regeln und Formeln wie das zu leben ist oder wie das geht, nichtmal eine Kleiderordnung ist auszumachen, nichtmal der Clubbesuch ist zwingend notwendig. Aber natürlich haben manche Klischees auch ihren wahren Kern und so ist es natürlich dem Gefühl Elektronische Musik zu leben sehr zuträglich diese zu produzieren oder sonstwie damit verbandelt zu sein. Und was könnte ein Stärkeres Gefühl der Verbindung mit Elektronischer Musik erzeugen als inmitten blinkender LEDs von Equipment oder Festplatten zu sein und diese zu produzieren?
Nun, für viele einiges, denn es ist ebenso egal ob einer mit seinen Buddies in irgendeiner Bude hockt und Tracks bastelt, mitten in der Nacht das Lineup der nächsten Party plant, während man gleichzeitig am Flyer schraubt, oder ob einer abends bei einer Flasche Wein Bilder anguckt und dabei Elektronische Musik über Kopfhörer hört, oder ob einer ein Blog mit Mixen füttert oder ein anderer dreimal den Stadtring umrundet und dabei Drum & Bass als Soundtrack goutiert, das alles kann, muß aber nicht ein Teil von Elektronische Musik als Lebensstil sein, er muß es nur für sich selber so definieren und fühlen.
Jede Musik fungiert für seinen Hörer ja mehr oder minder als Soundtrack zu seinem Leben und Elektronische Musik paßt allein schon vom Namen her perfekt zu diesen Zeiten, für mich war das eigentlich schon zu Zeiten so, als ich Clubs nur selten von innen sah, aber Cyberpunk Romane las und dazu Skinny Puppy oder Acidmixtapes per Walkman auf den Ohren hatte und per Casiosampler und 4 Spurcassette versuchte Tracks zu basteln. Das war für mich schon Elektronischer Lebensstil mit der dazu passenden Elektronischen Musik.
Es war mir daher völlig unverständlich, als ich anno 95 Internet zuhause hatte, das ich anfangs so wenige Technoafficionados dort antraf. Ich ging eigentlich davon aus das gerade der Teil der Gesellschaft sich sofort darauf stürzen würde und war bas erstaunt wie lange es dauern sollte, bis Techno tatsächlich auch im Netz statt fand, nämlich eigentlich erst Ende der 90er als die ersten Foren aufploppten und so quasi den virtuellen Club ins heimische Ambiente brachten, da hatte ich schon lange einen Newton und via dem und der IR Schnittstelle an meinem damaligen Mobiltelefon Partyeinladungen via SMS verschickt – in einem Boot! auf dem See! und fühlte mich so Zukunft dabei. Vorher gab es lediglich abfahrer.ger im Fido Netz wo sich die Nerdfraktion der Technogesellschaft traf. Ich bin immer noch erstaunt wieviele Kollegen eine gespaltene Meinung zu Techno mit Internet haben und alles bloß wegen diesem Urheberrecht, das eigentlich ein Verwerterrecht ist.
Gerade heute kommt man dem Ideal, das die futuristische Frühphase von Techno so beschwor, doch schon recht nahe, Internet ist real, ich lese auf elektronischen Geräten und mittlerweile rauche ich sogar elektronisch! Elektronische Musik ist überall, auf Smartphones, im Rechner und auf Speichern aller möglichen Art, es gibt kaum noch einen Lebensbereich der nicht damit als Lebensstil zu verknüpfen wäre und das Beste vielleicht: es ist kaum kostenabhängig, genau so wie es Cyberpunk prophezeit hatte. Klar kann man das auch hochpreisig ausleben, aber im Gegensatz zu vielen anderen Lebensstilen ist es eben keine Bedingung. Wer hätte damals gedacht, das wir die fantasierte Zukunft tatsächlich noch erleben und dann auch noch so schnell!

Thema der Woche 172: Tanith und neue Produktionen? Kein Bock mehr auf was rausbringen?

Was heißt hier ich bring nix mehr raus, die Tage erscheint mein Remix von Mia’s Fallschirm! Aber stimmt schon, die Releasefrequenz ist bei mir traditionell eine sehr niedrige, das hat viele Gründe. In erster Linie hat das neuerlich natürlich mit meiner Rolle als Vater zu tun, die mir wenig Zeit lässt um mal für Tage oder gar nur Stunden in die Autistenkiste Studio abzutauchen und unter 4 Stunden am Stück macht das bei mir wenig Sinn, ich bin da eher Langsamarbeiter und habe mich da in letzter Zeit eher auf Fotografie verlegt, wo man schon mal in kürzerer Zeit ein ordentliches Ergebnis hinlegen kann.
Desweiteren hat meine Motivation in Sachen Labels und Releases schon zu der Zeit arg gelitten als ich noch welche hatte, um nicht zu sagen es ist das nervigste was ich in meinem Leben erleben durfte. Was für ein Gewese für eine Sache bei der man auch noch ständig draufzahlt, auch mit Nerven! Diese ganze Chose mit Label A&R, GEMA etc ist einfach nicht mein Ding, das habe ich gelernt und attraktive Alternativen für mich haben sich noch nicht erschlossen. Ich weiß ja nicht ob sich da mittlerweile was geändert hat, aber auf anderen Labels releasen hätte ich keinen Bock, wenn ich mich an dieses Auswahlgerödel erinnere, “Der Track ist ja ganz cool, aber kannste die Snare vielleicht noch’n bisschen vorholen, andere Bassdrum drunter, Intro kürzen, den Break in der Mitte rausnehmen und dafür den Schlußpart vorne schonmal kommen lassen? Wir lassen den dann noch von XY remixen, damit wir auf den Breakeven kommen” “Och nö, dann laß ma”.
Zudem, im Gegensatz zu meinem anderen Output bin ich mit Tracks eigentlich nie zufrieden, ich weiß zwar wann Schluß mit der Editiererei und Arrangiererei zu sein hat, aber so dieses Ich-lass-das-dann-mal-wie-es-ist-Gefühl will sich so gut wie nie einstellen. Auch wenn andere meinen “Och, ist doch super!” finde ich das noch lange nicht, dann liegt das Ding auf Halde wird nicht jünger und irgendwann hört man sich’s wieder an und denkt, da mußte aber nochmal ran um das aktuell zu kriegen – und lässt es dann doch.
Ach was soll’s, vielleicht bringe ich die Sachen in Zukunft einfach via Soundcloud, Bandcamp oder ähnliches über diese Seite raus, genug rumzuliegen hab ich hier ja.

Thema der Woche 171: Marcel Dettmann

Kinners, was wollt ihr denn jetzt schon Marcel Dettmann? Lasst den doch mal in Ruhe reifen oder soll ich jetzt schon den Abgesang auf ihn schreiben? Der Mann hat doch gerade erst angefangen! Ja, macht tolle Musik, Ostgut Resident, zu recht!
Hat bei Hardwax gearbeitet und das gut!
MDR, schönes Label mit bislang 8 Releases, auf denen auch sein Kumpel Norman Nodge released, ich hab sie alle!
Ist gerade im Urlaub, weiß ich, weil ich letzte Woche mit ihm mailen mußte.
Aber sonst? Weiß echt nicht was ich da schreiben sollte.

Thema der Woche 170: Klaus Jahnkuhn

Tja, das ist mal einer über den ich so gut wie gar nichts berichten kann, außer das was wohl jeder über ihn weiß: Hausproduzent von Low Spirit und Westbam. Meine paar Begegnungen mit ihm beruhen auf Zufälligkeiten und er erschien mir als netter Mensch, trotzdem machte ich mich immer gern lustig darüber wie man ein so teures Studio wie die Jungs habenund trotzdem so billig und ohne Bass klingen kann. Seine Art des Produzierens kam mir daher immer etwas anämisch vor, aber wahrscheinlich war das sogar gewollt, nette Menschen wollen ja keinem weh tun.
Was er heute macht, keine Ahnung, Discogs sagt immer noch sporadisch Westbam produzieren und die jährliche Members Of Mayday Hymne machen die beiden wohl auch noch zusammen, aber wahrscheinlich hat man in den Kreisen eh ausgesorgt und man braucht sich keine Sorgen um den stillen Mann im Hintergrund machen

Thema der Woche 169: Schliessung ICON und die Auswirkung auf die Berliner DnB Szene

Natürlich ist das mehr als traurig das ein weiterer Club aus dem Prenzlberg verschwindet, zumal einer mit solch einer Historie. 15 Jahre hat das Icon hier überstanden und das obwohl es nie mainstreamig war, sondern als Bastion der etwas anderen Geschmäcker galt. Sei es Drum & Bass oder auch die ravigeren Sachen auf den Freitag und auch Dubstep hatte in den letzten Jahren ein zuhause dort. Ich habe da viele Nächte Breaks aufgelegt, lang ist es her und das Kellergewölbe erinnerte mich immer an englische Clubs in denen ich gespielt hatte, so mit dem Backsteininterieur und der Aufteilung, von daher passte es natürlich bestens das dort auch die eher englischstämmigen Styles heimisch waren.
Das ganze Hin und Her bis zur Schliessung war ja auch ein Debakel, wie ich es keinem Clubbesitzer wünsche und doch ist das nicht nur hier fast Tagesordnung. Gegenüber wird ein Neubau aufgezogen, natürlich hochpreisig, ein Käufer der überteuerten Eigentumswohnung beschwert sich über den Lärm- nicht aus dem Club, denn da war nichts zu hören, sondern über die Leute die in den Club rein wollten, alleine schon die Schlange davor ist solchernen schon ein Dorn in der Nachtruhe, man beschwert sich bei der Politik die willfährig statt gibt, was sich später als nicht rechtens erweist, der Club darf weiter aufbleiben und vielen anderen ergeht es noch schlechter, nämlich indem in nächster Instanz doch wieder anders entschieden wird wie beim Duncker Club oder gleich verkauft wird, wie jetzt beim Klub der Republik. Welcher sonstige Unternehmer hätte Bock auf solche Unsicherheiten? Für Clubs und deren Macher ist das Alltag und ich kann jeden verstehen der dann irgendwann entnervt aufgibt, weil man gerne Planungssicherheit hätte und in der Nachbarschaft zumindest gerne gelitten wäre.
Das sich die beiden Macher dann rechtzeitig ein zweites Standbein mit dem Gretchen Club geschaffen haben ist daher völlig verständlich, so das es sicher nicht so weh tat als man dann ein Jahr später doch die Schotten dicht machte, weil der Vermieter dann nicht mehr wollte.
Was das für die Berliner Drum & Bass Community bedeutet weiß ich nicht wirklich, dazu habe ich da zu wenig Einblick, aber ich kann erahnen das die Aussicht nicht gerade aufhellt wenn der einzige Club der samstags noch regulär wöchentlich Drum & Bass im Programm hat schliesst. Immerhin scheint man aber nicht ganz auf dem Trockenen zu sitzen wenn ich mal in keepitrollin, dem Berliner Forum der Freunde des gebrochenen Beats, schaue und das Gretchen will ja auch nicht ganz auf auf Drum & Bass verzichten, von daher dürfte auch nicht alle Hoffnung fahren gehen – hoffe ich mal. Aber vielleicht liest das ja einer aus der COmmunity und kann noch näheres zur Stimmung sagen.
Einen passenderen Zeitpunkt für dieses Thema der Woche konnte es übrigens gar nicht geben, denn zeitgleich wird bekannt, das auch der Klub der Republik in der Pappelallee zum Monatsende seine Pforten wird schliessen müssen, aber ganz kampflos will man auch da nicht weichen und deshalb findet am Donnerstag vor dem KdR in der Pappelallee 81 eine Kunstperformance statt

Leider clashen da die Termine, denn gleichzeitig findet am Köthener Platz der a2n Salon mit hochkarätiger Besatzung statt, Thema:
Reicher und trotzdem sexy? ?Musik, Clubkultur und Gentrifizierung – Berliner Clubmacher treffen im Rahmen des a2n_salon auf die neu gewählten politischen Player.