Thema der Woche 220: Techno Liveacts

Mit Liveacts im Technobereich habe ich ja oft Probleme. Meine Zweifel, ob das mit den Liveacts, bei ansonsten eher in Studios produzierter Musik, so eine tolle Idee ist gingen schon früh los, nämlich als die ersten Acts Dats laufen ließen, dabei zum mitgebrachten Studio hampelten und sich nichtmal die Mühe machten halbwegs glaubhaft Kabel einzustöpseln. Die nächste Stufe des Zweifels war angebracht als das Studio ins Laptop wanderte und es Mode wurde sich Liveact zu nennen, weil man vorproduziertes per Reason oder Ableton abspulte. Das wurde seinerzeit oftmals nur gemacht, weil man mit dem Titel Liveact die Gage schön nach oben schrauben konnte und so hörte sich das auch an und so sah das dann auch aus. Glücklicherweise sind deren Slots meist auf 45 Min bis Maximal eine Stunde beschränkt, aber dafür gab es oft das doppelte was der DJ für ein paar Stunden aufrufen konnte, that’s life. Immer aktuell sind diese beiden Formate: der ernst dreinblickende Maschinist, der seinen Gerätepark ähnlich einem Tierbändiger im Zirkus in Schach hält und dabei in dem ganzen Geblinke ständig am Knöppedrehen ist, ohne das sich auch nur das geringste hörbar ändert, oder es ändert sich ständig irgendwas, als nerviger Beweis das er es kann und es live ist, und dann der Audionerd, der per Laptop und Controller schwer konzentriert irgendwas macht das man nicht nachvollziehen kann, aber es muß halt beschäftigt aussehen. Neueste Variane um das Nichts zu übertunchen sind dann riesige Lightshows, die gnädigerweise den aufführenden Musikus in den Hintergrund drängen, aber ansonsten etwas Pink Floyd oder Genesis wirken und in ihrer Wirkung so etwas totalitäres haben, als hätte das Publikum nicht genügend Fantasie um sich selbst einen Reim auf das Dargebotene zu machen.
Wobei ich wirklich nichts gegen Liveacts per se habe, nur, kann da bitte was passieren? Man war da schonmal weiter, ich kann mich noch gut an die Konzerte aus der Industrialzeit, in den 80er erinnern, auch da wurde schon was das Zeug hält an Wände gebeamt und das hatte die Wirkung der Musik definitiv verstärkt. Oder so Sachen wie Test Dept, die ganze Schrottplätze angekarrt und kleingedengelt hatten, da passierte dann auch wirklich was für’s Geld. Dabei geht es gar nicht nur um physischen Einsatz, eher um die Präsenz. Bei einem Liveact von Neil Landstrumm oder Adrian Sherwood z.B. hört man das Risiko das bei einem Liveact eingegangen werden sollte, man muß es gar nicht sehen. Es ist wie mit der Musik selber, man hätte heute so viel Möglichkeiten und doch ist irgendwie alles ziemlich gleich und bewegt sich in einem sehr überschaubaren Rahmen und don’t get me started about live! Ich weiß, es ist nicht so bequem und komfortabel, aber hey, es heißt live, es sollte also irgendetwas lebensähnliches beinhalten, Improvisation, Jamming, aber bei vorgelegten Klötzchen Cutoff- und Frequencyknöpfchen drehen, nun wenn euer Leben so aussieht, dann tut’s mir echt Leid. Live bedeutet für mich, ich sehe den Act in Berlin und in Tokio und es ist jeweils etwas anderes, in Zeiten von Youtube und Boiler Room läßt sich leicht feststellen das dem oft nicht so ist und das ist auf die Dauer entäuschend und ermüdend.

Thema der Woche 219: Wo kann man heute noch den Hauch von Aufbruchstimmung oder wenigstens ein Teil der alten Partyeuphorie finden?

Jetzt mal ehrlich, das kann doch gar nicht gehen. Dazu hat sich einfach zuviel verändert, Musik, Ausgehverhalten, Umstände und schlußendlich lassen sich über 25 Jahre Techno nicht ungeschehen machen. Das fängt ja schon mit Genreunterteilungen an, damals gab’s nur Acid und House, später halt Techno, und hört mit Internet und Smartphones in Clubs nicht auf. Damals war das ein kleiner Melting Pot von Leuten aus allen Ecken, das was dann Techno wurde mußte erst ausformuliert und durchgelebt werden, heute kommen die Leute schon entsprechend vorsozialisiert in die Läden. Was nicht heißen will das es nicht heute ebenso geile Feierei gibt, nur so wirklich vergleichbar ist das nicht mehr und ich finde das ist auch gut so, denn ansonsten wäre die Sache sicher schon museal und tot. Ich stelle es mir schrecklich vor über 25 Jahre im Grunde auf die gleiche Party zu gehen.
That being said, am ehesten kann man natürlich die alte Partyeuphorie bei der alten Musik erleben, dazu bietet sich z.B. die Walfisch Revival Party am 14.3 in der Original Location an der Köpenicker Straße hier in Berlin an. Zufällig lege ich da sogar selbst auf, die Veranstalter werden sich freuen das das Thema genau jetzt gewählt wurde :D Oder halt Back 2 Basics einmal im Jahr am Wochenende vor Silvester. Aber auch andernorts durfte ich schon bei Classicsparties auflegen, die oftmals auch den Charme der frühen Tage aufleben lassen wenn sich mittlerweile gereifte Raver wiedersehen und Jungvolk mit dem Virus anstecken.

Thema der Woche 218: Hardcore-Techno in Deutschland – Entstehung, Entwicklung, Acts

Da drängt sich erstmal die Frage auf, was ist Hardcore Techno und wo fängt er an? Quasi als Urvertreter dieses Sounds fang ich mal bei mir an um die Entstehung zu erklären. Acid und House hat mich damals bei Skinny Puppy, Front 242, Cabaret Voltaire, Nitzer Ebb und ähnlichem abgeholt. Einen wirklichen Bruch auf dem Weg zum Neuen mußte ich also nicht wirklich durchmachen, das ergänzte sich eher prächtig und folglich versuchte ich damals die Vorgeschichte in meine Acidsets ab 1988 mit einzubringen, was nur bedingt ging, dazu waren die Ästhetiken der Stile dann doch zu unterschiedlich, auch wenn sie in meinen Augen sehr miteinander verwandt waren und in den Folgejahren auch einige der genannten Künstler in dem Bereich aktiv wurden oder sich zumindest in die Richtung remixen ließen. Es war ja anfangs noch so, das man wirklich nach Platten kramen mußte um ein ganzes Set bestreiten zu können, kannste dir heute gar nicht mehr vorstellen sowas. Einer der Tracks die ich in meine Sets integrieren konnte war z.B. Front 242 – Work 242 (Ich würde ja gerne das Video dazu bringen, aber “Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar. Das tut uns leid”).
Test Dept.’s Faces Of Freedom wäre noch ein schönes Beispiel was ich damals gerne z.B. gerne in Verbindung mit KLFs What Time is Love oder EON’s Spice gespielt habe
Aber dann kamen ja auch schon bald, so ab 1989, die Belgier und man mußte gar nicht mehr so sehr Brücken bauen, sondern konnte sich gut in den Neuigkeiten bewegen. Die EBM Wurzeln konnte man da oftmals noch gut raushören und auch wenn man sich immer weiter davon weg bewegte, diese spaßige Grundaggression schien immer wieder durch und machte aus Acid und House in der Folge Techno und der wurde immer härter, womit wir uns auch schon in die Zeit von T99- Anasthasia vorgearbeitet hätten. Bis hierhin würde ich allerdings noch gar nicht von Hardcore Techno Szene sprechen wollen, das war ja alles noch im Rahmen der allgemeinen Entwicklung von Techno und splittet sich als Szene m.E. erst ab, als der Peak mit Gabber ca. 1993 errreicht war. Wenn sich auch z.B. der Bunker und in Teilen der Tresor in Berlin schon als eigene Szene im Hardcorebereich herauskristallisierte.
Gabber sehe ich dann als den Scheideweg, hier waren die Grenzen ausgelotet wie hart Techno werden kann und ab da teilt sich die Masse in die unterschiedlichsten Strömungen, Trance, Techno, House, Breakbeat und eben Hardcore. Auch wenn wir im Tresor schon in Camoklamotten und mit HarTcore Flaggen rumgerannt sind würde ich meinen wollen das das noch nicht eigene dezidierte Szene genannt werden konnte, sondern erst die Ausdifferenzierung dessen was sie werden sollte, denn wenn man sich die Tracks und Playlisten aus der Zeit anschaut wird man feststellen, das sogar ein Kid Paul Sperminator’s No Women allowed gespielt hat.
Erst als die Stile ausdefiniert waren und Gabber seinen Peak überschritten hatte kann man m.E. erst von Hardcore Szene sprechen und das war dann ein Sammelbecken dessen, was weiterhin hart war und nicht in die restlichen Technoschubladen paßte. Ein Konglomerat aus Gabber, englischen Breaks, die dort auch schon Hardcore hießen und eben Mischformen, die auch Industrial der alten Schule oder auch Rockelemente beinhalteten. DHR um Alec Empire’S Atari Teenage Riot, EC8OR und Bass Terror Soundsystem dürften dafür vielleicht am plakativsten sein, weil sie alles oben genannte integrierten. In Frankfurt Antipodium hatte sich das PCP Konglomerat um Mark Arcadipane gebildet, deren Track We Have Arrived anno 1990 quasi als Startpunkt zu Hardcore gesehen werden dürfte, und sich spätestens nach Konstabler Wache als Hardcore Bank der Stadt etabliert hatten. In Köln hatten sich Speedfreak und Patric Catini aka E de Cologne, welcher sich später auch DHR anschloß, um Beatgesplatter verdient gemacht, das seinem Namen alle Ehre machte. Um diese Pfeiler sammelte sich natürlich eine ganze Schar regional unterschiedlicher Szenen. Das Gros war eindeutig gabberbeeinflußt, aber davon abgesehen gab es durchaus noch viele andere Einflüsse, die von Whitenoiseexperimenten über Breakcore über Acidcore bis zu Digitalpunk und einfach nur Lärm reichten. Deren Ausschluß aus der Loveparade mündete dann in die Hateparade, später Fuckparade. Eine typisch deutsche Variante, wie z.B. in Frankreich mit Frenchcore, sehe ich hierzulande nicht, wenn auch die Gabber hier deutlich andere Ausprägungen hatte als in anderen Ländern und z.B. die Happy Hardcore Variante nie groß Fuß fassen konnte, aber auch die konsequent politisch eher linke Ausrichtung war im Nachhinein eine deutsche Eigenheit.
So ab ca. 1996 klang die allgemeine Beigeisterung für Hardcore ab und um die Jahrtausendwende war es bereits nur noch eine kleine Nische, vorbei die Zeit der eigenen Clubs und auch der dezidierten Veranstaltungen wurden zunehmend rarer, nach ca. 8 Jahren war ziemlich Ende im Gelände für Hardcore Techno und wenn man bedenkt was in dieser Zeit musikalisch alles passiert war ist das gar keine so schlechte Bilanz für ein derart extremes Musikgenre in Deutschland.

Thema der Woche 217: Westbam steigt bei MAYDAY aus

Letzte Woche überraschte Westbam mit seiner Meldung, das er fortan der Mayday den Rücken kehren würde, kurz darauf konterte Nick Schär vom Veranstalter i-Motion, ironischerweise ausgerechnet in der Zeitung Der Westen, das dieser gar nicht gebucht worden wäre, weil zu unrelevant, Starallüren und teuer. Mir steht jetzt gar nicht an zu mutmaßen welche Story die richtigere ist, dazu ist meine Wissenslage viel zu beschränkt und speist sich lediglich aus den Quellen, die allen anderen auch zugänglich sind, außer vielleicht den i-Motion Mitarbeitern auf Facebook. Der Inbegriff von Kommerz, Kirmestechno, Ausverkauf von Techno der 90er beklagt also Kommerz und Ausverkauf von Techno 2014.
Was mich aber schmunzeln ließ war, wie er alle Hebel in Bewegung setzte und jeder noch so kleinen Technogazette ein Exklusivinterview gab, in dem er nochmal seine Standpunkte aufzählte. Diese erinnerten mich frapant an meinen Maydayausstieg vor fast 20 Jahren, denn die Argumente lesen sich zum Teil fast wie abgeschrieben, zum Vergleich hier die Westbam Note und hier nochmal Auszüge meines Statements in der Groove damals:

Die Entscheidung nicht mehr an der MAYDAY teilzunehmen fiel im Grunde schon vor der letzten MAYDAY in Dortmund, wurde dort aber noch verstärkt,als ich nämlich noch nicht mal meine eigenen T-Shirts verkaufen durfte. Wenn man auf den Plakaten als MAYDAY-DJ angekündigt wird, hat man schon ein wenig das Gefühl hinter der Veranstaltung stehen zu müssen. Wenn einem aber noch nicht mal die Interviewtermine ausgerichtet werden, fühlt man sich, gelinde gesagt, verarscht. Gerade wenn man im gleichen Raum wie z.B. Marc Oh auflegt …

und da doch einige erklärende Worte nötig gewesen wären.??Spätestens da waren meine Befürchtungen zur Gewissheit geworden, das ich lediglich als Undergroundalibidepp der Maydayquadriga herhalten soll. Hinzu kam noch das ich meinen Vertrag erst eine Woche vor der Veranstaltung bekam plus Beipackzettel in dem stand, das ich mit der Unterschrift genehmige das mein vom TV aufgezeichnetes Set im nachhinein mit anderer Musik untermalt werden kann und an Drittnutzer zur kommerziellen Weiterverwertung abgegeben werden kann,also Tanith wie er zu “Somewhere over the Rainbow “ abfegt, in der Werbung für irgendwelche Bausparverträge oder wat?!?Soweit darf`s dann doch nicht gehen.
Insgesamt hatte ich bei den letzten MAYDAYs das ungute Gefühl das alle Artists lediglich als Vehikel brenutzt wurden den Low Spirit Stern noch heller scheinen zu lassen, sämtliche Low Spirit Artists mit ausgiebigen Features und Interviews in VIVA, der Rest wird mit drei Allerweltsfragen abgespeist. In dieses Bild passt auch meine Auftrittszeit, exakt zu dem Zeitpunkt als VIVA mit seiner Übertragung aufhörte, und das als MAYDAY DJ!
Vor meinem Auftritt hatte ich dann Zeit zur Genüge mir das groß angekündigte Motto “Reformation“ anzuhören, aber außer der Ankündigung war nix im Sinne einer Reformation zu bemerken, same Procedure as last Year. Das Motto der kommenden MAYDAY erscheint mir noch abstruser,“The Great Coalition“, zu deutsch die große Koalition?ist ja eigentlich ein Begriff aus der Politik und wie Wahlversprechen erscheinen mir die Mottos der letzten und der kommenden Mayday, Wahlversprechen werden bekanntlich Makulatur. Das war der Grund warum ich in Dortmund den Prolog zu “Haus der Lüge“ der Einstürzenden Neubauten als Intro zu meinem Set und gleichzeitig als Abschiedsstatement auswählte, er trifft meine Einstellung zu dem ganzen sehr genau.?…?

Was mir noch übel aufstiess war der hochgelobte zweite Floor, der mir vorkam wie das “Undergroundghetto “(Ich weiss das das Worte sind die böse klingen, aber so hab ich’s empfunden) all die Leute die seit Jahren so viel für den Techno getan haben und dafür gesorgt haben das er sowohl musikalisch wie auch geistig ein gesundes Fundament hat, Leute wie Carl Cox, Trevor Rockliffe, Hell, Jeff Mills, Laurent Garnier usw. sind plötzlich auf dem kleinen Floor, während sich das Chartprogramm in der großen Halle abfeiert, das ist eine gefährliche Tendenz, mit der sich kurzfristig viel verdienen lässt, auf lange Sicht aber alles was man in Jahren Arbeit aufgebaut hat vernichtet.?….?Sätze wie “Underground ist heute Overground und Overground ist Underground“ sind nicht mehr lustig wenn sie dazu dienen eine gute Idee zu filettiern und in mundgerechten Happen denen zuzuführen…

?…der zweite Floor ist da auch ein stilles wenn auch inkonsequentes Ja zu folgender Betrachtung: Das Maydaykonzept stammt aus der Zeit als Techno der aufregendste und innovativste Sektor Musik war, den es zu dem Zeitpunkt gab, das ist seit geraumer Zeit nicht mehr so. Als House aufholte war’s noch O.k.,da es zu den diversen Technospielarten kompatibel war, da spielte man halt House zu Beginn und Ende der Veranstaltung oder machte noch einen extra Housefloor auf. 95 sieht’s allerdings n’bisschen anders aus, da gibt’s auch noch Jungle ,Trip Hop , New Electronics usw, usw, die sind aber nicht unbedingt technokompatibel, also funktionieren nicht zusammen auf einem Floor und schon gar nicht bei so einem Riesenevent wie MAYDAY,wo’s halt Techno sein soll…

Sehn’se Herr Lenz, so sieht das von der anderen Seite aus. Die Alibirolle, die Musikpolitik, die Mottos, ich sehe da gewisse Parallelen nur eben fast 20 Jahre früher und soviel hat sich da unter i-Motion nun auch nicht geändert, wenn ich das aus meinem Blick von vor 2 Jahren dort beurteilen darf. Man kann nun wirklich nicht behaupten das unter der Ägide von Low Spirt bis vor ein paar Jahren so viel anders gewesen wäre als es jetzt ist. Vielleicht ist es doch nur gekränkte Eitelkeit die sich hinter dem Vorwurf des mangelnden Respekts verbirgt, was ich durchaus verstehen könnte, das ist nunmal branchenüblich. Nur muß man auch erwähnen das die sogenannten Hymnen seit geraumer Zeit wirklich allesamt gefloppt sind, das man sich als Veranstalter dann nach Alternativen zumindest umschaut finde ich wiederum nur verständlich. Das sollte man beachten wenn man den Laden verkauft, die Erfahrung mußte Motte mit seiner Loveparade ja auch machen, so schließen sich die Karmakeise.
In Sachen Musikpolitik wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, das bei Mayday unter Low Spirit, also Max, Zitat: “das Neueste von „House und Techno“ an einem Abend aufeinander prallen” ist ja nun auch schon ein Weilchen, also so ca. 20 Jahre, her und war ja genau einer der Gründe meines Weggangs damals.
Das Westbam sich über die Mottos der Mayday unter i-Motion echauffiert ist in etwa so, als ob sich Motte über die Redekünste von Lübke mokiert.
Da fragt man sich nun unweigerlich, wieso nun also so ein Statement in diesem Kontext? Zumal mir da auch bei allen Interviews ein gewisser Laarmann Duktus durchscheint, der ja auch auf seiner Facebookseite als einer seiner Booker angegeben wird.
Ist es der Versuch sich freizustrampeln von über 20 Jahren Kommerzballast? Wenn ja warum? So richtig glaubwürdig kommt das bei mir nicht an.
Dann müßte er liefern, das war aber zuletzt ein Popalbum beim Major mit gekauften Vocals a la Daft Punk.
Das Verschwinden von der Ravefläche (auch beim Kaisers Rave in Tempelhof ist er meines Wissens dieses Jahr nicht mehr dabei) will man wohl mit dem eiligst aus dem Boden gestampften Projekt Übersound abfedern. Eiligst vermute ich mal, weil anscheinend nicht mal die Zeit blieb zu googeln, ob der Begriff anderweitig schon vergeben ist oder gar bereits Markenrechte existieren. Was einen da musikalisch erwarten soll wird nicht näher spezifiziert, aber wenn es das ist was ich von seinen Sets in letzter Zeit mal durchskippen durfte, würde ich mich mit SFX mal nicht so sehr aus dem Fenster lehnen, das klang schon sehr kompatibel zu dem ganzen EDM Gedöhns, vielleicht eine Spur softer als der übliche EDM, aber da wäre er m.E. eher aufgehoben als im aktuellen heutigen Geschehen was Techno betrifft.
Bleed schreibt in der Welt das der Ausstieg überfällig war (ich erkläre Über jetzt schon zur Unpräposition des Jahres), wenn man’s jedoch erst merkt wenn man quasi rausgemobbt wird, ist es eigentlich schon viel zu spät.

Thema der Woche 216: Szeneaffin trotz normalem Job. Ist das möglich?

Ok, eigentlich ging die Fragestellung so: “Szeneaffin trotz normalem Job. Ist das möglich? Im speziellen würde es mich interessieren ob es DJ’s gibt die in der Woche einem normalen Job nachgehen und am Wochenende halt auflegen. Ich meine Leute die z. B. Metallbauer, Tischler, Arzthelferin, Bankkaufmann oder ähnliches sind.”
Ja, das geht, ich kenne eigentlich mehr davon als von jenen die lediglich von Musik leben, schließlich fängt fast jeder mal so an und bei den meisten wird auch auf ewig ein Aufstockerjob nötig sein. Das war auch schon immer so und nicht nur bei DJs, ich kenne Leute die bei der Lufthansa arbeiten und trotzdem einen Barjob im Club machen, ebenso Klempner, Sozialpädagogen, Landschaftsgestalter, Metallbauer etc. Leute die unter der Woche ganz normalen Berufen nachgehen und am Wochenende der Liebe zur Musik frönen finde ich eigentlich ganz normal, weswegen es mich auch verwundert hat, das das Thema auf solches Interesse stieß.
Vielleicht schafft man das nicht jedes Wochenende, vielleicht wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, mir fällt eher auf das die Lebensführung mit Familie oder Karriere da eher den Schlußstrich zieht.
Ist natürlich auch immer eine Frage, was man sich von dem szeneaffinen Job erhofft, wenn man mit mindestens einem Auge auf Fame, Koks und Nutten geschielt wird, nun, früher oder später muß man sich da wohl für das eine oder andere entscheiden. Nicht nur weil die Welten so unterschiedlich sind, das Schizophrenie noch das wünschenswerteste Ergebnis sein dürfte, sondern auch weil das, egal in welcher Position, dann eher zum Fulltime Job ausartet, denn die Professionalisierung ist auch hier weit voran geschritten. Alleine das viele Reisen dürfte schon ein Ausschlußkriterium für jeden Chef sein.
Aber wenn es nur darum geht mit anderen eine gute Zeit zu haben und der Liebe zur Musik zu frönen würde ich sagen, geht absolut klar.