Thema der Woche 215: Rassismus in der Techno/House-Szene

Auch das was man gemeinhin als Techno- oder Houseszene bezeichnet ist nichts anderes als ein Querschnitt durch die Gesellschaft und auch wenn ich in meinem Umfeld keinen Rassismus whatsoever feststellen kann, so kann man durchaus unvermittelt darauf stoßen, auch ohne danach zu suchen. Letztens z.B. stolperte ich über einen Facebook Eintrag bei Monika Kruse in dem sie zu Toleranz gegenüber Immigranten im Zuge ihres No Historical Backspin Projekts aufrief und was sich da an hasserfüllter, fehlgeleitetet Gülle in den Kommentaren ergoss, ist mir schon sehr übel aufgestoßen.
Es ist aber seltener dieser dumpfe und plumpe Rassismus, der einem bei sowas entgegen bläst, sondern dieses neuerliche “man wird ja wohl noch sagen dürfen” gemischt mit Ressentiments und ganz offensichtlichem Nichtchecken mit welcher Seite man sich mit verallgemeinernden Äußerungen gegenüber Immigranten, Asylsuchenden oder gleich ganzen Volksgruppen gemein macht.
Dieser offene Rassismus, gegenüber sogenannten Ausländer (allein das Wort schon!) habe ich in meiner Zeit bislang noch nirgends live erlebt, ich stehe allerdings auch nicht den ganzen Abend an der Tür und kriege mit was da abgeht. Andererseits bin ich auch die meiste Zeit in Berlin unterwegs und ich schätze hier ist es auch nochmal anders als z.B. in Posemuckel oder meinetwegen Hoyerswerda.
Trotzdem möchte ich nochmal darauf hinweisen, das auch gut gemeint durchaus nach hinten losgehen kann, Aussagen wie “Die Schwarzen können das einfach besser, weil die haben den Rhythmus im Blut” sollten einfach nicht mehr vorkommen und wenn dann höchstens in Kombination aus Hände vor Verzweiflung über dem Kopf zusammenschlagen und anschließender Gesichtspalme des Gegenübers.
Das das alles auch eine Gratwanderung des Missverständnisses sein kann mußte auch ich erleben, als ich hörte das mein Satz “We are white brothers born without soul” aus der We Call It Techno Doku in einem Vortag über “Wie der Berliner Techno weiß wurde”, der auf den diesjährigen Bermuda Days wiederholt und durchaus ambivalent aufgenommen wurde, als Aufhänger dazu benutzt wurde zu unterstellen das Techno… aber lest selbst:

Der Titel meines Vortrages stammt aus dem 2008 erschienen Dokumentarfilm “We Call It Techno!?, der die Entstehung der deutschen Technoszene beleuchtet. Wie auch in vielen anderen zeitgenössischen filmischen, journalistischen und wissenschaftlichen Dokumentationen über diesen Abschnitt der jüngeren deutschen Kulturgeschichte, wird hier eine dezidiert rassifizierte Variante des kollektiven Erinnerns praktiziert. Infolgedessen befasst sich mein Beitrag mit dem sowohl im deutschen als auch im angelsächsischen Raum auftauchenden Konsens über den Werdegang von Berlin als Welthauptstadt des Techno seit 1990. Das Ausklammern der multikulturellen und queeren Vorgeschichte des Techno im West-Berlin der 80er Jahre, vor allem in der damaligen Klubkultur und Rezeption Schwarzer Musik, ermöglicht Kommentatoren, den Techno als fast ausschließlich heteromaskulin, Brüdern ohne Soul in Ost und West stilisiert. Um dieser Mythologisierung entgegenzuwirken betone ich sowohl die ethnische und sexuelle Vielfältigkeit der Berliner Musiklandschaft in den 80er Jahren als auch das Aufkommen von Eurodance Anfang der 90er Jahre, ein Genre, das oftmals ein afro-deutsches Gesicht in der Öffentlichkeit trug und als das feminisierte Pendant zu Techno fungierte.

Da mußte ich dann wiederum gesichtspalmieren, denn abgesehen davon das die Brücke Techno- Eurotrash mehr als unlauter ist, habe ich den Techno hier durchaus queer und multikulturell erlebt, auf allen Ebenen und so soll das auch sein und gerne bleiben. Jedem der etwas anders behauptet kann ich nur Böswilligkeit oder absolute Negierung aller Fakten, meinetwegen auch durch Nichtmiterleben, unterstellen.

Thema der Woche 214: Endstation Technostrich


Als Technostrich wird die Partymeile in Friedrichshain bezeichnet und in der Tat reihen sich die Clubs wie an einer Perlenkette auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks entlang der Revaler Straße, alle mit der Hausnummer 99. Angefangen hatte es irgendwann im letzten Jahrzent mit dem RAW Tempel, dazu kamen erst illegale Parties zu denen man noch durch die Hintertür des Dönerladens an der Warschauer auf das Geläne mußte, der damals noch Oktagon Döner hieß. Das Cassiopaia kam damals auch schon dazu, ist aber bis heute nicht wirklich ein Technoladen, sondern eher für Skater mit Konzerten und regelmäßigem Programm, das auch mal Techno beinhaltet. Überhaupt ist dem Areal mit dem Namen Technostrich im Grunde Unrecht getan, sind doch in den zig weiteren der alten Gebäude durchaus auch dem Tanzvergnügen gänzlich unverdächtige Unternehmen untergebracht, seien es Yogaschulen, Gallerien, Kneipen und dergleichen mehr. Nachts allerdings könnte man meinen es gäbe nichts anderes als Techno und seine Infrastruktur dort, die Menge schiebt sich parallel zur Revaler entlang und es erinnert eher an eine Durchgangs- denn Endstation. Mittlerweile gehören zu dem Technostrich auch Läden wie das Suicide, About Blank, Mikz, R19 und wahrscheinlich noch welche mehr, ich habe da den Überblick verloren.
Normalerweise sind mir solche Clubansammlungen eher ein Graus, die schlimmste Variante durfte ich schon paarmal in München erleben, dieser sogenannte Kunstpark Ost, auf dem ehemaligen Pfannigelände, wo einfach alles zusammengewürfelt wird und ein Clubghetto entsteht, bei dem es offensichtlich nur darum geht das möglichst ordentlich viel gesoffen wird.
Dieser Technostrich hier hat allerdings schon seinen Charme, insbesondere in den Sommermonaten, wo sich auch viel außerhalb der Clubs abspielt und die Mischung aus Technomeile und alten Gebäuden in schönster Manier zeigt. Das hat schon was von Parallelwelt und funktioniert erstaunlich gut, ohne das einer dem anderen das Wasser abgräbt, was mich immer wieder wundert. Gut, es gibt auch Ausnahmen, ausgefahrene Ellenbogen unter Clubbesitzern und zu sehr früher oder sehr später Stunde läuft da schon sehr zwielichtiges Gesocks rum. Trotzdem wäre es schade wenn diese Technooase mitten in der Stadt irgendwann wieder einmal von Townhouses und ähnlich originellen Investorentwürfen verdrängt würde, auch wenn von vorhrein klar war das die Party, wegen lediglich Zwischennutzung, irgendwann vorbei sein würde, wie es dem Lovelite und dem Morlox mittlerweile schon ergangen ist.
Aber auch wenn hier irgenwann alles platt gemacht und Friedrichshain nicht nur in Sachen Mietpreise prenzlbergisiert ein sollte, muß das noch lange nicht die Endstation für Techno in der Stadt sein. Technostriche lassen sich in der Stadt noch einige finden und aufziehen, vielleicht nicht ganz so zentral gelegen, aber das einzig Beständige hier ist doch sowieso der Wandel.

Thema der Woche 213: 303, 808, Retro hin oder her – ist der Rest öde oder warum fetzt Acid mehr denn je?

Ist dem denn so? Also zumindest bei aktuellen Veröffentlichungen will ich das so nicht unterschreiben müssen. Gut, die 808 als trommelnde Bassqueen wird so schnell nichts vom Thron kicken, außer König 909 vielleicht, die sitzen ja schon ne Weile auf demselben. Aber aktuelles 303 Gezwitscher? Bis auf wenige Ausnahmen eigentlich nur Epigonismus oder gleich ganz gesampelt, was ja nun nicht der Sinn der Sache ist. Es gibt immer mal wieder Zeiten wo das olle Acidgeleier tatsächlich mal wieder Schübe bekommt, aber gerade jetzt fällt mir nicht so viel ein ein, was der Erwähnung wert wäre. Wenn irgendwo mal eine 303 einen Track ziseliert oder als Topping draufgegeben wird ist das für mich noch lange kein Acid, höchstens ein Zitat und das seltsamste Phänomen sind mit Acid betitelte Tracks, in denen gar keiner vorkommt. Ist aber auch spätestens seit Acid Jazz nix Neues und sogar die Acidhymne “We call it Acid” kam schon gänzlich ohne 303 daher.
Mit den Klassikern ist das nun wieder eine andere Geschichte, auf wundersame Weise funktionieren die immer noch und immer wieder, wahrscheinlich weil sie die Ursuppe dessen darstellen was wir heute hören. Daran aus heutiger Ebene anknüpfen ist schwer und gelingt nur selten, hier mal 3 Beispiele aus jüngerer Zeit denen das m.E. gelungen ist:

Proxy – Audio 15

Harvard Bass – Bugged

Hennig Baer – Neodym

Die beschränken sich, wie die Klassiker, auf das Wesentliche ohne dabei zu huschig zu werden, wie das gerne bei Möchtegern Puristen geschieht, noch pappen sie unnötiges Fleisch auf’s Acidgerüst, wie das viel zu oft passiert, weil’s per modernen Produktionsmethoden halt nunmal geht. Die Kunst der Reduzierung, auch hier mal wieder, und eben gar nicht so einfach, ohne stupid oder monoton zu wirken. Das merkt man schnell daran das es einen anödet, aber das der Rest, also quasi alles andere, solches täte kann ich auch beim Bemühen des allerbesten Willens nicht feststellen, das wäre traurig, schlimm und eine Bankrotterklärung an den Fortschritt.
Interessanterweise kommen aber in letzter Zeit bei mir öfter Fragen und Anfragen bezüglich frühem Chicago House, wenn auch ziemlich desorientierte und ziemlich im Dunklen tappende, bzw. komplett an der Sache vorbei, aber so vermehrt das ich denke/befürchte da ist 2014 etwas im Anzug. Was ist noch nicht ganz klar, aber Acid wird sicherlich eine Rolle drin spielen, ob eine begrüßenswerte wird sich erst noch zeigen müssen. Den alten Helden sei der Cash In jedenfalls jetzt schon gegönnt.

Thema der Woche 212: Vinyltrottel

Wer liebt darf auch Trottel sein, weil wahre Liebe kann nichts erschüttern und ist bekanntlich eine Leidenschaft, die so heißt, weil sie Leiden schafft. Sei es Rücken, überzogene Preise für angeblich limitierte Auflagen oder alte Scheiben. Der Vinyltrottel liebt Vinyl und alles was dazu gehört, sei es die Jagd nach dieser Limited Edition von Coloured Vinyl die mit der Farbe des Covers harmoniert, der Plausch im Plattenladen, der verminderte Lebensraum, weil die Platten den Platz brauchen, das Geschlepp zum Gig, die vom Staub ausgetrockneten Finger beim Durchwühlen von Plattenkisten, dieses Entjungfern, wenn man die Jungfernhaut von Plastikeinschweissung der Platte aufschlitzt und man zum ersten mal den Plattentellerstiesel durch das Loch haut. Liebe eben.
Er weiß darum, das er einer aussterbenden Spezies angehört, die trotz aller Widrigkeiten an einem veralteten Medium festhängt, sowas wie der Diskette des Audiobereichs, komme was da wolle, und weiß das er spätestens beim nächsten Umzug keine Freunde mehr hat. Quält sich mit Fragen nach dem optimalen System zum Abspielen ab, was immer noch nichts im Vergleich zu der existentiellen Frage ist, nach welchem System man die Sammlung sortiert. Er lebt mit der Einschränkung das vieles nur noch digital erhältlich ist und redet es sich mit “It happens on vinyl first” schön. Vielleicht betreibt er sogar ein ruinöses Vinyl only Label, nur damit dieser Satz für ihn noch möglichst lange Bestand hat.
Ich kenne Vinyltrottel, die legen mit Files auf, weil ihnen ihre Platten zu schade dafür sind. Noch trotteliger sind jene, die Platten gleich zweimal kaufen, eine zum Auflegen, eine für’s Archiv. Das unterscheidet ihn vom, nur phonetisch ähnlich gelagerten, Vinyltroll, der wegen seinen paar Scheiben meint in jeder Diskussion den authentischen Verfechter des schönen, wahren und guten Vinyls raushängen lassen zu müssen, leicht zu erkennen an Missionierungen und Sprüchen wie “Vinyl kills the mp3 Industry”. Weil, wie das mit wahrer Liebe nunmal so ist, will man die eigentlich gar nicht teilen, man hat die für sich, die ist absichtslos und nicht um eines Distinktions- oder Imagegewinns Willen.

Thema der Woche 211b: 2013. Ist Facebook, Twitter und Blogkram jetzt das Cyberspace wie ich es mir damals vorgestellt habe?

Natürlich nicht und wir waren da auch schonmal weiter, Facebook, Twitter und Blogkram sind doch sehr textbasiert und eigentlich nichts weiter als die ollen Mailinglisten der Internet Steinzeit auf Steroiden. We still have to go a long way, Baby! Damals, als das mit Avataren und später dann mit Second Life losging, dachte ich jetzt geht’s exponentiell mit der wachsenen Computerpower ab und bald ist der Meatspace nur noch so ein Ding um körpererhaltende Sachzwänge zu erledigen. Aber nix da, Second Life dümpelte bald vor sich hin, stattdessen übernahmen Soziale Netzwerke das Regiment und ich denke das wird auch noch eine Weile so bleiben, mit den gängigen Mitteln, also Computer und Smartphones, ist da kaum mehr drin.
Was wir bräuchten wären neue Schnittstellen, muß ja nicht gleich die USB Buchse am Kopf sein, Google Glas, ist ja zumindest schonmal ein mutiger Schritt in eine andere Richtung, auch wenn mich die 1.0 Version noch nicht sonderlich reizt, aber immerhin mal aus der Box raus gedacht, in einer an Visionen doch eher armen Zeit. Wenn man das Heute mit der Epoche vergleicht, als Cyberpunk und Techno entstand, irgendwo ist auf dem Weg der Mut zur Zukunft auf der Strecke geblieben und dem Pragmatismus gewichen.
In meinem Überschwang hatte ich ja damals sogar schon weiter fantasiert und mir das Nekronet ausgedacht, ein Internet der Toten, die sich zuvor ihr Hirn auf Festplatte oder passendem Equivalent überspielen würden um dann weiterhin mit den Kindern und Enkeln weiter kommunizieren zu können. Nun, ich glaube ich werde das nicht mehr erleben, aber wer weiß was mein Sohn in meinem Alter wird berichten können. Die Zeit des textbasierten Internets und des Weiterpostens von Katzenbildern wird ja auch irgendwann mal zuende gehen, spätestens wenn der Smartphone Schock verwunden ist, der m.E. das Textinternet nochmals verlängert hat, wird schon eine Entwicklung einsetzen, die näher an dem dran ist was mit Cyberspace gemeint war.
Vielleicht kommt’s ja auch hintenrum, wir sind ja auch schon mittendrin im Internet der Dinge, wenn man bedenkt das heute schon der größere Teil des Web Traffics von Bots generiert wird, der nächste Schritt könnte dann durchaus etwas mit Entstofflichung zu tun haben.

Thema der Woche 211: Tanith´s Mix CD -HE NEVER LOST HIS HARDCORE- Die Idee dahinter bzw. Werdegang

HNLHHfront
HNLHHback

Moment, wie war das nochmal? Ich glaube ganz am Anfang stand sogar die Idee mit Wolle XDP eine Compilation zu 10 Jahre Tekknozid zu machen. Das Jubiläum fand im Tacheles tatsächlich statt, aber das mit der Compilation nicht, weil die ursprüngliche Idee weder zeitlich, auch damals schon: die Rechte!, noch finanziell zu stemmen war. Nun war die Maschinerie im damaligen Timing Büro aber schonmal am Laufen und wir hatten tatsächlich für einige Tracks die Rechte bzw. das Go diese nutzen zu dürfen, allerdings nur wenige, aber zu viele um die Chance ungenutzt verstreichen zu lassen.
Das Musikbusiness lief 1999 ja noch ein bisschen anders als heute, kein Soundcloud, kein Mixcloud, Discogs und Napster war kaum geboren. Alte Tracks waren damals einfach weg wenn die Auflage der Platten verkauft war, Compilations und Mixe waren der heiße Scheiß und jeder Major leckte sich die Finger danach. Also wandten wir uns mit unserer Idee an Sascha Basler, seineszeichens Chef von Orbit und Abtrünniger von Motor, also Tim Renner, wo ich ja zur gleichen Zeit als Artist mit dem Album unter Vertrag stand, for good measure dachten wir es wäre ganz gut mit beiden zu arbeiten. Sascha kannte ich noch aus der Zeit von Beat In Time, die spielten mal auf Tekknozid, in der Elektrokohle Lichtenberg, so schließen sich die Kreise. Heute betreibt er ein Edelwurst Restaurant mit Gault Millau Auszeichnung in Hamburg Eppendorf.
However, trotz unseres guten Angebots kamen wir irgendwie zum falschen Zeitpunkt. Basler war gerade vollauf damit beschäftigt Nina Hagen für sein Label zu bekommen, unsere Nummer wurde dann mehr so abgewickelt. Der Deal sah so aus: Die Compilation, flankiert von 2 Maxis im Vorfeld, dann noch paar Maxis mit Originalen und Remixen hinterher, die zwar auf Bash Again erschienen, aber quasi via Orbit querfinanziert wurden. Idealerweise sollten dann noch ganz viele Maxis mit Krachern aus den Anfangstagen kuratiert werden und dann geballt als Compilation Vol.2 usw. folgen, aber wie gesagt, das Interesse seitens Orbit war von Anfang an eher zunehmend abnehmend. Am Anfang waren es noch Doppelmaxis, nach dem titelgebenden “He Never Lost His Hardcore” und GTO’s “Elevation” kamen dann noch 3 weitere einfache Maxis, nämlich Frankie Bones “We Call It Techno” und “My House Is Your House” und noch als krönenden Abschluß Sperminator’s “No Women Allowed”, dann war das Projekt auch gegessen, bzw. die Idee das ganzen hatte sich aufgrund diverser Umstände irgendwie aus idealistischen Rahmen in eine komische gewollte Cashcow gewandelt, die eher dazu diente inhouse Artists Remixmöglichkeiten zu geben und damit an etwas Kohle oder Bekanntheit zu kommen oder irgendwelche Leute an’s Label zu binden an denen ich gar kein Interesse hatte. Das Ende besiegelte dann für mich dieser Nachschlag von “My House Is Your House”, der ursprünglich das zweite Vinyl der geplanten Doppelmaxi hätte werden sollen, auf dem ich die A-Seite beisteuerte und ausgerechnet Motte die B-Seite. Als das fertige Produkt dann ankam fiel ich erstmal aus allen Wolken, weil es irgendwer mit der Beschriftung versemmelt hatte, die Seiten waren vertauscht und da Motte sich einschleimen wollte hatte er einen angebreakten Remix abgeliefert, ich ja sowieso. Nun konnte also keiner mehr sagen wer welchen Remix abgeliefert hatte. Kommentar im Büro dazu: Boah, ja, is irgendwie scheiße gelaufen, kann man aber jetzt nix mehr machen. Man kann sich nicht vorstellen wie bedient ich war, es war jedenfalls im Nachhinein betrachtet der Zeitpunkt als ich mit dem Laden abschloß. An eine “He Never Lost His Hardcore Vol.2″ war ab da eh nicht mehr zu denken und Orbit mittlerweile sowieso ganz auf dem Nina Hagen und BigPop Film. Das ramponierte und totgerittene Ding jetzt auf eigene Kosten melken, mit weiteren, möglichst billigen Remixen, war meine Sache nicht, zumal die leicht zu kriegenden Sachen jetzt eh verballert waren und weitere Einkäufe ohne finanzierenden Partner kaum möglich gewesen wären. Zudem schrieben wir mittlerweile 2001 und da hatte Napster im Sinne der abnehmenden Compilationverkäufe und Veränstigung der Branche schon ganze Arbeit geleistet. Die 2 Jahre hatten so einiges umgekrempelt, auf allen Ebenen.