Thema der Woche 210: Der Sync-Button – Segen oder Fluch?

Wir schreiben das Jahr 2013 und ich weiß nicht was man gegen einen Sync-Button einzuwenden hätte, erspart er einem doch so manch mislungenen Übergang im Hörgenuß. Die älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an diese vielen verkackten Übergänge egal wo und egal von wem. Das waren die goldenen Zeiten des Plattenspielers! Hatte sicherlich auch den Reiz des Human Touch, den finde ich persönlich in dem Punkt jetzt bei Elektronischer Musik nicht sooo wichtig und bin froh das man sowas heute sehr viel weniger hört, dabei muß das nichtmal an den nichtvorhandenen Mixkünsten liegen, bescheuerte Monitorsituation, Signal von draußen zu laut, Leute lauter als der Sound, was weiß ich was da noch alles einen Faktor darstellt, bei dem man froh ist einfach mal den Sync betätigen zu können. Wobei der Laie ja denkt, das Sync-Button drücken die Sache von alleine regelt, dem ist aber eben gar nicht so. Damit ein Sync-Button seine Aufgabe erfüllen kann ist erstmal viel Vorarbeit nötig, denn das heißt mindestens, die beim Beatmatchen gesparte Arbeit, weit vorher zu investieren, nämlich in Gridden, also die Tracks auf die Beats zu rastern und somit überhaupt erst synckompatibel zu machen. Was Traktor automatisch gridded mag zu 95% stimmen, das aber auch nur zu 90%, wenn man das Raster aufzieht bemerkt man das der Algorhythmus da bei fast jedem Track ein wenig seine künstlerische Freiheit walten lässt und die Beaterkennung mitten auf, etwas vor oder schlimmstenfalls nach dem Transienten setzt. Von digitalisierten Tracks von Platten gerippt rede ich dabei gar nicht mal, also die, die sowieso immer rausdriften und die man in Ableton erstmal glatt zieht, damit Traktor die überhaupt ins Raster läßt. ließe man nämlich nun zwei solcher nachlässig gegriddeten Tracks per Sync miteinander laufen nimmt sich das nicht viel zu einem völlig vermasselten Vinylmix, es stolpert und holpert und hört sich nicht nur falsch, sondern richtig schlimm an, ein wahrer Showstopper. Also: Vor die Benutzung des Sync-Buttons hat der Herr die Auseinandersetzung mit der Materie gesetzt. Und Mixen tut sich der Kram dann immer noch nicht von alleine, lediglich das Takten, das Beatmatching übernimmt die Maschine. Wer nun meint, das darin aber das Handwerk eines DJs liegt hat m.E. nichts von der Aufgabe eines DJs verstanden oder ist sowas wie ein Mischmaschine, der wesentliche Teile dessen was ein gutes Set ausmacht, aus falsch verstandenem Selbstverständnis ignoriert, denn die eigentliche Kunst ist die Geschichte die mit dem Set erzählt wird, das man die Leute mitnimmt und im Idealfall dahin führt wo sie nie gedacht haben das man da mal hingelangt.
Seitdem Beatmatching automatisiert werden kann ist dieser Skill der vernachlässigbarste von allen, und das sage ich der sich 20 Jahre darin geübt hatte. Tut mir ja Leid für alle die ihr Können darauf spezialisierten, aber da hat die Geschichte wiedermal ein verschmitztes Schnippchen geschlagen, sowas kommt vor, da hilft kein Lamentieren und Dissen, je länger man das betreibt desto schlimmer schlägt’s auf die Karmapunkte und irgendwann ist man der letzte Honk der immer noch meckert während der Rest klammheimlich schon längst die Fronten gewechselt hat. Gibt ja noch genug andere Skills die man perfektionieren kann, Shit happens. Hab ich schon die Sache mit den Sets und dem Geschichtenerzählen erwähnt?
Warum ich darauf nochmal zurückkomme hat etwas mit der Praxis zu tun, denn ich finde das es seit Sync-Button und Key Correction durchaus einfacher geworden ist auch mal mit Styles und Geschwindigkeiten innerhalb eines Sets zu spielen, was die erwähnten Geschichten durchaus interessanter machen kann. Das hatte bei Vinyl nämlich immer die unangenehmen Nebeneffekte völlig verpitchter Stimmen und Instrumente und dysfunktionaler Grooves, weil entweder der Pitchregler nicht weit genug ging und man mit den Fingern auf der Platte miteiern mußte, oder die veränderte Geschwindigkeit nicht mit den Beats, bzw. den Löchern zwischen diesen, harmonisieren wollte. Ich mußte sogar schon mit DJs auflegen, die “nur im Bereich von 124 bis 128″ auflegen, wahrscheinlich weil sie nix anders konnten, there goes your Beatmatching. Vorbei! Zu Zeiten als ich gerne Dubstep mit Techno verband war das ein Segen und auch heute kommt es immer noch oft sehr gelegen, weil der Flow erhalten bleibt, nicht nur weil man sich um den schnöden Beatmatching Shizzle nicht mehr kümmern muß, wenn man nicht will. Andererseits bleibt es ja weiterhin jedem selbst überlassen ob er den nutzt oder nicht, Button bedeutet ja immer Option, nicht Zwang. Wer also weiterhin den Kick des Beatmatching braucht, dieses Reiten der Rhythmen, bitte sehr, geht doch immer noch, ich habe dafür vollstes Verständnis.
Ich bin übrigens kein Verfechter der These, das ein Digital-Jay erst dadurch zu einem wird, indem er die vermeindlich gesparte Zeit des Beatmatching dafür zu nutzen hat, diese mit möglichst vielen Knöppen seiner Konsole zu verbringen, nur damit er dem Argument entgegen treten kann, er hätte dann nix mehr zu tun, bzw. das wäre ja dann keine Arbeit mehr. Wahres Selbstverständnis sieht anders aus, Understatement rules auch in Sachen Einsatz der Waffen. Man käme ja auch nicht auf die Idee Turntablism mit Club Djing zu verwechseln
Und lasst euch nicht täuschen von CD-Jockeys die meinen mit ihrem Tool authentischer zu sein, die 2000er und die neuen 900er Nexus haben ebenso Sync-Buttons, erzählen sie nur nicht so gerne, manche müssen halt immer mit irgendwas ne Hierarchie aufmachen.

Thema der Woche 209: Raver sucht Raverin – Kann man heutzutage die Liebe seines Lebens im Club noch finden?

Also die Statistiken sprechen da ja eher dagegen und besagen das der moderne Mensch seine Partner seit Jahrzehnten hauptsächlich auf der Arbeit rekrutiert, was für mich eine etwas traurige Vorstellung darstellt, aber bei meiner Jeannette und mir hat’s vor 9 Jahren noch geklappt, wüßte jetzt nicht was sich da geändert haben soll. Gut, es war kompletter Zufall, aber vielleicht liegt’s ja auch gerade daran, dieses krampfige, brünftige Boy-meets-Girl-Gesuche schreckt doch eher ab. Und wenn man die Liebe seines Lebens gefunden hat, dann sollte man sie halten und das geht vornehmlicherweise eben nicht im Club, dann ändern sich halt ein paar Parameter, damit muß man dann schonmal klarkommen, sonst ist wie gewonnen so zerronnen (die Quittung über 5 € ins Phrasenschwein kann nach Bedarf eingesehen werden). Oft genug gesehen sowas und meistens sieht man dann dieses typische “es könnte ja noch was besseres geben”, mit dem Konsumenten auch sonst an Waren heran gehen, aber so wird das eben nix.
Ich denke das gilt nicht nur für Liebe gefunden im Clubumfeld: für eine Beziehung muß man alles geben, immer! Man muß sich drauf einlassen, aufeinander eingehen, das eigene Ego hintanstellen, sich überraschen lassen was daraus alles passiert, gemeinsame Projekte haben, auch in Krisenzeiten nie die Loyalität verlieren, auch im Alltag nie die Liebe vernachlässigen, den anderen so lieben wie er ist, weil er das ist was er ist und nicht meinen irgendwas zu eigenen Gunsten verändern zu wollen, erst recht nicht hintenrum. Erst wer das alles meistert hat die Liebe seines Lebens auch verdient, ansonsten ist es nur hormongesteuertes Wunschdenken aus: Unterficktheit

Thema der Woche 208: Was zum Henker ist Unterfickt?

Nun, die Frage geht wahrscheinlich auf diesen Tweet zurück:
unterfickt
und ist leicht zu beantworten, auch wenn’s jetzt leicht hobbypsychologisch wird. Von Zeit zu Zeit fällt einem in den diversen Timelines, die man so durchscrollt, so ein verzweifelter Unmut auf, man könnte das Ganze jetzt auf die Überforderung mit der Genderdebatte schieben, aber die ist ja noch recht jung, das Phänomen hingegen nicht. Es passiert immer wieder und es ist selten das man Menschen in Beziehungen damit antrifft. Da werden dann plötzlich von intelligenten Menschen aus irgendwelchen Facebookgrupen Sprüche geteilt, die höchstens einem Mario Barth zu Ehre gereichen würden und die tief in das Unverständnis des anderen Geschlechts blicken lassen. Das ist dannfreilich eine endlose Spirale in die ewige Unterfickung, denn mit so einem Verständnis wird’s natürlich schwierig einen Partner für die Beseitigung des Umstands zu finden. Da werden dann von ewigen Singles ungefragt Vorbedingungen für eine Beziehung gepostet, wo man sich fragt ob der/die Gute das tatsächlich ernst meint und ob er denn glaubt, das er in der Position wäre überhaupt Bedingungen diktieren zu können oder ob das nicht am Ende nur Pfeifen im Walde ist, das den Status zementiert.
Vermuten lässt sich die Unterfickung oft auch in zunehmend hysterischem Geposte, da ist ein eindeutiger Druck, der kein Ventil findet und irgendwann sind alle Schuld nur das Ventil nicht. Dabei ist die Thematik fast egal, jedes Thema eignet sich als Katalysator und die Verbissenheit in Kleinkriege zu noch so abstrusen Themen sind oft schon beredete Anzeichen für die Kanalisierung der Unterfickung.
Weitere deutliche Anzeichen: bei jeder Gelegenheit irgendwas schlüpfriges oder anzügliches hinzuplumpen, was die Klientel zuweilen recht anstrengend werden läßt, ihr kennt das vielleicht von Beavis & Butthead.
Lästereien mit “aber geile Ische hat der Alte!” abzuschließen und dann kriegt man so ein Bild von so einem Dummbrot mit überzüchten Drüsen oder sonstigen Fetischmerkmalen gezeigt.
Chronische Miesepetrigkeit, gerne auch mit Allergie auf Zusammenkünfte bei denen Paare im Spiel sind, die sich am Ende gar liebkosen, aber auf alles anspringen was auch nur im entferntesten dem eigenen Beuteschema entsprechen könnte, bei ganz schlimmen bestimmt dann irgendwann das Angebot das Beuteschema.
Das Endstadium sind dann so Kurse, in denen ein Oberhonk den begierig aufsaugenden Unterhonks glaubhaft macht er könne jede kriegen und es ginge nur darum an den richtigen Knöppen zu drehen und schon wäre jede Frau willenlos.

Der freudige Gedanke zum Schluß: Da sich beide Geschlechter diesbezüglich bis auf Kleinigkeiten kaum unterscheiden, müßten sich jetzt nur noch die Unterfickten finden dann wäre theoretisch wäre diesbezüglich alles gut und die Welt vermutlich eine bessere, deshalb auch mein Tweet: Unterfickte aller Länder vereinigt euch!

Thema der Woche 207: Undergroundarroganz, gibt es so was und falls ja, wie äußert sie sich im Berliner Nachtleben?

Ist jetzt natürlich etwas schwierig mit diesem aufgeweichten Begriff Underground zu hantieren, weil was ist heute schon noch Underground, außer wenn er sich selbst so, aus diversesten Gründen, definiert? Aber aus dieser Definition heraus MUSS er ja quasi schon arrogant sein, das ist ja sein Zweck, er hat etwas was die anderen nicht haben und möchte das für sich behalten und nicht etwa mit dem Mainstream teilen, der ihm das erfahrungsgemäß abspenstig machen will. Von daher ist die so definierte Undergroundarroganz auch nichts anderes als die alltägliche Arroganz, ein Schutzwall der Unsicherheit gegenüber eines vermeindlich Überlegenen. Eine Abgrenzung mit distinktionistischen Mitteln also, ein völlig legitimes “Du gehörst nicht dazu”, denn Undergound ist gleichbedeutend mit abgeschlossener Zirkel mit eigenen Werten und Regeln, zu dem man nur Zugang erhält wenn man diese teilt und nicht verrät. Der Musikwunsch nach Madonna in einem Technoclub wird daher eher nicht erfüllt, sondern eher mit Konsternierung quittiert, die leicht auch als Arroganz verstanden werden kann und in letzter Konsequenz auch ist und zwar völlig zu recht, denn: Falsche Frage an falschem Ort, du bist raus! Dieselbe Reaktion wird man auch erhalten wenn man bei einer Drum & Bass Sause nach “was von Kalkbrenner” oder bei einer Veranstaltung mit dystopischem Techno ob da “noch irgendwas mit Melodie und Vocals” kommt. Da sollte man sich nicht wundern, sondern in sich gehen, denn von Underground sollte man keine übertriebene Toleranz erwarten und auch kein “Ey, wenn ihr so offen und tolerant seid, dann sollte sowas doch drin sein” wird da irgendwas ändern, weil du der Geisterfahrer auf der Party bist, die entgegenkommende Wand von Arroganz ist also komplett selbstverschuldet. Andererseits käme ja auch kein solcher Undergroundler auf die Idee im Bierzelt oder auf der Hochzeit darauf zu pochen das dort mal “was aus’m Berghain von letzter Woche” zu laufen hat. Das lässt sich durchaus noch weiter durchdeklinieren, durchaus auch bis ins lächerliche, also bis weit in die Genres hinein, Techno ist da nicht gleich Techno, House nicht gleich House auch wenn die Grenzen für Außenstehende verschwommen bis nicht wahrnehmbar sind, Auskenner sehen das ganz anders und das sollte man ihnen lassen, denn, ich erwähnte es bereits, diese Distinktion macht Undergound nunmal aus und je kleiner die Nische, desto eifriger wird diese verteidigt werden. Einem Zigarrenraucher kann man auch nicht mit einer Marlboro kommen, wo die Passion herrscht gelten andere Regeln, mal so als Regel und Musik und sein Umfeld würde ich zu den ambitionierten Feldern der Passsion zählen, da gereicht oft schon ein falscher Ton zum Ausschlußkriterium. Selbiges gilt ja auch für die gefürchtete Blamage im Plattenladen, das man da nach der falschen Platte fragt und dann nur noch am liebsten in eine spontane Selbstentzündung aufgehen möchte, wegen dem Wunsch dabei noch möglichst viel Kollateralschaden anzurichten, aus Rache für die Schmach. Nur sollte man das alles nicht zu ernst nehmen, auf beiden Seiten, am Ende geht’s nur um Musik und in den meisten Fällen wird das auch nicht so heiß gegessen, das der Mensch da wirklich von diskreditiert würde, es ist eher ein Battle um den besseren Geschmack, der die Sache am Laufen hält.