Thema der Woche 206: Vor 20 Jahren starb Torsten Fenslau. Was hat er der Technoszene hinterlassen und wie wuerde er die Szene heute finden?

Das war vor genau 20 Jahren schon ein Ereignis, das schnell die Runde machte und der erste tragische Verlust den die Frankfurter Szene zu verkraften hatte, obwohl er ja ganz genau genommen eher Darmstädter war. Mit einem Mercedes 500 SL an den Baum zu fahren hatte dann auch den Stil den man aus Frankfurt erwartete.
Fenslau war für mich immer ein zweischneidiges Schwert, auf der einen Seite standen Sachen wie Force Legato oder Tyrell Corp oder meinetwegen noch Abfahrt, auf der anderen Seite halt z.B. Culturebeat oder Out Of The Ordinary, auch mit dem Kybernautenkram oder LDC oder Near Dark konnte ich persönlich so gar nix anfangen. Das war aber damals mehr oder weniger das klassische Rhein-Main Konzept, auch von z.B. Münzing und Anzilotti oder Captain Jack, also einerseits Europop für die Masse um das Geld zu verdienen um sich andererseits die Freiräume zu schaffen damit man auch die eigene Nische ausleben kann, wobei die Grenzen da eher fliessend waren. Aufgrund dessen waren die Studios und damit einhergehend der Produktionstandard auf ziemlich hohem Level angesiedelt, was aber wiederum in eine ziemliche Aseptik der Produktionen mündete. Während Techno für mich zu dieser Zeit eher Cyberpunk war, also zweckentfremdete, dreckige Low Tech, war was da aus dem Hause Fenslau kam eher so Isaak Asimov, also Science Fiction der alten Schule. Man hörte den bei Produktionen durchaus eine eigene Frankfurter Schule raus, die von EBM, wo Frankfurt durchaus Hochburg war, bis Pop ging und irgendwann kam dann halt noch dieses Gelaber von Kinski’s Erdbeermund bis zu den Kybernauten dazu. Auch der Frankfurter Indianerspleen hatte da mit diesem “Heute ist ein guter Tag zum sterben” von Near Dark seine erste Manifestation. Aber wie gesagt, das war alles eher nicht so meins.
Ich kann mich da nur Auf Produktionen beziehen, weil ich Sets oder Clubnights von ihm nie gehört habe, jedenfalls müssen die nachhaltig prägend für den Raum gewesen sein. Um so trauriger ist es zu sehen was nach 20 Jahren davon übrig bleibt, wenn man z.B. die Fenslau Fanpage ansteuert, wo offensichtlich seit 2006 nichts mehr passiert ist.
Keine Ahnung Fenslau von Techno oder der Szene halten würde, ich kannte ihn nicht persönlich und hab auch keine spökenkieckerischen Fähigkeiten um da mal einen heißen Draht spielen zu lassen. Da dürften, wenn überhaupt, Weggefährten eher mutmaßen dürfen.

Thema der Woche 205: Lady Gaga im Berghain – Der Totalausverkauf der Berliner Clubszene?

Dazu stelle ich mir gerade eine hitzige Diskussion zu dem Thema unter den mietenden Ravetouristen in einer zur Ferienwohnung umgestalteten Mietwohnung irgendwo in Berlin vor. Aber das nur am Rande.
Ich verstehe mal wieder nicht wo da jetzt das Problem ist, denn die Präsentation fand in der sogenannten “Halle am Berghain statt”, die wahrscheinlich genau für solche Events gedacht ist, also damit die heiligen Hallen nicht entweiht werden. Ansonsten: Ein Laden vermietet unter der Woche seine Lokalität an einen Veranstalter und nimmt dafür wahrscheinlich ein erkleckliches Sümmchen ein. So weit, so gut oder diskutabel. Anders wäre es sicherlich wenn eine Lady Gaga im normalen Rahmenprogramm irgendwo zwischen z.B Steffi und Marcel Dettmann untergebracht worden wäre und dafür der Eintritt auf 40 € gehoben worden wäre. Aber so?
Das Berghain stellt seine Räumlichkeiten doch auch schon lange für z.B. das Staatsballett zur Verfügung. Aber das ist ja Hochkultur, das darf, weil damit kann man ja kokettieren und sich der Akzeptanz mit feulletonistischen Kreisen brüsten. Lady Gaga hingegen ist schnöder Pop ( dem ich wahrlich auch nix abgewinnen kann) und deshalb vielleicht die entrüstete Distinktion. Nur wer kann es einem Laden mit zig Angestellten und auch sonstigen Kosten verübeln seine Räumlichkeiten anderweitig, außerhalb des eigenen Programs zu vermieten. Wenn ihr wüßtest für was so mancher Laden hier, stillschweigend und ohne im Programm vermerkt, seine Räumlichkeiten manchmal hergibt!
Andererseits: Welch bessere Besetzung für eine Helloweenparty hätte das Berghain sonst finden können?

Thema der Woche 204: Uncoole Technodingens aus den 1990ern

Ouh, da gab’s natürlich ne Menge! Aber schön das wir das “Früher war alles besser” mal relativieren können, nur wo anfangen? Vermutlich sollte man mit der Mode anfangen, aber die fand ich anfangs gar nicht so schlimm, also diese Futurewear Sachen mit Staubsauger auf dem Rücken oder so cyberpunkmäßig aufgebrezelt, das ging alles noch, solange es nicht die orangene Straßenarbeiter Weste mit Trillerpfeife war. Womit wir schon bei Trillerpfeife und weißen Handschuhen wären, zwei Utensilien bei denen ich nicht weiß woher die kamen und plötzlich, vornehmlich in der Provinz, omnipräsent waren. Schlimm waren auch diese von Sven Väth eingeführten Supersohlen von bis zu einem halben Meter Höhe, am besten noch mit so LED Gedöhns drin, wie man es heute gerne in Kinderschuhen hat. Die Sohlenhöhe hat dann irgendwann Buffalo als Volkssohle übernommen.
Das mit den Modeverbrechen ging erst so richtig in der zweiten Hälfte der 90er los und gipfelte in diesem Antenne Brandenburg Look, wie man ihn hier nannte, der aber auch wie eine Seuche über das ganze Land zog. Also diese Fellstulpen oder glitzernde Ultraschlaghosen plus Spikehaare, was damals vornehmlich in Schranzkreisen le dernier cri war. Wenn so einer ankam, sorry, ich konnte den nicht ernst nehmen. Die waren für mich irgendwie das Äquivalent zu den blinkenden Gifs auf billig selbst zusammen geklatschten Hobbyseiten im Web damals. Frage mich manchmal was die heute so machen und ob diese Geschmacksverwirrung irgendwelche bleibenden Schäden hinterlassen hat, aber wahrscheinlich tragen die heute einfach Glitzer im Gesicht.
Was mir auch immer suspekt war, obwohl ich den Tribegedanken sonst soweit gut nachvollziehen konnte, aber wieso ausgerechnet Indianer? Das war ja im Frankfurter Raum recht ausgeprägt, wahrscheinlich weil’s da ob der amerikanischen Besatzungstruppen an jeder Ecke so nen Bauernladen gab, der neben obligatorischen Fransenlederjacken, Cowboystiefeln und Redneck Speckwesten diesen nachgemachten American Native Tinnef verkaufte. Vorher war mir das nur von so dubiosen New Agern oder verwirrten Amerikafans bekannt das die zu viel Western gesehen hatten. Woher da die Assoziation zu Techno kam blieb mir immer schleierhaft, da hätte Rockabillymode aus irgendeinem dummen Zufall ja auch mal wieder schaffen können, was genauso unsinnig gewesen wäre, aber eben näher an der Zeit.
Musikalisch ist der Fundus der Uncoolness natürlich noch viel größer, da weiß man erst recht nicht wo anfangen und wenn man schonmal damit anfängt, wo aufhören um halbwegs der Sache gerecht zu werden. Wobei man ja den meisten Sachen zugute halten muß, das sie mit besten Absichten gestartet wurden, nur halt irgendwann komplett ausgelutscht und durch waren, was aber natürlich einige erst viel zu spät merken oder meinten es käme immer noch Milch aus der toten Kuh auch wenn sie schon nach Verwesung stinkt und der geschundene Euter bereits abfällt. Eigentlich kann man da jedes beliebige Genre nehmen, ab einer gewissen Zeit war das einfach durchgenudelt und nur noch für die Hängengebliebenen interessant, sei es Gabber, Trance, ernstgemeinter Autorentechno, Progressive, aber auch House und Analogtechno. Alles Sachen die anfangs durchaus ihre Berechtigung hatten und einen neuen Ansatz darstellten, aber eben auch alle irgendwann mal ihren Zenit überschritten hatten und ein Schatten ihrer selbst wurden und dann klangen wie der fünfte Aufguss Tee, gebrüht in Wasser aus einem Fußbad. Einige davon versanken dann mehr oder minder in der Versenkung um nach einer Zeit der Besinnung und Läuterung, gewürzt mit neuen Einflüssen wieder aufzuleben. Andere haben den Schuß halt nicht gehört und machen das gleiche seit 20 Jahren weiter ohne mal in sich zu gehen, was für Außenstehende so interessant ist wie ein schlecht gespielter Witz. Man guckt sich das kurz an und kennt die Pointe schon, die schon lange gar keine mehr ist.
Erstaunlich ist auf jeden Fall wie langlebig sich viele solcher uncoolen Dinger halten, während einiges was cool war einfach halbfertig liegen blieb, in der Versenkung verschwand und nie wieder wirklich aufgegriffen wurde, ich nenne einfach mal als Beispiele Bleeps wie in der frühen Warp und Sheffield Phase, oder House in der Machart von Psychotropic. Andererseits wenn das Schule gemacht hätte wäre die Sache bestimmt so lange geritten worden bis sie ebenso eher als weiteres Beispiel für die Peinlichkeiten der letzten Dekade des vorigen Jahrtausends hätten herhalten müssen.
Jedenfalls war das ja noch die Zeit als Horden von DJs nächtlich durch die Clubs zogen um ihre Promo Whitelabels an die Kollegen zu verteilen, ich hatte irgendwann die Bude dermaßen voll von diesem Promospam, das ich aus Verzweiflung eine Fotosession auf einem Prenzlberger Dach für mein junges Label Timing anberaumte, bei der ich den ganzen Stapel von ca. 2000 Promospam Vinyls, der sich bis 1997 angesammelt hatte, mit der Axt zerdepperte:

timingteam3

Heute ist das mit den Promolistenspam und mp3s viel ressourcenschonender, man kann sie viel leichter ignorieren und auch nicht ignorierte haben deutlich weniger Gewicht.
Zum Schluß möchte ich noch ein paar Accessoires der 90er vor dem Vergessen bewahren, auch wenn sie vielleicht uncool waren, waren sie doch zeitweise stark prägend im Techno.
Nicht vergessen sollte man sicherlich Leuchtstäbe, so lustig das Geknicklichters war, so uncool war es so ein Teil von extatischen Ausdruckstänzern im Vorbeigehen an der Tanzfläche in Nasenloch oder Auge gerammt zu bekommen. Heute völlig verschwunden.
Und was ist aus Guarana geworden? Das Zeug wurde anfangs als Wachmacher verkauft und dann mit Aufkommen des Weichmachers Ecstasy natürlich in Alertgraden mit diesen verglichen, ein Vergleich den Guarana nur verlieren konnte, auch wenn einige Rezepte in petto hatten, die behaupteten da nahe ran zu kommen oder gar die Wirkung von XTC zu unterstützen. Die _breite_ Mehrheit entschied sich dennoch offenbar dafür, das beides vielleicht genauso eklig schmeckt, sich der Ekel bei der chemischen Variante aber duchaus lohnender gestaltet. Die daraus resultierende Überproduktion von Guarana wurde gerüchteweise als Kakteendünger verkauft, die daraufhin angeblich besser und lustiger wuchsen, bzw. Vogelfutter beigemischt, auf das die kleinen Piepmatze mehr und lauter singen.
Noch warten tue ich auf das Revival der Brainmachine, damals teurer Hokus Pokus, der kaum tat was er sollte, der aber heute mittels LED Technologie und Smartphoneanschluß sicherlich leichter und billiger zu realisieren wäre, gewirkt haben diese Lichtblitzdinger auf jeden Fall, wenn auch nicht wie beschrieben und in die Zeit täte sie m.E. auch wieder passen.

Thema der Woche 203: Internes vs externes Mixen. Mischpult vs Midi. Digitale vs Analoge Summe

Ich weiß ja was hier stehen sollte, externes Mixen, wo jeder Kanal seinen separaten Eingang hat bevor der Mixer sein Voodoo macht und diese wohlkingend zusammen führt ist voll gut und besser als das Digitale, zumal da ja nicht mit Midi gemixt wird, das ja bekanntlich nur 127 Steps hat, während der, natürlich analoge, Mixer diese nicht Stufen hat.
Ist ja theoretisch auch alles richtig, nur eben in der Praxis auch ziemlich egal. Für mich sind die theoretischen Vorteile jedenfalls nicht so gravierend das ich nicht mehr auf die praktischen Vorteile des digitalen, internen Mixens auf meiner Konsole Verzichten will. Ich muß mich, bis auf den Lineeingang, nicht auf das Pult des Clubs verlassen, kratzige Potis, nicht sauber schließende Crossfader und streuende Kanäle können mir von daher egal sein, zudem ist es mir lieber alles auf einer Fläche bedienen zu können, anstatt, Laptop hier, Controller da und Mixer irgendwo dazwischen. Zudem hat man ja meist nur die Wahl zwischen soundverschlechternden Pioneer Mixern mit guter Haptik und Ergonomie oder A&H mit Klang aber schlimmer Haptik, dann doch lieber die immer gleiche Arbeitsfläche meiner S4 mit pioneerähnlicher Haptik und Ergonomie. Die theoretische Stufigkeit der midisteuernden Knöppe und Fader konnte ich auch beim besten Willen noch nie heraushören, weder zuhause unter Optimalbedingungen, noch im Club, wo HiFi ja sowieso eher keine Rolle spielt. Ich möchte sogar soweit gehen und meinen, es wäre manchmal ein Segen wenn man den Clubmischer außen vor lassen oder umgehen könnte. Denn es ist nunmal so, das der Sound nur so gut ist wie das schwächste Glied in der Kette und das kann gerne mal der clubeigene Mixer sein, sei es ein oller Pioneer der schon ein paar Biere gesehen hat oder ein A&H 92 der neuen Baureihe mit schwarzer Frontplatte, die haben nämlich gerne mal den Bug das die ganzen Lineeingänge ausfallen, alles schon erlebt. Dann doch lieber eine digitale Summe als gar keine.

Thema der Woche 203: Themen bitte hier rein

Ok, auf allgemeinen Wunsch hin, the Return of Thema der Woche, nur eine Neuerung: bitte verschont mich mit Personen oder Läden der Vergangenheit, das wichtigste haben wir durch, der Rest ist nur relevant wenn irgendwas anliegt. Ich werde oben genanntes einfach nicht mit in den Poll listen, ok?
Sonst wie gehabt, Themen in die kommentare schreiben, ich setze Mittwoch den Poll auf, bis Freitag kann gevotet werden, Anfang nächster Woche hat das Siegerthema einen Text von mir

Thema der Woche 202: Sample-CDs – Mit zu einfachen Mitteln zur Hitmaschine?

Ich weiß doch auch nicht ob diese Sichtweise eher der Altersmilde oder dem Fatalismus zuzuschreiben ist, aber ich sag mal so: mir ist es egal wie ein Hit entstanden ist der mich kickt, ob da einer 1000 Meter Kabel verlegt um seine Modulkisten zu patchen oder ob einer es schafft mittels Samples von Cds einen Hit zusammenzupatchen, der Kunst ist es sicherlich auch egal womit sie erlangt wird, Hauptsache ich höre es nicht raus. Allerdings gehe ich mal davon aus, das mittels dieser neumodischen Construction Kits, aus denen Sample CDs heute vornehmlich bestehen, eher keiner gelandet wird, oder es endet eben wie beim Klangkarussel, indem so etwas nachträglich rausgefunden wird und alle etwas peinlich berührt sind, der Kunde weil er drauf reingefallen ist, das Label, siehe Kunde, der Künstler, weil shit, doch noch rausgekommen. Wobei ich das Skandälchen um deren Sonnentanz nicht so wirklich kapiert habe, ich meine, das hört man doch, das klingt doch nach typischem Construction Kit?
Um die Sample CD aber per se zu verteufeln reicht das nicht, da gibt es wirklich Kleinodien die ich nicht mehr missen möchte, die stammen allerdings meist aus der Anfangszeit des Mediums und manche nahmen sich auch Freiheiten heraus die heute schlichtweg nicht mehr möglich wären, weil höchst illegal. So sämtliche Hardcorestabs aller noch so skurillen Jungleplatten samt schlecht gesampelten Beats, die eh schon geklaut waren, mit Knacken vorne und hinten aus dubiosesten Quellen und mit jedem Revival werden plötzlich uralte, aber mittlerweile selten gewordene Klassiker des Sample CD Gewerbes plötzlich wieder soviel wert wie die Vinyloriginale von denen sie abgesampelt wurden und man kann auch richtiges Sample CD Digging betreiben, wie ich z.B. als ich mal versuchte zwei 2Step Sample Cds Jahre später zu ergattern, was dann zwar irgendwann für nur 5 € das Stück tatsächlich klappte, aber die investierte Zeit und das Porto aus Neuseeland waren ein solcher Wahnsinn, das man das nur als Liebnhaberei durchgehen lassen konnte.
Ich glaube die goldene Zeit der Sample CD ist spätestens seit diesen Construction Kits vorbei und seitdem jedes noch so kleine Genre innerhalb kürzester Zeit mit diesen totgeschissen wird. Es fing mit Minimal an, wobei gibt es etwas oxymoronischeres als ein Minimal Construction Kit? Bei Dubstep war es dann spätestens lächerlich und neuerdings werden mir per Spam ständig Trap Construction Kits angeboten, also schon bevor der Trend überhaupt so richtig gebreakt hat, gibt’s schon das Malen nach Zahlen dafür, crazy!
Dabei frage ich mich schon, wer hat Spaß an sowas, also einen mitgelieferten mp3 Demotrack per sequenzergerechter Happen nachzubauen? Für viel mehr taugen diese doch sehr spezialisierten Kits nämlich nicht.
Ich möchte daher die Sample CD nicht als Ganzes verurteilt wissen, dafür ist das Feld zu weit und fängt mit oben erwähnten dubiosen Quellen an, geht über abgesampelte Steinways und sonstige altehrwürdige Instrumente und Orchester weiter bis zu eben diesen unsäglichen Construction Kits. Aber wer weiß ob da nicht irgendwo ein Genie schlummert, der aus solchen Konserven nicht auch ein kollossal leckeres Gericht fertigen kann. Den Unterschied macht am Ende ob eine Guttenbergiade oder ein burroughsches Cut Up dabei heraus kommt, die Wege sind sicher ähnlich, aber die Ergebnisse fulminant unterschiedlich und in anderen Kunstgattungen sind wir mit der Akzeptanz vorgefundener Materialen schon um einiges weiter als in der Musik.
Sicherlich ist mir auch das Argument bekannt, das Techno immer darum ging neue Töne zu erfinden, nur wann habe ich da den letzten neuen Ton gehört? Wenn Techno dadurch tot wäre, das mittlerweile doch eher aus dem Fundus der gefundenen Töne gefischt wird, ist er auch nicht toter als jegliche andere Musik auch. Bei House z.B. ist das noch viel offensichtlicher, da geht quasi kaum noch was tonal neues, House klingt nach House durch den gefundenen Tonwerte Kanon, der sich bis über das Arrangement erstreckt. Änderungen sind da zwar möglich aber selten. Die ganze Sache der elektronischen Tanzmusik funktioniert nicht erst seit gestern mehr als Update, denn als Revolution. Von daher ist eine Sample CD nicht unbedingt abwegig und bei der Menge an Tönen die per Sample erhältlich sind, da nehmen wir einfach mal ehrlicherweise noch die mitgelieferten Presets und Samples der aktuellen Maschinen mit rein, ist es rein statistisch gesehen auch eher müßig das Rad neu zu erfinden, anstatt es zu verbessern.