Thema der Woche 191: Cocoon Club Pleite

Nun, bislang sprechen die Medien von Insolvenz, nicht Pleite, kleiner aber feiner Unterschied. In der Gerüchteküche köchelte das ja schon länger vor sich hin und es ist bereits Jahre her das ich zum ersten mal hörte das der Laden ja gar nicht so gut liefe. Wunderte mich nach meinem ersten, einzigem und kurzem Besuch auch gar nicht, das Ding hatte für mich nichts was Techno hierzulande ausmacht, es war ein durchdesignter, hochsteriler Kasten ohne Patina oder Authentizität und einer DJ Kanzel die vielleicht einer ibezenkischen Großraumdisse würdig war, aber nicht dessen was ich von der Expertise eines Sven Väth erwartet hatte. Damals dachte ich noch “Frankfurt halt”, dort wo gerne eine Spur dicker aufgetragen wird, heute denke ich auch wieder “Frankfurt halt”, weil war es nicht auch schon mit dem Dorian Gray so, das es ursprünglich als Jetsetdisse geplant war, aber schon ein paar Jahre später bevölkerten Goths und EBM das Etablissement, weil das eine Prozent eben nicht unbedingt beim Zwischenstopp zwischen München und New York mal gepflegt abzuhotten beliebt und somit den Betrieb finanziert. Ähnlich wahrscheinlich beim Cocoon Club, Idee und Ausführung war definitiv Prä-Eurokrise und ich weiß nicht ob Anzugträger und Raver zu mischen jemals eine gute war.
Ich habe die beiden Restaurants nie besucht und die Lineups des Clubs nur am Rande mitbekommen, zumindest diese erschienen mir dann doch sehr nach Hausmannskost, die Würze habe ich da vermisst. Ein Berghain traut sich auch mal eine Sub:Stance, eine Bar 25 kreiert so nebenbei mal einen neuen Feierstil, egal ob einem das jetzt gefällt oder nicht. Das Cocoon hat(te?) irgendwie nur Programm und das war, zumindest von dem was ich mitbekommen habe, naja, wie soll ich sagen, weder besonders originell noch überraschend, Hausmannskost eben. Dafür das ein Sven Väth nach wie vor quasi der Opinionleader für viele ist fand ich das weder seiner noch der Szene würdig, sondern ein Stillstand auf vielleicht hohem Niveau, aber eben nicht sonderlich zeitgemäß. Aus den bereits umherschwirrenden Nachrufen heißt es dann das der Sven sich seit längerem da ja eh viel zu selten hätte blicken lassen und es nur bei ihm voll gewesen wäre. Aber das der ganze Laden nur an einer Person hängt ist wohl auch für die Strahlkraft eines Babba’s etwas zuviel verlangt. Interessant wäre, wenn es wirklich zur Pleite kommen sollte, wieviel diese davon einbüßt bzw. überstrahlt.
Ich bedauere zwar jede Lokalität der elektronischenTanzmusik die verschwindet, aber nun, ein bisschen augenzwinkernde Häme darob, das reine BWL im Technokontext wieder mal nicht funktioniert muß schon erlaubt sein.

Thema der Woche 190: Tacheles

Kaum zu glauben das das nun auch schon wieder über 20 Jahre her ist das man gegenüber vom Obst & Gemüse zusehen konnte wie das Tacheles besetzt wurde und in der tote, dunkle Klotz zu leben anfing. Es war eine Zeit als Mitte noch lebendig war, kurz nach der Wende, ein riesiges Experimentierfeld und alles was verschlossen war wurde aufgebrochen und als Wohnraum, Galerie, Studio, Bar zweckentfremdet, gerne auch alles zusammen, kannste dir heute dort gar nicht mehr vorstellen. Und auch wenn das der Touristenführer den durchstaunenden Gruppen in Mitte täglich zig mal erzählt, sieht man den Gesichtern doch an, das die Vorstellung zu unreal ist als das sie wirklich in den Köpfen ankäme, lediglich der dunkle massive Klops Tacheles läßt da noch eine Ahnung aufkommen, wie es hier mal überall ausgesehen hat. Damals, als man die Schlacke aus den Kellern beförderte und diese neue Musik Techno dort unten feierte. Später kamen die Spiral Tribes und verbuddelten Migs, Panzer und Autos im Hinterhof, auch mein Panzer auf der Loveparade war von dort geliehen.
Irgendwann, ich weiß nicht mehr wann, zog dann auch Theatervolk dort ein und damit auch die typischen Hierarchien. Trotzdem war da noch ein Wuseln und ein Hämmern und ein Dengeln und ein Malern. Hinter den Kulissen war es oft genauso laut, egal ob Cafe Zapata gegen den Rest oder andersrum. Techno war irgendwann nicht mehr so gern gesehen und mein Interesse auch irgendwie erloschen. Trotzdem gab es immer wieder Gelegenheiten dort aufzuschlagen, sei es um den Sonnenuntergang im offenen Panoramafenster zu genießen, Konzerte, befreundete Künstler zu besuchen, mit Genesis P. Orridge dort aufzutreten und sogar eine Tekknozid hat’s da mal zum 10 jährigen Jubiläum im Theatersaal gegeben.
Aber nach meinem, zugegebenermaßen außenstehenden, Empfinden, hatte mit den Jahren hatte auch dieser freie Esprit nachgelassen, wenn er nicht gar verloren ging. Am Schluß war das Ding ein Relikt aus einer Zeit die es nicht mehr gibt, der letzte Widerstand, schön zum Vorzeigen für Stadtführungen, aber bezüglich des Anspruchs hatte der Rest von Berlin ja Mitte eh schon lange aufgegeben.
Ich weiß nicht ob man das Tacheles hätte retten können, die Politik, aber auch die Politik die da veranstaltet wurde war zunehmend unübersichtlich und was ich mitkriegte waren nur noch Verfeindungen von Lagern, das was sich so ab Mitte der 90er eigentlich schon abgezeichnet hatte. Aber wie gesagt, das ist der Blick eines Außenstehenden, der das seit Jahren eigentlich nur noch per Medien mitverfolgt hat

Thema der Woche

geht in die traditionelle Sommerpause. Ich hab’s ja schon an den Themen gesehen die eigentlich für diese Woche dran wären, sowohl ihr als auch ich haben definitiv andere Interessen gerade, was aber nicht heißt das hier nix passieren wird, lediglich das Prozedere aus Vorschlägen, Poll und zum Thema schreiben fällt, wie jedes Jahr, für ca. 8 Wochen weg

Thema der Woche Facebook Update

Es passiert mir ja selten das ich zu einem Thema der Woche nochmal einen neuen Artikel aufmache, aber hier sieht man einfach zu schön, wie die Schere zwischen Like und Dislike auseinander geht.
Als ich heute morgen etwas auf meiner Fanpage posten wollte ploppte dieser Reiter auf:

Facebook bietet Fanseiten nun an das man dafür zahlt das auch wirklich alle Fans (ich hasse dieses Wort) den Eintrag zu sehen bekommen, 5$ für 2000 Fans und alle sehen es für 10$, wer über einer gewissen Menge an Fans verfügt zahlt dann auch entsprechend mehr, z.B. 15$. Wahrscheinlich die Folgen des Bö(r)sengangs und vielleicht erste Anzeichen das der Zenit überschritten ist, wer in sozialen Netzen damit anfängt mit Selbstverständlichkeiten rumzuschachern, und das ist nunmal das alle Interessierten das zu lesen bekommen was man postet, den hat das physikalische Gesetz der Entropie voll im Griff, würd ich mal salop behaupten.
Am anderen Ende der Schere steht das heute der Arturia Minimoog für Lau, oder besser für ein Like rausgehauen wird und zwar nur heute.
Ich hab ihn mir gesichert, ich werde aber den Teufel tun und zukünftig für Posts zahlen bei denen es selbstverständlich sein sollte das jeder der sich vorher die Mühe machte die Seite zu liken, diese sehen kann. Deal with it Facebook

Thema der Woche 189: Facebook nervt! – nervt Facebook?

Ja, ich kenn das, Facebook kann so richtig auf die Ketten gehen, wenn Leute, die man bis dahin für einigermaßen gescheit und erfahren hielt, reihenweise Hoaxes wie “Facebook beginnt am Tag XY damit deine Fotos zu irgendwas zu verwenden, um das zu verhindern gehe in Einstellungen und stelle fest das das Häkchen dagegen per default gesetzt ist” oder sie nerven mit irgendwelchen Apps, ganz schlimm war’s gleich zu Anfang mit diesem “normalerweise bin ich nicht so der Gamer, aber kommste zu mir in meine Mafia Wars Gang?” wieviele Leute mußte ich da aus meiner Timeline kicken, bis es die Möglichkeit gab diesen Gamespam abzustellen. Das ist aber auch gleich der Punkt: jeder hat die Timeline die er verdient, weil jeder für seine selbst verantwortlich ist, das gilt übrigens nicht nur für Facebook. Wenn also einer sagt “Facebook nervt” heißt das entweder meine Freunde nerven oder ich kann mit dem Scheiss nicht umgehen.
Auch als Selbstständiger der keine wie auch immer geartete Schere im Kopf haben muß verstehe ich wenn jemand meint ” Ich muß bei Facebook immer so aufpassen was ich poste, weil wenn das mein zukünftiger oder jetziger Arbeitgeber sieht”, nur spricht das wirklich gegen Facebook, oder nicht doch eher gegen den Arbeitgeber, oder gar, sorry, gegen einen selbst? Erste Prämisse in allen Onlineauftritten sollte doch sein, poste nur das was du auch persönlich in der Bild als Headline über dich vertreten könntest, alleine mit dieser Regel ist doch dem Gröbsten Einhalt geboten, wenn, ja wenn da nicht die Kommentare wären. Da kann’s mitunter drunter und drüber gehen ohne das man auch nur das mindeste für kann. Seien es die berüchtigten Kommentartrolle, die meinen grundsätzlich ihr Miesepetertum in deinem Kommentarbereich auszuleben, z.B. “hattest du nicht am 3.9 2010 genau das Gegenteil von dem behauptet was du da eben sagtest?” Natürlich mit Link zu entsprechendem Eintrag und terrierlike nicht loslassen, auch wenn man’s schon in 3 Folgekommentaren erklärt hatte. Es hilft da oft meist nichts anderes als solche Zeitgenossen im ausgeklappten Kommentarbereich einsam verhungern zu lassen und bloß nicht löschen, das macht solche Kandidaten erst so richtig tarantelig!
Sicher, Facebook nervt mit seinem Datengewese, nur ist das doch jedem eigentlich klar, das eigentlich nichts dort privat ist, heißt ja auch Social Network, nicht Private Network, wenn es letzteres wäre, wäre es sicherlich auch nicht halb so groß und amüsant. Obwohl ich ja eher so der Twittertyp bin kann ich allerdings nach längerer Abgenervtsein Phase mittlerweile wieder sagen, ja, Facebook hat auch seine guten Seiten. Zuallererst mal halt das fast alle Nichttwittertypen dort zu finden sind und das sind zumindest aus meinem engeren Bekanntenkreis doch so einige. Dank einigermaßen sauberer Timeline finde ich auch die Kommentarverläufe oft besser laufend als z.B. bei Twitter und in letzter Zeit habe ich auch das Prinzip der Gruppen für mich entdeckt, für welche ich in der Vergangenheit nur sehr sporadisch was übrig hatte, aber es gibt sie, die Legitimationsfälle, quasi als Rettung der Forumsidee, ohne Forum.
Kurzum, ja Facebook kann nerven, aber wenn es das tut ist es meist ein Zeichen das man ihm eh zuviel Bedeutung zumisst, die Dosis macht das Gift.