Thema der Woche 188: Neid unter DJs

DJs sind auch nur Menschen und, da braucht man nicht drumrum zu reden, entgegen landläufiger Meinung in manchen naiven Kreisen, oftmals nicht die besseren. Von daher klar, das Alltagsphänomene wie Neid, Missgunst und Niedertracht in diesen, wie in allen anderen, Reihen ebenso zum täglich Brot gehören. Selbst schuld wer so’ne Kinderkacke empfindet könnte man meinen, auf was soll man da neidisch sein? Die Zeit als Platten nur limitiert erhältlich waren ist seit Files perdu. Auf so etwas vergängliches wie Gigs, Kohle, der Fame, der Kick der Augenblick? Wer immer nur das will was die anderen schon haben, kriegt auch nur das was die anderen schon hatten.
Geschickter sind da schon diese Loyalisten, von mir auch gerne als Arschfliegen bezeichnet, die, obwohl selber der Vor DJ den Peaktime Kollegen über den grünen Klee loben, jeden Wunsch von den Lippen ablesen, für Stimmung während seines Sets sorgen, kein schlechtes Wort über diesen zulassen, aber wehe es klappt im Anschluß nicht in die Booking Agentur aufgenommen zu werden oder den eigenen Release unterzubringen. Oder biete demjenigen, nur mal so zum Spaß, einer mal ein unloyales Angebot bezüglich DJing an, ich hab da schon vermeindliche Freundschaften für’s Leben brutal zusammenbrechen gesehen. Das schlimmste Übel von allen sind aber Booker die DJs werden wollen oder wollten. Nunja, die Lektionen in Demut kriegen alle irgendwann präsentiert.
Dabei ist Neid nichtmal das schlimmste, das ist immerhin irgendwie so eine Art invertierte Respektbekundung. Viel nerviger für alle Seiten ist diese Hintenrummissgunst, wo man von Veranstaltern hört wie versucht wird, das der eigene Name größer geschrieben werden muß, die Schriftgröße dem Ego nicht entspricht, DJ XY öfter gebucht wird und die besseren Zeiten kriegt, man ahnt ja nicht auf was Menschen alles pikiert reagieren können
Ich muß nochmal auf den Neid zurückkommen, nicht nur weil es hier das eigentliche Thema ist, sondern weil es auch das Phänomen des vermeindlichen Neids in Form des Totschlagarguments gibt, z.B. wenn man gegenüber des oben erwähnten Rosetteninsekts auf Nachfrage den umschwärmten Besitzer dieser nicht über den grünen Klee lobt und die distanzlose Freude über die offensichtlichen Erfolge des Objekts mit so etwas wie Kritik und sei es nur die leiseste oder nur einem “Naja..” verdirbt : “du bist ja nur neidisch!” Sorry, nein, Neid wurde bei mir nicht implementiert.

Thema der Woche 187: Älterwerden in der Techno-Szene

Dieses ominöse Alterwerden scheint ja ein pressierendes Thema zu sein, so oft wie es in letzer Zeit auf’s Tablet kommt.
Disclaimer vorweg: Ich finde Altern super und spannend, vor allem weil es wirklich nichts mit dem zu tun hat was ich mir früher so darunter vorgestellt hatte, in 2 Monaten bin ich 50 und fühle mich nicht wie ein Opa, sondern bin ja gerade erst Vater geworden, die Neugier nimmt nicht ab, die Zipperlein sind bislang ausgeblieben, die innere Ruhe wächst und die Orientierung in der Welt ist besser als je zuvor. Immer wenn einer früher stirbt als man selbst macht man die Beckerfaust und den jüngeren kann man ein kraftvolles “schaff du das erstmal bis hierher!” entgegen schmettern.
Trotzdem scheint es speziell im Technoumfeld eine besonders verunsicherte Fragestellung bezüglich Altern im Techno zu geben, die mit “Kann man das?- “Ja!” wohl nur unzureichend beantwortet ist.
Die Angelegenheit sieht in anderen Sparten doch schon lange geklärter aus, ein Bob Dylan z.B. darf auch heute noch auf der Bühne stehen und es wirkt nicht komisch, bei Konzertgängern wird die Altersfrage auch kaum gestellt, der Bueana Vista Social Club hätte ohne Alter sogar sicher nicht den Film bekommen, aber bei Techno fragt man sich, Älterwerden und Techno, darf man das und wie geht das? An fehlenden Beispielen kann’s definitiv nicht liegen, also wahrscheinlich eher an der bislang nicht upgedateten Vorstellung das Techno so ein Jugendding ist das man spätestens mit Beendigung der Twenphase hinter sich hat und danach jovial über die eigene Jugend schmunzelt, während man bei Rotwein irgendwas erwachsenes, klischeehaftes wie Jazz oder Klassik hört. Kann man ja machen, zusätzlich, denn nicht nur ein Großteil meines Umfelds befindet sich bereits in den Vierzigern und auch wenn viele nicht mehr so aktiv daran teilnehmen kenne ich doch auch eine nicht geringe Menge an Leuten, auch jenseits der 50, die nach wie vor von und in Techno leben, in der Natur der Sache liegt auch das es jährlich mehr werden.
Natürlich spielen da auch die Umstände eine Rolle, in einer Umgebung wo Techno in dieses subkulturelle Nischendasein gehört, wo man auf Veranstaltungen mit einer 3 oder 4 vor der Null schonmal das doppelte des Durchschnitts auf die Alterswaage bringt sieht’s natürlich schwieriger aus mit Würde und Altern, aber auch da habe ich schon genug Beispiele gesehen die die Kurve kriegen. In Orten wie Berlin ist die Altersfrage eh hinfällig weil da von unter 20 bis über 50 alles vertreten sein kann und viele in den Netzwerken schon die meiste Zeit an irgendwelchen Stellen der Szene gewerkelt haben, es noch tun und wenn nicht, dann immer noch ihre Verbindungen und Freunde dort haben, you never dance alone.
Praktischerweise ist man an exponierter Stelle wie DJ oder Veranstalter sowieso fein raus, da hat sich die Sache mit dem Alter eh schon dankenswerterweise relativ egalisiert, man hat sich an Leute gewöhnt die seit nun fast 30 Jahren hinter Plattentellern stehen das bis heute nicht lassen können, da heimst man sich mit dem Alter vielleicht sogar noch bei dem ein oder anderen ein Quentchen Respekt ein. Was natürlich hin und wieder komische Züge annimmt ist, wenn man dann vor dem Veranstalter steht und der könnte der das eigene Kind sein und nun gibt’s da Nachverhandlungen wegen Gage oder ähnliche Sperenzchen, die so schon unangenehm sind, in der Konstellation aber nochmals dämlicher kommen und man sich unweigerlich fragt, was mach ich hier gerade eigentlich? Aber auch da wächst man rein, ist ja nicht so das man von heute auf morgen älter wird.
Eine nicht unwesentliche Rolle spielt natürlich auch schwindende Nachtstamina und diesen Regenerationsphasen die sich auch immer länger Zeit lassen bis man die so nennen kann, die meist gepaart mit sich änderndem Lebensfokus dazu führen das man gar nicht mehr jedes Wochenende auf der Rolle sein will und sich so zwangsläufig irgendwann außen vor vorkommt, was m.E. und BTW immer noch die ästhetischere Variante ist, als auf Teufel komm raus mithalten zu wollen und sich so zum Jugendzwangdepp zu machen. Ist ja ganz schön das Leben eine Zeit lang mal komplett auf Techno ausgerichtet zu haben, ebenso schön ist es allerdings wenn sich der Horizont wieder weitet. Ich kenne mittlerweile viele, auch DJs, denen es so ergeht wie mir und die mir hinter vorgehaltener Hand stecken das sie am Wochenende auch lieber auf der Datsche chillen würden, als im Club oder bei der Afterhour und außerhalb der eigenen Engagements nur noch sehr selektiv ausgehen. Aber Techno findet eben nicht nur im Club statt. Kinderfreundlich gestaltete Open Airs und Technoforen mit Unterforum für Technoeltern sprechen da Bände.
Das Altern im Techno, das will ich nicht vorenthalten, hat auch durchaus so seine Vorteile und diese sind stark angelehnt an das restliche Altern, man ist z.B. gefestigter im Geschmack, und hat schon ein paar Fixpunkte in seiner Historie, Leute die man auf Veteranentreffen trifft kennt man schon über 20 Jahre! Man muß nicht mehr hektisch jeden Trend mitmachen oder irgendwie gut finden, im schlechtesten Fall schön pillen, weil man meint sonst nicht mehr up to date zu sein oder etwas zu verpassen und wenn’s nur die vermutet beste Party ist, die dann doch lediglich die vermeindlich beste war weil man meinte das die Coolen und Schönen sich genau da aufhalten, was sie dann im Endeffekt doch nicht tun, sondern eben nur die, die der Coolness hinterher laufen und eben hektisch sind. Diese altersimanente Zenruhe kann auch dazu führen das das Sendungsbewußtsein auch mal in ganz andere Richtungen schwingt, nämlich nach innen, man muß nicht mehr die Welt davon überzeugen das der eigene neu entdeckte Scheiß der heißeste ist, sondern ist auch zufrieden wenn man Musik für sich hat, soll die Welt doch tanzen zu was sie will.
Weiterer Vorteil: Man hat schon vieles durch, z.B. diese Slowhousenummer gerade, die hatten ältere Semester schon anno 1990, hieß damals Movement 98 und war glücklicherweise innerhalb von ein paar Wochen vorbei, ein Nichts gegen das was da gerade passiert. Ich glaube ich werde nie so alt werden wie diese Musik teilweise klingt.

Thema der Woche 186: Wird die Technoszene tot-ge”pop”t? Was ist übrig vom Spirit?

Erstmal natürlich: komische Fragestellung, wenn man den Rise and Fall von Techno in den 90ern miterlebt hat. Die Masse an Compilations, das Buhei auf MTV, da wirkt das bisschen Gepope heute ja geradezu homöopathisch. Das Techno mittlerweile auch in schöner Regelmäßigkeit in Form von Dokus auch auf Leinwänden stattfindet, ohne das es gleich zu brachialen Chartstürmereien führt, zeigt doch eigentlich nur das er irgendwo in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und Mayday und Nature One sind ja nun auch keine Phänomene die erst gestern dazu gekommen sind. Der Fragesteller sprach auch von überfüllten Raves und Hipster verseuchten Open Airs, dazu gebe ich gerne zu bedenken: Hipster, das sind immer die anderen.
Man sieht, ich kann mit der Frage nicht so viel anfangen, finde Sachen wie Beatportcharts und angebliche Rave Stories in Teenie Magazinen komplett überbewertet, liegt aber vielleicht auch daran das ich das Ganze aus einem komplett anderen Sichtwinkel wahrnehme. In meinem Techno findet nur sehr wenig Pop der angeprangerten Art statt. Die große Kommerzialisierung sehe ich eben nicht und wenn, dann nur sehr relativiert zu dem was man schonmal durchgemacht hat, ansonsten alles Business as usual, neue Köpfe kommen und meist gehen sie auch genauso schnell wieder. An solchem Blödsinn, wie ihn David Guetta letztens verzapfte, als er in einem Interview meinte das er Elektronische Musik gerettet hätte, weil er sie aus dem Underground gehievt hätte, kann man sich, wie Claude Young, zurecht echauffieren, ich für meine Person halte es damit dem Affen keinen Zucker zu geben, ich zähle den ja genauso wenig zu Elektronischer Musik wie einen DJ Bobo, bloß weil der sich einen DJ vor den Namen hängt, wer sich von sowas dann tangieren lässt, bitteschön, ich hab ein Leben und das ist zu kurz für sowas.
Klar kann man auch Verwässerung, Professionalisierung, Generationenwechsel und im Gegensatz zur Aufbruchsphase längere und kleinere Innovationsintervalle bemängeln, Techno, House und alle weiteren Spielarten der Elektronischen Musik sind aber mittlerweile doch so breit aufgestellt das man da gar nichts mehr über einen Kamm scheren kann, auch wenn man noch so möchte, höchstens aus Unwissenheit. Und genauso wenig lässt sich eben auch eruieren was von dem ursprünglichen Spirit übrig ist, es gibt sie mit Sicherheit noch, die kleinen Enklaven in dem der einstige Spirit museal gehegt und gepflegt wird, auch in diesen ganz anderen Zeiten, aber will man dieses 1:1 Abbild wirklich? Und es gibt junge Hüpper die von diesem Spirit nichtmal einen Löffel genommen haben können, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren waren, trotzdem haben sie es drauf mit dem was sie tun Menschen zu begeistern und Neues zu kreieren, was mindestens ebenbürtig ist und mir sogar noch mehr Respekt abverlangt als die Tradition zu wahren.
Kurz gesagt, würde mir jemand heute ernsthaft mit der Diagnose totgepoppt kommen, würde ich brutal zurück diagnostizieren und zwar auf zu alt, zu verbohrt, zu unverstanden, zu draußen und zu sehr am falschen Ort. Denn auch im Techno gilt ein aktuelles, geflügeltes Wort das ich ein wenig in den Kontext stellen will: “Zuerst kommen die Musik und die Menschen, dann erst der Club und ganz zum Schluß komme ich”. Mehr Spirit geht ja wohl kaum und da sieht man mal wie weit der schon rumgekommen ist

Thema der Woche 185: Der Remix- ist das Kunst oder kann das weg? 10 Beispiele von Remixen die gelungener sind als die Originale

Der Remix, einst seltenes Ding um etwas bereits gelungenes nochmal aufzuwerten oder in tanzbareren Kontext zu setzen, heute kommt kaum ein Release ohne welche aus, sei es der gegenseitige Deal “Remixt du mich, remixe ich dich” oder der teuer eingekaufte um dem No Name das No zu nehmen. Läuft die Chose dann immer noch nicht kommen halt die Remixe Pt.2 bis 5 mit jeweils mindestens 4 Remixern, damit die auch jeder mitkriegt. Ob die dann jeweils besser als das Original, oder nur unnötige Redundanz sind muß wohl jeder für sich entscheiden, aber es gibt sie, die Remixe, die das Original ergänzen, toppen oder gar vergessen lassen.

Smokebelch II Original

Smokebelch II (David Holmes Remix)

Manchmal reicht auch nur einmal den richtigen Ton zu finden um das Ganze aufzuwerten:

Age Of Love – Age Of Love

Age Of Love – Age Of Love (Jam & Spoon Remix)

Der Remix hat dankenswerterweise mit dem Original nur wenig zu tun:
Front 242-Religion

Front 242 – Religion (Trance U Down Mix By The Prodigy)

Nicht unbedingt besser, aber durchaus hilfreich damals um diesen grandiosen Track auch außerhalb des Dubstepkontexts einsetzen zu können:
Burial – Archangel (Boy 8-Bits Simple Remix)

Burial – Archangel Original

Original super, Remix ebenso

Space Cube – Pure tendency

Space Cube-Pure Tendency (Richie Hawtin Mix)

Auch hier, das Original schon top, aber der Remix hebt’s nochmal auf ein anderes Level:

Love Inc. – R.E.S.P.E.C.T.

Love Inc. – R.E.S.P.E.C.T. (Panacea Remix)

Beispiel für gelungenes Update:

DHS House of God

DHS – House Of God (The Remix)

Ein Beispiel dafür wo mir das Original so gar nix zu sagen hat, aber der Remix:

Radiohead – Bloom

Radiohead – Bloom (Blawan RMX)

Der Remix als totale Dekonstruktion:

OMD – Electricity

OMD – Electricity (Micronauts Remix Edit)

und noch so ein Beispiel wo man mich mit dem Original jagen kann, aber den Remix höre ich mein Leben lang

Jodeci – Feenin

Jodeci – Feenin (L.T.J. BUKEM REMIX)

Thema der Woche 184: Die Techno Opas von Berlin

Das Thema bezieht sich vermutlich auf diesen DPA Text, der kürzlich von der Badischen bis zu Waldsroder in so ziemlich jeder Zeitung abgegruckt war, wer’s nicht glaubt kann’s ja mal googeln. Also genau jenem Medium das für sich zukünftig ein Leistungsschutzrecht beansprucht- für einen vorgefertigten DPA Text, den man, samt Bildern, frei Haus geliefert bekommt, aber das nur am Rande.

Anlaß des Textes war die Premiere des Buchs “Der Klang der Familie” im Kater Holzig und als O-Ton Lieferant liefert ein DJ Por.No erschütternde Einsichten ab, wie «Es tauchen immer wieder neue Gesichter auf, und viele verschwinden schnell wieder» oder «Das Nachtleben ist hart.» Gewüzt mit Falschinformationen und Faktendrehern wie dem das PvD mit Privatflugzeug um die Welt jettet (Woher dann der HON Status bei der Lufthansa?) oder das das Geld aus der Bar 25 mit Schubkarren rausgefahren wurde (die leicht abgewandelte Anekdote dazu findet sich allerdings im Buch über das E-Werk)
Das alles bezieht sich auf “Manchmal lohnt sich der Einsatz” und der ist natürlich lediglich monitär verstanden, daneben das traurige Bild von Por.No, der nicht vom Auflegen leben kann und zusätzlich im Hostel arbeiten muss. Das Auflegen voralledem den Spaß bedeutet Menschen mit Musik zu beglücken bzw. diese mit diesen zu teilen, kein Wort darüber. Stattdessen die Feststellung das die Magie weg wäre. Mag man ja so sehen, nur fragt man sich ob der Schreiber überhaupt jemals überhaupt was außer Buch und O-Tönen von der Sache in Erfahrung gebracht hat, es liest sich so leblos nach Trockenrecherche, bloß nicht schmutzig machen am Sujet.
Was diese Möchtegernbestandsbeschreibung mit Journalismus zu tun hat, keine Ahnung. Was das alles mit der ersten Generation von Techno DJs in dieser Stadt zu tun hat, keine Ahnung. Aber immerhin ein bisschen Füllmaterial um die gedropten Names geklatscht.
Hatte ich schon erwähnt das dies in einem Medium passiert das für sowas zukünftig Leistungsschutzrecht verlangt?