Review: Karl Ove Knausgård – Träumen

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Ich habe den norwegischen Schriftsteller Knausgård eigentlich relativ spät entdeckt, nämlich erst bei Band 5 „Träumen“ seines autobiografischen Romanzyklus, der, verständlicherweise außer im deutschen, mit „Mein Kampf“ betitelt ist. Die anderen Bände heißen Sterben, Lieben, Spielen und Leben, die habe ich noch nicht gelesen, es läßt sich aber auch gut bei Band 5 einsteigen, soviel sei vorweg gesagt.
Knausgård wird, insbesondere in seiner Heimat, als literarische Sensation und Faszinosum wahrgenommen, er schildert Alltagsdinge und Banalitäten in einer skandinavisch, knorrigen Tagebuchgenauigkeit, die aber erst diesen Fluß ergibt, auf den man sich halt einlassen muß um durch die immerhin ca. 800 Seiten zu kommen und, ich weiß nicht ob es am Alter liegt und der gleichen durchlebten Epoche, man findet sich gerade dadurch, oft darin wieder.
Träumen behandelt die Zeit von den frühen 80ern bis ca. 9/11, die Zeit als Knausgård mit 19 auf einer Schreibakademie verzweifelt, Schriftsteller werden will und nichts gelingt, sich als Krankenpfleger über Wasser hält und die Einsicht der fehlenden Fantasie für die Berufung und das Eingeständnis des Scheiterns im Suff und auf Parties ertränkt. Wobei Alkohol ihm definitiv nicht gut tut, daran zerbrechen nicht nur zwei Beziehungen. Er ist einer dieser Typen, die jeder kennt, kaum ist Alk im Spiel wird es maßlos und zuweilen aggressiv. Ob da eine Präposition von seinem Vater, der Alkoholiker war und daran in Buch stirbt, vorliegt, weiß man nicht, man ahnt es aber. Geraucht wird auch viel in dem Buch, quasi auf jeder Seite, aber so war das nunmal seinerzeit, als auch noch Raucherabteile in Flugzeugen und Bahnen gab.
Später dann gelingt ihm dann, nach den üblichen Literaturzeitschriftbeitrag Geplänkel tatsächlich ein Roman, aber glücklicher macht ihn das auch nicht, Selbstzweifel und ewiges Nichtgelingen eines Nachfolgers lassen das nicht zu. Als das dann doch endlich gelingt, geht darüber die Ehe kaputt. Man möchte danach das Los der Einsamkeit eines Schriftstellers nicht unbedingt teilen.
Das Buch ist fast brutal in seiner Genauigkeit, Reflexion und Offenheit der inneren Vorgänge des Protagonisten. Je tiefer man in der Geschichte drin ist, desto empathischer wird man für ihn, der sich hier erbarmungslos für die Icherzählform entschieden hat und gerade Menschen, die sich nicht unbedingt den üblichen Karriereweg entschieden haben dürften einige Facetten von sich darin wieder erkennen.
Ich bin jedenfalls nach diesem Band schon sehr auf die anderen gespannt, die keineswegs kürzer ausfallen.

Serato Pyro, der private Hosentaschen DJ

Serato Pyro

Ich komme oft nicht dazu anderer Leute Mixe zu hören, weil ich schon gut damit beschäftigt bin die eigene Musik durchzuhören. Ich mache das gerne auf einem alten iPhone, das mir als iPod dient. Dabei nervt es immer ein bisschen das die Sachen so abrupt stoppen und der nächste Track unvermittelt nach einem kurzen Moment Stille loslegt. Wäre doch nett wenn die, wie in einem Mix, zumindest halbwegs ineinander übergehen. Genau das geht jetzt mittels dieser kostenlosen Pyro App von Serato und das auch mit Spotify Tracks, wie man verspricht. Ich kann das nicht verifizieren, ich habe kein Spotify, geschweige denn Premium, das es dafür bräuchte. Aber wenn das mit den Spotify Tracks, oder gar gemischt, eigene Files mit Spotify Tracks in einer Playlist so erschütternd gut funktioniert wie mit meinen Files aus der iTunes Mediathek, dann Chapeu!
Bei aufeinanderfolgenden Tracks mit etwa gleichen Bpms ist tatsächlich oft der Übergang kaum zu hören, der ist fließend. Dazu analysiert Pyro die Files auf dem iPhone und blendet, Algorhythmus gesteuert, über, bei zu großen BpM Sprüngen macht das dann (noch?) ein verschämter Echoeffekt, der die Übergänge eher verschmiert als überblendet. Sehr schön auch gemacht, wie sich beim Übergang die Cover übereinander schieben und der Playbutton Feuer fängt. Allerdings sind wir hier gerade mal bei Version 1.1, ich bin gespannt wohin sich das entwickelt. Klar die Übergänge haben jetzt nicht epische DJ Länge, das handelt sich eher um die letzten 10-15 Sekunden, aber die Nahtlosigkeit bei einigen fand ich schon erstaunlich.
Playlisten lassen sich auch ordnen, Tracks löschen und umstellen, das eignet sich bei diesem System allerdings vornehmlich für kürzere spezialisierte Playlists, längere damit zu editieren artet schon in arge Rödelei aus.
Trotzdem, für die einstündige Jogging Playlist oder die Musikeinkäufe der Woche durchzuhören taugt diese Abspiel App auf alle Fälle, gerade auch wegen diesem Überblendungsfeature.
Ich find’s super, damit wir uns da nicht falsch verstehen, weil das auch wieder die Frage aufwirft, wieviel Prozent Beatmatching die zukünftige Definition des DJs ausmachen wird und welche neuen Räume mittels sowas aufgemacht werden. Die Algorhythmen mögen da noch sehr am Anfang sein, aber das werden sie nicht bleiben. Umso erstaunlicher das so eine App dann ausgerechnet von Serato kommt. Erwähnte ich schon das ich es super finde?

Ein Video von Serato das ein bisschen das Voodoo hinter der GUI erklärt gibt’s natürlich, das aber auch ganz gut die Funktion derselben aufzeigt:

Review: Journaling mit Day One Version 2

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Über DayOne hatte ich hier ja schonmal berichtet. Ich glaube wer Journaling betreibt wird kaum etwas besseres finden als diese App. Nun ist die Version 2 rausgekommen und hat mich ob des Preises erstmal abgeschreckt, so das ich das erstmal sinken lassen mußte, bevor ich dann doch zuschlug, 19,99 € für die Mac Version und 4,99 für die iOS Version. Ab morgen, nach der Einführungswoche, sollen dann beide gar doppelt soviel kosten, verrückt!
Nun gibt es halt ein zeitgemäßeres Design, ein Photoview, einen Mapview, der Orte anzeigt wo man schon etwas geschrieben hat und einige schon lange gewünschte Neuerungen, wie mehrere Fotos pro Eintrag. Sehr schön auch das man bis zu 10 Journale anlegen kann, das habe ich dann auch gleich mal für die unterschiedlichen Einträge wie Weekly Review, Sport, Texte und Social Media Posts gemacht, was ein sehr schön aufgeräumtes Dayone ergibt, hätte nicht gedacht das man sich gleich so dran gewöhnt. DayOneEmbed
Auch sehr schön, man kann nun Iframes direkt einbetten, also YouTube Videos oder Soundcloud sind via Embed Links direkt im Beitrag abspielbar, ohne das ein Browser extra aufgeht, fetzt!
Dafür fehlt Dropbox und iCloud Sync und man geht den momentan sehr beliebten weg der haueigenen Datenwolke, hier DayOne Sync genannt, mittels dem die Apps zukünftig ausschließlich syncen werden können. Datenschützer werden die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. dayonesetup
Der Sync klappt zuverlässig und schnell, auch alle Einträge vom alten auf das neue DayOne wurden tadellos übernommen, diesbezüglich kein Grund zur Klage. Trotzdem bleibt da ein schales Gefühl, dieser einen Möglichkeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, zumal die bislang nichtmal verschlüsselt ist. Soll nachgeliefert werden, was allerdings in der alten Version auch über Jahre versprochen wurde. Bislang fehlt mir am schmerzlichsten die IFTTT Anbindung, die ich in der Classic Version mittels eines Workarounds mit Hazel und Dropbox hingekriegt hatte, so das RSS, Instagram, Soundcloud und Twitter Posts automatisch da rein liefen, ohne das ich groß was machen mußte. Soll auch noch nachgeliefert werden, bis dahin muß ich wohl die alte App noch drauflassen und das händisch erledigen, was eher ein pain in the ass ist.
Mit dem Kauf hat man also quasi einen ziemlichen Vorschuss geleistet für das was noch kommen soll und da wird einiges versprochen:

*Apple ID Login—Day One will use your device’s Apple ID for enabling Day One services, including Day One Sync, Publish, and more.
*IFTTT—We will support this popular platform for connecting various web-based services and web-enabled devices.
*Favorite Locations—GPS is only so accurate. We’ll make the location setting for entries more precise.
*Publish—Similar to what exists in Day One Classic, we will provide the ability to post selected entries to Day One-hosted webpages.
*Encryption—Day One Sync will include private-key encryption, the gold standard for data security.
*Localization—We will translate the Day One apps into several international languages.
*Activity Feed—Social media activity and other imported data.
*Book Printing—We will integrate with a physical book printing service.
*Android and Web Clients—We will commence work on these platforms.

Ich bin gespannt wann geliefert wird, aber alle anderen Alternativen sind leider keine wirklichen.
Bis die IFTT Erweiterung kommt hat im automatischen Sammeln lediglich Momento die Nase vorn, dafür gibt es aber auf dem Rechner keine App. Diaro macht einiges richtig, kommt aber weder vom Design, noch von den Funktionen wirklich ran, noch gibt es eine native Mac App, dort muß alles via Browser gepostet und angesehen werden.
Bleibt also: Wer mit dem irrsinnigen Preis und den Datenschutz Risiken leben kann wird mit der neuen Version wohl kaum eine schönere und bessere App finden, die nach wie vor auch Markdown Language beherrscht, um alles Geschriebene und Gepostete in einer App zu kumulieren.

Mein 2015 Review

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Irgendwie läuft mein Leben antizyklisch, umso beschissener es auf der Welt aussieht, desto besser läuft’s bei mir, so auch dieses Jahr. Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll, während Griechen darben, Pegida Ziegen so laut blöken, das sie im Rausch der Lautheit dem Größenewahn verfallen das Volk zu sein und alles anzünden wollen was ihnen nicht in den Kram paßt, eine IS den arabischen Mad Max in Real Life probt, lief es bei mir eigentlich recht super.
IMG_8320Ich hatte einen der entspanntesten und superbsten Sommer meines Lebens und hechtete nur wahlweise von Garten 1 oder Garten 2 zu den Gigs, die nicht minder fantastisch waren. Es gab wirklich nicht einen Gig, wo ich mir danach gesagt hätte, hätte man sich auch sparen können, trotzdem stach wohl der auf der Fusion am weitesten heraus. Nicht nur weil ich direkt vom sonnigen Urlaub an der polnischen Ostsee quasi direkt auf’s Gelände purzelte, sondern eben auch weil das auf der Turmbühne so mit dem Techno lief, wie ich es gar nicht erwartet hätte, ich hatte ja extra noch ein etwas braveres Set vorbereitet, das es aber gar nicht brauchte. IMG_8465

Aber auch der Rest der Feste, und da gab es ja dieses Jahr erfreulich viele, sei es Indoor oder Outdoor, seien es meine Residencies im Suicide, Tresor oder Kitkat, oder die vielen Auswärtsgigs die es für mich 2015 gab, oder solche One Offs wie dieser Kopfhörerrave am Spreeufer, oder auch so Gigs in kleinem Rahmen, wo man vielleicht nur 50-150 Leute glücklich macht, die aber so richtig, oder letztens erst meine Boilerroom Premiere. Kurz ich hatte diesbezüglich dieses Jahr wirklich keinen Grund zur Klage.ezgif

Techno macht auch wirklich wieder Spaß, die Perlen sind zwar selten, wie immer, aber dafür, wie soll ich sagen, breitbandiger akzeptiert, die Spanne dessen was ich in meinen Sets verbraten konnte reichte ja wirklich von Retro über Dancemania inspiriertem über chordiges bis zu dem was nicht wirklich in Genres zu packen ist und gern mit Future House oder Wobble House umschrieben wird. IMG_8691Von daher war es auch leicht verschmerzbar, das der Desastronaut dieses Jahr wieder mal ein bisschen unterging. Immerhin, es gab einige Situationen, in denen ich ihn hervorholen konnte und das mache ich nach wie vor gerne.

Outstanding Artists für mich dieses Jahr:
Kink: den ich für seine Livesets sehr liebe. Für den müßte eigens ein eienes Format gefunden werden, denn das was er released kommt nicht im mindesten an das ran was er live abfeuert.

Slam: was haben diese Veteranen geliefert dieses Jahr, seien es eigene Tracks oder Remixe, was auch immer es war, es war eine Bombe.

Dax J: Der Mann kann nicht nur hart, sondern hat die Technogeschichte auch mit Löffeln gefressen, wie er immer wieder unter Beweis stellt, einer der wenigen von dem ich jeden Release auch ungehört kaufen würde.

Special Request: Paul Woolford unter seinem Alias Special Request hat mit seinem Minialbum Modern Warfare für mich vielleicht das Album des Jahres hingelegt, mich aber auch mit fast jeden Remix erfreut. Diese Oldschool mit neuesten Mitteln dürfte gerne Schule machen.

Chambray: Die meisten Tracks, die ich in meinen Sets von ihm spielte, stammen zwar schon aus 2014, aber zusammen mit seinem Oevre aus 2015 waren das wohl die Tracks auf die sich alle einigen konnten, überall. Die Mischung aus Dance Mania, Rave und Piano auf Steroiden drückte für mich die neuerliche Akzeptanz der mittlerweile auch schon fast 30 Jahre umfassenden Geschichte unserer elektronischen Musik vielleicht am besten aus.

Luca Lozano, DJ Fett Burger, DJ Haus: diese drei schreiben die Geschichte des Frühtechno mit einer Bravour weiter, die mir mir sehr viel Spaß macht. Reminiszenzen und Zitate findet man heute ja zuhauf, aber hier klingt auch die Unbekümmertheit und einfach drauf los Mentalität wieder zurück in die Tracks.

Dieses Blog litt derweil etwas unter der Wucht des musikalischen Ansturms, ich hätte gerne mehr geschrieben und gepostet, allein es fehlte an der Zeit und der Muße, manchmal auch an der Lust, wenn man sich seinen RSS Feed anschaut und sich denkt, jetzt ist dazu schon alles gesagt, aber halt noch nicht von jedem. Politisch werden ist in diesen Zeiten mit einem gehörigen Rattenschwanz verbunden, bei dem ich schon die Traute hätte mich dem zu stellen, andererseits aber auch denke, diesen Deppen, die dann unweigerlich auf der Matte stehen, auch noch teure Lebenszeit in Moderation und Löschen zu investieren, während ich die Zeit besser in die Aufzucht des Sohnes und angenehmer mit der Familie verbringen könnte? Ihr ahnt in welche Richtung da das Pendel schwenkt, auch wenn ich oft ein schlechtes Gewissen dabei habe. Ich lasse das daher meist bei Twitter oder Facebook bewenden, wo die Freundeslisten mittlerweile so gut sortiert sind, das zwar ab und an immer noch unerfreuliche Überraschungen passieren, aber sie verschwinden eben auch schnell in den Orkus der Massenposterei, was ja auch eigentlich ganz richtig ist für die schnelle Wisch und Weg Tagesmeldung.
Ich fühle mich diesbezüglich ziemlich gesegnet, das die Diskussionen auf Facebook bei mir einigermaßen zivilisiert ablaufen, so das jeder sein Gesicht wahrt und auch bei Meinungsexzessen eigentlich keiner so über die Stränge schlägt wie ich das andernorts des öfteren kopfschüttelnd beobachten kann. Wobei man sich ja schon fragt was da eigentlich passiert ist, wenn Leute die durch Techno sozialisiert wurden plötzlich „Ich bin ja kein, aber…“ Menschen werden. Obwohl, geahnt hat man es bei so manchem ja schon, simple Gemüter hatten schon immer den Hang zu simplen Lösungen, egal woher die kommen.
Was mich allerdings ebenso befremdet ist oftmals die andere Seite, deren ganzer Lebens Postingzweck darin zu bestehen scheint, sich durch diese Scheiße zu wühlen und anzuprangern, richtig zu stellen und sich plakativ auf die richtige Seite zu stellen und in Wünschen und Verdammungen aber oftmals auch ganz nah an der Seite sind die man so verachtet . Ich möchte das gerne mit einem Tweet von Sibylle Berg kommentieren:


That beeing said, so wichtig mir die eingangs erwähnten Dinge sind, nichts geht mir über meine Familie und meine Vaterrolle. Daher ein paar private Kennzahlen:
11 Jahre Beziehung
7 Jahre verheiratet
5 Jahre Vater
4 Jahre rauchfrei
3 Jahre fast auf dem Land wohnen
11606 Schritte pro Tag im Jahresdurchschnitt

An Silvester machte ich die letzte Hunderunde spät abends mit Stirnlampe durch unser übliches Gebiet, in zenartiger Ruhe vorbei an Feldern und Wiesen, gesäumt durch Kanäle und Bäche. In der Ferne flogen die Raketen, es krachte und blitzte und es kam mir vor wie die beste Analogie zu unserem Leben hier draußen und zu meinem 2015.
Ich wünsche euch allen ein so tolles 2016 wie es mein 2015 war und hoffe man sieht sich.

Review: Philips BT6000 Bluetooth Speaker

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Ich war schon länger „in the market“, wie man so schön sagt, um endlich mal die Musik vom iPod (eigentlich ein aufgebrauchtes iPhone 4, das diesen Zweck übernimmt) überall und zwar komplett kabellos geniessen zu können. Gerade im Sommer gibt es ja mannigfache Möglichkeiten die draußen zu genießen. Meine bisherigen Suchen waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt, entweder klanglich zu schwach auf der Brust oder zu teuer oder designtechnisch völlig daneben, gern auch in Kombination und dachte mir daher, laß das Thema noch ein bisschen ruhen, wird schon noch. Als das Thema dann quasi völlig in Vergessenheit geraten war stieß ich mehr aus Zufall als aus Absicht auf diese Philips BT6000 Speaker, deren Design mich sofort ansprach und preislich mit 99 € ebenfalls in einer Kategorie spielen wo man sich sagt, joah, wenn der Rest stimmt. Bluetooth Speaker, die man für draußen nutzen will, drinnen testen ist ja immer so eine Sache und sowieso immer subjektiv. Im direkten Vergleich kamen mir die JBL Charge 2 und die Bose Soundlink vielleicht etwas kräftiger im Bass vor, wenn man bei der Baugröße überhaupt von Bass sprechen mag, in Sachen Klarheit lag für mich jedoch der Philips vorne und vom Design her sowieso. Nicht nur das diese 360° Brüllpille komplett aus Alu gefertigt ist, auch das das Format so gewählt wurde das in jeden Getränkehalter paßt, hat draußen durchaus seine Vorteile.FullSizeRender

Clever finde ich diese Schlaufe oben, die gleichzeitig den großen silbernen Lautstärkeregler schützt und es ermöglicht den Speaker auch aufzuhängen, ob der vertikal oder horizontal betrieben wird bleibt sich ja gleich. Dazu ist der BT 6000 noch spritzwassergeschützt, kann man also auch mal bei kleinerem Regen noch draußen nutzen oder mal vergessen, daß hebt ihn für mich positiv vom Charge 2 ab, diese offen daliegenden Membranen schrecken mich zumindest als Vater eines kleinen Sohnes gehörig ab. Die Bauform ist sicherlich insbesondere an Beats Pill angelegt, kostet aber gerade mal die Hälfte. Letzteren konnte ich leider nicht mit in den Hörvergleich nehmen, da nicht vorrätig gewesen.
Die Bluetooth Verbindung klappt tadellos bis auf über 10 Meter, NFR konnte ich mangels Gerät dafür nicht testen. Der eingebaute Akku reicht laut Angaben für 8 Stunden, da bin ich nun aber schon bisschen drüber. Natürlich kann man seine Geräte auch über Miniklinke damit verbinden, spart im Gegensatz zu Bluetooth auch ordentlich Strom und ein Netzteil um diesen dort wieder rein zu bringen liegt ebenfalls bei.
Andere Geräte bieten zugleich eine Aufladefunktion für über USB angeschlossene Geräte, das ist hier nicht gegeben, auch auf eine Kopplungsfunktion mit weiteren Boxen muß man verzichten. Was jedoch Standard ist, ist eine Freisprechfunktion für das angeschlossene Smartphone, so das die Musik abschaltet und man über das eingebaute Mikrofon sprechen kann.

Für mich ist diese Balance aus Featureset und Preis ausreichend, bzw. ideal, your mileage may vary. Jedenfalls um die Hütte, oder besser Datsche, komplett kabellos zu rocken reicht es allemal.

Ach ja, im Moment läuft noch eine Aktion, bei der man sich eine Tasche für den BT6000 selbst designen kann, die dann von Philips kostenlos hergestellt und geliefert wird. Das Procerere ist etwas kompliziert und umständlich und ich warte noch auf meine, aber halte auf dem laufenden was da kommen wird.

Buch Review: Jürgen Teipel – Mehr Als Laut


Wieso Suhrkamp dieses Buch so stiefmütterlich behandelt entzieht sich meiner Kenntnis, schließlich ist es schon etwas länger draußen und ich wurde eigentlich erst darauf aufmerksam, weil Wolle XDP bei der dazugehörigen Lesetour aufgelegte – anderthalb Jahre nach Release. Zumal Jürgen Teipel’s „Verschwende Deine Jugend“ damals ja wirklich ein Meilenstein für das Format Oral History und Verarbeitung der deutschen Punkbewegung darstellte. Nun gut, das es nicht ganz so grandios wie der Vorgänger werden würde, das bremst Teipel ja schon selbst im Vorwort aus, zwar ist die Form ähnlich, Oral History, aber die Perspektive auf das Thema ist offensichtlich eine andere, weniger involviert und so beschränkt es sich hauptsächlich auf Befindlichkeitsbekundungen von nichtsdestotrotz interessanten Persönlichkeiten des Technorummels wie Acid Maria, Dirk Mantei, dem damaligen Macher des Milk! in Mannheim, Richie Hawtin, Andi Teichmann, Hell, Koze, Hans Nieswand, Mark Reeder, Micheal Mayer, Miss Kittin, Pacou, oder Kristian Beyer von Innervisions/Ame. Regional also wenig eingegrenzt und trotzdem bleibt die Sache überraschend homogen.
Zwar erfährt man z.B. im Falle von Mantei, Anki und Beyer auch viel über deren eigene Geschichte, aber das mündet dann größtenteils eben auch in Befindlichkeiten, sei es die ungerechte Geschlechterverteilung und den Kampf dagegen bei Acid Maria oder das Technoleben in Form eines Plattenladens mehr oder minder in der Provinz von Karlsruhe. Dazu noch ein bisschen Techno Jetset in Mexiko und Erzählungen von anderen Orten der Welt wo es einen als DJ halt so hinverschlagen kann.
Im Grunde ist das Buch sogar veraltet, denn die meisten Gespräche fanden so um 2003 statt, das tut dem Buch jedoch keinen Abbruch, sondern macht es, zumindest für mich, interessanter. Das ist ja jetzt schon, im Nachhinein besehen, eine nicht nur musikalisch, längst vergangene Ära, als man noch Plattenkoffer durch die Geografie wuchtete, die Digitalisierung noch nicht so durchhaute und die Gagen auch noch andere waren, so das man Fimmel entwickeln konnte, wie z.B. in Duty Free Shops Kosmetik zu kaufen. Es war die Zeit als Hell mit Electroclash gerade seinen Höhenflug hatte und das merkt man seinen Aussagen auch deutlich an. Andererseits kennt man Kristian Beyer heute eher eher als Teil von Ame, denn als Plattenladen Betreiber und Andi Teichmann’s Werdegang vom allseits gebookten DJ zum Goethe Institut Networker ist auch interessant nachzuvollziehen. Was in so relativ kurzer Zeit alles anders werden kann.
Dankenswerterweise befragt das Buch am Ende die Protagonisten nach ca. 10 Jahren zu ihren Werdegängen und wie sie über den Weg und ihre Aussagen von damals heute denken, was für mich das Buch erst rund macht. Kaum einer ist noch in derselben Position wie damals und die Wege sind schon sehr unterschiedlich.
Ein schönes Buch zum lockeren Weglesen, machmal vielleicht zu sehr in DJ Befindlichkeiten verheddert, nicht wirklich essentiell, aber allemal dazu geeignet aufzuzeigen, das bei Karrieren in der Branche, wenn man davon überhaupt sprechen mag, meist kein Stein auf dem anderen bleibt, die Wege in viele Richtungen gehen und unergründlich sind. Also die klassische Frage „Und wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“ wird nach diesem Buch zumindest nicht einfacher zu beantworten sein.

Review: Westbam – Die Macht der Nacht


Irgendwie ein trauriges Buch, nicht nur wie das alles endet, so mit dem Verlust von allem was einem mal wichtig war, sei es die Firma, Lupo und dann noch, ohne im Buch vorzukommen, aber letztens halt, punktgenau zum Release, William Röttger, sondern auch weil es so emotionslos gegenüber dem ist, was ihn ja so groß gemacht hat, der Musik. Das gipfelt dann im letzten Drittel in dem Satz „Musik ist ein unperfektes Werkzeug. Wenn du oben angekommen bist kannst du es wegschmeißen.“ Und so fühlt sich das auch die ganze Zeit beim lesen an. Das erste Drittel, als klein Max noch als Punk in Berlin ankommt liest sich noch ein bisschen anders, da hat einer noch Neugier und steckt voller Elan, das Leben, in diesem Falle halt Nachtleben, zu entdecken und man kann das durch die unterhaltsame Schreibe durchaus nachvollziehen. Aber dann reiht sich ein „Erster!“ an den nächsten, der erste Hippy Deutschlands mit 4, der erste Punk in Münster, die erste Houseparty in Deutschland (als wenn das im Ex und Pop damals wirklich jemanden interessiert hätte), der erste mit diesem oder jenem Preis, der erste in irgendwelchen Charts, erster whatever, irgendwann nimmt man das Erster! Gehechel einfach so hin und hat fast Mitleid mit diesem selbstauferlegten Hase und Igel Spiel, wo man doch seit Bowie weiß das es gar nicht darauf ankommt wer es als Erster macht, sondern wer es als Zweiter zu nutzen weiß.
Ansonsten glänzt das Buch mit Auslassungen, bzw. einer Oberflächlichkeit, die es Westbam möglich macht den distanzierten Beobachter zu geben. Mag ja sein das man im Nachhinein, in der Rekapitulation, diese Position einnimmt, wenn man die kurvige Geschichte jedoch quasi hautnah mitbekommen hat, dann ist das alles etwas unbefriedigend und verbogen in seiner Verkürzung. Wohlgemerkt, da stehen keine wirklich falschen Fakten, aber die vielen fehlenden Einzelheiten zeichnen m.E. ein sehr weichzeichnerisches Bild.
Ok, das ich zu UFO Zeiten eine Topffrisur hatte und auf dem Klo angeblich der Satz stand „Tanith kann nicht tanzen“ ist definitiv geflunkert, aber was tut man nicht alles für eine Pointe. Ich muß also meine ursprüngliche Befürchtung eines Dissens meinerseits zurück nehmen, dissen geht anders und auch mit den anderen Erwähnungen im Text kann ich leben, kann man so sehen wenn man will. Mit Wolle hat er es heftiger und trotzdem konnte ich mir bei mancher Beschreibung das Schmunzeln nicht verkneifen: „Es war schwer, nicht zu wissen, wie er über irgendwen oder irgendwas dachte….Wolle konnte allen was beibringen: den DJs über Musik, den Lightjockeys über das Licht und der PA-Firma über den Sound.“
Oder über den XDP Wagen anno 91 auf der Loveparade:
„Folgende Ideologie stand hinter Wolles »Bass Test«-Konzept: Die Leute tanzen bekanntlich zum Bass. Demnach sind Mitten und Höhen Kommerz. Daraus ergibt sich die Konsequenz: Ab jetzt nur noch Bass! Alles andere ist Verwässerung! Übrig blieb beim »Bass Test 1« ein amorphes, dumpfes Wabern, das natürlich keinen Spaß machte. Die ganze Idee war komplett irre.“
Hehe hehehe. Aber auch:
“Seine Kritik am Mayday- Konzept klang irgendwie hohl, weil er selbst das gleiche benutzt hatte. Nur mit weniger Erfolg. Zwei Wochen nach Mayday war Neugebauer mit seinem Tekknozid daher gekommen. In einer modifizierten Variante: Auch in der Halle Weißensee. Auch mit einem großen Line-Up. Auch mit nationaler Werbung. Und seine Inspiration war? Die offizielle Loveparade-Party. Bloß »ohne Love und ohne Parade«, wie er sich ausdrückte. Sein Motto: »The biggest rave ever.« Mayday fand er aber zu groß und zu kommerziell. Wir hätten alles kaputt gemacht. Er stellte seine Tekknozid-Serie sofort ein und ärgert sich noch heute.“
Und da fängt schon wieder so ein bisschen die Flunkerei bzw. Verkürzung an, das ist erstens auf vielen Ebenen so nicht richtig, unter anderem wußte jeder der den damaligen Fight zwischen Mayday und Tekknozid mitbekommen hatte, das da hinter den Kulissen seltsame Spielchen liefen, auch wenn das Ergebnis wahrscheinlich trotzdem nicht anders ausgefallen wäre und zweitens war die Mayday eigentlich, trotz früherem Termin, die spätere in der Planung die hektisch zusammen geschustert wurde nachdem der Termin für Tekknozid fest stand und auf dieser, in dieser weichenstellenden, sensiblen Zeit, keiner von den Low Spirit Acts vorgesehen war.
Die Beschreibungen von Wolle und anderen zeigen mir aber auch, das er den Osten nie wirklich verstanden hat, das bleibt durch das ganze Buch merkwürdig distanziert, so wie das beharren auf West Berlin in der Anschrift auf den Plattencovern von Low Spirit bis weit in die 90er hinein. Andererseits impliziert das ja schon der Name Westbam in gewisser Weise, nicht anders läßt sich vielleicht auch das Paradox erklären, das ausgerechnet einer aus Frankfurt, die Nemesis seiner 90er, nämlich Jürgen Laarmann, quasi die Verkörperung des westlichen Glücksritter Tschabo’s, bis heute sein bester Budddy ist. Das war nicht immer so und auch hier fehlen mir ein paar Fakten aus der Zeit als Frontpage pleite ging und Laarmann ziemlich gleichzeitig seine Anteile an Mayday und Loveparade verlor, ähem.
Auch in Bezug auf diese Beziehung bleiben also die Äußerungen nur vage, aber immerhin, so erfahre ich zum ersten Mal das es eine Override Summe für Bash gab, dem gemeinsamen Label von mir und JL damals, als der von mir dort untergebrachte Ströbel zu Low Spirit wechselte, so lief das damals, aha! Unnötig zu erwähnen das ich von unseren gemeinsamen Labelerfahrungen, weder von Releases, noch von Lizensierungen, noch von irgendwas irgendwann mal Geld sah.
Auf den ganzen Themenkomplex Kommerzialisierung und Ausverkauf war ich natürlich besonders gespannt und wurde in Sachen Relativierung natürlich nicht enttäuscht, ein wenig Distanzierung hier (Mark O) ein bisschen Unverständnis da (Musiknerd Reviewer bei Frontpage wie Bleed und Triple R), ein bisschen drüber Ablachen wie das diese von jeher realitätsscheuen Uraktivisten sehen, aber am Ende halt egal, weil die Zahlen sprechen ja für sich.
Diesbezüglich scheint die ihn prägendste Zeit wohl die „irren Jahre“ zwischen 1994 und 1996 gewesen zu sein, da rasselt es nur so die Zahlen der Abverkäufe, das ein Businessplan blaß vor Neid werden könnte. Dazwischen ein paar lustige Drogengeschichten zur Auflockerung und dann geht’s auch schon ins E-Werk, bei dem er sich allen Ernstes als Soundobermacker darstellt, was ich gegenüber denjenigen die wirklich für den E-Werk Sound standen etwas unfair finde, als da wären, Cle, Terri Belle, Disko, Woody, Hazel B und meinetwegen noch Motte, aber bei Westbam war doch der Running Gag das man nach einem Set, damals legte jeder DJ noch paarmal nacheinander mit dem jeweiligen anderen der Nacht auf, gehen könne, weil es käme nachher das gleiche wieder.
Auch seine Version des von ihm wiederentdeckten Electro dort, natürlich als Erster und vorläufig Einziger, zeugt von einer sehr solitären Sicht der Dinge, nachdem zu dieser Zeit Big Beat mit z.B. Chemical Brothers oder DJ Icey eigentlich schon überall angekommen waren.
Die Zäsur kommt dann schrittweise nach 9/11 bis 2006 als Low Spirit verkauft wird und er auf den Wechsel des Zeitgeists zu Minimal nicht klar kommt, was ja vielen so ging, aber mit dem Namen Max hat das natürlich eine besondere Ironie.
Das Ende der Spaßgesellschaft, markiert durch 9/11, postuliert von Scholl Latour, scheint da bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, ab da wirkt alles konzept und lustlos, man wurschtelt halt irgendwie weiter, natürlich auf relativ hohem Niveau, aber Geld ist halt nicht alles und das Ende des Buches liest sich mit dem Tod von Lupo fast wie der eigene Nachruf. Es wirkt als würde die Begrifflichkeit des Namens Low Spirit erst nach dem Verkauf seine persönliche Wirkung entfalten.

Review: Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

Ich hätte ja nicht gedacht von dem alten Urheberrechtsgrumpy Sven Regener jemals noch etwas gut finden zu können, aber Chapeau, mit Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt (Amazon Partnerlink)
hat er mich dann doch wieder gekriegt. Der Inhalt geht folgendermaßen:
“Karl Schmidt, der beste Freund von Frank Lehmann Als Karl Schmidt, Opfer eines depressiven Nervenzusammenbruchs am Tag der Maueröffnung, nach Jahren der Versenkung von alten Kumpels zufällig in Hamburg als Bewohner einer drogentherapeutischen Einrichtung wiedergefunden wird, ist das der Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit: Die alten Freunde, mittlerweile zu Ruhm und Reichtum gelangt, wollen mit ihrem Plattenlabel auf einer Tour durch Deutschland den Rave der 90er Jahre mit dem Hippiegeist der 60er versöhnen und brauchen dazu einen, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr, sich in einer Parallelwelt aus Drogen-WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen Wochenendausflügen zu verschanzen. Und so beginnt eine Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks, betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler, für den dies der Weg zurück in ein unabhängiges Leben sein soll.”
Und diese Erzählung, übrigens in der Ichform, ein Novum für Regener die dem Roman sehr zugute kommt, gelingt ihm sehr authentisch, oft genug sogar beängstigend authentisch, so das man denkt, woher kann der Kerl das so genau wissen? War der damals bei meinen Timing- oder Bashtouren, oder sonstwelchen Technotouren, die es Mitte der 90er ja tatsächlich inflationär gab, dabei? Dieser Springtime Rave den er in Essen verortet und der von Beschreibung und Architektur ziemlich genau einer Mayday entspricht, war der damals tatsächlich dabei? Nicht nur diese Labelcharaktere sind dem damaligen Leben ziemlich aus selbigem gegriffen und auch den Sprachduktus der Zeit kriegt er mit ständig wiederholten Phrasen wie “Wie bist du denn drauf?” ziemlich gut hin, lediglich “Gummistiefeltechno” habe ich hier zum ersten mal gelesen.
So ziemlich jeder der in den 90ern bei Techno dabei gewesen ist wird hier typische Situationen wiedererkennen und so gilt es tatsächlich Sven Regener für einen absolut großartigen Techno Roadmovie voller Humor und drogeninduzierter Situationskomik in Buchform zu danken, dessen Verfilmung, die ja wie üblich folgen wird, ich schon mit Spannung erwarte.

Update: hier noch 2 Interviews mit Regener, die u.a. erklären woher die Einsicht ins Metier herrüht:

Tagesspiegel: Bumm Bumm Schmidt

Zitty: »Party ist Party!«: Der neue Roman von Sven Regener

Review: Felix Denk und Sven van Thülen – Der Klang der Familie


Im letzten Jahr wurde ich von Felix Denk und Sven van Thülen diverse Male zum Thema Techno und Berlin Interviewt, so wie die anderen Protagonisten in diesem Buch wahrscheinlich ebenfalls und im Lauf der Interviews wurden die Fragen stets konkreter und bezogen sich auch teilweise auf das was diese bereits gesagt hatten.
Am Ende waren auf diese Weise wohl über 240 Stunden Audiomaterial zusammen gekommen und so ein bisschen hatte man das Gefühl bei der Entstehung des Buchs mittendrin dabei zu sein. Von daher erwartete ich das Endergebnis natürlich mit Hochspannung.
Um es gleich vorweg zu nehmen, das Warten hat sich gelohnt, das Buch gibt die Stimmungen und Denken der unterschiedlichen Charaktere sehr gut wieder und sogar ich konnte noch einiges für mich Neues in den unterschiedlichen Kapiteln erfahren. Gliedern tut sich das in drei Teile, die 80er Jahre, also Pre-Techno, bis UFO und Mauerfall, 1990-91, von Nachmauerfall bis Tresor und Tekknozid und Mayday, 1992-1996 mit allem von E-Werk bis Frontpage und im Epilog versuchen wir uns dann nochmal alle zu erklären.
Es muß eine Heidenarbeit gewesen sein, das ganze Rohmaterial so zusammen zu schnippeln und in die Form zu bringen als wäre man bei einem großen Roundtablegespräch dabei, maximum Respekt dafür.
Natürlich kommen beim Lesen auch wieder die unterschiedlichen Ansätze und Wahrnehmungen der einzelnen Mitglieder und Gruppierungen dieser Urfamilie des Berliner Techno zum Vorschein, die man ja auch schon in der Doku “We call it Techno” wahrnehmen konnte, trotzdem ist das in Schriftform natürlich noch tiefer schürfend, nicht nur weil sich hier ausschliesslich auf die Berliner Geschichte konzentriert wird, sondern eben auch weil man sich in der Fortdauer der Interviews auf gegenseitige Aussagen beziehen konnte und dezidiert nachfragte.
Das einzige was mir im Laufe des Buchs negativ auffiel war, wie oft hier Erster! geschrien wird, wo man doch seit David Bowie weiß das es eigentlich wichtiger ist der Zweite zu sein, der nämlich heimst den Erfolg ein.
Jedenfalls kann sich unsere Generation 1 des Techno nun wirklich nicht mehr beschweren, wahrscheinlich ist keine Entwicklungsgeschichte einer kleinen Subkultur bis zum großen Knall der Kommerzialisierung und einhergehendem Kater jemals besser dokumentiert worden als mit diesem Buch und der schon erwähnten “We call it Techno” Doku. Wer es noch ergattern kann dem sei als Supplement noch das hier auch schon öfter erwähnte Love Parade Story 89 – 99. O- Töne einer Bewegung empfohlen.
Aber wie gesagt, hier geht es eben mal in gelungener Weise einzig und allein um die Geschichte und Entwicklung der Berliner Urzelle mit all seinen Protagonisten, deren Namen und Werdegang im Anhang auch nochmal nachzulesen sind und spätestens nach dieser kurzweiligen und amüsanten Lektüre finde ich, so unterhaltend wie das ist haben wir uns das auch verdient

Review: Airen – Strobo

strobo

Na, das ist doch mal ein Technoroman für die ganze Familie! Eltern werden in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt, was mit ihren Kindern im Technomoloch Berlin so passieren kann und die Kids kriegen brühwarm erzählt, was das da so mit dem Berghain und den Darkrooms so geht. Durch multitoxische Drogeninduktion springen die Schwänze nur so in die Münder und was für Kombinationen an legalen und illegalen Substanzen geht wird gleich mitüberliefert. Wer Airen’s Blog kennt, weiß in etwa was zu erwarten ist, dabei fängt sein Roman vor seiner Mexikoabreise an, mit der sein Blog vor ein paar Jahren startete.
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