Review: Laurent Garnier – Elektroschock

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Eine der ersten Biografien von einem DJ der ersten Generation, das mußte ich natürlich lesen! Elektroschock kam schon 2003 heraus, ich kam allerdings erst jetzt dazu mir das recht voluminöse Werk einzuverleiben. Laurent hat einen Journalisten zu Hilfe gerufen um die eigene Geschichte zwischen zwei Buchdeckel zu bekommen und das Endergebnis hinterlässt mich mit zwiespältigen Emotionen. Mir war klar das Laurent Garnier seine Anfänge in England und speziell in Manchester’s Hacienda hatte, nur wie es dazu für den Franzosen kam war es nicht, das ist nun geklärt. Es war seiner Anstellung als Diener in der französischen Botschaft in London geschuldet, das der junge Garnier den Summer of Love in UK erlebte. Die darauffolgende Karriere samt Rückschlägen wie Militärdienst in Frankreich lassen sich auch schön lesen aber dann wird’s doch etwas ungenau, was die Fakten zu anderen Ländern angeht. Berlin verortet er 93 mit Trance, Kid Paul wird als Erfinder der Loveparade erwähnt und ähnliche wahrscheinlich ungewollte Geschichtsklitterungen ärgern dann doch und mindern für mich den Wert des Buches. Ich möchte nicht wissen was in den Beschreibungen der anderen Länder so an Ungenauigkeiten vorkommt.
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Review: Jörn Morisse, Rasmus Engler – Wovon lebst du eigentlich?

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Schönes Supplement oder Ergänzung zum Evangelium über die Digitale Boheme “Wir nennen es Arbeit”, in dem 20 Interviews mit Menschen geführt werden, die man mehr oder minder der Klientel zuschreiben würde um die es in “Wir nennen es Arbeit” geht. Dankbarerweise sind das nicht nur Berlinr oder Leute zwischen 20 und 40, sondern auch viel Hamburg und andere Städte und Menschen jenseits der 60 sind auch dabei. Die Tätigkeiten decken dabei ales ab, vom Musiker bis zum Maler, von der Fotografin bis zum ehemaligen GZSZ Schauspieler reicht die Bandbreite derer, die über ihr Leben ohne Netz und doppelten Boden berichten. Eins wird in allen Interviews klar, mit Boheme hat so eine eigenverantwortliche Selbstständigkeit meist am wenigsten zu tun und in die Rentenkasse zahlen die wenigsten ein, einfach deshalb weil es dazu nicht reicht. Dafür viel prekäre Lebenskunst und allgegenwärtige Querfinanzierung der Sachen um die es einem eigentlich geht.
Das Buch ist verdammt ehrlich darin, was es hier und heute bedeutet auf das All Inclusive Paket der Festanstellung zu verzichten und sich auf das Abenteuer Selbstständigkeit einzulassen, seien es die Geldlöcher und die damit verbundene Panik, die gelegentlichen Selbstzweifel, ob man da auf’s richtige Pferd gesetzt hat und das schwarze Loch das andere Zukunft nennen. Allen gemein hingegen ist auch die Erleichterung darüber der eigene Chef zu sein und nicht in einer Mobbinghierarchie leben zu müssen, bei der einem ständig der Chef über die Schulter schaut und nachdem im Arbeitssektor eh nichts mehr sicher ist, fällt die fehlene Sicherheit auch nicht mehr so ins Gewicht wie früher vielleicht mal.
Auffällig ist, das fast alle Interviewten mehrere Standbeine aufgebaut haben um über die Runden zu kommen (wo ich mich sehr drin wiederfand) und dabei eine Flexibilität an den Tag legen, die andere vielleicht das Fürchten lehren würde.
Zusammen mit “Wir nennen es Arbeit” eine sehr gelungene Lesekombi für Leute die den Schritt in die Selbstständigkeit und Nichtfestanstellung wagen wollen, sich aber realistisch über die Risiken und Nebenwirkungen informieren wollen.

Review: Joachim Lottmann – Auf der Borderline nachts um halbeins


Im Gegensatz zu seinen letzten beiden Romanen, ist das vorliegende Buch lediglich eine Sammlung von Texten die über Jahre entstanden sind und teilweise im Auftrag von Magazinen und Zeitungen entstanden, teilweise aber auch im Internet ihre Erstveröffentlichung, wie z.b. bei den höflichen Paparazzi, erfuhren. Das Blog zum Buch gibt’s bei der TAZ.
So unterschiedlich wie die Quellen und Themen des Buches sind, so sehr sind auch Licht und Schatten verteilt. Lottmann kann sehr passend angewidert die Dekadenz des deutschen Promipöbels beobachten, allerdings wirkt das auch oft durch lamoryantes Namedropping so, als würde er geradezu um deren Nähe betteln und man als Leser einer Hassliebe beiwohnt. Ganz schlimm wird’s allerdings wenn weibliche Wesen ins Spiel kommen, denn da hat der gute Lottmann einfach zu oft Druck auf dem Füller, als das man ihm die Beobachterrolle abnehmen würde, also mit Frauen hat er noch irgendein Ding abzumachen, irgendwie liest sich da einiges wie von einem notgeilen Opa geschrieben. Am schlimmsten war aber die Tokio Hotel Verklärung zu lesen, wo diese unter anderem mit den Beatles verglichen werden und Lottmann einige Superlative auffährt, die so absurd daherkommen, das man den Ironiebutton sucht. Andere meinen das wäre seine Art des totlobens, ich wäre froh wenn dem so wäre!
Lottmann bezeichnet sich selbst als ehemaligen Popliteraturschreiber, der dafür aber zu alt geworden sei. Die Basics finden sich allerdings auch hier wieder und in weiten Teilen ist das Buch auch durchaus gespickt mit treffenden Beobachtungen und pointierten Beschreibungen, nur eben an manchen Stellen ist’s ein Graus dem Autor als Berliner Stadtneurotiker zu folgen

3 x Dubstep

Eine herbstliche Welle Dubstep ergiesst sich aus meinem iPod, auf dem Gebiet ist gerade das Albumfieber ausgebrochen.

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Zuerstmal, Burial -Untrue, das mit Spannung erwartete zweite Album, nach dem Meilenstein des letzten Jahres. Meine Befürchtungen das ihn der Mut verlässt und entweder etwas sehr banales oder sehr anderes herauskommt wurde zuerst befeuert von Interviewfetzen, die besagten, das es diesmal musikalischer und vocallastiger zugehen sollte, dann aber wieder durch die Vorauskopplung Ghost Hardware abgeschwächt. Insgesamt dann doch der klare Nachfolger des selbstbetitelten Erstlings. Die eingearbeiteten Vocals machen einen Soundtrack der nach Afterhour einer 2Step oder Jungleparty klingen lässt. Die herbstliche Melancholie des Vorgängers bliebn erhalten und die Kunst Vocals einzubinden, die sich nicht dominant über die Musik legen, sondern einen zusätzlichen Layer darstellen, die das Gesamtbild unterstützen kann man als durchaus gelungen bezeichnen.

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Hotflush’s Labelcompilation Space And Time bietet dann mehr basslastige Kost, angefangen von Si Beggs Bearbeitung von Toasty’s “Angel” und dasselbe von Vex’d mit Toasty’s “The Knowledge über Intex Systems, über Boxcutter (dessen Beiträge hier mir viel mehr zusagen als sein neues Album “Glyphic“). Search & Destroy liefern nach langer Pause mit “No Big Deal” wieder mal einen minimalen Tiefstwobbler feinster Sorte ab und Labelowner Scuba trägt mit “Out There” ebenso seinen Status Quo an athmosphärischer Bassmassage ab. Vaccine, die Dubstepperin aus den Staaten legt hingegen sanfte Roller hin, die längst vergangenen Drum & Bass Zeiten heraufbeschwören, als z.B. noch auf der Metalbox von Metalheads experimentiert wurde.
Wer wahlweise nicht warten kann bis der Sampler zu erwerben ist oder danach noch nicht genug hat, für den gibt es zur Komplettierung auch noch einen Teasersampler mit 3 weiteren Tracks.

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Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Pinch mit seinem ersten Album “Underwater Dancehall. Dankenswerterweise wurden zu der CD mit den Vocals auch noch die Instrumentals mitgeliefert. Die Versionen mit Gesang und Stimme hauen hier nicht in so einem Guss wie bei Burial hin und wirken aufgepfropft, als wären die Instrumentals zuerst fertig gewesen und dann hätte man noch die Stimmparts drübergebügelt, aus was für einer Veranlassung auch immer. Bewirken tut das bei mir nix, erinnert höchstens an die Zeit als das jeder bei den NuSkool Breaks auch meinte machen zu müssen, in der Hoffnung neue Märkte zu erreichen, gebracht hat das auch damals nix. Die Instrumentals hingegen wirken rund, fette räumliche Bässe in athmosphärischen Gefilden und auch Housereminiszenzen hört man gelegentlich heraus. Zu verorten genau in der Mitte Mitte zwischen den beiden vorigen vorgestellten Alben

Neil Landstrumm – Restaurant Of Assassins

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Restaurant Of Assassins läuft bei mir gerade in Dauerrotation, großartiges Album! Da hat einer aber seine Hausaufgaben gemacht und die ganze Spannbreite von frühen Breaks über die Warpsche Bleepphase, Unique 3 bis zu Dubstep geschmacklich und handwerklich auf den aktuellen Stand gebracht, ohne dies plakativ zu machen, sondern wirklich im Alleingang das zusammendröseln der losen Enden vorangetrieben, oder wer kümmert sich heute noch um Präjunglebreaks oder Bleeps in der alten und schmerzlich vermissten Variante? Wer das dann noch in den Dubstepkontext zu setzen weiß, vor dem ziehe ich den Hut und vergebe jegliche Schranzphase.
Erschienen ist das Ganze passenderweise auf Planet Mu, für mich bislang sowieso das Label des Jahres.
Gut, wirklich tanzbar ist das meiste für deutsche Tanzflächen wahrscheinlich nicht wirklich, aber in letzter Zeit fällt mir sowieso desöfteren auf, das die Soundevolution nicht mehr ausschliesslich vom Tanzboden ausgeht.

Review: Brad Warner – Hardcore Zen

Wer mich kennt, weiß um meine Sympathie für eine gewisse Philosophie namens Zen und deshalb war es für mich unabdingbar das Buch zu kaufen, auf dem in dicken Lettern und angepunktem Layout HARDCORE ZEN steht und zudem von einem ehemaligen Punk geschrieben wurde, der heute in der japanischen Monstermovieindustrie zuhause ist. Ich merke es Leuten für gewöhnlich sofort an, ob sie früher mal Punk waren oder nicht und hier stellt man es sogar sofort an der Schreibe fest. Brad Warner schreibt ziemlich down to earth und nix ist mit new agigem Salbader oder esoterischem Bling Bling, stattdessen wird einem hier ein Zen nahegebracht, das mit dem Leben zu tun hat und nicht mit der Hollywoodvariante des alten weisen Mannes, der per Zen Wunderkräfte erlangt. Nichtmal das sonst so für Buddhismus und Zen typisch gehaltene Nirvana, also die Theorie diverse Leben durchleben zu müssen, bis man den Endpunkt erreicht ,kommen hier ungeschoren davon, stattdessen heißt es:

Zen replaces all objects of believe with one single thing: reality itself…
Zen doesn’t ask you to believe in anything you cannot confirm for yourself. It does not ask you to memorize any sacred words. It doesn’t require you worship any particular thing or revere any particular person. It doesn’t offer any rules to obey. it doesn’t give you any hierarchy of learned men whose profound teachings you must follow to the letter. It doesn’t ask you to allow anyone else to choose what is right for you and what is wrong.
Zen is the complete absence of belief. Zen is the complete lack of authority.

Hartcore Zen von einem praktizierendem Zenpunk halt. Und um dieses zu verdeutlichen beschreibt Brad Warner hier seinen Weg von der Punkband Zero Defex, über seine Begeisterung für Ultraman seit Kindesbeinen an und wie ihn diese nach Japan als Sprachlehrer bringt, um ihn dann zu seiner jetzigen Arbeit unter anderem Ultraman in Amerika bekannt zu machen. Wärend all dessen wird aber immer fleissig Zazen geübt und am Ende fast widerwillig den Meistertitel erwirbt, auf den er gar nicht scharf war, von seinem Mentor Nishijima quasi reingedrängt wurde und auch diese Sache ist mit viel weniger Pomp verbunden, als man vermuten mag. Irgendwann hatte er unvermittelt eine Vision der Geschichte des Anfangs und des Endes des Universums die ihm viel reeler scheint als alles vorherige. Dies schreibt er ergriffen Nishijima als Mail mit der Überzeugung nun wohl der mysteriösen Erleuchtung anheim gefallen zu sein, was der Mentor aber lapidar mit den Worten abwinkt, das Leute wie er im Monsterfilmebusiness besser auf ihre Fantasie aufpassen sollten. Wenig später isst Brad eine Mandarine und bemerkt die Vollkommenheit in der gerade zu schälenden Mandarine, was er seinem Mentor ebenfalls mailt, woraufhin dieser replied, ja, Mandarinen essen sei Erleuchtung. Für solche Klarheit und Verschmitztheit schätze ich Zen und davon gibt es in dem 200 Seiten starken Büchlein eine ganze Menge, das auf geerdete Weise aufzeigt, wie ähnlich sich westlicher Punk und östliches Zen in gewissen Punkten, wie z.B. jegliche Autorität zu hinterfragen, sind. Folglich steht das nächste Buch schon in den Startlöchern und macht dort weiter, was sich in Hardcore Zen schon in Zitaten von Henry Rollins bis Bart Simpson andeutete: “Sit Down and Shut Up: Punk Rock Commentaries on Buddha, God, Truth, Sex, Death, and Dogen’s Treasury of the Right Dharma Eye”.
Auch ein Blog betreibt Brad Warner im Sinne von Hardcore Zen und deshalb heißt es auch so: Hardcore Zen

Review: Bringmann & Kopetzki – Wild Life

Die beiden Hotzemacher haben nun ihre gesamten Beiträge für die Raveline in ein Bändchen gesammelt und mit ein paar bislang unveröffentlichten Bonusstories am Ende des 62seitigen Oevres herausgegeben. Für Leute wie mich, die die Raveline eigentlich eher selten erwerben also ein feiner Service, das alles geballt und nicht über Jahre verteilt goutieren zu können.
Geballt, dabei bleib ich nun erstmal. Eine geballte Ladung Lachsalven ist garantiert, ich hab mich ungelogen bei der Lektüre auf dem Sofa gekringelt. Anders als beim ebenso grandiosen Hotze sind hier aber keine fortlaufenden Geschichten das Thema, sondern meist Bilder, die es eben in einem Bild auf den Punkt bringen. Den beiden gelingen mit ihren scharfen Situationsbeobachtungen, aus dem zuweilen anstrengenden, als auch verpeilten Raveleben immer die Pointe herauszuholen und dazu gehört wohl auch ein gerüttelt Maß an Teilhabe an dem Geschehen, das dann mit gebührendem Fatalismus und milder Weisheit karikiert wird.
Sehr schön zu verfolgen sind dabei auch die Verschiebungen der Parameter im Ravekosmos über die Jahre, die Themen ändern sich, nur die Verpeilung ist beständig.

Holm Friebe und Sascha Lobo – Wir nennen es Arbeit


Die beiden Autoren mit eher zweifelhaftem Leumund, so z.B. Trendforscher und Anzeigenkampagne für MTV’s Popetown, legen hier ein Buch vor, dessen Unterschrift der Überschrift lautet “Die digitale Bohème jensseits der Festanstellung” und so ziemlich alle Schwebteilchen behandelt, was in der Web 2.0 Tagnebelwolke an Worthülsen so rumfliegt.
Ich gebe zu, das ich mich zwar sehr neugierig, aber dennoch skeptisch an das Buch begeben habe, zu präsent waren noch die Erinnerungen an die Begleitbücher zur New Economy, wie Cluetrain Manifest oder Funky Business, die mit dem Zusammenbruch derselben ebenso mehr oder minder zu großmäuliger Makulatur wurden. Die beiden stellen es aber schlauer an und versuchen nicht die gesamte Welt umzukrempleln, sondern bringen hier zwischen zwei Buchdeckel, was an aktuellen Möglichkeiten und Hypes so alles im Windschatten von Web 2.0 so entstanden ist. Sei es das Schlagwort des Urbanen Penners, die damit verbundene Welt des gesharten W-Lans, die hier in Berlin insbesondere die Cafekultur momentan nachhaltig verändert, aber im Grunde ist es eine Status.Quo Beschreibung einer zunehmend größer werdenden, hauptsächlich urbanen, Schicht, derer, die von Hartz IV nichts wissen wollen und eigene Wege gehen, Nischen finden, die erst durch das Internet möglich wurden oder sich durch dieses erst ergeben. Dabei wird nicht nur das Hohelied des unabhängigen Freelancers gezeichnet, sondern auch durchaus ehrlich auf die Unwägbarkeiten in diesem rauhen Gelände eingegangen und gewarnt, ja sogar nützliche Tips gegeben, falls man doch mal in die Bredouille gerät und sich einem Arbeitgeber überantworten muß, falls die eigenen Projekte nicht so viel abwerfen oder eben grandios scheitern.
Natürlich haben auch Blogs, Podcasts und damit zusammenhängende, wenn auch eher periphere Dinge wie GTD ihren Teil in dem immerhin über 300 Seiten dicken Wälzer, der zunehmend interessanter wird, nachdem man sich ersmal durch den Anfang und damit die Verortung und Definition dessen gelesen hat, was die Autoren unter digitaler Boheme verstehen. Der weitere Verlauf ist für netzaffirne und Freelancer mit Sicherheit nicht unbedingt neu, das alles hat man im Verlauf der letzten 2 Jahre alles schon verfolgt, selbst erlebt und ist in den entsprechenden Kreisen sowieso Dauerthema (remember z.B: der Typ der auf die Idee kam seine Website zu nutzen um pixelweise Werbung zu verkaufen und tatsächlich in kürzester Zeit auf seine Millionen kam und wie man sich ärgerte nicht selbst auf die naheliegende Idee zu kommen? , aber es liest sich gut, sowas wie ein aktuelles Resümee zwischen zwei Buchdeckeln zu lesen und somit einen Strich unter die Rechnung zu machen und nun ab da weiter zu diskutieren. Ein Ende des Prozesses ist da sicher nicht i Sicht und so haben die Autoren auch konsequenterweise ein Blog zum Buch] gemacht, auf dem nicht nur die Links zum Buch enthalten sind, sondern in schöner Regelmäßigkeit aktuelle Ergänzungen zu lesen sind und auch bei Mario Sixtus Elektrischem Reporter war es letzte Woche Thema.
Fazit: Für denjenigen, der das Abenteuer wagen will aus einem mobbinngverseuchten Arbeitsverhältnis auszusteigen, sicherlich eine motivierende Investition, die auch nicht die vielen Schattenseiten verheimlicht und für denjenigen der aus dem Abenteuer Hartz IV aussteigen will sicherlich auch eine gute Inspiration, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für Menschen, die sich der digitalen Bohème eh zugehörig fühlen quasi ein Lesemuß, und für diejenigen in Berlin sowieso, da man viele Beispiele persönlich kennt ,weil hier ja anscheinend das brütende Biotop ist, dem das alles hauptsächlich passiert (wenn ich auch nicht verschweigen möchte das hier so gut wie keiner Geld verdient, in Berlin scheint eher sowas wie ein Feierkommunismus zu entstehen, dazu aber an anderer Stelle mehr)
Ach und natürlich kommt das Buch genau recht zum nähereilenden Weihnachtsfest, da kann man es all jenen unter den Baum legen, die das eigene Tun nicht verstehen und denken man würde nur blöde vor dem Rechner sitzen oder brotlose Kunst fabrizieren, wo man doch eigentlich zur neuen Speerspitze der Gesellschaft gehört

Review: Die Kunst des stilvollen Verarmens, Alexander von Schönburg

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Die Phrase des “die fetten Jahre sind vorbei” hört man allenthalben, mit den Konsequenzen zu leben, das hat für viele allerdings in letzter Zeit erst so richtig an Dramatik gewonnen. Wer könnte also besser darüber dozieren als einer, dessen Familie schon seit 500 Jahren am absteigen ist. Mir ist Alexander von Schönburg zum ersten mal in “Tristesse Royal” aufgefallen, jenem blasierten Erguss der damaligen neuen deutschen Popschreiberlinge und aufgrund dessen erstmal unsympathisch. Schön jedoch, wenn man Leuten Besserung bescheinigen muß und sei es durch Einsicht durch Armut. Den Titel des Buches kann man schon wörtlich nehmen, es geht darum wie man in Zeiten schwindender Einkommen dennoch stilvoll und würdevoll gelebt werden kann. Dazu wird erstmal geraten die Bälle flach zu halten und sich nicht an den vulgären Perversionen der Neureichen zu orientieren.
Stattdessen plädiert Schönburg dafür das eigene Leben wieder schätzen zu lernen und dies nicht an materieller Völlerei zu messen, Zeit ist schon lange der Luxus schlechthin, nicht die Rolex, nicht die in der Stadt meist überflüssige Karre. Eloquent auf andere europäische Kulturen und Sitten hingewiesen in denen es durchaus d’accord geht Leute nachhause einzuladen anstatt zum Essen auswärts. Auch zu Kleidung, Hausrat, Kindererziehung zum nonkonformistischen Kind mit Konsumkritikfähigkeiten, medialer Entrümpelung und vor allem Einblicke in Leben reicher, die bei näherer Betrachtung eben durch Geld kein unbedingt glücklicheres Leben führen, gibt es als tröstendes und zugleich abschreckendes Beispiel. Ebenfalls enthalten sins sympathische Tricks das Leben mittels kleiner Schmarozereien, wie z.B. Bankets oder Gallerieeröffnungen zum Völlen zu frequentieren oder sympathische kleine Mopsereien, z.B. im Hotel zu begehen. Das alles in sehr unterhaltender Erzählweise, am gelungensten fand ich dennoch das Schlußplädoyer, in dem alles noch mal sehr menschlich zusammengefaßt wird und ein Hohelied auf die Tugenden Höflichkeit, Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gesungen wird, auf die wir uns in Zukunft wieder besinnen müssen, da einfach das Geld fehlen wird, diese in Form wie Dienstleistung, Pflegegeld usw. zu erkaufen oder an abstrakte Institutionen zu delegieren.
Ganz im Sinne des Sparansatzes dieses Buches habe ich dann auch die billigere Taschenbuchausgabe abgewartet.