Das Vertriebssterben geht weiter

Jetzt hat es wohl Amato erwischt. Und zwar schon letzte Woche, ich hab’s heute allerdings erfahren, aus zwei unterschiedlichen Quellen. Betroffene Labels sind u.a. 20/20 Vision, Border Community, Bpitch, Crosstown Rebels, Dubsided, Kompakt, Kill The DJ, Playhouse und Poker Flat.
Meine letzte Meldung diesbezüglich war am 25. September, mit dem Ende von Hausemusik, das geht ja immer schneller!

Musikdilemma reloaded

Da hat sich aber einer Mühe gegeben das ganze Dilemma von allen Seiten zu beleuchten. Auslöser war wohl die Schliessung der Oinksite und ich weiß das da auch nicht viel neues drinsteht, aber die bedachte Art der Analyse und die Schlüsse daraus gefallen mir so gut, das ich sagen muß, das dies einer der besten Artikel ist, der mir zu dem Thema in letzter Zeit untergekommen ist:
When Pigs Fly: The Death of Oink, the Birth of Dissent, and a Brief History of Record Industry Suicide

learnhowtodj

Tja, soweit ist es also schon gekommen. hätte man vor kurzem unter so einer URL noch die klassischen Tricks und Kniffe des Standardsetups mit zwei 1210ern und einem Mixer vermutet, oder auch die Skills des Beatmatching und Scratchens erwartet, kommt einem heute unter learnhowtodj ein Blog unter, das erstmal alle möglichen iPod-Mixer im Test vorstellt, haha! Puristen und Bewahrer der reinen Lehre wird’s verstören, ich find’s super! Das Blog scheint noch ziemlich frisch am Start zu sein, aber unter den Mixervorstellungen fand ich doch noch einiges mir unbekanntes.

Die erste Dubstepdoku kommt!

Ein so junges Genre und schon die erste Doku. Ja, sicher es gab da mal eine kurze in Tracks auf Arte, aber die hier gibt’s dann nur auf DVD, ambitionierte Sache! In eigenen Worten:

Dub Files presents the first dubstep documentry which takes a look inside the world of dubsteps most prolific DJ’s, MC’s and Producers. Come with us as we show you an indepth and personal interview with the scenes top players. Finding out there likes, dislikes, roots, influences and production tips

Der Trailer macht auf jeden Fall Lust auf mehr:
dub files dvd

Mal weitergedacht…

Ist es der eigene Fokus oder gibt es so Tage, an denen einen die Meldungen zu bestimmten Themen einfach anspringen? Heute morgen war’s mal wieder das leidige Musikbizz mit all seinen Wandlungen.
Hätte zwar nie gedacht das der Name hier mal fällt, aber nu isses durch und hat wohl weitere Signalwirkung: Madonna ist nun ebenfalls nicht mehr bei einem Major unter Vertrag, sondern ein Konzertveranstalter vermarktet in Zukunft alle Rechte. Nach den Abgängen der letzten Wochen wohl der herbste Schlag in’s Gesicht der Majorlandschaft, war die Dame doch geradezu ein Maskottchen für die industrie, zeigt aber auch, wie zahnlos der Tiger geworden sein muss, wenn man gegen Konzertveranstalter nicht mehr parieren kann.
Da sieht man mal wieder das alles Geklage und Lobbytum die Innovation nicht ersetzen kann, denn wenn der Kunde sich einfach umentschieden hat, dann geht hast nix mehr und Ed Felten von der EFF hat das mal weiter ausgemalt:

Sometime in the next decade, we’ll see a $100 device that fits in your pocket and holds all of the music ever recorded by humanity.

This is a simple consequence of Moore’s Law which, in one of its variants, holds that the amount of data storage available at a fixed size and price roughly doubles every eighteen months. Extrapolate that trend and, depending on your precise assumptions, you’ll find the magic date falls somewhere between 2011 and 2019. From then on, storage capacity might as well be infinite, at least as far as music is concerned.

Die neueste Meldung aus dem Hause des Festplattenherstellers Hitachi unterstützt diese These ja fulminant: 4 Terabyte durch Leseköpfe im Nanometerbereich bis 2011!

This has at least two important consequences. First, it strains even further the economics of the traditional music business. The gap between the number of songs you might want to listen to, and the number you’re willing and able to pay a dollar each to buy, is growing ever wider. In a world of infinite storage you’ll be able to keep around a huge amount of music that is potentially interesting but not worth a dollar (or even a dime) to you yet. So why not pay a flat fee to buy access to everything?

und während man noch Windmühlenkämpfe gegen Tauschbörsen kämpft geht nach Felten der Trend dann in Richtung des physischen Tausch’s per Festplatte und die Scharmützel der Industrie treffen ins Leere:

But in a world of infinite storage, no searching is needed, and filesharers need only communicate with their friends. If a user has a new song, it will be passed on immediately to his friends, who will pass it on to their friends, and so on. Songs will “flood” through the population this way, reaching all of the P2P system’s participants within a few hours — with no search, and no communication with strangers

und schließt mit berechtigtem:

Will we see new legal structures? New business models? Or new public attitudes? Something has to change.

Den Personen, die ihrem Geschäftsmodellen der 90er weiterhin anhängen empfehle ich daher Despair.com, dem Allroundanbieter für alles demoralisierende, hier paßt fast jeder Kalenderspruch ;)

International Federation of Pirate Interests [IFPI]

Ach herrlich so ein Internet, besonders dann, wenn so absurde Dinge passieren wie jetzt wieder mit der IFPI, welche man ja normalerweise als International Federation of the Phonographic Industry kennt. Da hat wohl jemand mit der Reservierung der Domain geschlampt und nun ist ifpi.com ganz legal in die Hände von Piratebay gefallen, die daraus die International Federation of Pirate Interests machen.
Zum Vergleich:
ifpi.com
ifpi.org

Trent Reznor verlässt auch das sinkende Schiff

Wie zur Untermauerung der Eingangsthese meines Textes von gestern vermeldet heute Trent Reznor auf seiner Nine Inch Nails Website wieder ein freier Mann zu sein und den Majors in Zukunft den Rücken zu kehren und sich um Vermarktung und Musik in Zukunft via Internet selber zu kümmern:

Hello everyone. I’ve waited a LONG time to be able to make the
following announcement: as of right now Nine Inch Nails is a totally
free agent, free of any recording contract with any label. I have
been under recording contracts for 18 years and have watched the
business radically mutate from one thing to something inherently very
different and it gives me great pleasure to be able to finally have a
direct relationship with the audience as I see fit and appropriate.
Look for some announcements in the near future regarding 2008.
Exciting times, indeed.

Wenn das so weitergeht mach ich ne eigne Rubrik dafür auf :D
Aber mal im Ernst, für Acts wie Radiohead un NIN, die ein entsprechendes Following haben, sicher eine Option momentan, aber für die unzähligen Newcomer und Kleinacts sicher nicht, die stehen so oder so im Regen. Andererseits, je mehr solcher Sprachrohre den Majors den Rücken kehren, desto größer wird deren Problem mit der Reputation.
Exiting times, indeed!

Vertriebe: Anotherone bites the dust

Und der nächste Vertrieb gibt auf. Hausmusik, Vertrieb so rennomierter Labels wie Morr Music, Monika Enterprises, Staubgold, Basic Channel und sich in letzter Zeit insbesondere auch durch Dubstepimporte hervorgehoben hat streicht die Segel:

Der Hausmusik-Umsatz sei im ersten Quartal 2007 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen, im zweiten Quartal um 20 Prozent, im Monat Juli um 30 Prozent, im August um 40, im September sei mit 70 Prozent zu rechnen gewesen

.

weitere erschütternde Zahlen:

Wir haben mit 300 verschiedenen Alben in ganz Österreich 145 Euro umgesetzt“, sagt Petters. Von einer Lieferung im Wert von 6600 Dollar nach Amerika sei nach einigen Monaten fast alles wieder zurückgekommen. „Ich habe eine Rechnung über 50 Dollar geschrieben.“

Scheint so als würde die fortschreitende Umstellung des Kunden und Djs auf Files schneller vorangehen als vermutet. Was aber nicht nur für klassische Vertriebe kein Grund zur Freude ist, denn auch von der anderen Seite droht Ungemach. Heute war es Amazon’s mp3-Shop Beta, der durch die Medien getrieben wurde. Einzelne Tracks kosten zwischen 89 und 99 Cent, Album-Downloads zwischen 5,99 und 8,99 Dollar und das alles freilich DRM-frei.
So erfreulich das einerseits klingen mag, so unerfreulich ist es zu sehen wie Musik mehr und mehr zu Ramschpreisen verschleudert wird. Amazon ist da beileibe nicht der billigste Anbieter, die Preise gehen runter bis auf 0,06 Cent, wenn man so mancher Googleanzeige trauen darf. Musikverschenkerei per Colaflaschendeckel wird mit Sicherheit auch nichts zur Wertschätzung von Musik hinzufügen und so müssen wir uns mit der Zeit wohl oder übel daran gewöhnen, das Musik in Zukunft eben nichts mehr Wert sein wird. Die Zeichen der Zeit scheinen bei solchen Zahlen ziemlich klar und die Krone setzt dem Ganzen Virgin Digital auf, welches seine Pforten schon wieder schliesst und den Kunden nun das rät, was vorher explizit verboten war: man verkauft verkrüppelte Musik, um zu verhindern, dass sie weitergegeben wird. Und nachdem der Shop schließt, rät man den Kunden, die Schutzmaßnahme zu umgehen, Audio-CDs zu brennen und diese nach Wunsch wieder in mp3 zu rippen…. endgültig schließen wird der Dienst dann am 19. Oktober – zu dieser Deadline werden auch alle Songs der Abonnenten nicht mehr abspielbar sein, sollten sie nicht anderweitig gesichert worden sein.
Wer Bezahlmusik unzuverlässiger als den illegalen Download macht oder sie zu Dumpingpreisen raushaut schadet der Musik und dem Wert von Musik in meinen Augen mehr, als der gemeine Downloader, der lediglich für Musik nicht zahlt.