Die Popkomm war ja auch noch

allerdings habe ich davon kaum was bemerkt. Das Schaulaufen der dicken Egos habe ich mir dieses Jahr völlig gespart, wobei ich mit den dicken Egos in den seltensten Fällen die Musiker meine, die meisten davon sind mittlerweile gut geerdet, was bleibt einem auch übrig, wenn man gerade mal so über die Runden kommt, sondern den Rattenschwanz hintendran.
Im Tagesspiegel gab es dazu süffisante Artikel, die das Leiden und den Popanz einer letalen Branche sehr schön beleuchten. Der Artikel Die Wasserverkäufer könnte auch mit Schäuble’s Bonmot “Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wann, wir sollten uns die Zeit bis dahin aber nicht verderben lassen” überschrieben sein, Smalltalk, Beats und Bisongras schlägt in die gleiche Kerbe. In der Taz ließ man mal einen Betroffenen zu Wort kommen, der Rapper Textor macht sich die Gedanken, die wohl jeder Musiker heute hat und beleuchtet die verzwickte Lage aus unterschiedlichen Blickwinkeln, eine Lösung kann auch er nicht bieten, wie auch?
Das nun die Bundesregierung sagenhafte eine Millionen für die Milliardenbranche Musik aus Deurschland lockermacht wird an Witz nur übertroffen, wenn man sich anschaut, wer für die Verteilung der Gelder vorgesehen ist: Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Initiative wurde Dieter Gorny gewählt, Vorstands-Vize des Bundesverbands der Phonografischen Wirtschaft. Im Aufsichtsrat sitzen zwölf Mitglieder, die eine Hälfte kommt aus der Politik, die andere aus der Wirtschaft UAAAHHH!!!!
Natürlich muß das Ganze noch ein wenig aufgejazzt werden und so geht es in der Hauptsache um Rock, Pop und Jazz. Techno und verwandte Nischen könnten also mit etwas Glück außen vor bleiben, möchte gar nicht wissen was für ein bürokratischer Vorbau da erstmal zu bewältigen und welche Verrenkungennötig wären, um an die im Endeffekt wahrscheinlich eh ziemlich läppischen Beträge zu kommen.

Whatpeopleplay

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Einen neuen Start hat der Vertrieb Wordandsound gerade mit Whatpeopleplay hingelegt. Deren neues Digitaloutlet finde ich mit 3Pane-Design, das ein wenig an typische Blogarchitektur erinnert, sehr gelungen. Neben Preordermöglichkeit und Selbstverständlichkeiten wie Neuerscheinungen nach Woche, Monat und Jahr zu durchsuchen gibt es nun auch die Möglichkeit nach Releasewochen zu stöbern. Es gibt Artist und Label Homepages um vielleicht noch unentdeckte Releases zu finden, dazu noch Ratings und Kommentarmöglichkeiten. Um das Mp3shopping endgültig in die Myspace- oder auch Web2.0welt rüberzuhieven ist angekündigt, das man in Kürze als Artist oder DJ dort auch seine Webpräsenz aufbauen kann.
Der Preis von 1,49 Euro für ein 320 kbps File ist im mittleren Bereich angesiedelt, für Dancemp3s kann man mittlerweile fast schon sagen im unteren mittleren Bereich. Als kleine Sensation, tädäää!, gibt’s die Tracks auch schon fertig gewarpt für den eiligen, faulen oder einfach warpunfähigen AbletonDj. Die dazu nötigen Asdfiles gibt’s umsonst dazu (und einen Großteil der bisher erhältlichen bzw. erstellten Asdfiles sind von mir gewarpt, call me Warpmaster ;) )
Ebenfalls in guter Webzweinullmanier steht auf der Site noch ein großes Beta und wenn man sich die weitere Roadmap anschaut, aus gutem Grund, denn da kommt noch mehr. Auch ist noch nicht aller Content vorhanden, die Ratings wollen erst erstellt werden und freilich müssen erstmal Kommentare von Usern erstellt werden, bevor man welche sieht. Bei Whatpeopleplay hat man somit gerade die Möglichkeit das Ganze wie ein neues Blog wachsen zu sehen, bin gespannt wie sich das entwickeln wird

Peter Slaghuis und Hithouse

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Heute jährt sich zum sechzehnten mal der Tod von Peter Slaghuis, seineszeichens der Betreiber des Labels Hithouse, welches heute kaum noch jemandem bekannt sein dürfte. Das war in den Anfangstagen von Techno aber noch ganz anders, da residierte es im Plattenkoffer gleichberechtigt mit R&S, NuGroove, Plus8 und anderen. Auch wenn man es hinter dem grottenschlechten Design, das eher 80er und Formel1 mit Ingolf Lück schreit, nicht vermuten würde, war das eins prägendensten Labels der Zeit, das mit Meng Syndicate’s “Sonar System” oder Mainx “Future Look EP” Maßstäbe setzte. Hier fand auch Gabber seinen Anfang, Slaghuis’ Freund Paul Elstak produzierte dort unter dem Namen Holy Noise seine ersten PräGabber Ergüsse. Anders als Labels heute legte sich aber Hithouse seinerzeit nicht auf einen Stil fest, sondern man fand auf B-Seiten gerne auch mal eine outstanding Breaks- oder Ambientvariation des Slammers auf der A-Seite und Second Wave’s “Let the Groove move” darf bei mir bis heute in keinem Classicset fehlen.
Der tragische Autounfall von Peter Slaghuis beendete den weiteren Aufstieg des Labels am 5. September ’91 leider aprupt.

mp3-Blogs und die Revolution

Das Thema mp3-Blogs scheint ja Thema des Monats zu sein. In der Groove, in der De:Bug und in der Visions (hier wenigstens auch konsequent downloadbar als pdf nimmt das Thema diesen Monat gehörig Platz ein. In allen Magazinen jedoch in einem Atemzug mit der neuerlich festgestellten Flaute beim traditionellen Tonträgervertrieb und der nur teilweisen Kompensation durch Downloads.
Meine Meinung dazu ist ambivalent, so unterschiedlich sich diese Blogs ausrichten, so unterschiedlich ist auch deren Intention und man kann daher schlechterdings das Thema mp3-Blogs pauschalisieren.
Während sich einige in ihrer Ausrichtung ganz klar auf Education und Bewahrer sonst verlorener Schätze ausrichten, wie z.B. The Thing On The Doorstep, bei dem ich mich immer wundere was für seltene Industrialschätze er da hebt und mich freue, das sich einer die Mühe macht, diese längst nicht mehr erhältlichen Schätze einer kleinen geneigten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sind andere lediglich darauf erpicht die neuesten Releases oftmals auch als komplette Alben online zu stellen und da halte ich es eher wie Ewan Pearson in seiner Kolummne in der Groove, wer Musik so liebt, der sollte es dabei bewenden lassen zur Not auf Streams zu verweisen, wie sie z.B. Amazon oder diverse andere Onlinedealer anbieten und ansonsten die eigene Schreibe so zu üben, das das Wort die Begeisterung unterstreicht und das Soundbeispiel lediglich Supplement darstellt, ansonsten kann man’s ja gleich lassen und die Tracks unkommentiert reinstellen.
Dem Phänomen in seiner ganzen Breite wird man bei Hype Machine ansichtig, ein Aggregator für Musicblogs, bei dem dann auch offensichtlich wird, das die erhoffte Revolution der Ausbreitung der Nischen hiermit nicht erfüllt wird, das Gros der dort erhältlichen Tracks entfällt auf den Mainstream, für meinen Geschmack ist da wenig bis gar nichts zu finden.
Überhaupt, Revolution, Nerdcore macht sich Gedanken um den illegalen Download als kultur-revolutionärer Akt:

War die erste Welle des Punk 1977 die Zurückweisung der Kunstfertigkeit, dem Gitarrengekniedel einfach den blanken Hintern gezeigt, dann war die zweite Welle die Aneignung der Produktionsmittel: Techno und Electronica, Musik-Produktion dank immer erschwinglicherer elektronischer Instrumente war ab nun in den Händen aller…
Eine dritte Welle des Punk könnte man also konsequenterweise als Aneignung und Umwälzung der Distributionskanäle überschreiben

Well, da möchte ich erstmal hinzufügen, das die Umwälzung der Distributionskanäle in erster Line auch ein Punkvermächtnis ist, Indies wie wir sie kennen sind ein Ergebnis von Punk und zu einer Revolution gehört m.E. mehr als ein neues Konsumverhalten, das nur einen Klick benötigt. Zu einer Revolution gehört für mich mehr als anonyme Teilhabe an einem Massenphänomen, sondern eben aktive Teilnahme. Klar, mp3-Blogs sind eine solche, nur solange die Frage nicht geklärt ist, wie die Erschaffer der Werke, die man da so revolutionär downloaded, an dieser Revolution teilhaben lassen kann, hat diese Revolution einen schalen Pantoffelrevolutzerbeigeschmack.
Auch klar, Tauschbörsen sind da und werden auch nicht mehr wegggehen, ebenso Usenet, Rapidshare und wie die Megahoster sonst noch alle heißen mögen.
Ich glaube das die eigentliche Revolution fürdererst vom Gesetzgeber ausgehen müßte, der endlich realisieren müßte, das das, was da gerade passiert nicht mehr mit drakonischen Strafen, Durchsuchungen und anderen Tools der Exekutive in gelenkte Bahnen zurückzudrängen ist, sondern man pragmatischerweise anerkennen sollte, das da ein verändertes Konsumentenverhalten entstanden ist, auf das man zu reagieren hat, indem man es monitär umsetzt, sei es durch Kulturflatrate, Pauschalabgaben oder Erweiterung Verwertungsgeschellschaften und Urhebervertreter wie der GEMA, die den P2P Traffic wahrscheinlich eh schon überwacht und sehr genau weiß wie die Verteilung so aussieht (wäre aber ein weiteres Thema, wie man das und die Zuteilung bewerkstelligt).
Es wäre doch ein schönes, wenn in diesem Zuge mp3-Blogs tatsächlich dem Künstler in Sachen Promotion und Verbreitung helfen könnten, ohne ihn seiner Pfründe zu berauben, sondern ihn sogar um den ein oder anderen Euro bereichern.

Konsequenz ist wenn man’s trotzdem tut?

Tut mir leid, eigentlich wollte ich zu dem Thema ja nix mehr äußern, aber wenn’s einem beim Feeds lesen dermaßen auf die Augen gedrückt wird

Dr. Motte zur heutigen Loveparade diese Woche im Stern:

Ich kann keinem empfehlen, an so einem Werbe-Event teilzunehmen. Das ist so geistlos, buäh!

versus Dr Motte am selben Tag in der Netzzeitung zur heutigen Loveparade:

Am Samstagabend will er dennoch in einem Essener Club bei einer offiziellen Loveparade-Party am DJ-Pult stehen. «Das kann mir ja keiner verbieten.»

Aua!

Aufregende Woche!

Boah, war ja ganz schön wat los diese Woche! Angefangen hat das ja schon am Montag mit der ersten Dopingbeichte von Dietl, woraufhin ein reuiger Sünder nach dem anderen zu Kreuze gekrochen kam. Wäre mal an der Zeit so’ne freiwillige Outingaktion in Technokreisen zu veranstalten, die 90er waren aber auch schon eine arg lustige, dekadente Dekade.
Wo wir schon bei Techno sind, im Zuge der gestrigen Tresoreröffnung hat die Stadtzeitung Zitty Wolle XDP, Mijk van Dijk und mich zu den Anfängen befragt und zu einem hübschen Artikel aufbereitet.
Ich war, by the way, gestern nicht da und wenn ich mir das Video so angucke, dann bin ich auch ganz froh drum. Mein Einstand in die neue Location wird am 30.6 sein, angucken tu ich’s mir mit Sicherheit vorher schonmal, meine Tresormarke gilt ja hoffentlich noch.
Der Aufreger der Woche bleibt die G8-Hysterie, nachdem jegliches Maß verloren geht und sogar Postgeheimnis kein Tabu mehr darstellt und bizarre Dinge wie das mittlerweile ganze Studienseminare unter Beobachtung stehen, weil der Prof verdächtig erscheint oder Internetcafes zur Videoüberwachung überredet werden sollen oder gar Schleckermärkte überwacht werden. Gipfel der Dämlichkeit ist aber ein neuer Hackerparagraph, der unter anderem genau das unter Stafe stellt, was man mit dem Bundestrojaner vorhat, das eindringen in private Computer, talk about Rechtsempfinden! Und auch ansonsten liest sich das Ding in etwa so, als wolle man damit die Voraussetzungen schaffen, das der angekündigte Bundestrojaner ja nicht entdeckt werden kann. Wie billig! Kann den Herren und Damen, die das spätnachts durchgewunken haben, mal einer erklären, das das Internet nicht an der Grenze halt macht und das sich pöse. pöse Terroristen mit Sicherheit einen Scheiß darum scheren ob das verboten ist Admins und ITlern aber das Leben ganz schön schwer machen kann?
Man kann nur hoffen, das sich das Problem möglichst schnell biologisch erledigt und eine Generation in die Entscheidungsgremien kommt, die um Internetdinge Bescheid wissen und und nicht nur phobisch darauf reagieren indem sie das von der Sekretärin bedienen lassen. Eine andere Hoffnung habe ich da bald nicht mehr.

So ganz negativ und musiklos will ich mich aber nicht aus der Woche nach Rumänien verabschieden, sondern hier noch zwei neue Blogentdeckungen, die ich nicht vorenthalten will:
zum einen Laptop Techno, ein Blog, das sich, wie der Name schon sagt, der Technoproduktion auf dem Laptop widmet, meine erachtens nach ja immer noch die beste, ehrlichste und passendste Art heute Techno zu machen.
Zum anderen das Neurocode Blog vom Drum & Bass Produzenten Dizplay, das sich sehr konstruktiv mit der Labelsituation und den sich daraus ableitenden Konsequenzen für die Zukunft der Musikproduktion beschäftigt. Das Dilemma betrifft ja nicht nur Drum & Bass.
Und-einen hab ich noch- auf Spannered.org, gibt’s neben einem sehr symathischen Interview mit dem Rag&Bone Artist und Betreiber Warlock auch noch einen ziemlich geilen Mix, des englischen Altravers. Meiner Beobachtung nach sind ja viele Dubstepper durch eine ähnliche musikalische Sozialisation gegangen wie ich, bei der man alles mitgenommen hat was spannend war und meist das Interesse verlor, wenn die Formel dafür gefunden war. Deshalb ist Dubstep wahrscheinlich auch so vielschichtig, das man darin von Drum & Bass über Industrial bis zu Techno und Breaks alles drin finden kann, man muß nur suchen! :D