HAHA, die Musikindustrie mal wieder

Ich mach da bald ne Serie mit eigener Rubrik draus, fast täglich kommen die Meldungen dieses in den letzten Zügen liegenden Sauriers, der nun panisch um sich beißt und dabei oft die Falschen erwischt. So geschehen wieder in USA, wo die RIAA im Zuge ihrer Klagewelle ein altes Mütterlein bezichtigt, hat per Kazaa über 2000 Files, unter anderem Harcorerap, geshared zu haben. Dumme Sache: Die Dame nutzt einen Mac und darauf läuft Kazaa nunmal nicht. HAHAHAHA! Via De:Bug und Apfelgerüchte

Passend dazu auch noch Photek in einem Interview auf der Native Instuments Site:[/url] Drum & Bass ist nicht primär da um Geld zu machen, auch wenn ich natürlich selbst ohne Ende Kohle machen will. Aber der erste Punkt ist: Ist es gut und kümmert sich jemand drum?! Das ist auch der Grund, warum ich von Virgin Records weg wollte. Ich war bei denen unter Vertrag seit 1995 und bin erst Anfang diesen Jahres aus dem Vertrag gekommen. Es gibt für meinen Geschmack einfach viel zu viele politische Entscheidungen, die getroffen werden, die absolut gar nichts mit dem Erfolg von Musik zu tun haben. Und ich mag es nicht in so einem Environment zu arbeiten. Musik ist für mich eine 24 Stunden-Sache, wenn ich erst mal dabei bin. Ich schlafe nicht. Ich möchte vielleicht schlafen, oder sogar in Urlaub fahren, aber ich mache es nicht, weil mir das was ich schaffe einfach zu wichtig ist. Und ich glaube dass jeder, dem es so geht wie mir, so schnell es geht einen “Scheiß” auf die Musikindustrie geben sollte. Ich bin mir sicher, dass die Menschen bei Native Instruments, die die Software programmieren, wie verrückt arbeiten, damit die Software so gut wird wie nur möglich. Und ich will nur solche Leute um mich herum. Die Menschen, die bei Plattenfirmen arbeiten, wollen sowieso nur freien Eintritt bei Parties, Gehalterhöhungen und fette Mittagspausen. Sie sollten endlich verschwinden. Hier geht’s um Spirit. Musik ist eine heilige Sache für mich.
WORD!

Die Musikindustrie mal wieder

bietet [url=http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,264408,00.html]folgenden Handel[/url] an, wobei zu sehen ist inwieweit das fruchtet und ob es für solche Aktionen nicht schon längst zu spät ist, weil man sich sämtliche Credibility versaut hat.
Auch Plattenfirmen, namentlich Universal, grübelt nochmal und plötzlich geht, was bislang als unmöglich galt, CDs werden billiger! Allerdings nur in USA und anstatt 17 bis 18 Dollar, soll die CD nun 13 Dollar kosten, was immer noch zu viel ist. 10 Dollar oder Euro, da würde der Kunde sicherlich die Mühe des Downloads lassen, aber so denke ich mal wird das wieder nix. Untersuchungen und Befragungen, die dieses Argument nähren gibt es schon seit Jahren, aber man glaubt wohl mal wieder mit einem marktschreierischen Trick sei etwas zu bewerkstelligen, oder man hätte die Argumentation dann so auf seiner Seite. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, mehr nicht.
Hierzulande ist an von solchen Einsichten noch sehr weit entfernt, wie man an Tim Renner’s [url=http://www.universal-music.de/html/index.html]Pressemitteilung[/url] ersehen kann (jaja, der Tim Renner, der mir bei Unterzeichnung des Majorvertrags zum Album Still anno 97/98 die Internetrechte vertraglich mit den Worten “wer zieht sich denn bitte Musik aus dem Internet, das dauert doch viel zu lang” überliess ;-) . Auch die Rede( hier als .PDF einsehbar) des verknöcherten Herrn Gebhardt zur IFA, die mit so sinnleeren Sätzen wie “Die Zukunft des Musikhörens liegt in geschützten Umgebungen.” glänzt. Solange solche Herren das Geschäft hier beherrschen wird’s sicher nix mit dem, ebenfalls in der Rede beklagten, noch nicht erreichten Ende der Talsohle, denn Rechthaberei ist kein gutes Rezept gegen Innovationslosigkeit. Und die Innovation hat nunmal leider schon längst stattgefunden – ohne die Industrie- wegen Rechthaberei.

Gerontologie im DJ-Gewerbe ist mal wieder Thema

Anscheinend aufbauend auf den Guardian Artikel, zu dem ich ja auch schon meine Gedanken geäußert habe, war das nun auch gestern in der SZ Thema.
Die Kritik am Stardj-Bizz und dessen Auswüchsen, wie Konzentration und Fokus auf diese, finde ich berechtigt, aber die Argumentation in diesem Artikel trudelt ein wenig oberflächlich, wenn man daran den Untergang des gesamten Dancegenres festmacht und somit genau die Mechanismen unterstützt, die es soweit kommen liessen. Als wenn die 3 beschriebenen Protagonisten das ganze Technogeschehen ausmachten und die Krise parallel zum Alterungsprozess laufen würde.
Auch wer heute noch Mayday oder gar die Loveparade als Parameter für Technogeschehen einsetzt haut m.E. ein wenig daneben.
Ebenso stimmt zwar “Ein Modell fürs würdevolle Altern bei 160 Beats pro Minute jedenfalls ist bislang nicht existent”, aber Modelle für 90 bis 130 BpM gibt es zuhauf und es wäre ignorant zu denken, das sich die Erstgeneration komplett abgewandt hätte, man raved halt ruhiger, was ja z.B. auch Erfolge wie die Panoramabar im seligen Ostgut ausmachte. Das ist dann halt vielleicht nicht so augenfällig wie Massenveranstaltungen, auch rubeltechnisch hat es nicht viel Impact, aber Clubland ist in Bewegung, zwar in kleinem Rahmen, es paßt sich den Gegebenheiten an und steht m.E. in einer Umwälzphase, wovon man nicht weiß wohin die Reise geht, ob danach Techno noch Techno heißt oder ob dieser den Weg aus den Clubs heraus in andere Gefilde findet, aber diese Transformation geht doch gerade durch die ganze Gesellschaft und von daher spiegelt Lalaland diese nur entsprechend wieder. Schließlich liegen da einige längst fällige Updates vor uns, der Abschied vom Vinyl ist nur eine Sache der Zeit, Clubbing wie es jetzt geschieht gibt es seit nunmehr 15 Jahren und ist durchexerziert, da werden die folgenden Generationen mit Sicherheit neue Formen finden müssen, alleine schon weil der Staat das Ding bis in die letzten Zipfel durchschaut und entsprechend reglementiert hat.
Techno ist nach wie vor ein Ding in Bewegung, sicherlich nicht mehr so prägend wie in den 90ern, aber er wurschtelt und versucht sich nach wie vor neue Wege zu finden. Das die alten ausgelatscht sind, daran besteht kein Zweifel, aber aus den unzähligen Nischen entstehen mit Sicherheit neue Dinge, die noch nicht absehbar sind und sowas läßt sich halt in diesem Stadium noch nicht wirtschaftlich messen, noch bei oberflächlicher Betrachtungsweise sehen.

Popkomm

Da findet sie also zum letzten mal in Köln statt und kommt ab nächstem Jahr hierher, nach Berlin. Meinetwegen könnte sie bleiben wo sie ist oder ganz aufhören. Das Gejammer will doch keiner hören. Pop und Wirtschaftsgeheule, wie soll das denn bitteschön zusammengehen?
Meine Erfahrungen mit der Popkomm waren durchgehend deprimierend, die Parties, auf denen ich auflegte, ausnahmslos schlecht und ruinös und mein einziger Besuch auf der Messe, Mitte der 90er, so verwirrend, das ich auf eine Wiederholung gerne verzichtete. Das war zu Zeiten, als Techno boomte und sich die Majors daran machten den Markt vereinnahmen zu wollen. Da gab’s dann einen verstörenden Rollenwechsel, die Majors taten auf gut Freund und das man ja gar nicht so sei, während die Indies sich, beflügelt vom geölt laufenden Business, arrogant und selbstgefällig gaben, also genau andersherum als erwartet. Jetzt jammern sie alle und die neue Bescheidenheit findet sich in den Messeständen wieder.
Ich wünsche dieser miesen Mischpoke von zugekoksten A&Rs[i]( ist auffällig, früher waren solche mal da um die verdrogten Künstler an der Hand zu nehmen, heute hat man deren zitternde, verschwitzte Pranke auf der Schulter, während sie einen ungefragt von Riesendeals, großen Projekten und dem unvermeidlichen groß Rausbringen vollschwafeln. Rückfrage bei anderen Künstlern bestätigt, das ich mit dieser Beobachtung nicht alleine stehe.)[/i], wichtigtuerischen Majorloddeln [i](die komischerweise vorher meist BWL studiert haben, aber wenn das Studium irgendwie gefruchtet hätte, warum hat es sie dann ausgerechnet in diese Branche verschlagen?)[/i] und was da sonst noch an nixnutzigem Mob rumwedelt, sowieso alles Schlechte, denn so geht’s ja offensichtlich nicht weiter und ähnlich dem Lovesan-Virus muß es wohl erst richtig dicke kommen, bevor überhaupt was passiert. Rein budgettechnisch ist die Popkomm hier allerdings an der richtigen Stelle gelandet, Geld hat hier auch keiner. Nur typischerweise viel zu spät, hätte man vor Jahren, als alles hierher strömte, noch vom Berlinhype profitieren können, kann man jetzt nur noch mitleidig lächeln, weil wieder mal hoffnungslos zu spät, konsequent wäre es dann, die Popkomm im Dorian Gray stattfinden zu lassen. ;)

Da werden jetzt nicht nur tausende entnervter Plattenverkäufer aufatmen

Wer kennt sie nicht, die Kunden mit ihren Technoacapellas: “ich such so’n Stück, da kommt zuerst so’ne Acidline, die macht huiuiuiui, dann geht’s utz, utz, utz und ne Frau singt was mit feeling good”. Genau für solcherne gibt’s jetzt die erste Melodiesuchmaschine. Wär mal interessant die Gesangsversuche der Suchenden anhören zu können. Via Heise

Was von der Extase übrig bleibt

Kontrastprogramm: Morgen beginnt Nature One, eine der jährlichen Rückversicherungen der Größe von Techno und im Spiegel steht fast zeitgleich ein trauriger Artikel über den DJ Don Ibiza’s, Alfredo.

Nun, zuerst fand ich diesen Artikel etwas sehr schwarzmalerisch, pretentiös und tendentiös, aber nach einigem Verbleib im Hinterstübchen klingt da doch etwas nach. Wievielen von uns professionellen DJs wird es über kurz oder lang ähnlich ergehen? Wieviele von uns haben eigentlich auch nix anderes drauf oder gelernt, als das was wir am besten können? Ich denke da wird in nächster Zukunft noch branchenweit großes Heulen und Zähneklappern erklingen. Ich kenne genug Kollegen, die darauf gehofft haben, das es nun ewig so weitergeht, mit hohen Gagen und unbegrenzten Möglichkeiten, ich selbst schliesse mich dabei nichtmal aus.
Ich kann mich noch an ein Interview mit der selbsternannten Elite der deutschen DJs erinnern, wo die Aussage fiel, das wir wohl die erste Generation seien, die das bis zum Lebensende durchzieht. Würde das heute noch einer so wiederholen? Ich glaube kaum, den meisten macht dann doch irgendwann das Alter zu schaffen, Marathonsets und Auflegezeiten nach 6:00 morgens sind ab einem gewissen Alter einfach selbstzerstörerisch, oder man modelt seinen Tagesrhythmus so um, das man zwar des nächtens wach ist, dafür das Sozialleben aber gleich null ist und die [url=http://www.dancecube.de/index.php?category=news&action=showArticle&Article_ID=85510]Meldung[/url], das Moby vom ewigen Getoure die Schnauze erstmal gestrichen voll hat unterstreicht diese Beobachtung. Sicherlich kann man nun mit Häme darüber herfallen, aber man bedenke das die Aussichten vor dem Milleniumwechsel noch ganz anders aussahen und die prekäre Situation, die wir momentan haben, bei weitem noch nicht absehbar war. Ich für meinen Teil dachte mir, laß das 10 Jahre gut gehen, dann wird’s Zeit für etwas anderes, Studio, Produktionen, whatever. Nun bin ich im 13. Jahr und die Situation hat sich drastisch verändert, denn auch im Produktionsbereich ist nicht wirklich was zu holen, da diese sich, wie diverse andere Branchen auch, gerade im tiefsten Tal der Umwälzungen befindet und wie es danach aussehen wird, vermag keiner wirklich zu sagen.
Dabei geht es mir noch relativ gut, was paradoxerweise darauf zurückzuführen ist, das ich die Krise, die andere jetzt kalt erwischt, letztes Jahr schon durchstehen durfte. Als es für mich vorbei war, mit Timing und Bash, war da erstmal ein großes Loch, keiner fühlte sich für meine Bookings mehr zuständig, bzw. sind da ziemlich unrunde Dinge abgelaufen, die dafür sorgten, das ich fast ohne Einnahmequellen dastand und erstmal von Reserven und Studioverkäufen leben mußte. Gottlob hat man zu der Zeit für Studiohardware noch was gekriegt. In der Zwischenzeit ging ich daran Ballast abzuwerfen, Versicherungen kündigen, Lebenstandard runterschrauben, eben die Sachen, die man tut, wenn’s nicht mehr so üppig kommt. Ich will nun nicht behaupten, das ich bereits dabei am Ende angekommen bin, aber ich denke ich habe dadurch frühzeitig gelernt mit der Krise umzugehen.
Aus Gesprächen mit Kollegen kristallisiert sich aber deutlich heraus, das der Fall Alfredo beileibe kein Einzelfall ist, natürlich will damit keiner an die Öffentlichkeit, denn über sowas spricht man nicht, es gilt weiterhin “Party, Party, Party” und wer will schon der Spaßverderber sein? Im Technobizz gilt, wie in vielen anderen Branchen, besonders im U-Sektor, halt nur: besser, weiter, mehr. Tiefschürfendes bleibt gerne mal im Sinne des smoothen Ablaufs außen vor. Lediglich im Backstage oder auf Reisen zum Gig kommen die wahren Begebenheiten auf den Tisch, das das eigene Label trotz riesiger Pressefeatures nur noch 250 Einheiten pro Release vertickt und die jetzt niedrigeren Gagen zum Teil für Labelarbeit und Büro draufgehen. Die Angst so etwas öffentlich zu bekunden ist groß, käme einem Malus gleich, denkt man. Auch bemerkbar wird, das viele der ersten Generation mindestens ebenso ausgelaugt wie Alfredo sind, was man leicht am gallopierenden Zynismus festmachen kann, und die sind noch lange nicht 50! Allerorten fällt einem ein hektisches Gescharre auf, das die Schäfchen ins Trockene bringen soll, wobei der Selbstbetrug in Sachen Integrität manchmal obskure Formen annimmt.
Nochmals: kein Grund zur Häme, damals als die Sache rollte, hatte das alles noch eine gewisse Logik, Studios aufbauen, mit deren Erlös, sei es durch Vermietung oder Abstoßen, man den Lebensabend zu finanzieren gedachte. Netzwerke bilden, bei denen man dachte, sie überdauern auch Krisen. Musikwerke, von deren GEMAerlösen man ein wenig Zubrot erhoffte. All das machte in den easy 90ern durchaus Sinn und jetzt ist das meiste davon entweder durch Entwicklungen hinfällig geworden oder die grausame Wahrheit hat desillusioniert. So viele Musiker und DJs werden vielleicht nie wieder benötigt. Sicher, man hätte es sich denken können, das es irgendwann nicht mehr so überfliegerisch leicht läuft, aber denkt man daran, wenn die Steuererklärung mühelos und über Jahre 200.000 DM und mehr vor Steuer auswies? Wenn die halbe Welt in Aktien investiert, während man ehrgeizig seine eigenen Unternehmen aufbaut und die Gagen in diese investiert? Heute sieht die Steuererklärung meist mickriger aus. So gesehen erwischt uns die Rezession halt nur leicht verspätet. Es ist ähnlich wie mit den Aktienkursen, die jahrelang nach oben gingen und dann ziemlich flott einbrachen, so das man nicht wußte wie einem geschah. Bei uns bricht es erst seit ca. 2 Jahren und zwar allmählich, das ist dann so wie der berühmte Frosch, der nicht merkt, wie er gekocht wird, wenn die Temperatur langsam steigt.
Vielleicht sind die Sicherungen nicht einmal zuviel durchgeknallt, vielleicht hat man nur einmal zuwenig aufgepaßt.

Nicht nur hierzulande grassiert die Technoflaute

Im Guardian erschien ein aufschlußreicher Artikel darüber, das es offenbar nicht nur hierzulande eine Technorezession zu geben scheint. In UK plagt man sich mit dem gleichen Problem herum, was spätestens seit der Einstellung der Magazine Muzik und der Zeitschrift des Ministry of Sound offensichtlich wurde, was im Land des Musikjournalismus wesentlich mehr Bedeutung hat als hierzulande.
Die Krise scheint sich ähnlich wie hierzulande darzustellen, auch die Gründe ähneln sich. Der Artikel endet mit dem Satz “The super DJ and the superclub game is over”, Weiterlesen