Tobias Rapp Interview als Supplement zur gestrigen RA Berlin Doku

Ich gehe zwar nicht mit allem konform und finde einige Fakten verdreht, aber im Großen und Ganzen durchaus ok

When I walk through the streets in Mitte, the center of East Berlin, I still have the feeling that I’m on the pulse of the present. “It’s happening here,” is the feeling I get. It’s very different than it was in the ’90s, because back then you had the feeling that the city changed every three months, and you can be a part of that change and it was this adventure where you can explore things. Now, it’s more about all these different people that come here. It’s not that empty, but it’s full of lots of people from all over the world, chasing this Berlin dream. That’s what makes it really interesting for me, because I’ve never seen anything like that in my lifetime. It’s not common for a German city to be that attractive for the rest of the world, and a very new situation to be the “hotspot.” I really enjoy that. I find it really great that so many different people from different countries come here. It creates something unique.

Hier das ganze Interview

Musikstandortentwicklung Berlin 2011

Tut sich da am Ende doch noch was? Bislang kam ja eher der Eindruck auf, die Stadt brüstet sich gerne mit dem Image das Clubs und Protagonisten, weithin unabhängig von der Stadt, aufgebaut haben, um dann wenn es brenzlig wird doch nichts zu tun, siehe die Clubabwanderung aus angestammten Locations oder das viel diskutierte Clubsterben. Gestern kam dann noch der neue Mietspiegel, der befürchten lässt, das das was die Freiräume erst möglich macht, niedrige Mieten, zunehmend der Vergangenheit angehört.
Vielleicht ist aber jetzt auch eine Schmerzschwelle erreicht, bei der dann doch mal Bewegung in die Sache kommt. Letzte Woche stellte sich die Initiative MUSIK 2020 BERLIN Kampagne zur Entwicklung des Musikstandortes Berlin vor, deren Unterstützerliste sich imposant liest. Allein, wie sich das liest, in diesem BWLer Deutsch lässt mich schaudern, aber vielleicht braucht’s dieses Geseier von Wirtschaft, Strukturen, Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen heute tatsächlich um überhaupt gehör zu kriegen. Smells like Senatstechno und was dabei rauskommt wenn staatliche Stellen, oder in diesem Falle halt Senatsstellen mitreden wollen, dürfte wohlbekannt sein, bzw. weckt es üble Erinnerungen an Senatsrock Wettbewerbe aus den 80ern. Natürlich wäre es wünschenswert wenn Berlin seine Standortvorteile nutzt und fördert, aber das wären zuvorderst erstmal niedrige Mieten, weiterhin tolerante Handhabe und Support anstatt Subvention, alles andere endet in Ödniss und Langeweile Kungelei und Bequemlichkeit, zumal wenn das Technobiotop in geförderte und nicht geförderte zerfallen würde. Komisch stößt in diesem Sachverhalt auch der Hinweis auf die Stadtentwicklung auf, hat nicht gerade in der Vergangenheit die Clubdichte in Bezirken zu deren Gentrifizierung beigetragen? Ich glaube durchaus das die Intention der Initiative eine richtige ist, aber so?
Zum Zweiten gibt es gerade im Auftrag der Stadt eine Umfrage zur “Kreativ- und Kulturwirtschaft Berlin/Brandenburg” , um daraus ab sofort einen regelmäßigen Index (Kultur- und Kreativwirtschaftsindex Berlin/Brandenburg KKI) zu erstellen, bei der möglichst viele Betroffene mitmachen sollten, ich gebe die Hoffnung nicht auf, vielleicht passiert ja doch noch was.

Gianni Vitiello’s Plattennachlass

Vor ziemlich genau einem Jahr ist Gianni ja plötzlich verstorben. Jetzt haben sich Freunde seines Plattennachlaßes angenommen. Ich poste das mal im Original:

der platten nachlass von gianni vitiello wird am 21/22.12 jeweils von 15-21 uhr in der tante lisbeth – muskauerstr.49 ecke eisenbahnstrasse verkauft.

es handelt sich um massig viele platten – das meiste techno house elektro, viele raritäten und eben alles was er immer so gespielt hat.

es wäre schön wenn ihr zahlreich erscheint und viel kaufen würdet.”

Na denn mal los, Platten wollen gespielt werden!

Das Ahornblatt bzw. Exit

1993 war Schluß mit dem Walfisch und ich fühlte mich mit Special verpflichtet der Afterhour Gemeinde etwas adäquates anderes bieten zu müssen, das fand sich dann auch im dahin dümpelnden Ahornblatt, einem architektonisch einmaligen Bau mit ebensolcher Atmosphäre und Akustik. Allein, der Spaß sollte nicht lange dauern, denn in den umliegenden Hochhäusern wohnte noch viel ehemals privilegiertes DDR Gesocks, das es überhaupt nicht leiden konnte das die vereinte Jugend da vor ihrer Nase ihren Spaß in der Neuzeit hatte. Überhaupt scheint der Bau unter keinem guten Stern gestanden zu haben, denn 2000 wurde er unter kruden Umständen abgerissen, obwohl er unter Denkmalschutz stand. Heute steht dort ein häßliches Novotel.
Marco hat zwei Videos über das Ahornblatt gefunden, die ich nicht vorenthalten will.
Video 1 zeigt die Eingeweide des Ahornblatts, in den Kellern war so einiges untergebracht von Studio bis zu meiner Siebdruckerei die ich kurzzeitig mal hatte

das zweite Video zeigt Aufbau und Abriss der Schönheit Ahornblatt

Dem SO36 geht’s schlecht!

Wieso müssen solche Lärmspiesser überhaupt erst in die Stadt ziehen? Nach über 30 Jahren steht nun das alterwürdige SO36 vor dem Problem, das ein Anwohner, der sich durch sein Küchenfenster lärmbelästigt fühlt und deshalb eine Schallwand gebaut werden soll, die man sich natürlich nicht so einfach leisten kann. Deshalb haben sie diesen Aufruf gestartet, worin auch steht, wie man unterstützen kann.
Wenn ich die lange Geschichte des Ladens mal rekapituliere, das legendäre Punkmekka aus den Anfangstagen, über das erste Atonalfestival, bis zu den Electric Mondays und dazu die ganzen, oft wegweisenden Konzerte über all die Jahre! Ich verstehe nicht, das ein falsch eingezogener Anwohner eine solche Institution, die schon ganz andere Zeiten überlebt hat, zum Scheitern verurteilen könnte.

BVG vs.iPhone

Ein neuerliches Beispiel dafür, “dass Deutschland von Spießern und Beamten regiert wird” lieferte gerade die BVG indem sie dem Entwickler des Programms Fahr-info Berlin (iTMS Link) untersagte den BVG Streckenplan zu integrieren:
In einem Schreiben fragte ein BVG-Mitarbeiter nach der Genehmigung zur Nutzung des Streckenplans. Und verwies auf das Impressum. Darin steht: “Lediglich die nichtkommerzielle private Nutzung ist in den Grenzen des Urheberrechtsgesetzes zulässig.” Weil Witts Programm zwar nichtkommerziell war, aber nach der Veröffentlichung wohl kaum privat, bat Witt um eine Genehmigung. Die Antwort: “Da diese Anwendung nicht das Copyright berücksichtigt”, habe der BVG-Vorstand beschlossen, das Copyright durchzusetzen. Nebenbei gehe es auch darum, Regressansprüche abzuwehren, wenn Fahrgäste durch eine falsche Auskunft Termine oder sogar Geschäftsabschlüsse verpassten
Fahrplaninfo war schon kurz nach dem Launch des iPhone 3G Referenz dafür, welche Vorteile Location Based Services haben können und Berlin hatte mit dieser App wirklich mal ein positives Servicealleinstellungsmerkmal.
Wohlgemerkt die App ist kostenlos, hilfreich und unterwegs ein wahrer Segen der Öffentlichen Nahverkehr in einem Moloch Berlin nicht nur für Touristen unstressiger gestaltet.
Aber wahrscheinlich sind da nur wieder verbitterte Applehasser am Werk, wenn ich mir den Satz mal auf der Zunge zergehen lasse: “Das ist unser Patent, und Apple ist eine der reichsten Firmen der Welt” oder “Auf den Hinweis, dass weder Witt noch Apple daran einen Cent verdienten, entgegnet Reetz, die BVG wolle bald selbst so ein Programm anbieten. Allerdings solle es eine Anwendung für alle Handynutzer werden, nicht nur für die, die sich das iPhone leisten könnten”
Anstatt dem Mann ein Angebot zu machen lieber die bereits existierende Lösung behindern, Kapital wird nicht nur an Börsen verbrannt.