Review: Anderthalb Wochen iPhone

Tja, der frühe Vogel fängt den Wurm und somit gehöre ich zu den 15.000, die momentan in Deutschland ein iPhone 3G ihr Eigen nennen dürfen. Es ist jetzt anderthalb Wochen her, das mir das handschmeichelnde Wunderding vom Postboten an die Tür gebracht wurde und seitdem hatte ich genügend Zeit und Situationen um es ausgiebig zu testen.
Der Einstieg erfolgte auch bei mir erstmal holpernd, die Appleserver überlastet, so das ich über eine halbe Stunde auf die Aktivierung über iTunes warten mußte, die Freischaltung erfolgte aber erst gegen 6:00 morgens, also ca. 15 Stunden nach der Aktivierung. W-lan war schnell eingerichtet und so konnte man wenigstens schonmal alles außer Telefonie durchgehen, dabei natürlich der Neuerung des Appstores für das iPhone frönen und das Gerätchen mit diversen Drittanbieterprogrammen befüllen, wozu hat man schliesslich 16 Gb?
Erste erfreuliche Überraschung: die angebotenen Programme sind fast durchgängig kostenlos oder für sehr kleines Geld, zwischen einem und 9 Euro, zu haben und auch 15 Euro für den BeatMaker sind durchaus angemessen für das Gebotene.
Natürlich mußte als nächstes gleich die neue GPS Funktion aufgerufen werden und überraschte mit schneller Lokalisierung, das hatte ich mir durchaus lahmer vorgestellt, von dem was ich bisher diesbezüglich von anderen Smartphones gesehen hatte. Sicherlich ist Googlemaps kein Vergleich mit Navigationsgeräten, wie man sie für’s Auto kennt, aber m.E. tut sich da auch gerade eine ganz andere neue Nische auf, die viel interessanter sein könte als einfach nur eine Autonavigation im iPhone. Nearby gibt schon mal einen guten Eindruck davon, wo sich das hinentwickeln könnte. Location Based Services für die Umgebung wo man sich gerade bewegt, sucht man ein Restaurant, läßt man sich die umliegene Restaurants samt Speisekarte und Rezensionen anzeigen, dasselbe mit z.B. Hotels, Plattenläden, Supermärkten, you name it.
Adressbuch und Kalender syncen von Anfang an perfekt mit den Macpendants auf dem Macbook und iTunes weiß iPod und iPhone zu unterscheiden, so das beide iPods mit unterschiedlichen Playlists verwaltet werden können.
Als dann die Freischaltung SMSe zuließ, konnte ich auch dieses schön gelöste Detail in Augenschein nehmen. SMS verlaufen an einer senkrechten Timeline und erscheinen in Sprechblasen, exakt so wie bei iChat auf dem Mac und wieder so eine Sache wo man sich fragt, warum da noch keiner vorher drauf gekommen ist SMS mal so anzugehen, macht ja Sinn!
Und dann gleich mal durchgesteppt was es unter den zum Einstand angebotenen 500 Apps auf das eigene iPhone geschafft hatte. Da gab es z.B. myLite, das lediglich das Display des iPhone zur Taschenlampe umfunktioniert, aber mit einem Twist, nämlich einem Menü in dem man Farbwechsel und Strobofunktioneinstellen kann und sich damit als digitale Ablöse des analogen Leuchtstabs empfielt. Die kostenlose appleeigene Remote mit der man iTunes per Wi-Fi auf dem Macbook steuern kann ist natürlich auch eine feine Sache die man gerne mitnimmt. Es gibt aber auch durchaus nützliches und praktisches, wie z.B. Fahr-Info Berlin von der BVG, das GPS nutzt um den momentanen Aufenthaltsortaufzufinden und Bahnhöfe und Haltestelle in der Umgebung vorzuschlägen und die dort möglichen Verbindungen anzuzeigen. Die BVG ist bisher der einzige Nahverkehrsbetrieb der so etwas anbietet. Was aber nicht heißt, das da nicht noch viel Raum zur Verbesserung wäre, zoombares Streckennetzkarten oder/und intelligenter Streckenplan wären z.B. eine feine Sache.
Der Markt für Audionotes Programme ist von Anfang an gut abgedeckt, ich habe mich für das kostenlose Voicenotes entschieden, ist ein kleines Programm mit allen nötigen Standards und nicht mehr.
Mittlerweile gelangen fast täglich neue Programme in den Appstore, einen RSS Feed findet man z.B. hier und so ziemlich alles was Apple seinerseits nicht mitliefert wird von Drittanbietern angeboten. Seien es Apps mit denen man Files über W-lan zwischen Rechner und iPhone hin und her schiebt, wie z.B. FileMagnet oder wiederum GPS basierte, wie der Parkplatzmarkierer G-Park, jeder Stadtbewohner wird die Situation kennen, das man sich fragt, wo man das Auto letztes mal abgestellt hatte. Ein Programm wie G-Park hatte ich mir jedenfalls immer gewünscht, als ich noch ein Auto hatte.
Für Twitter gibt es gleich 4 Apps Twittelator, Twitterific und Twinkle, letzteres sogar mit Anzeige der Tweets die aus einem wählbaren Umkreis von einer bis unendlichen Meilen gefiltert werden können. Einen AIM Client zum Chatten gibt es auch und seit heute sogar ein WordPress Tool um WordPress Blogs vom iPhone posten zu können, dafür müßte ich allerdings erstmal auf die Version WP 2.6 updaten. Multiclients wie Shozu, gibt es aber auch für solche Fälle, das nahezu alle Social Networks und Blogsoftware unterstützt und man also in alles unter einer Haube posten kann. Meine RSS-Feeds habe ich im vom Mac gewohnten NetNewsWire. Dazu gehört dann allerdings ein kostenloser Account bei Newsgator, wo man leidigereise seine ganzen Feeds eingeen und verwalten muß, von dort werden sie mit dem NWW des iPhones gesynct. Ich hoffte auf sowas wie einen OPML Export, mit dem ich meine Feeds aus NNW Mac zumindest auf Netgator hiefen können, aber nada, manuell heißt hier die Devise.
Eigentlich dachte ich ja, das ich auf dem Gebiet des GTD wahre Wunder erwarten könnte, schliesslich wurden die Erwartungen von diversen Anbietern im Vorfeld angestachelt, umso ernüchternder dann das Ergebnis, Omni Focus ist erstens viel zu teuer, knapp 100 Euro, um eine im Grunde tricky ToDo List syncbar auf Rechner und iPhone zu haben halte ich dann doch für ein bisschen over the top. Dann gibt es da noch Things, sowohl für den Rechner und für’s iPhone, dummerweise nicht syncfähig und Tasks doppelt eingeben müssen hat mit GTD herzlich wenig zu tun. Da muß wohl noch abgewartet werden, der Sync wurde bereits angekündigt
Was mir ursprünglich gar nicht so bewußt war ist, das man mit dem iPhone auch durchaus eine neue Gaming Plattform in der Hand hat. Ich bin nun nicht so der Gamer und mit einem kostenlosen Mahjong bin ich schon zufrieden zu stellen, aber Trism hab ich mir dann trotzdem gegönnt. Anstatt daddeln frickele ich lieber Beats und dafür eignet sich das bereits erwähnte BeatMaker erstaunlich gut. Um unterwegs oder beim Warten mal schnell, einen Beat hinzuzaubern hat das Programm alles an Bord was man so braucht, MPC Pads, Sequenzer, Exportfunktion und demnächst noch mit einer App, die das Laden von eigenen Samples und Drumkits zuläßt, aber auch mit den bereits mitgelieferten Sets läßt sich ordentlich arbeiten, für eine Phoneapp auf jeden Fall ein erstaunlich dicker Sound der da rauskommt!
Heute gab es dann wieder so eine unwiderstehliche Spaßapp, Shout it lässt lediglich vorher eingegebene Sätze in voller Breite wie bei einem Teleprompter über das Display wandern, ein “Make some Noise” das da drüberscrollt kann hat durchaus das Zeug zum Partyaufheller.
Mit der Akkuleistung kann ich leben, bei heftiger Benutzung lädt man übernacht auf, ansonsten bei normalem Gebrauch hält das auch schonmal 2-3 Tage durch ohne das man nachladen müßte. Die Kamera ersetzt mit Sicherheit keine Digiknipse, aber für schnelle Schüsse unterwegs, für Reminder oder für den schnellen Post zwischendurch reichen die 2 Megpixel allerdings aus. Nervig ist bislang noch das fehlende Copy & Paste und das Bluetooth für nix anderes taugt, als ein Headset anzuschliessen. Auch auf Besserung hoffe ich bei dem Syncprozess zwischen iTunes und dem iPhone, der dauert nämlich so lange, das danach der Akku wieder voll ist. Aber ansonsten gibt es bei der Hardware wenig zu meckern, wertig verarbeitet, liegt gut in der Hand und das Display ist hell und brilliant. Mir persönlich liegt der Appleansatz mit der Tastatur auf dem Touchpad sehr gut, besser jedenfalls als die meisten Mäusezahntastaturen anderer Smartphones, die man am Ende dann doch wieder mit einem Stylus bedient, weil sonst kaum ohne Buchstabenhavarie zu bedienen. Ich war erstaunt wie schnell man sich an virtuell Tippern gewöhnt, dauerte bei mir keine 2 Tage und man ist um einiges schneller als auf den üblichen Handytastaturen. Ob diese Eingabemethode für jeden ist wage ich zu bezweifeln, ich kann nachvollziehen wenn jemand meint er bräuchte Tastendruck, ich vermisse ihn jedoch nicht.
Vielen Drittanbieterprogrammen merkt man deutlich an, das sie mit der heißen Nadel gestrickt wurden, um möglichst gleich zur Eröffnung des Appstores dabei zu sein, mittlerweile kommen schon die ersten Updates und bügeln die gröbsten Fehler aus. Überhaupt ist die Entwicklung auf der Softwareseite erfreulich, es scheint als stürzen sich ganze Programmiererhorden auf die neue Plattform und die Hoffnung das das iPhone mal sowas wie der Newton 2.0 für mich wird, hat sich für mich auf jeden Fall mehr als erfüllt, gerademal wenn man bedenkt, das man ja gerade erst am Anfang der Appentwicklung steht. Man kennt das ja von Spielkonsolen, welche Sprünge die Games über die Jahre machen und Spiele geben vielleicht auch beim iPhone einen Ausblick auf das was da noch möglich und drin ist. Ich bin wie gesagt kein Gamer, aber die Screenshots überzeugen, das das iPhone noch zu ganz anderen Leistungen fähig sein könnte, als was da bis jetzt rausgekitzelt wurde.
Das iPhone ist für mich in etwa das Gerät, von dem man zu Cyberpunkzeiten geträumt hat, der Newton hat damals versucht das Möglichste zu seiner Zeit in dieser Richtung zu vereinen und das ist mit dem was heute möglich ist kaum noch zu vergleichen, das geht mit Farbdisplay los und hört bei W-Lan und GPS noch lange nicht auf. Location Based Services stehen gerade erst am Anfang, Twitter ist wie für das iPhone erfunden und auch RSS-Feeds hat es zu Newtonzeiten auch noch nicht gegeben.

Disclosure: Ja, ich weiß das das iPhone kein billiges Vergnügen und das die Telekom eine Klitsche ist. Mir ist auch klar das das iPhone nicht das Handy für jeden ist, aber von all den Smartphones die ich mir angesehen habe erschien mir das iPhone nach wie vor die schlüssigste Lösung und warum einen Clon erwerben, der dann doch nur das Original kopiert und am besten so ist wie das iPhone, nur eben kein Apfel drauf, aber häßliches Windows mobile drunter ist?

Kommentare (16) Schreibe einen Kommentar

  1. danke für das ausführliche review!
    insgesamt ist das iphone wirklich ein teurer spaß, allerdings erhält man auch einigen mehrwert im vergleich zu anderen geräten. die vertragsbedingungen der telekom finde ich daher auch in ordnung, denn anderswo bekommt man dieselben leistungen nicht billiger. und nur dann lohnt sich ein iphone wirklich. wer sich sagt, er surfe nicht mit dem handy im netz, der braucht auch kein iphone.
    ich brauche es zum beispiel nicht. ich habe ja noch nicht einmal eine kamera an meinem handy…
    was ich mich schon länger frage: warum läuft das syncen eigentlich über itunes? gibt es dafür einen logischen grund? kommt mir so vor, als wäre das programm langsam etwas überladen mit musik, videos und filmen, podcasts und radio, store und iphone-synchronisation. ist es denn wenigstens brauchbar gelöst?

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  2. Das das Iphone dicke ist, weiss glaube ich jeder, aber wie sieht es genau mit dem Preiss aus? Ich verlange nicht, dass du jetzt hier die Telekomliste rauf und runter seierst. Aber mich würde (undezenterweise) intressieren welchen Tarif du hast, ob du da für deine Macs zuhause nochmal extra Internet brauchst und Telefonanschluss, oder ob du praktisch alles mit dem Iphone handeln kannst, d.h. Intenet mobil, zuhause, festnestz, mobil…wäre nett von dir zu wissen….

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  3. Habe heute gehört, dass es dass Iphone in Italien seit dieser Woche in Vodafone shops zu kaufen gibt. Ohne Lock und Ohne Vertrag! Kostet wohl 560€ . Dass heisst, man kann es dort kaufen und eine beliebige Simmkarte reinstecken… Ein Bekanter fliegt Samstag hin und will es ausprobieren, dann werden wir mehr wissen. Wenn das klappt, bin ich auch dabei 8-)

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  4. @andi c: das sind aber topaktuelle news! ;-) kriegste auch aus belgien und der schweiz, aber ich finde den preis recht hoch, abgesehen von dem gedrösel, was einem da unter umständen droht

    sooo teuer finde ich den spaß gar nicht mal, ich habe den complete m tarif genommen, macht im monat 49 € incl. datenfaltrate die ab 300 mb gedrosselt wird, die gilt aber nur für 3g, alles was über w-lan oder hotspots geht, für die man ebenfalls kostenlosen zugang hat, zählt nicht dazu. von daher denke ich, das ich mit meinr nutzung ganz gut damit hinkomme, habe bis jetzt nichtmal 50 mb gesaugt mit dem teil. ansonsten kommt die summe in etwa hin, mi dem was ich bislang monatlich ohne die 3g services gezahlt habe und 100 freiminuten telfonieren reichen mir für gewöhnlich dicke. das iphone hat mich 169 gekostet.

    in der tat ist es quatsch sich ein iphone zuzulegen und dann nicht zu surfen oder die ganzen web 2.0 spässe mitzumachen. ich muß auch sagen, das mich vorher bei einem handy der ganze andere kram nullstens interessiert hat, was aber auch daran lag das weder display, noch bedienung der sache gerecht wurden. das ist definitiv miot dem iphone zum ersten mal in einer weise umgesetzt worden, das es auch sinn macht.

    zu itunes: verglichen mit der ersten version ist das natürlich ein monster geworden, aber hier läuft das alles hervorragend ineinander, der sync dauert mir persönlich etwas zu lange, aber dem rest tut das keinen abbruch. warum apple diesbezüglich alles in itunes bündelt entzieht sich meines wissens, aber ich denke mal is besser als noch’ne app und da das ding ja gleichzeiotig als ipod fungiert, liegt’s nahe

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  5. Grmpf, dass Du das nun schon wieder wusstest, hätte mir eigentlich klar sein müssen ;-) In der Schweiz gibts die Dinger aber nicht ungelockt.

    Im Prinzip hast Du ja recht, es ist nur so dass ich keinesfalls was mit der Telekom zu tun haben möchte….

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  6. will ich damit nicht sagen, nur das immer vieles so hingestellt wird das apple´s software nicht angreifbar ist, hätten aber mehr leute einen appel würde es auch mehr script kiddies geben….

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  7. also wenn leute sich mit ihren apples paaren kommen scriptkiddies raus?
    zudem, is doch schön, das man apple’s software nur anders hinstellen muß und schon ist sie nicht angreifbar, super sache das! hätte auch mal einer vorher drauf kommen können ;)

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  8. sorry, askimet hatte die kassiert. well, die eine meldung besagt das sicherheitslücken gestopft wurden und die andere ist vom letzten jahr…

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  9. >>Es ist jetzt anderthalb Wochen her, das mir das handschmeichelnde Wunderding vom Postboten an die Tür gebracht wurde

    wie hast du das eigentlich hinbekommen? neukunde? mir wurde als bestandskunde nämlich bis zum 11.07. jeder versuch, vorher zu bestellen verwehrt und als ich am 11. morgens im call center anrief, konnte ich mir natürlich nur noch eine tüte bedauern abholen und die zusage, daß in 14 tagen spätestens nachgeliefert wird.
    und selbst das wurde gestern erstmal auf ‘unbestimmt’ revidiert.

    muh.

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  10. jep, neukunde und gleich an tag 1 bestellt als es möglich war, da wurde versprochen, das die ersten 1000 besteller das iphone auf jeden fall amm 11.7 bekommen würden :)

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  11. dann gratulier dir :) bei mir wurde jetzt eben irgendwas von ‘august (anm. d. red.: geht ja noch) oder september’ gesprochen. die ham nerven.

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