Thema der Woche 48 – Technoide Schätze – rares Vinyl, analoge rare Synthies, phantastische Effekte, gerettete DATs, legendäre Mixe

Schätze! Schätze sind ja sowas von relativ! Ich kenne einige die glaubten ihre analogen Schätze wären ihre persönliche Rentenversicherung, seien es Platten oder Dinosaurier des Synthiewesens, mag auch sein das einige Raritäten durchaus das Zeug dazu haben in klammen Zeiten auszuhelfen, aber ich sag mal das Gros der analogen Steinzeit überlebt ja nicht mal die Gegenwart, oder wer hat noch ein funktionierends DAT-Gerät zuhause stehen? Siehste! Ich möchte das nicht als Unkenruf verstanden wissen, aber über kurz oder lang wird das mit Vinyl und anderen jetzt noch gehorteten Schätzen ebenso ergehen oder glaubt hier einer das Schallplatten in, sagen wir mal 20 Jahren, noch einen Wert besitzen der den ihres Ölinhalts übersteigt? Man schaue sich nur die Schellackangebote auf den Flohmärkten an. Ok, damit hätten wir das mit dem materiellen Wert durch, der ideele Wert ist ist natürlich was ganz anderes, aber aber auch hier gibt es Auffälligkeiten. So sehr ich auch suche, ich finde kein Vinyl aus diesem Jahrtausend an dem ich hängen würde, das sieht mit den Schätzen aus meiner Industrialzeit oder den Technoanfangstagen ganz anders aus. Meine SPK Leichenschrei mit Originalcover aus Australien, meine Test Dept Beating The Retreat Box oder meine Gherkin Jerks Maxis und Cyberpunks “What U Been Missing” würde ich für kein/kaum ein Geld der Welt eintauschen, da hängen Prägungen und Wurzeln dran. Von daher kann ich schon nachvollziehen wenn einem das mit seiner 909 oder seinem Jupiter ebenso ergeht, allein mir ist der Faible für Materielles auf diesem Gebiet, ebenfalls so um die Jahrtausendwende, abhanden gekommen.
Im Unterschied zu Mixen, Vinyls und anderen Dateien hat Studiohardware den Vor-oder Nachteil das sie nicht so ohne weiteres zu vervielfältigen ist, dennoch begrüße ich es, wenn Firmen sich die Mühe machen und Prophets, Junos oder Minimoogs als Plugin anzubieten, um diesen prägenden Instrumenten auch im aktuellem Umfeld Relevanz zukommen zu lassen. Relevanz zeigt sich heute schliesslich in möglichst maximaler Verfügbarkeit. Deshalb sage ich jetzt mal etwas vielleicht auf den ersten Blick paradoxes und in vielen Ohren sicherlich ketzerisches: Konsequenterweise müßte man solche Sachen sogar wie blöde ins Internet seeden, auf das sie sich verbreiten und auf zig Rechnern gesichert werden, nicht nur falls die eigenen Sicherungen und Backups mal abrauchen, sondern eben auch um deren Wert zu erhalten. Nicht den materiellen, sondern den ideelen. Tracks und Mixe die noch im Umlauf sind haben die Chance auf aktuelle Produktionen oder den Massengeschmack einzuwirken, während nichtdigitaleTracks und Mixe über kurz oder lang in Vergessenheit geraten. Wäre doch schade wenn ausgerechnet die schönsten Dinge aufgrund materieller Werte ihre Relevanz verlören, weil sie keiner mehr kennt, weil sie auf einem toten Medium gefangen sind

Kommentare (18) Schreibe einen Kommentar

  1. Uih, da geht aber jemand mit der altehrwürdigen Technik arg ins Gericht – klingt ja schon fast ein wenig verbittert… :/

    Hmm, aber wenn ich das Thema richtig verstanden habe ist hier wohl weniger der monetäre als der ideelle Wert gemeint.
    Und was den betrifft, denke ich das es den ein oder anderen gibt, der diese Geräte/Platten auch in 20 Jahren noch zu schätzen weiß.
    ein gutes Beispiel ist sicher die gute, alte Roland TB-303.
    Viele,(mir inklusive,) würden sonst was hergeben um eines dieser Geräte zu bekommen;
    und zwar nicht unbedingt des Sounds wegen – ich denke dafür gibt es heuer genügend VSTi’s die den Job ebensogut verrichten und kaum noch vom Original zu unterscheiden sind (auch wenn die Soundpolizei da anderer Meinung ist).

    Aber nichts desto trotz sind es die Originale, die nunmehr seit über 40 Jahren die elektronische Musik prägen, und ich denke das genau diese (akustischen) Schätze hier gemeint sind ;)

    Antworten

  2. wenn man die alten mixe von kassette digitalisiert und ins netz stellt,dazu noch die tracklist, dann kommen über discogs die
    großen nachfragen nach denn platten und der wert steigt ;)

    Antworten

  3. Ich muss Tanith zustimmen, der materielle Wert analoger Schätze wird in den allermeisten Fällen den ideellen Wert nicht übersteigen oder erreichen. Und ja, diese Schätze sollten auch in digitaler Form einer möglichst breiten Masse zugänglich gemacht werden. Sei es nun das alte Vinyl oder die alten Synths, die in digitaler Form plötzlich Leuten zugänglich sind, die sonst nie darüber gestolpert wären. Es wäre schade, wenn das alles irgendwann in Vergessenheit gerät. Wer hat nicht schon irgendwelche Platten oder Geräte verkauft oder verschenkt und sich hinterher darüber geärgert. Vom wegschmeissen will ich gar nicht erst reden…
    Zu den “Schätzen” an sich kann ich nicht viel beitragen. Ich weiß gar nicht, wieviele Mixtapes ich irgendwem mal “ausgeliehen” habe. Da wären sicher auch einige Raritäten dabeigewesen. Wo mein alter Atari STE gelandet ist, will ich gar nicht erst fragen. Die paar Synths wurden meist bei Umzügen verkauft/verschenkt. Ich denke, die Erinnerungen an diese Zeit sind mir weit wichtiger. Als Schätze würde ich auf jeden Fall auch die Platten sehen, die meinen Musikgeschmack geprägt haben und vermutlich (hätte ich je eine besessen) eine 303, 808, 909, etc.

    Antworten

  4. @Vincent Maviba: verbittert? wie kommste denn darauf? das klänge sicherlich anders.

    @arzt: geeeennau ;)

    @DerCliff: ich sehe wir sind da einer meinung :)

    Antworten

  5. @tanith

    …allein mir ist der Faible für Materielles auf diesem Gebiet, ebenfalls so um die Jahrtausendwende, abhanden gekommen.

    na der Satz hat mich ein wenig nachdenklich gestimmt. War das nicht so um die Zeit in der es dir mal nicht so gut ging?

    Antworten

  6. Nein, das hatte damit herzlich wenig zu tun. Das fing eher mit der Audiokarte und den ersten Plugins und insbesondere dem EX24 Sampler in Logic an, dann noch Napster und ich wußte wohin die Reise hingehen würde. Dann kamen die ersten Laptops mit 1 Ghz Prozessor raus, ab da war das Studio für unterwegs Realität geworden und die ganze Hardware mit ihren Macken, Kabelsalat und Studiogebrumme antiquiert für mich. Ich trauere nicht einem Gerät hinterher und die Flexibilität und Ortsungebundenheit wiegt jedes Gramm Hardware für mich auf. Der Kram war zudem sauschwer und gelegentliche Studioumzüge konnten den ideelen Wert auch nicht unbedingt steigern. Selbiges mit Platten z.b., ich fand das ziemlich faszinierend wie sich damals Tauschbörsen entwickelten und bald war klar, das das File die Scheibe ablösen würde. Für den normalen Musikliebhaber war oder ist das doch das Paradies schlechthin, alles verfügbar! Und auch wenn ich mir zu der Zeit noch nicht hätte vorstellen können digital aufzulegen, war doch klar, das die Platte oder CD damit ausgedient hatte, die eitere Entwicklung würde eben auf dem digitalen Sektor liegen und wenn man so mit einer HD mit vielleicht genausoviel Musik wie in den Plattenschränken in einer Hand halten kann, die per Suchfeld auch noch schneller wieder zu finden ist und beim Umzug wortwörtlichin der Hosentasche mitzunehmen ist, dann sag ich gerne schön war die Zeit damit, ich möchte sie nicht missen, ich hänge aber auch nicht dran und weine ihr Tränen nach, das was gerade passiert ist mindestens genauso spannend.

    Antworten

  7. @tanith dennoch lässt moderne brummfreie digitale equipment das “haptische vermissen”, drehen an potis und die zufallseffekte, wenn man sich angetörnt von whatever beim sequenzing verhaspelt….
    außerdem vermisse ich bei mp3 cover art und den geruch von frischem vinyl….mp3s haben sowas von sex mit kondom ….
    auch ein technics 1210 hat trotz seiner nachteile eine gerade zu magische aura, gerade im dunkelen eines clubs…

    Antworten

  8. Also ich finds ziemlich interessant, was gerade über Discogs so abgeht, wenns um seltene oder extrem begehrte Platten geht. Ich sag da nur mal Quiet Village oder Bernard Badie. ;) Das sind dann zwar alles extreme Plattendigger, die wahrscheinlich wirklich zu der Unterzahl gehören, aber wie ich das so mitkriege, hängen immer noch sehr viele an der Schallplatte (mich eingeschlossen).
    Was aber die Möglichkeiten betrifft ein komplettes Studio auf einem Rechner zu haben, ist das ntürlich ein riesen Vorteil. Ich will mir demnächst zwar trotzdem auch mal ein paar analoge Sachen (zusätzlich zu meiner 303) besorgen um das alles dann mal zu kombinieren. Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema. ;)
    Achja, und was alte MIxtapes betrifft, die hör ich im Moment wieder mal alle durch. Da sind echt ein paar gute alte Goamixe dabei oder diverse Radiosendungen mti Marcos Lopez, Evosonic und alte Maydayaufnahmen, sogar ne Rave Sattelite Sendung mit Tanith. ;)
    Muss echt mal gucken, wie ich die am besten aufn Rechner überspielen kann.

    Antworten

  9. @wolke909: Das Thema Haptik ist aus meiner Sicht keins, denn es gibt genug Controller-Hardware heutzutage. Meist sogar mit mehr Potis und Tastern usw. als die “Originale”. Gerade das sehe ich eben als großen Vorteil: ich kann mit einem Controller so gut wie alles steuern, sei’s der Soft-Synth, der Effekt, der Mix oder der Sequencer. Mit richtiger Hardware würde das viel Platz fressen und außerdem ist das Geschrei groß, wenn mal das Lieblings-Motivationsgetränk über den Synth kippt. Zufallseffekte gibts auch mit der Software, egal ob man sie nun über einen Algorithmus erzeugt oder ob man aus Versehen mal den falschen Button klickt. Ich bin mit Hardware groß geworden, aber mittlerweile ein großer Fan der Softwarelösung.
    Langer Rede kurzer Sinn: Jeder sollte sich beim Produzieren oder Auflegen wohl fühlen, sei es nun mit den alten Schätzen oder den neuen.

    Antworten

  10. ich bin mir noch nicht sicher ob es wirklich eine komplette ablösung geben wird. denke eher es wird alles sehr viel paralleler ablaufen. die plattenspieler werden bleiben, die cd-player und die läppis eben genauso dazugehören.

    ich hab das mit den cds jetzt sein lassen – schon wegen der materialien. files & vinyl. und letzteres – ich mag die auch als sammlung gerne dastehen haben. ist sowas handfestes. eben – ne gefühlssache.

    und was die anderen maschinchen angeht – es wird immer jemanden geben der den alten scheiss vergöttert. die werden immer auf der suche nach einer weiteren steckdose sein. und dann gibts die, die das ganz gut verbinden – weil es sie nicht stört und sie beider vorteile haben wollen. liveacts die eher als bands durchgehen zum beispiel. gestern aufm konzert: M83 – halbes schlagzeug analog, halbes elektronisch, gitarre, bass, synthies, döpfer, mac – da isses eh wurscht. kabelsalat & heizen via netzteile.

    anfangs war ich schon skeptisch, wenn da jemand nur mit läppi dastand – macht der jetzt echt was? is doch alles “playback”. aber seit ich die weiten von ableton und co. durchstreife – geil. (irgendwie bekomm ich grad das bild nich ausm kopf wie xol dog seine tracker-orgie übern mac abfeiert… *grins*)

    alles bleibt anders.

    Antworten

  11. Die Geschichte wird es zeigen. Wer welches Objekt auch immer nur Kauft und es als Wertanlage betrachtet, hat mit dem eigentlichen Objekt doch nichts wirklich am Hut. Sammler aus Leidenschaft, sammeln und diese Sammlungen werden legendär und somit manchmal auch zu einer Kapitalanlage, aber nur weil sie als solche nicht gedacht waren. Es ist sehr Kurzsichtig das Ende der Schallplatte herbeizureden, diese wurde schon einmal Totgesagt, vor fast 30 Jahren mit der Einführung der CD. Die Techno DJ liesen die Totgesagte wieder aufleben und plötzlich erinnerte man sich in den High Fidelity Kreise wieder ihrer Qualitäten, mit aller ihre Nachteilen. So war es auch mit den alten Synth. 303 wurden Ende der Achtziger für 50 Dollar verscherbelt…Es wird immer Menschen geben, die sich Totgesagten Produkten annehmen und sie Leben lassen und sie Pflegen und Hegen. Selbst Dampflokomotiven fahren noch, unzählige Topproduzenten schwören auf ihre 24 Zoll Bandmaschinen…..Ich persönlich kann mir Analoges nicht leisten, also habe ich die Derivate, wenn ich das nötige Kleingeld hätte? Wer weiss! Einen Waldorf Wave hätte ich sicherlich! Ich lege noch mit Vinyl auf, eine bessere Lösung gab es bis jetzt nicht…aber ich warte….

    Antworten

  12. @wolke909: das mit der Haptik sehe ich da eher wie Cliff, ich kann mir den Controller belegen wie ich es brauche, wenn ich da an so manche Menüstepperei an Hardware erinnere…
    @wolke909 & DoctorBenway: Bei Vinyl gebe ich recht Haptik und Handling haben schon etwas besonderes und das Esase of Use ist nach wie vor ungeschlagen, wird aber nicht so bleiben und für mich wiegen die Vorteile des Vinyl die Vorteile des Digitalen mittlerweile nicht mehr auf, aber jeder nach seiner Facon, es gibt immer noch genug Gründe die für Vinyl sprechen und wer damit auflegen will und besser damit klarkommt soll auch damit auflegen, keine Frage.

    Antworten

  13. @tanith speziell die frühen breaks und die englischen house sachen aus den 90ern, kennt hierzulande von den 1985 + jahrgängen niemand mehr….ich glaube übrigens das musik weiter auf datenträgern verkauft wird, sei es speicher chips oder blue ray discs oder ähnliches…bei reiner online vermarktung würde die musikindustrie irgendwann daran nichts mehr verdienen, und sie wird es verhindern…ich denke musik wird aus kommerziellen gründen weiter ein physisches format haben….die haptik wird sich verbessern….aber ich finde emotional einen deck widzard besser als einen laptop dj….ich denke eher das es abriebfreie laserabtastsystem für vinyl geben wird ….eines tages….auch wird die sichtkontrolle leds verlassen und holoprojektionen in 3d einmünden….

    Antworten

  14. Gerade weil alles und dann noch für lau ein Mausklick entfernt ist, interessiert und befriedigt es mich nicht mehr.

    Ich kaufe zwar weniger aber wenn dann nach wie vor CD/ Vinyl. Ich höre viel Radio, gehe dann ins Netz zwecks Info und Vorhören, entdecke Verwandtes, dann entscheide ich mich für den Schatz fürs Regal. Das hat auch was mit Wertschätzung zutun.

    MP3/ iTunes betrachte ich eher als nützliches Add-on, nicht als Ersatz. Ich glaube nicht, dass man mit MP3, so wie das heute Stand der Dinge ist, Geld verdienen kann. MP3 ist zwar ein geniale Erfindung aber ein Fortschritt ist es nicht. Ich bin für 24bit/ 96kHz Tonträger und hochwertige DMM Vinyl-Pressungen ;)

    Antworten

  15. die letzten Jahre war der Laptop mglw. das prägende Tool. Zukünftig wird es aber
    immer mehr Leute geben, denen die Qualität über die Quantität geht. Ich habe mit Plugins angefangen zu produzieren (NI, dp16, usw.) und der Sound war i.V.z. realer Hardware (analog/digital) extrem aggressiv, steril, künstlich und mit wenig Druck. Oftmals funktionieren die plugins auch nur mit ensprechenden Effekten und der sweet-spot ist extrem klein. Daher flogen bei mir die ganzen plugins wieder aus dem entsprechenden Ordner. Für manche Bereiche (D&B, Dubstep usw) mag der Rechner ja die bessere Alternative sein für klassischen Techno/House oder Elektro taugt er mE nur als Sequenzer. Zugegeben reale Hardware ist teuer und aufwändiger aber dafür wäre uns viel Schrott erspart geblieben, der in den letzten Jahren so produziert worden ist. Vielleicht wären auch die Verkäufe nicht so eingebrochen, wenn es mehr um die Qualität als um Schnelligkeit und beliebige Reproduzierbarkeit gegangen wäre…
    So bleibt wenigstens dem Underground die Möglichkeit wieder dort anzufangen, wo viele der sog. “Techno Star DJs/Produzenten” aufgehört haben.

    2 Fragen möchte ich noch stellen:
    a)
    warum haben wir den aktuellen Zustand, dass alte Geräte in Software nachgeamt werden, wenn man die Originale zum gleichen Preis auf Ebay bekommt und diese noch dazu besser klingen ?

    b)
    warum stehen soviele Künstler auf den payrolls der Software-Unternehmen und preisen diese tolle Software, wenn Sie
    es eigentlich besser wissen müssten ?

    @tanith:
    eine geringere Softwaregläubigkeit wäre manchmal ganz gut. Apple ist nicht das Paradies und Nachbildungen der Roland xOx für das i-Phone sind wirklich peinlich.

    Antworten

  16. Hm, das wandert alles leicht off-topic…

    @wolke909: das Phänomen mit den ’85+ Jahrgängen hab ich auch schon bemerkt. Meine Vermutung: Irgendwie konnten (wollten?) “wir” diese Musikkultur nicht richtig weitergeben. Ein Versäumnis?
    Ich glaube übrigens auch nicht, dass Vinyl irgendwann ausstirbt. Es wird nur mit der Zeit immer weniger Leute geben, die richtig gut mit Vinyl auflegen können. Eine Weiterentwicklung der Technik sehe ich in diesem Bereich allerdings nicht, da für die Industrie der Markt zu klein ist. Es wird sicher immer wieder kleinere Verbesserungen geben, aber ich denke, dass man auch in 10 – 15 Jahren noch einen Tonarm mit Nadel in der Spitze auf eine sich drehende Vinylscheibe legt.
    Ob nun der physikalische Verkauf von Tonträgern irgendwann eingestampft wird, möchte ich nicht abschätzen. Die kommerziellen Gründe für physische Tonträger sehe ich zwar momentan noch, aber für die Zukunft könnte es eng werden. Es bleibt spannend!
    @Resistance_88: Natürlich vereinfacht Software viele Dinge und ist eben nur eine Simulation. Allerdings eine sehr gute, wie ich finde. Zugegeben, wie die originale klingt sie nicht, aber durch Effekte kommt man auch da sehr nah dran. Als ich 1991 angefangen habe, elektronische Musik zu machen, klangen die meisten Produktionen im Bereich Techno nicht viel besser. Meist wurde in der Garage, im Keller/Abstellraum oder gar im eigenen Schlafzimmer produziert. Wenn irgendjemand im Haus das Licht angeschaltet hat, hat man das bis hin zum Master gehört. Hatte eine MIDI-Buchse ‘nen Wackelkontakt, hat man sich totgesucht, bis man den Fehler gefunden hat. Meistens hatte man 2 – 3 Synths, nen Mixer und ein paar Effekte. Der ganze Kram hat gerauscht, geknackt und Unmengen an Strom gefressen. Heute kann man ab der Idee alles an einem Rechner umsetzen. Ich finde das toll. Natürlich hat uns das auch Unmengen an In-5-Minuten-Zusammengeklickter-S******* in den Charts beschert. Na und? Man muss es ja nicht kaufen.
    Wer seine Musik auf Hardware produzieren möchte, der kann das weiterhin auch gern tun. Ich halte die aktuelle (aber auch einige der alten) Hardware für absolut brauchbar und akkustisch sehr attraktiv. Ob’s nun der gebrauchte aus dem Netz oder der neue aus dem Musikfachhandel ist. Viele Leute schwören drauf und haben ihre Gründe dafür. Ich habe zum Beispiel auch noch kein wirklich gutes Kompressor-Plugin gefunden.
    Mal im Ernst: wer weiß denn heutzutage noch, wie Klangsynthese funktioniert oder was genau ein Kompressor macht? Viele sind es sicher nicht.
    Vielleicht ein etwas schräger Vergleich, aber in den Anfangstagen wussten die Piloten noch, wie ihr Flugzeug funktioniert, bis ins kleinste. Die hätten die Kisten auch selbst wieder zusammenbauen können. Heutzutage weiß das allerdings kein Pilot mehr. Er muß es aber auch nicht wissen, sondern nur die 200 Sauftouristen nach Malle fliegen.
    Ähnlich sehe ich das mit Musiksoftware. Es ist vieles einfacher geworden, aber auch der Charme aus den Anfangstagen ist auf der Strecke geblieben.
    Was die Verbindung zwischen Softwareunternehmen und Musikern angeht, will ich nicht spekulieren, schließlich stehe ich als “Musiker” auch auf der Payroll eines Softwareunternehmens. Allerdings stellt das Unternehmen keine Musiksoftware her. ;)

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.