Thema der Woche 58: Welche Mixe, Auftritte, Private Sessions von und mit sich liegen Tanith besonders am Herzen UND warum?

Nun, “am Herzen liegen” ist ja schonmal ein recht verquerer Einstieg in die Materie dessen was einem memorabel oder prägend erscheint. Am Herzen liegen Adern an, später vielleicht noch Herzschrittmacher und im Sinne von favorisierten Erlebnissen muß man unterscheiden zwischen Ereignissen die so toll sind das man sie nie wieder vergisst und die andere Seite der Medallie sind Begebenheiten von denen man nicht ahnen konnte das sie so grandios in die Hose gehen. Wobei letztere natürlich das größere Belustigungspotential haben, leider erst im Nachhinein. So ist es heute sicher amüsant zu berichten wenn ich nach 2 Gigs in Folge vom Flughafen Düsseldorf aus per Taxi nach Dortmund fuhr um einen dritten in einer Afterhourkaschemme abzuliefern, nur um dann vor verschlossener Tür zu stehen und keiner ist erreichbar.
Des einen Leid ist des anderen Freud, nicht nur die des Lesers, sondern in diesem Falle auch die des Taxifahrers, der mich die ganze Strecke auch wieder zurückfahren durfte und somit sicherlich die Schicht seines Lebens fuhr. Ähnlich durfte sich wohl der Taxifahrer in Dresden gefühlt haben, als ich ihm nach einem Auftritt mit Genesis P.Orridge auf die Frage “Wohin soll’s den gehen?” Berlin antwortete und er erstmal seiner Frau bescheid sagte, seine Freude konnte der nur schwerlich verbergen. Die Knallcharge von Tourmanager hatte nämlich an allem gespart und zu allererst am Comfort, Hotels waren keine geplant wie ich an dem Abend erst erfuhr. Dann lieber zurück nach Berlin und im E-Werk noch ordentlich abkotzen können darüber, wie scheiße Tourplanung außerhalb von Techno aussieht.
Oftmals sieht alles auch zuerst ganz gut aus, wie z.B. bei diesem Gig in Limburg, das ich schon als gute Feierecke kannte und unbedarft zusagte. Erst als mich der Abholer nicht in einen Club fuhr, sondern immer tiefer in den Taunus, wußte ich das irgendwas nicht mit meiner Vorstellung von cooler Gig zusammenpasste. Der Veranstalter empfing mich dann an einer mit Vereinszelt überdachten Campingfeuerstelle, die er mir vorher als Club ausgegeben hatte und war dann auch noch so dreist mir zu gestehen, das ich ja sowieso nicht zugesagt hätte wenn er mir die Wahrheit gesagt hätte. Man macht dann immer noch das Beste daraus, legt für die paar Hanseln auf die da extra wegen einem hingekommen waren, aber der unter diesen Umständen nur im Mü-Bereich vorhandene Spaß geht dann vollends ab, wenn mitten im Set angesäuerte Polizisten vor einem stehen, die einen für den Verantwortlichen oder Rädelsführer halten und unfreundlich und bestimmt Einhalt gebieten. Die Chose war dann sehr schnell beendet und was fällt dem Knallkopp von Veranstalter daraufhin ein? “Ey, Tanith, sorry, is scheiße gelaufen, aber bei mir zuhause geht’s jetzt noch weiter, da kannste noch weiter auflegen” umgeben von verpeilten Honks die nur auf positive Antwort warteten, die aber von mir nicht kam. Was das Auftreiben eine Fahrers der mich zurück nach Frankfurt fuhr auch nicht einfacher machte, tatsächlich war auch keiner wirklich in der Lage Auto zu fahren.
Aber natürlich gibt’s auch die andere Kategorie, Auftritte die einem in Erinnerung bleiben weil man so geflasht ist. Meine erste Universe in UK fällt z.B. in diese Kategorie, nicht nur weil ich das erste mal in England auflegte und dann auch gleich in solch großem Rahmen, sondern eben auch weil es so anders war als das was ich bisher aus Deutschland kannte, darüber hatte ich ja schon hier berichtet. Die erste Nature One, die noch auf dem heutigen Flughafen Hahn stattfand und auf die wir von Tempelhof direkt auf’s Gelände geflogen wurden bleibt natürlich ob ihres doppelten Firstcharakters auch ewig in Erinnerung. Rave & Cruise war auch so eine Sache die man wahrscheinlich noch seinen Enkeln erzählen wird, 5 Tage lang 100 Leute Fear & Loathing im Mittelmeer, including einige unsicher gemachte Inseln wie Malta und Ibiza. Über die Jahre gab es da noch einige denkwürdige Events, die jeweils auf ihre Weise besonders waren, ursprünglich hatte ich ja deswegen mit den Tourberichten angefangen, die ich einige Jahre schrieb und die beim Transit des Blogs auf WordPress noch nicht den Weg rüber geschafft haben.
Seit 91 gab’s dann auch noch die ganzen Afterhours, erst in den Clubs und dann ging es oft privat zuhause weiter. So auch bei mir, wo dann manchmal bis zu 15 Leuten bei mir bis in den Montag hinein im Kreuzberger Dachgeschoss kein Ende fanden. War zwar immer wieder lustig, ich habe noch irgendwo das Gästebuch rumzuliegen, das ich damals gerne mal in die Runde reichte und was da an verpeilten Verewigungen zusammenkam müßte ich auch mal scannen und in Auszügen hier reinstellen, was für ein Zeitdokument. Allerdings hinterließen diese Exzesse deutliche Spuren in der Wohnung, die den Auszug ein paar Jahre später recht teuer machten, Teppichboden ist auf Dauer nicht afterhourgeeignet.
Mixe habe ich über die Jahre so viele gemacht, das da keine wirklichen Favoriten rausstechen, der Neueste ist eigentlich immer der Beste, aber irgendwie Stelle ich bei mir immer wieder fest, das ich Mixe am liesten mag, wenn ich mich in einen Stil neu reintue und man rumexperimentiert wie was zusammenpasst und am Ende selber überrascht ist, was man da für eine Geschichte zusammengemixt hat. Mixe die ich immer mal wieder vorkrame sind z.B. Tanithmix Vol.XI#01 mit meinen Bleepfavoriten und mein erster 2Stepmix Tanithmix Vol.XI#04 oder auch die MIX CD “Illegal Vol.1” auf der ich für DJ-Sets.com mal 2Step und Breaksgarage zusammengemixt hatte. Die Dubstepmixe vom letzten Jahr sind auch solche Dauerburner, hoffentlich kann ich das von den beiden Mixen die gerade entstehen in einem Jahr auch noch behaupten ;)

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