Kurzreview: Premiere “Von wegen – Off Ways”

Uli M. Schueppel hat vor 20 Jahren die Einstürzenden Neubauten zu ihrem ersten Gig in Ostberlin begleitet. Das war also kurz nach dem Mauerfall und somit noch zu Zeiten, als die DDR zwar schon untergegange und die Mauer weg war, aber dennoch zwei Deutschlands existierten. Die Fahrt vom Cafe M in der Schönebergr Goltzstr., damals der Hotspot der Westberliner Szene, wo auch ich täglich abhing, zur Elektrokohle Lichtenberg und die surreal skurille Situation der letzten Mauerwehen am Grenzübergang machen dann auch den eigentlichen Plot des Filmes aus.
Mein Freund Alex war damals bei dem Konzert in der Elektrokohle dabei und gibt neben anderen Zeitzeugen seine Erinnerungen an das denkwürdige Ereignis zum besten. Dazu hat der Regisseur die Leute von den Orten, von wo sie damals zum Konzert anreisten, nochmal auf der Reise zum Konzertsaal begleitet und dabei interviewt.
So kam es also, das ich einen Film über eine Location sah in der ich schonmal aufgelegt hatte (Elektrokohle Lichtenberg), in einer Location, in der ich schonmal aufgelegt hatte (Kino International). Anno 91 war die vielleicht größte von allen Tekknozids in ebendiesem riesigen Saal des Kulturhauses des VEB’s.
Ich war seitdem nicht mehr da und war genauso platt wie die meisten Interviewten, als ich sah was aus dem so geschichtsträchtigen Saal geworden ist, ein Mülllager oder Billigstflohmarkt. Das einstige Foyer ein Nagelstudio. Man kann also wirklich nicht mehr behaupten, das das Verkommenlassen von Gebäuden eine Ostspezialität wäre,
Historisch machte diesen Auftritt allerdings nicht nur die Premiere der Neubauten im Osten, sondern auch der Umstand, das am gleichen Tag eine Delegation vom damaligen französischen Präsidenten Mitterand in Berlin weilte um sich über die Umstände zu informieren, was dazu führte, das Heiner Müller und Teile dieser Delegation, unter anderem den Kulturminister Jack Lang, auf dem Konzert auftauchten.
Ein schönes Zeitdokument um die Wirren zu dieser Zeit und was für Resultate diese tätigten, die vorher und später kaum noch in dieser Form denkbar waren.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. ja, Andrew hatte mich noch ne Stunde vorher dorthin “zitiert” und da kann man nicht nein sagen als Sekretär. Aber ich finde es schon sensationelll, dass ihm der Anzug auch nach 20 Jahren noch tadellos passt, die übrigen Herren sind ja schon etwas “kräftiger” geworden ;-)

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