Thema der Woche 71: Digitales DJing- Tips+Tricks für Einsteiger

Eigentlich sollte man sich bei diesem Thema mit Ratschlägen und Tips ja eher zurückhalten, denn die Tage des einen Setups für alle sind ja gerade durch die Digitalauflegerei zunehmend angezählt und jeder hat die Möglichkeit, das passende für sich herauszupicken. Während früher zwei oder drei 1210er und ein Mixer der globale Standard war, hat man heute die Wahl zwischen CD Decks, laptopbasierten Systemen, Komplettsystemen mit iPodanschuss und es kommen ständig neue Varianten dazu. Jemand der schon vorher mit Vinyl aufgelegt hat und nur umsteigen will, hat mit Sicherheit andere Präferenzen als der alsolute Newbie, der jetzt erst in die Materie einsteigt. Will einer lediglich das Filemixen als Hobby betreiben oder sind die Ambitionen höher, soll das Setup vielleicht im Verbund mit anderen funktionieren, all das will vor dem Einstieg erwogen sein.

Ein paar Grundsätze zur Vereinfachung der Entscheidung gibt es schon, so kann man wohl behaupten, das derjenige der jetzt erst mit der Mixerei anfängt sich getrost die Kosten und den Umweg über Plattenspieler sparen kann, während derjenige der umsteigt vielleicht mit der bislang ungeschlagenen Haptik von Vinyl, bzw. Controlvinyl eher kommod wird.
Sind die ersten Einstiegshürden geschafft wird man sicher schnell feststellen, das die Bedienung der Programme ohne entsprechenden Controller den Spaß gehörig einschränkt weil die Maus zuwenig gleichzeitiges Eingreifen ermöglicht. Als Controller muß es aber nicht unbedingt das neueste Schlachtschiff der Musikmesse sein, fast alles mit Midi kann dafür zweckentfremdet werden, meine ersten Versuche startete ich mit einem Oxigen8 Midikeyboard, das ich entsprechend belegte und seinerzeit durchaus seinen Dienst tat. Heute geht’s noch kleiner und billiger, neben den Klassikern von Behringer sind da in jüngster Zeit die Korg Nanos aufgefallen, die sich auch ideal zum Digitalauflegen eignen.
Bevor man sich damit aber an die Öffentlichkeit wagt, sollte man an seiner Performance arbeiten, nichts diskreditiert Digitalauflegerei mehr als nerdiges Monitorstarren. Durch den Wegfall des Beatmatchings bei Laptopsystemen fällt zwar einerseits eine ziemlich öde Tätigkeit des Mixens weg, aber die Zeit will ja trotzem möglichst unterhaltsam verbracht werden. Die Verleitung dann mit den ganzen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten Havoc anzurichten ist groß, bis zu 4 Decks, massig Effekte, Loopspielereien und eingebaute Sampler lassen da endlose Möglichkeiten alles zu verhunzen und zeugen nicht unbedingt von Können oder Beherrschung der Materie. Wer’s nicht glaubt, der nehme mal so eine Session auf, die sich, während man so richtig drin in der Effekthascherei ist, so genial anhörte. Ich sage nicht das es nicht lichte Momente gibt, aber das meiste wird sich in uninvolviertem Zustand eher grausam anhören und so hört das, machen wir uns nix vor, das Publikum eben auch. Bloß weil man das Setup nachgekauft hat macht einen das eben noch lange nicht zu einem zweiten Richie Hawtin. Wenn jeder mixen kann weil Skills wie Beatmatching wegfallen, desto wichtiger werden Skills wie Selektion und eben auch Originalität in Sets.
Im Gegensatz zum Vinylset ist bei der Digitalauflegerei viel mehr Vorbereitung notwendig, Tracks sollte man im Vorfeld analysieren und gegebenenfalls warpen, gridden oder wie auch immer das beim jeweiligen Programm genannt wird. Gleich geblieben ist, das man seine Tracks genau kennen sollte.
Hat man es dann vielleicht irgendwann geschafft den ersten Gig zu angeln, möchte ich noch mit auf den Weg geben, das man es tunlichst vermeiden sollte dem DJ der vor einem spielt ins Handwerk zu pfuschen, weil man sein Equipment an den Mixer anschliessen will. So wie das Mixen sollte man zuhause auch erstmal üben seine Geräte schnell und blind an das jeweilige Clubequipment funktionierend anzuflanschen, der Kollege vor einem kann nichts dafür wenn man das nicht drauf hat und regt sich zurecht auf, wenn man in die letzten Minuten seines Sets reingrätscht. Im Zweifelsfall sollte man schon vor der Öffnung des Ladens seine Gerätschaften anschliessen und durchtesten, damit allen peinliche Patzer und Panik schon vor dem eigentlichen Set erspart bleiben.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Wie war das noch mit dem Hawtin Fan Set… Neben Mixer und Controller gleich noch die passende Hawtin Gesichtsmaske am Start?! Na ich glaub man sollte sich zusätzlich selbst die Frage stellen, wie man überhaupt mixen will. Die Bandbreite reicht ja von old schoolig mit 2 Decks bis zur Hawtinschen (wobei ja eigentlich Liebing der erste mit 4 Decks war oder?egal!) ‘Rekontextualisierungsmethode’, also markante Stellen aus diversen Tracks rauspicken bzw. loopen und geschickt übereinander legen. Letzteres kann übel in die Hose gehen und will daher wirklich gelernt sein. Hab schon des öfteren den ein oder anderen Knöpfchendrücker (und das meine ich nicht abwertend) gehört und dabei einen nicht zu unterschätzenden Ohrenkrebs bekommen.

    Ganz wichtig finde ich noch: Mixen mit Ohren und Händen!! Kein Equipment kann einem das eigentliche Mixing abnehmen. Hab ich auch schon wie oft erlebt, dass diverse Plattenakrobaten versucht haben, die Tracks mit den Augen zu mischen… total verrückt das! Das Beatmatching hat in diesem Fall noch ganz gut funktioniert aber die Snare – zum Bleistift – war völlig deplatziert, so dass man sich als Lauschender schon son bissken am Kopf kratzen musste, weil die Schose etwas verquer rüber kam. Kann natürlich auch gewollt sein. Denn Equalizer oder diverse Filter sollte man auch schon bedienen können…

    Und zu den Tracks… ich glaube man sollte sich selbst nich die Blöße geben und die Charts der einschlägigen “Musikläden” (Beatport, Whatpeopleplay, Zero”, etc…) hoch und runter spielen. Das hat den unglaublich blöden Effekt, dass man bestimmte Tracks einfach nicht mehr hören kann, weil sie jeder Hempel tot spielt. Dabei gibt es sogar bei den Top Downloads (zumindest bei den Genres) den ein oder anderen Lichtblick. Ist zwar echt schwierig, sich durch den ganze Releaseflut zu kämpfen, bringt aber dennoch was… Tracks und Setkomposition eben… aber das wurde ja schon angesprochen.

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  2. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich den Komplettumstieg machen soll. Derzeit kombiniere ich CD & Vinyl mit dem Ziel, immer weniger Vinyl mitnehmen zu müssen, da ich a) nicht mehr bereit bin, für temporär verwendbare Musik so viel Geld zu bezahlen, wie man dies für eine 12″ tun muss und b) bleibt als großes Manko von Vinyl das Gewicht, die damit einhergehenden Transport-Probleme und natürlich c) die Gefahr der Beschädigung des Vinyl und den damit verbundenen Kosten bzw. dem Totalverlust rarer Tracks.

    Das Arbeiten mit 2 CD-Player + 2 Plattenspielern hat sich als äußerst komfortabel erwiesen, die neuen Tracks kommen aus dem Player, die Classics oder älterer Kram von Vinyl, so lange es noch keine digitale Kopie gibt. Ob man den Schritt zu einem kompletten digitalen Set-Up machen muss, liegt sicher auch an den Preferenzen des Einzelnen. Ich finde es z.B. wichtig, dass ein DJ Beatmatching beherrscht, sauber mixen kann. Auch wenn er dies schon heute von der “Maschine” erledigen lassen kann, sollten gerade Anfänger nicht auf das Erlernen dieser Grundkenntnisse verzichten. Das Können und Verstehen der Arbeitsprozesse gehören ganz einfach zur Grundausrüstung eines DJs. Schließlich sollte er wissen, was er/ sie da überhaupt tut.

    Schwer tue ich mich mit der Integration eines Laptop, da es extrem unsexy rüberkommt, wenn der Protagonist am Pult die ganze Zeit “E-Mails checkt”. Zudem merke ich schon bei der Umstellung auf CD, wie viel Vorarbeit jedes Set beinhaltet und man genau schauen muss, dass man nicht den Überblick verliert.

    Ebenfalls skeptisch sehe ich die “unbegrezten Möglichkeiten” beim digitalen Auflegen, stellt es sich doch im Cluballtag nicht selten so dar, dass DJs einen mit ihren “unbegrenzten Möglichkeiten” derart penetrieren, dass dadurch die Musik, der Tanz in den Hintergrund geraten.

    Mittelfristig ist der Umstieg auf digital sicher der richtige Weg und Einsteigern ist er definitiv (nicht nur) aus Kostengründen zu empfehlen. Dennoch rate ich jedem, der ernsthafte Ambitionen mitbringt, sich eingehend mit den grundlegenden Techniken zu beschäftigen und vor allem daran zu denken, dass ein übermäßiger Gebrauch von Effekten, Loops etc. die Musik nicht stützt sondern “killt”.

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  3. also ich muss sagen, dass ich der digitalen sache auch bis zum letzten jahr eher skeptisch gegenüber stand…kann aber nun sagen, dass ich traktor scratch nicht mehr missen mag…für mich ist es die perfekte adaption des analogen mixings im digitalen bereich…und ob ich nun platten in meinem 100′er case suche oder auf meinem rechner, kommt für mich auf’s gleiche…ich kann es nur jedem empfehlen

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