Thema der Woche 94: Der Bunker

Bunker also, nunja, ganz so mein Laden war das ja nicht. Als der Bunker 1992 aufmachte war ich noch unschlüssig was ich davon halten soll, aber die dicken Betonwände und Kabuffs auf den vielen Etagen hatten schon was. Nachdem auf zwei Etagen der Club eingeführt war überlegte man sich, was man mit den restlichen anstellen könnte um die horrende Miete wieder reinzuholen und ich kann mich noch an ganz absurde Konzepte erinnern, wie z.B einzelne Kabuffs zu vermieten, damit sich interessierte Raver dort einen Indoor Campingplatz bauen könnten. Dazu kam es allerdings nie, aber zumindest Paintball haben wir auf einer Etage dort öfter mal gespielt.

Ich weiß auch das hier eine ganze Szene ihre Sozialisation fand, allerdings mit Gabber und das fand ich für ein Jahr ganz lustig, dann aber auch irgendwann nur noch nervig. Anfangs, als Wolle XDP dort die ersten Parties schmiss, machte es mir auch noch wirklich Spaß stundenlang dieses Geschepper zu spielen, aber ich glaube hier war es auch zum ersten mal, das es mir tierisch auf den Sack ging die ganze Zeit einen Stil spielen zu müssen, weil das Publikum in totalitärer Ignoranz nichts anderes akzeptierte. Dazu kam noch die grottenschlechte Anlage, die einfach nur laut und schmerzhaft war. Als ich meine Gabberphase hinter mir hatte, fand ich es noch auf dem Erdgeschossfloor angenehm aufzulegen, hier konnte man sich wenigstens stilistisch austoben.
Aber am besten fand ich den Bunker zur Afterhour, wenn ich dort nicht auflegen mußte und sich auf den ausgelegten Strohsäcken die Fertigen vom Wochenende stapelten und sich surreale Situationen von selbst ergaben. Es gab da mal eine Afterhour nach der Loveparade, wo ich Leute in Zuständen sah, die ich bei denen noch nie erlebt hatte, Menschen die sonst gegen die zunehmende Verdrogung der Szene wetterten waren dermaßen derangiert, das sie mir nie wieder mit dem Thema kamen. Ich selbst habe da mal in einer Mischung von Druffness und Übermüdung Predatoren durch den Nebel auf mich zukommen sehen und am Ende waren’s doch nur die Feierfreunde mit dem versprochenen Drink. Ein anderes mal vertat ich mich im Stockwerk und starrte irritiert auf den SM Floor wo Menschen in Latex an Holzblöcke gefesselt waren und andere sich wie Hunde an der Leine herumführen liessen, dabei hatte ich mit der vertrauten Raverkulisse gerechnet, man kann sich meine Konsternierung sicherlich vorstellen.
Auch wenn ich meine Bunkerphase schnell beendet hatte muß man ihm einiges zugute halten, nicht nur das eine Menge Freunde dort arbeiteten, sondern eben auch die familiäre Szene die sich dort bildete, auch wenn die sich selber als die Technnoschmuddelkinder sahen, die Outcasts und Underdogs des Techno, die mit dem unkommerziellsten Sound von allen (was der Erfolg der späteren Thunderdome Compilations ein wenig absurd erschienen ließ), aber dieses Outsidergefühl braucht’s wohl für ordentlichen Gruppenzusammenhalt in Subkulturen. Und so tat es mir auch leid als der Bunker 1997 nach einer Razzia endgültig schliessen mußte, zwar hatte ich da schon lange mit dem Laden abgeschlossen, aber er war ja doch eine Institution des Berliner Nachtlebens und Keimzelle für vieles, sogar für das heutige Berghain, das im Grunde dort mit den Snaxparties anfing und der angeschlossene Ex-Kreuz Club die ersten Synergieveranstaltungen zwischen Techno, Kabarett und Kunst forcierte.

Kommentare (28) Schreibe einen Kommentar

  1. “Ich selbst habe da mal in einer Mischung von Druffness und Übermüdung Predatoren durch den Nebel auf mich zukommen sehen […]” Netter Blogeintrag. ;)

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  2. Cooler Beitrag! Wie auch vorher schon der Bericht über die “Scooter-DJs” von damals. Ich sehe, du setzt dich derzeit ein wenig mit der Vergangenheit auseinander. ^^

    Zu Bunker-Zeiten war ich noch ein wenig zu jung zum Weggehen. Aber ich habe noch ein paar -GN- Tapes von Sascha, Cut-X, Olli und so weiter hier, die ich über Ecken bekommen konnte. Müsste ich mal digitalisieren, höhöhö.

    Schade, dass ich den Club nicht wenigstens einmal erleben durfte. Ebenso wie dieses verloren gegangene Gefühl der Unity. Aber das bringt die Sache wohl mit sich, wie woanders auch.

    Beste Grüße aus Berlins Norden! :o)

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  3. Hach ja, der gute alte Bunker. Wir waren zwischen 93 und 95 trotz 300 Kilometern Anfahrt oft da. Manchmal haben Freunde von uns Live Act gemacht, manchmal sind wir nur zum Feiern hin.

    Der Reiz lag in der Atmosphäre. Während durch die Popularität der Loveparade ein Großteil der Clubszene von Leuten geflutet wurde, die noch kurz zuvor auf das “dämliche Bumm-Bumm-Bumm” geschimpft hatten, verirrten sich kaum welche von den Blümchen- und Scooter-Ravern in den Bunker. Der war ihnen zu laut, zu hart, zu brutal. Man hatte ja auch einen Ruf als “loudest club on earth” zu verteidigen (obwohl bereits 1993 das Ordnungsamt da war und Auflagen erteilt hat).

    Und dann noch der Ex-Kreuz-Club mit den Latex-Typen und der Domina am Eingang – da ist so mancher versehentlich hineingestolpert. Ich habe mich selbst mal da hin verlaufen und war völlig schockiert, als ich einen kleinen, dicken Mann in Latex-Hosen in einem Käfig hocken sah. Man rechnet ja mit vielem, aber mit sowas … :-D

    Ich erinnere mich aber auch noch daran, dass bei einem unserer letzten Besuche ein gewisser Herr Väth den unteren Floor beehrte – nicht als DJ, sondern einfach als tanzender Gast :-)

    Mittlerweile beherbergt der Bunker eine Kunstsammlung. Ich war neulich dort und fand die Ausstellung sehr gelungen. Bei der Renovierung hat man in manchen Ecken bewusst die alten Spuren der Club-Zeiten an den Wänden gelassen. Wer Lust auf Nostalgie hat, sollte sich das mal anschauen …

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  4. Ach ich habe da so viele lustige Sachen erlebt, den ollen Bunker will ich nciht missen. Ob nun Spontankennenlernen von ein paar Berlinern mit anschließendem Zaundurchmarsch und illegalem Aufenthalt im Ewerk und anschließend wieder zurück oder mal wieder die Orientierung wegen Strobo und Nebel verloren und dann mit voll Karacho vor die Dj-Theke gesemmelt (weil da war noch ein licht, musste also ein Ausgang sein), was ein kurzfristigen Ausfall der Musik zur folge hatte (mit nettem Tonabnehmer-über-Platte-Geschrebbel), nebst ein paar herzlich beschwingten Kommentaren von Inge an der Plattenkiste. Es gab da ja diese Shirt: Hardest Club of Europe…ich würde eher sagen fastest club of Europe (seinerzeit). Auc nett, wenn dann mal oben die Platten ausgingen und dann die von unten geholt wurden und auf 45+8 liefen. ;) Und Nein, es waren nicht nur Kaputte da. Auch Mittags auf dem Parkplatz davor Ravioli mit dem Bunsenbrenner zu erwischen war irgendwie skurril.

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  5. druff, druffer, bunker… freitags nach berlin, döner an der friedrichstrasse, sonnenuntergang, im tresor chillen, dann rüber und irgendwann montagmorgen wieder zu hause gelandet. vom dazwischen sind manchmal nur fragmente hängen geblieben. auf jeden fall ist es mir danach nur selten begegnet, so viel nebel mit so viel strobo in die fresse zu bekommen. schön. btw – heutzutage ist es ja geradezu lächerlich, wenn vier- fünfmal am abend auf die nebelmaschinentaste gedrückt wird – da hat ja jede dsds-show mehr nebel als ein tekknoladen!

    ich muss gestehen – der bunker war irgendwie … prägend.

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  6. es gab damals nichts adäquateres in der stadt. linientreu war die class-b-disse im westen, das exit irgendwie auch kein so dollet ding. im e-werk die yappies, im tresor die touris…der bunker war da einfach die loc. schlechthin, zumal (als privatparty) die tür-politik ne ganz andere war … die “schlechte anlage” die oben genannt wird kann ich nicht bestätigen, das kam dann eher drauf an, wer den hauptschalter an dem abend betätigt hat und damit auch den limiter. das djs mit dem roten bereich nix anzufangen wissen, is auch nicht neu…. ohne nebel-hebel wäre es auch anders gelaufen, daher waren 5-10 liter (1-2 kanister) pro abend keine seltenheit … der radiser hatte meist welchen im kämmerchen …

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  7. Also ich kann nur für den Bunker Dresden sprechen (war nur 1X in B.) warum warst du nie da? #formspring ;?

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  8. strobofeuer,dicker nebel,niedrige decken,waschmaschineninnenleben und gemüsewagen als sitzgelegenheiten dazu megadurchgeknallte typen und techno am extremsten limit….war ehrlich gesagt nicht so mein ding..aber,das lsd war gut ;o)

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  9. puh, lang ist`s her…
    Bunker war mir zu flach und zu anstrengend, von der Deckenhöhe und auch vom Sound, wir sind dann lieber in den Tresor oder ins E-Werk gegangen.

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  10. die musik war ja auch nicht so meins,

    aaaber die freiheiten die man dort hatte gabs damals im berliner nachtleben auch nicht mehr und nebel, strobo und tarnnetze vermisse ich heute auch. würde dem einen oder anderen club mal gut tun.

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  11. An diese Käfige erinnere ich mich auch noch. Da saßen immer einzelne Gestalten drin- entweder völlig weg und nahkomatös oder mit 100% Gesichtsdisco. Dann dieser Geruch, nach Kampf, Parfum und Pisse. Aber es passte irgendwie trotzdem alles zusammen. Morbidität und Härte, Anziehung und Aggression, alles komplementär, wie auch die Zeit, die Leute und die Stadt. War jedenfalls einer der Läden mit Charakter, wie etwa auch der Walfisch, das Vereinsheim..- eben Orte, denen erspart blieb, sich später in kommerziellen Abziehbildern zu entblöden.

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  12. Der Bunker war zur richtigen Zeit am rechten Ort. Die Partys waren einfach enorm.

    Erst Hardware mit Roland später dann Gabba und unten lief “schöne” Musike. Hab noch jede Menge Tapes für die Erinnrerungen.

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  13. btw. so sind eigendlich die strobos hin ? früher gab es nicht eine party ohne. heute find ich praktisch keinen club der noch welche benutzt! klar … hier und da hängen die noch an der decke aber genutzt werden die kaum noch :-( oder bin ich einfach nur in den falschen clubs ?

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  14. Ja, die Strobos vermisse auch ich. :( Die “hängen” wirklich nur noch rum – so wie der Grossteil der “Clubber” – und werden meistens dann eigesetzt wenns überhaupt nicht passt. :/ Aber passt schon zur derzeitigen ultra-langweiligen Club-”Kultur” … Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

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  15. Ich denke, ich weiss, was Nancy von Bunker heutzutage macht. Drogen scheint sie nicht mehr zu nehmen. Aber sie hat so ein Tattoo auf der Hand, wie es bei dem Film “Eastern Promises” zu sehen ist. Das ist ein Film über die Russische Mafia. Die tragen auch in Wirklichkeit diese Zeichen auf der Haut. Nach allem, was man so von Nancy gehört hat, kann ich mir schon vorstellen, dass sie da mitmacht. Das würde zu ihr passen! Vor allem hiess es, dass ihr 45 Jahre Knast drohten und sie dann trotzdem plötzlich völlig straffrei davon kam. Vor allem da einer der Zeugen dann irgendwie tot war… Da muss ja jemand seine Finger im Spiel gehabt haben, oder?
    Also, ich habe das mit dem Tattoo inzwischen von mehreren Leuten gehört, die sie gesehen haben. Wer weiss noch näheres darüber?

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  16. Schöne Storys hier. ^^

    Irgendwie bin ich wohl ziemlich spät im Bunker gelandet, dafür um so heftiger. *g*
    Angefangen hat ‘s bei mir mit ‘n paar Partys im Tacheles-Keller, der sich glaub “Massengrab” schimpfte (zumindest hat ‘n Kumpel mir dat Dingel so vorgestellt). Hab damals in ‘nem Pub gearbeitet, der ganz in der nähe war, und ging irgendwie noch voll auf Front und Nitzer Ebb ab, was damit dann vorbei war. ^^
    Zur Krönung gab mir der Barkeeper vom Tacheles dann noch ‘n Jauche-Tape, wat da grad lief … somit war ich gänzlich infiziert.
    Als der Keller dann zu war, schleppte mich besagter Kumpel dann ins Exit. Da waren wir aber nur ‘n paar mal. Hab auch kaum Erinnerungen an den Laden. Stand da nich irgendwie ‘n Heuwagen rum?
    Egal. War ziemlich peilig unterwegs.
    Tjoa, wat soll ich sagen … eines Tages schleppte mich Moni mit in den Bunker. Irgendwie schaffte sie es, Fati davon zu überzeugen, das ich ganz ok sei. Ich rannte damals noch wie ‘n Streifenhörnchen rum. Peinlich Peinlich. ^^
    Ab diesen Tag, gab es in meinen Augen keinen Laden, der es mit dem Bunker hätte aufnehmen können. Das war genau mein Ding. Die Räume und Ecken. Der Krach in Kombi mit dem Strobo und dem Nebel. Sonst nix … Gänsehaut! Und da war dann noch diese grüne Notausgang-Leuchte (welche seeehr oft meine letzte Rettung war)
    Ihr wollt nicht wissen, wie oft ich gegen ‘ne Wand gelatscht bin. -.-
    Den Tanith hab ich leider verpasst. Dafür bin ich da wohl wirklich zu spät aufgeschlagen. Schade eigentlich. :/
    Aber mit dem peiligen Würfler, und was da noch so auflegte, hatte man auch viel Spaß.
    Gefeiert hab ich eigentlich nur unten, es sei denn, ich mußte mal von ‘nem bösen Simpson runter kommen. Dann hab ich mir mal ‘ne halbe Stunde den GN-Wahn gegeben. Oh man. Freaks! ;)
    Einmal bin ich oben, bei den Gabbanauten, im Sessel eingepennt und wurde irgendwann von Fati geweckt … “Wir machen zu … mach keinen Ärger” … uaaahhh … wo sind meine Leute? Es war taghell draußen und ich hatte null bock auf S-Bahn!
    Naja … war dann doch noch ganz witzig … oO

    btw … hat jemand Pics von der Mash-Party ?

    Als der Bunker dann geschlossen wurde, haben wir es noch mit Tresor, WM66, Matrix I und II, sowie Elektrokohle probiert, aber dat war alles nix.
    Tresor war sicher ‘n geiler Laden, aber irgendwie hat ‘s nicht “funktioniert”.
    Fazit: Kurz nachdem der Bunker tot war, waren für mich/uns die Partys tot. Komische Sache …
    Hat nicht lange gedauert und ich hab den chemischen Freunden auch den Laufpass gegeben.
    Manchmal leg ich mir ‘ne alte Scheibe auf und mach die Augen zu … und dann sitz ick wieder auf ‘m Sofa im Nebenraum, oder auf ‘ner Waschmaschinentrommel mit dem Kopf an der Wand … und freu mich, das ick diesen Laden voll mitgenommen habe. ;)

    *seufz*

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  17. Wir sind auch heute noch eine Familie — nach der Schliessung war es sehr schwierig für die Berliner Hardcore Gemeinde. Ich bin froh das wir uns auch heute noch alle treffen , regelmässig Veranstaltungen machen und sich von der Inspiration der -GN_ ausgehend so viele neue Dj – Gruppen und auch das ein oder andere Label bildeten!

    ( für die Interessierten wie es heut so zugeht, oder wenn man in einer Sammlung alter Fotos stöbern, alte Bekannte wiederfinden möchte : https://www.facebook.com/groups/bunkerberlin/ und eine stetig wachsende Sammlung alter Bunker-Mixtapes gibt es unter http://www.mixcloud.com/BUNKER_Hardestclub/ )

    HAKKE

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  18. Jawolla der gute alte Bunker. Nach dem ersten Besuch wußte ich, warum Techno auch Tekkno geschrieben wurde. Ultimative Location, ultimative Musik, ultimative Leute.

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  19. Bei meinem ersten Bunker-Besuch mit gerade mal 20 bin ich an so nem Grüppchen 24-Loch Gabber-Punks vorbeigelatscht und hab’ hinter mir den einen zum anderen tuscheln gehört “kiek ma Alta, jetzt kommse schon zum sterben!”. loved it – still gives me warm and fuzzy feelings!

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