Flashmobs prosperieren

Die Sache gewinnt erstaunliche Dynamik, nach dem Spiegelartikel gestern hat sich wohl die Aufmerksamkeit potenziert. Groups und Blogs schiessen wie Pilze aus dem Boden und unvermeidliche Diskussionen kommen in Gang.

Das reicht von Regeln aufstellen wie:

Regeln zum Flash Mob
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Zu jeder Flash-Mob-Aktion gibt es einen genauen Plan mit Uhrzeit, Ort und Tätigkeiten. Davon unabhängig sollten die folgenden Grundregeln immer beachtet werden.

[i]1. Folge den Regeln Wort für Wort. Stelle keine Fragen. Solltest Du damit nicht einverstanden sein oder sie nicht befolgen wollen, nimm nicht am Flash Mob teil.

2. Jeder ist willkommen, der sich an die Regeln hält.

3. Petze nicht der Polizei/Behörden.

4. Nicht vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt versammeln.

7. Nach der Aktion sofort verschwinden und nicht einfach in der Gegend stehen bleiben.

8. Keine Fotos oder Videoaufnahmen. Wer es sehen will muß hinkommen.[/i]

bis zu Debatten wann und wie oft in einer Stadt ein Flashmob stattzufinden darf und ob ein Zuviel die Sache totlaufen läßt.
Was mich dabei stört ist der offensichtliche Versuch die Sache typisch deutsch zu regeln und zu reglementieren. Was spricht dagegen, wenn in einer Stadt wie Berlin täglich irgendwelche Flashmobs stattfinden und am Ende ein, hoffentlich freundlicher, Wettkampf um die aufsehenerregenste Aktion, die ausgefallenste Örtlichkeit, die abstruseste Idee, die unmöglichste Zeit entbrennt. Muß es denn immer nur um die Größe der Ansammlung gehen. Mich deucht, da wollen irgendwelche das Heft in die Hand nehmen und das bisschen Aufmerksamkeit, das es dabei zu verdienen gibt, auf sich lenken, Weltenlenker im Kleinformat. Mir geht dabei das spaßige, guerillahafte, dadaistische verloren. Ich fände es viel erbaulicher, wenn das Phänomen dezentraler gehalten würde. Wenn z.B. innerhalb eines Tages 20 oder 30 Flashmobs vom Alex bis zum Kudamm passieren würden. Und natürlich läuft sich die Sache irgendwann tot, aber muß denn gerade sowas für die Ewigkeit bestimmt sein? Viel interessanter ist doch, was passiert aus der Sache, was für Variationen entstehen.
Gerade aktuell z.B. ist der aufkeimende Streit um den ersten Berliner Flashmob, der zum 1. August geplant war, nun hat wohl ein anderer die Losung ausgegeben, das am 31.7 schon einer ist und jene, die den 1.8. ausbaldowert hatten, schreien auf, das das Blödsinn wäre, man hätte jetzt den 1.8. ausgemacht, basta. Man hat anscheinend Angst darum, das man nicht mehr “erster Berliner Flashmob” drunterschreiben kann. Ich denke die Sache soll sinnlos sein, wenn’s dann aber schon wieder um den Titel Erster geht, dann kann das mit der Sinnlosigkeit wohl nicht so ganz hinhauen.
Überhaupt ist Berlin reichlich spät dran, in Linz z.B. war’s heute soweit und eine [url=http://conspir.antville.org/stories/464427/]Videodokumentation[/url] ist auch schon im Netz. Wenn’s nach den oben genannten Regeln geht, also schonmal Verrat. Scheint eine nette, wenn auch kleine Sache gewesen zu sein, aber hey, die Loveparade hat auch mal klein angefangen! ;-)
Schön passend finde ich übrigens die Untermalung mit Vanguard’s Flashversion.

Um so mehr ich über die eigentlichen Flashmobs allerdings nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee, weil sie so zeitgemäß ist, gibt es nicht hierzulande fast 5 Millionen Arbeitslose, die gut Zeit für solche Späße haben? Die Kostenlosmentalität kommt auch voll zum Zuge und ich stelle mir die Gesichter hinter den allgegenwärtigen Überwachungskameras vor, wenn plötzlich ein Flashmob an brisanter Stelle zusammen kommt, aber schon wieder weg ist, wenn die Polizei eintrifft. Gerade dieser Aspekt spricht doch für Dezentralismus. Meine Herrn, wie man die damit scheuchen kann! Aber gerade die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens macht mir die Sache am meisten sympathisch, in Zeiten wo alles auf seinen Sinn, die Zweckmäßigkeit und seinen Wert hin abgeklopft wird, ist so eine Sache nur aus Spaß an der Freud erfrischend.
Natürlich sind auch gleich wieder die Mäkler am Start und so kann man bereits lesen, das einige jetzt schon davon abgenervt sind, weil Hype. Hype ist per se bäh, steht man drüber und verachtet, so rein reflexmäßig schonmal. Kenne ich aus der Musik, kaum hat’s ein anderer entdeckt, oder schlimmer noch andere, dann heißt es sich abwenden, ist nämlich nicht mehr avantgarde, sondern pöbel, also Mob. [i]Hm, tja, paßt also[/i]. Mit solchernen ist aber wirklich kein Staat zu machen, ist das nicht nur fettärschige Bequemlichkeit, wenn man Sachen gestern noch interssant gefunden hätte, aber heute wo es Butter bei die Fische heißt negiert, weil das andere auch schon entdeckt haben? Spaßbremsen.
Ich kann leider nicht beim offiziellen ersten Flashmob Berlin’s dabei sein, da ich in die Schweiz muß, aber beim nächsten werde ich hoffentlich anwesend sein können um mir ein Bild von der Sache zu machen.

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