Thema der Woche 169: Schliessung ICON und die Auswirkung auf die Berliner DnB Szene

Natürlich ist das mehr als traurig das ein weiterer Club aus dem Prenzlberg verschwindet, zumal einer mit solch einer Historie. 15 Jahre hat das Icon hier überstanden und das obwohl es nie mainstreamig war, sondern als Bastion der etwas anderen Geschmäcker galt. Sei es Drum & Bass oder auch die ravigeren Sachen auf den Freitag und auch Dubstep hatte in den letzten Jahren ein zuhause dort. Ich habe da viele Nächte Breaks aufgelegt, lang ist es her und das Kellergewölbe erinnerte mich immer an englische Clubs in denen ich gespielt hatte, so mit dem Backsteininterieur und der Aufteilung, von daher passte es natürlich bestens das dort auch die eher englischstämmigen Styles heimisch waren.
Das ganze Hin und Her bis zur Schliessung war ja auch ein Debakel, wie ich es keinem Clubbesitzer wünsche und doch ist das nicht nur hier fast Tagesordnung. Gegenüber wird ein Neubau aufgezogen, natürlich hochpreisig, ein Käufer der überteuerten Eigentumswohnung beschwert sich über den Lärm- nicht aus dem Club, denn da war nichts zu hören, sondern über die Leute die in den Club rein wollten, alleine schon die Schlange davor ist solchernen schon ein Dorn in der Nachtruhe, man beschwert sich bei der Politik die willfährig statt gibt, was sich später als nicht rechtens erweist, der Club darf weiter aufbleiben und vielen anderen ergeht es noch schlechter, nämlich indem in nächster Instanz doch wieder anders entschieden wird wie beim Duncker Club oder gleich verkauft wird, wie jetzt beim Klub der Republik. Welcher sonstige Unternehmer hätte Bock auf solche Unsicherheiten? Für Clubs und deren Macher ist das Alltag und ich kann jeden verstehen der dann irgendwann entnervt aufgibt, weil man gerne Planungssicherheit hätte und in der Nachbarschaft zumindest gerne gelitten wäre.
Das sich die beiden Macher dann rechtzeitig ein zweites Standbein mit dem Gretchen Club geschaffen haben ist daher völlig verständlich, so das es sicher nicht so weh tat als man dann ein Jahr später doch die Schotten dicht machte, weil der Vermieter dann nicht mehr wollte.
Was das für die Berliner Drum & Bass Community bedeutet weiß ich nicht wirklich, dazu habe ich da zu wenig Einblick, aber ich kann erahnen das die Aussicht nicht gerade aufhellt wenn der einzige Club der samstags noch regulär wöchentlich Drum & Bass im Programm hat schliesst. Immerhin scheint man aber nicht ganz auf dem Trockenen zu sitzen wenn ich mal in keepitrollin, dem Berliner Forum der Freunde des gebrochenen Beats, schaue und das Gretchen will ja auch nicht ganz auf auf Drum & Bass verzichten, von daher dürfte auch nicht alle Hoffnung fahren gehen – hoffe ich mal. Aber vielleicht liest das ja einer aus der COmmunity und kann noch näheres zur Stimmung sagen.
Einen passenderen Zeitpunkt für dieses Thema der Woche konnte es übrigens gar nicht geben, denn zeitgleich wird bekannt, das auch der Klub der Republik in der Pappelallee zum Monatsende seine Pforten wird schliessen müssen, aber ganz kampflos will man auch da nicht weichen und deshalb findet am Donnerstag vor dem KdR in der Pappelallee 81 eine Kunstperformance statt

Leider clashen da die Termine, denn gleichzeitig findet am Köthener Platz der a2n Salon mit hochkarätiger Besatzung statt, Thema:
Reicher und trotzdem sexy? ?Musik, Clubkultur und Gentrifizierung – Berliner Clubmacher treffen im Rahmen des a2n_salon auf die neu gewählten politischen Player.

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kenne niemanden, der diesen KdR freiwillig betreten hat und heule diesem Ostalgie-Loch auch keiner Träne nach! Das ganze Konzept der DDR-Glorifizierung ist in Sachen geschichtlicher Aufklärung mit Sicherheit ein Schuss nach hinten! Und bei aller Trümmersucht der heutigen Kaltkriegs-Nachfolgegeneration darf man vielleicht mal fragen: Was ist bitte an diesem Nach45 Notbau erhaltungswürdig? Ich finde diesen rein gequetschten Würfel widerlich! Sorry … Bagger marsch.. irgendwann muss es ja auch mal weitergehen ..!

    Um das ICON tuts mir wirklich Leid!

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  2. @tanith
    nice piece

    @franck,
    sorry mate but one of the bedrocks of a healthy club culture, is variety, and tolerance of aspects that may not be your thing is also an essential ingredient . we are all in the same boat here buddy ! what was it that Martin Niemöller wrote ? “first they came for the communists ….”

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  3. Das dürfte unter all den wirren Internet-Diskussion dann doch diejenige sein, die am schnellsten Godwin’s Law belegt – schon Kommentar #2 bringt eine Nazi-Analogie über Eck! Man mag vom KdR halten, was man will, aber dieses Pathos inkl. den üblichen Standards “Weissagung der Cre” und Todesanzeige macht den Protest zumindest mir eher unsympathisch.

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  4. @Frank Eck

    DDR-Glorifizierung? Anscheinend bist Du Westberliner oder noch zu jung und Dir fehlt der Background.

    In Berlin findet man kaum noch was von der DDR – außer 3 Wachtürmen, paar Mauerblöcken und einem ziemlich miserablen Museum.

    Wenn’s nach Dir ginge, dann würdest Du auch noch den Fernsehturm, Marx/Engels, Sowjetdenkmal usw. abreißen hm?

    Wenn man das heutige Berlin mit dem aus den 80ern vergleicht (Ost UND West), dann kommt einem nur noch das große HEULEN!!!

    Es hat sich eindeutig alles ins Negative entwickelt… sowohl musikalisch als auch von den Leute her.

    Für mich ist Berlin nur noch eine gesichtslose kriminelle Großstadt unter vielen, sorry.

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  5. @Alex ….pooaar Du sprichst mir sowas von aus der Seele.
    ikk bin kayn Bärliner und….ich bin verdammt stolz drauf !
    DAS was Berlin mal ausgemacht hat, nämlich eine creative, weltoffene, sich immer wieder neu erfindende Meute an Menschen…ist ersetzt worden durch dumme oberflächliche Toolroomkiddis die keta und ice als die Erfüllung des Nigthlife sehen. Ich wurde hier mal vor einiger Zeit gefragt, warum ich bei Unworten und Schimpfworten “Berlin” benutzte. BERLIN ist für mich einer der Worte die ich “Webdesigner”, “DJ”, “Producer” gleichsetze. Früher war ich stolz drauf in Berlin zu feiern. Heute wollt ich da nicht mal mehr tod übern Zaun hängen. Kalt-dreckige leuchtende Stadt voller Spasszombies der Neuzeit. Nein danke!

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  6. “Kalt-dreckige leuchtende Stadt voller Spasszombies” … da wird man ja direkt wehmütig darüber nicht mehr wegzugehen – wenn es so geil is gerade!

    Meine Ironie soll sagen: “Ich denke in Berlin gibt es nach wie vor geile Ecken und Chancen. Die Stadt jetzt schon totzureden ist Quatsch.”

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