Thema der Woche 175: Berlin vs. Frankfurt: Der ewige Clinch gestern und heute

Wenn es diesen Clinch tatsächlich mal außerhalb diverser Szenemedien gegeben hat, dann ist er doch längst entschieden, schliesslich wohnen nicht wenige der Protagonisten des einstigen Gerangels um die Techno Hauptstadt mittlerweile in Berlin.
Ursprünglich ging es ja mal darum das Frankfurt dachte sie hätten Techno, wenn schon nicht erfunden, so doch wenigstens als erste gehabt und von daher per se das Anrecht auf den Titel der Techno Hauptstadt, dann verdichteten sich aber die internationalen Berichte darüber wie Techno Berlin sei, wobei gerne und oft aus Gründen mit dem Titel Hauptstadt kokettiert wurde, worauf Frankfurt’s fast schon schwäbische Antwort war, das in Berlin gefeiert, in Frankfurt aber gearbeitet würde. In Folge griff das ein frisch zugezogener Frankfurter auf um daraus in seinem Blatt Frontpage weiter zu polarisieren, was man in Frankfurt’s Technokreisen nur zu gerne aufnahm. Es gab dann die Überlegung ob man den Diss nicht noch Richtung Alter der DJs in Berlin biegen könnte, allerdings stellte man dann mit Blick auf z.B. Dag fest das das auch nicht hinhauen würde. Klingt jetzt alles viel drastischer als ich es empfunden habe, das lief eigentlich alles im Rahmen einer ziemlich fairen und sportlichen Kebbelei mit Augenzwinkern ab, zumindest ist mir nicht bekannt das es Stadt- oder Auflegeverbote von der einen oder anderen Seite gegeben hätte und spätestens zur Loveparade waren dann doch wieder alle vereint am feiern.
Nun, alle Arbeit hat da bekanntlich nix genutzt, mittlerweile läßt sich allein schon an der Club, Label und Artistdichte wenig dran rumdeuten wer den Titel langfristig ergattert hat. Was natürlich nicht bestreiten will und kann, das man sicherlich auch in Frankfurt nach wie vor ordentlich feiern und leben möglich ist, nur eben halt in kleinerem Rahmen, da hilt auch kein Verweis auf kleinere Größen und Prozentrechnung.
Wo der Clinch heute liegen soll erschliesst sich mir daher nicht so recht, soweit ich das beurteilen kann leben beide Städte doch in harmonischer Symbiose, zumindest was den Austausch angeht und die hierher gezogenen Frankfurter fungieren ja auch als vermittelnde Botschafter. Natürlich gibt es gewachsene Unterschiede, die aber weit weniger gravierend sind als es vielleicht noch in den 90ern der Fall gewesen sein mag. Ich kann da also keinen Clinch mehr erkennen, denn auch die Fehde von damals war ja eher eine spielerische, was natürlich einige FANatiker nicht davon abhielt die Sache verdammt ernst zu nehmen, aber wer keinen Spaß versteht hat halt auch keinen, mein Mitleid hält sich da in Grenzen.

Kommentare (204) Schreibe einen Kommentar

  1. @ Redaktion !!! Voran: keine email Adresse veröffentlichen! Nur Pseudonym!
    (B_F soll heute abend für Berlin Frankfurt wirken)

    Es ist viele Jahre(eher -zehnte) her, als ich dies als tatsächliche Diskussion erlebte (frontpage na klar – sogar gesammelt). Ich lebe als exilberliner sehr lange Zeit in ffm. Eine sehr tolle, vielseitige und interessante Stadt, wohin es selbst in der Nachfolge von max hollein den einen angesehen berliner Kurator ins Exil getrieben hat. Ja, ffm hat Kunst. Grosse Kunst. Nun aber zur elektronischen kunst: die museumsdiskussion ffm vs berlin ist sehr anreichernd und förderöich. die Clubs jedoch sind nicht mal mittelmäßig. Dies mag nicht an den Clubs liegen, eher am tanzenden und weniger zuhörenden Publikum. Was für ffm auch ok ist. Einen Vergleich zu Berlin mag ich nicht ziehen, aber ich würde einen sehr grossen Wunsch äußern wollen. Die prägendste Person der letzten mehr als 25 Jahre mal einmal am Set tanzend zu erleben – in ffm!
    Es war 93 im exit, das erste mal mit Mo und Disko hab ich tanith erleben dürfen. Dann das aus und ich hab dich persönlich noch fragen dürfen, wo es weiter geht – ich war jung und es hat mir viel bedeutet sowie später musikalisch geprägt. Walfisch, ewerk und sowieso Tresor hießen die Orte….
    Dann kamen die Paraden und die immer polarisierenden, weit vorandenkenden Ideen, Panzer, Boot und für mich “unmelodische breakbeats” – dann neue treibende klänge. Immer der zeit voran und später pausierend, an dem guten mir so wichtigen vinyl festhaltend vice versa dann in dem Wandel im richtigen Moment auch wechselnd, wie von Tabak zu e-Zigarette – und vinyl zu mp3. Und alle Veränderungen haben den menschen tanith und die musik weiter sich entwickeln lassen. Ich verfolge diesen Stil, diese Ideen, diese kompositionen, diesen mix aus alten digitalisierten platten und diese begeisternden neuen beats sehr. Leider aus der Ferne…. Kann tanith in ffm auflegen? Kann ein Punk und geb Nordhesse auch in Südhessen auflegen? Ich könnte mir vorstellen, in einem ex punkclub in ffm, sehr klein – wäre doch urst juut. … und jemütlich treibend.
    Hut ab für dieses Lebenswerk!
    Bitte lass mich mit ein zwei Freunden dies erleben dürfen.
    Auf ein Kunstwerk!
    Bis irgendwann
    B_F

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  2. PS, habe Sven väth nach seiner Goethe Medaille erleben dürfen in seinem “heimpark” – sehr geil. Und ich vermute, er ist auch inzwischen aufgeschlossener zu gemeinsamer Musik.

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  3. Euer Globus abend stimmt mich aus der ferne fröhlich, klingt nach bewährter Berliner Leichtigkeit u Offenheit sowie “lässigkeit”. Mal einmal stadtkind in ffm zu hören wäre mega und vor allem ein regelmäßiger Wechsel an den tables noch mehr (ohne keller). Dazu die Vorstellung, ihr beginnt einfach mal im mittelraum (ich wiederhole mich, das Publikum kennt eh keinen), und dann bei größter Begeisterung Mukke aus…. Wechsel in den grossen Saal. Mehr raumklang und weiter.
    Schade, dass ich kein Veranstalter bin… Aber sollte dieser abend kommen, vergiss mich bitte nicht. Bin dabei mit einigen Freunden, die sicher extra einfliegen…
    Sehr schöner Gedanke…

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